LTE-TechnikHTC im Geschwindigkeitsrausch

Mit dem HTC Velocity 4G beginnt die vierte Mobilfunkgeneration LTE in Deutschland. Ein Test gibt einen Vorgeschmack auf das mobile Surfen in der nahen Zukunft. von Lutz Herkner

Das HTC Velocity 4G wird das erste LTE-Smartphones in Deutschland.

Das HTC Velocity 4G wird das erste LTE-Smartphones in Deutschland.  |  © HTC

Manche brauchen LTE, weil sie auf dem Land sonst nur über ISDN ins Internet gelangen – mit entsprechend geringen Datenraten. Andere werden das Mobilfunknetz der vierten Generation unbedingt nutzen wollen, denn ein Test des ersten LTE-Smartphones in Deutschland zeigt, wie schnell der Geschwindigkeitsrausch süchtig macht.

Allerdings hat es die Bundesnetzagentur den Mobilfunkanbietern zur Auflage gemacht , zunächst Ortschaften mit weniger als 5.000 Einwohnern mit LTE zu versorgen, dann Ortschaften mit 5.000 bis 20.000, später mit 20.000 bis 50.000 und schließlich Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern.

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Doch auch in den Metropolen des Landes dürften viele auf LTE warten. Denn selbst in Städten mit offiziell guter UMTS-Versorgung und dem Datenturbo HSPA , der Downloads mit 7, 14 oder gar 21 Megabit pro Sekunde verspricht, ist die reale Datenrate oft deutlich geringer. Der Grund: Sämtliche Nutzer einer Mobilfunkzelle teilen sich die Kapazität. Bei der rasant steigenden Verbreitung von Smartphones bleibt da für den einzelnen oft nur wenig übrig. Wer aber allein für seine Datenoption bis zu 25 Euro monatlich zahlt, will auch Tempo. Und die Netze sind bereits überlastet.

Im Gegensatz zu HSPA lässt sich LTE erheblich besser auslasten. Es ist sozusagen intelligenter, die Kapazitäten können schneller und effektiver unter den Nutzern verteilt werden. Nach ersten Erfahrungsberichten bleiben beispielsweise bei 70 bis 80 Teilnehmern in einer LTE-Zelle von den ursprünglichen 50 Megabit pro Sekunde für den Einzelnen zwischen zwölf und 15 Megabit pro Sekunde übrig. Das reicht, um selbst bildlastige Webseiten in wenigen Sekunden zu öffnen oder YouTube-Videos zu starten.

Derlei wird T-Mobile , Vodafone & Co. mit HSPA kaum gelingen, selbst wenn sie die nominalen Kapazitäten noch weiter in die Höhe treiben sollten. LTE bewahrt die mobilen Datennetze vor dem Erstickungstod. Abgesehen davon hat die Bundesnetzagentur bei der Vergabe der LTE-Frequenzen eine weitere Auflage gemacht : Bis Anfang 2014 müssen mindestens 25 Prozent und bis Anfang 2016 mindestens 50 Prozent der Bevölkerung mit LTE versorgt sein. Quoten, die ohne Großstädte kaum zu erfüllen sind.

Das HTC Velocity 4G überzeugt im Test

Am 1. März nun bringt Vodafone das erste LTE-Smartphone auf den deutschen Markt: das HTC Velocity 4G. Und das überzeugt auf Anhieb: Nach einer Stunde mit dem Velocity, einem überraschend dünnen und vergleichsweise leichten Gerät, mochte der Tester sein altes Mobiltelefon nicht mehr verwenden.

