Manche brauchen LTE, weil sie auf dem Land sonst nur über ISDN ins Internet gelangen – mit entsprechend geringen Datenraten. Andere werden das Mobilfunknetz der vierten Generation unbedingt nutzen wollen, denn ein Test des ersten LTE-Smartphones in Deutschland zeigt, wie schnell der Geschwindigkeitsrausch süchtig macht.

Allerdings hat es die Bundesnetzagentur den Mobilfunkanbietern zur Auflage gemacht , zunächst Ortschaften mit weniger als 5.000 Einwohnern mit LTE zu versorgen, dann Ortschaften mit 5.000 bis 20.000, später mit 20.000 bis 50.000 und schließlich Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern.

Doch auch in den Metropolen des Landes dürften viele auf LTE warten. Denn selbst in Städten mit offiziell guter UMTS-Versorgung und dem Datenturbo HSPA , der Downloads mit 7, 14 oder gar 21 Megabit pro Sekunde verspricht, ist die reale Datenrate oft deutlich geringer. Der Grund: Sämtliche Nutzer einer Mobilfunkzelle teilen sich die Kapazität. Bei der rasant steigenden Verbreitung von Smartphones bleibt da für den einzelnen oft nur wenig übrig. Wer aber allein für seine Datenoption bis zu 25 Euro monatlich zahlt, will auch Tempo. Und die Netze sind bereits überlastet.

Im Gegensatz zu HSPA lässt sich LTE erheblich besser auslasten. Es ist sozusagen intelligenter, die Kapazitäten können schneller und effektiver unter den Nutzern verteilt werden. Nach ersten Erfahrungsberichten bleiben beispielsweise bei 70 bis 80 Teilnehmern in einer LTE-Zelle von den ursprünglichen 50 Megabit pro Sekunde für den Einzelnen zwischen zwölf und 15 Megabit pro Sekunde übrig. Das reicht, um selbst bildlastige Webseiten in wenigen Sekunden zu öffnen oder YouTube-Videos zu starten.

Derlei wird T-Mobile , Vodafone & Co. mit HSPA kaum gelingen, selbst wenn sie die nominalen Kapazitäten noch weiter in die Höhe treiben sollten. LTE bewahrt die mobilen Datennetze vor dem Erstickungstod. Abgesehen davon hat die Bundesnetzagentur bei der Vergabe der LTE-Frequenzen eine weitere Auflage gemacht : Bis Anfang 2014 müssen mindestens 25 Prozent und bis Anfang 2016 mindestens 50 Prozent der Bevölkerung mit LTE versorgt sein. Quoten, die ohne Großstädte kaum zu erfüllen sind.

Das HTC Velocity 4G überzeugt im Test

Am 1. März nun bringt Vodafone das erste LTE-Smartphone auf den deutschen Markt: das HTC Velocity 4G. Und das überzeugt auf Anhieb: Nach einer Stunde mit dem Velocity, einem überraschend dünnen und vergleichsweise leichten Gerät, mochte der Tester sein altes Mobiltelefon nicht mehr verwenden.

Im Hauptquartier von Vodafone in Düsseldorf , in dem LTE zur Verfügung stand, wurden mit dem HTC selbst 50 Megabit pro Sekunde mitunter leicht übertroffen. Surfen mit dem eigenen Smartphone mit HSPA wirkte dagegen wie eine gemächliche Rheinpartie im Ausflugsdampfer. Es mag schwer nachvollziehbar sein, dass man sich so unglaublich schnell an die teilweise fast verzögerungsfreie Darstellung von Internetinhalten gewöhnen kann – möglicherweise muss man es selbst erlebt haben. Ob LTE in einer beliebigen Stadt oder auf dem Land letztlich genauso schnell ist wie in der sicherlich etwas idealisierten Umgebung des Vodafone-Sitzes mit vergleichsweise wenigen Nutzern, ist aber natürlich nicht sicher.

Die Bedienung des HTC Velocity 4G gestaltet sich dank des Betriebssystems Android 2.3.7 einfach, die vom Hersteller darübergelegte Oberfläche Sense 3.5 sorgt für zusätzlichen Komfort. Verknüpfungen und Mini-Apps, sogenannten Widgets, können beliebig auf den sieben Startbildschirmen platziert werden. Besonderer Clou: Diese Startbildschirme lassen sich über die Einstellung Szenen auf einen Schlag austauschen, inklusive sämtlicher Ansichten. Auf diese Weise kann das Telefon je nach Situation vollkommen unterschiedlich konfiguriert werden, also etwa für Arbeit, Privat, Wochenende oder Ausland.

Teurer Spaß

Praktisch ist auch, dass sich vier beliebige Apps direkt aus dem gesperrten Touchscreen heraus starten lassen, einfach indem das betreffende Symbol in den Halbkreis zum Entriegeln am unteren Bildrand gezogen wird. Das macht den Zugriff auf wichtige Anwendungen noch einmal schneller. Irgendwelche Haken oder Ösen ließen sich im ersten Praxistest des Velocity nicht ausmachen.

Das Gerät verfügt über eine 8-Megapixel-Kamera, ein 11,43 Zentimeter großes Display und 16 Gigabyte Speicher, die per Micro-SD-Karte erweitert werden können

Billig wird der Spaß allerdings nicht, so ist es mit jeder neuen Technologie. Zehn Euro pro Monat ruft Vodafone allein für LTE auf. Das klingt noch vertretbar, zumal andere Netzbetreiber Gerüchten zufolge von 20 Euro und mehr träumen. Der Haken: Vodafone koppelt LTE an zunächst nur zwei Tarife, die "Super Flat Internet Plus" für knapp 45 Euro monatlich und die "Super Flat Internet Allnet", die knapp 85 Euro kostet. Beide Tarife erfordern den Abschluss eines Neuvertrages mit einem neuen Handy, für dessen Subventionierung weitere zehn Euro pro Monat fällig werden. Macht unterm Strich 65 respektive 105 Euro monatlich.

Das HTC Velocity 4G selbst wird vermutlich knapp 200 Euro kosten, den exakten Verkaufspreis hat Vodafone noch nicht bekanntgegeben.