Im Hauptquartier von Vodafone in Düsseldorf , in dem LTE zur Verfügung stand, wurden mit dem HTC selbst 50 Megabit pro Sekunde mitunter leicht übertroffen. Surfen mit dem eigenen Smartphone mit HSPA wirkte dagegen wie eine gemächliche Rheinpartie im Ausflugsdampfer. Es mag schwer nachvollziehbar sein, dass man sich so unglaublich schnell an die teilweise fast verzögerungsfreie Darstellung von Internetinhalten gewöhnen kann – möglicherweise muss man es selbst erlebt haben. Ob LTE in einer beliebigen Stadt oder auf dem Land letztlich genauso schnell ist wie in der sicherlich etwas idealisierten Umgebung des Vodafone-Sitzes mit vergleichsweise wenigen Nutzern, ist aber natürlich nicht sicher.

Die Bedienung des HTC Velocity 4G gestaltet sich dank des Betriebssystems Android 2.3.7 einfach, die vom Hersteller darübergelegte Oberfläche Sense 3.5 sorgt für zusätzlichen Komfort. Verknüpfungen und Mini-Apps, sogenannten Widgets, können beliebig auf den sieben Startbildschirmen platziert werden. Besonderer Clou: Diese Startbildschirme lassen sich über die Einstellung Szenen auf einen Schlag austauschen, inklusive sämtlicher Ansichten. Auf diese Weise kann das Telefon je nach Situation vollkommen unterschiedlich konfiguriert werden, also etwa für Arbeit, Privat, Wochenende oder Ausland.

Praktisch ist auch, dass sich vier beliebige Apps direkt aus dem gesperrten Touchscreen heraus starten lassen, einfach indem das betreffende Symbol in den Halbkreis zum Entriegeln am unteren Bildrand gezogen wird. Das macht den Zugriff auf wichtige Anwendungen noch einmal schneller. Irgendwelche Haken oder Ösen ließen sich im ersten Praxistest des Velocity nicht ausmachen.

Das Gerät verfügt über eine 8-Megapixel-Kamera, ein 11,43 Zentimeter großes Display und 16 Gigabyte Speicher, die per Micro-SD-Karte erweitert werden können

Billig wird der Spaß allerdings nicht, so ist es mit jeder neuen Technologie. Zehn Euro pro Monat ruft Vodafone allein für LTE auf. Das klingt noch vertretbar, zumal andere Netzbetreiber Gerüchten zufolge von 20 Euro und mehr träumen. Der Haken: Vodafone koppelt LTE an zunächst nur zwei Tarife, die "Super Flat Internet Plus" für knapp 45 Euro monatlich und die "Super Flat Internet Allnet", die knapp 85 Euro kostet. Beide Tarife erfordern den Abschluss eines Neuvertrages mit einem neuen Handy, für dessen Subventionierung weitere zehn Euro pro Monat fällig werden. Macht unterm Strich 65 respektive 105 Euro monatlich.

Das HTC Velocity 4G selbst wird vermutlich knapp 200 Euro kosten, den exakten Verkaufspreis hat Vodafone noch nicht bekanntgegeben.

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Leserkommentare
  1. ...und was ist mit der Strahlung?
    Ich denke mal dass das Handy im LTE-Modus eine wesentlich höhere Strahlung freisetzt als im GPRS, EDGE Betrieb.

    Warum wird darauf im Artikel nicht eingegangen? Ist die Strahlung nun gefährlich für den menschlichen Organismus oder nicht? Im Internet gibt es zig Studien die entweder das Eine oder das Andere beweisen, da weiss man garnicht was man glauben soll. 

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    • a.bit
    • 22. Februar 2012 12:28 Uhr

    Das ist natürlich eine unverzeihliche Auslassung. Es hätte unbedingt im Artikel stehen müssen "Zeit-Online Leser-Kommentator 'Dr. Günther' denkt mal, dass das Handy im LTE-Modus eine wesentlich höhere Strahlung freisetzt als im GPRS, EDGE Betrieb."

    Hätten Sie die Güte, den wenigen Kommentarlesern Ihre Gedanken nachvollziehbar zu machen?

    • thekork
    • 22. Februar 2012 13:07 Uhr

    Funkkommuikation setzt keinerlei "Strahlung" frei!
    Es handelt sich hierbei um elektromagnetische Wellen / Wechselfelder. Ob diese eine Auswirkung auf den menschlichen Körper haben, bwz. ob diese Auswirkung in irgendeiner Art schädlich ist, ist tatsächlich weder bewiesen noch wiederlegt, aber von "Strahlung" zu sprechen ist nichts weiter als unseriöse Panikmache.

    .. das die elektromagnetischen Wellen (nicht Strahlung!) keinerlei Auswirkung auf den Menschen haben. Es gibt keine Studie, die das Gegenteil beweist, dafür aber viele Studien, die dies endgültig beweisen.
    Desweiteren hat eine neue Übertragungstechnik grundsätzlich nichts mit einer erhöhten Sendeleistung zu tun, sondern wie bei UMTS auch werden einfach andere Übertragungsfrequenzen und -techniken benutzt.

    Wenn Sie sich vor elektromagnetischen Wellen (die sie fälschlicherweise als Strahlung bezeichnen) schützen wollen, dann tragen sie bitte eine Brille und Kleidung, durch die kein Licht dringt, denn auch das sind elektromagnetische Wellen (und gleichzeitig Teilchen mit hoher Energie)

    bedingt allein durch LTE befinden sich auf dem gleichen Niveau wie bei GSM/UMTS [0]. Tatsächlich stellt es natürlich eine zusätzliche Strahlenquelle dar, aber wenn man diesbezüglich etwas limitieren wollen würde, müsste man eher GSM/UMTS wegen seiner deutlich geringeren spektralen Effizienz abschaffen.
    Dies gilt natürlich nur, wenn nicht einzelne Frequenzbereiche (also hier 800 und 2600 MHz) als Gefahrenquelle ermittelt werden. Mir sind bisher aber keinerlei belastbare Studien bekannt, die gesundheitliche Auswirkungen durch Mirkowellenstrahlung bei erlaubten Immisionen nachweisen können.
    Neben der Steigerung der individuellen Datenrate, die für mich nicht mehr so wesentlich ist, wird die Latenz bei LTE deutlich verringert. Der Schritt von ~150 ms (Modem) auf ~50 ms (ISDN/DSL) Verzögerungszeit, wie es jetzt bei UMTS zu LTE ist, war für mich damals enorm. Insbesondere gilt das natürliche für Anwendungen mit hoher Ineraktivität.

    [0] http://www.lte-nrw.de/teedrei/fileadmin/ws_lte/Medien/Downloads/LTE_Stud...

    • aikikai
    • 23. Februar 2012 18:37 Uhr

    Soweit es mir bekannt ist, werden die frei gewordenen terrestrischen Sendefrequenzen der für TV genutzt, welche in folge der Digitalisierung frei geworden sind.

    Die gab es schon seit Jahrzehnten, oder nicht?
    Sollten sie also schon immer auf TV- Schauen verzichtet haben, dürfen sie meckern.

    • a.bit
    • 22. Februar 2012 12:28 Uhr

    Das ist natürlich eine unverzeihliche Auslassung. Es hätte unbedingt im Artikel stehen müssen "Zeit-Online Leser-Kommentator 'Dr. Günther' denkt mal, dass das Handy im LTE-Modus eine wesentlich höhere Strahlung freisetzt als im GPRS, EDGE Betrieb."

    Hätten Sie die Güte, den wenigen Kommentarlesern Ihre Gedanken nachvollziehbar zu machen?

    Antwort auf "schön schön..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie sind ja lustig!
    Ich finde eben dass Artikel der Zeit mehr sind als herkömmliche "Werbeartikel" für ein gewisses Produkt. Darum sollten auch kritische Betrachtungen zu der neuen LTE Technologie nicht ausgelassen werden.

  2. 1. Nicht nur die Nutzung der Zelle, auch die Entfernung und das Wetter spielen eine Rolle.

    2. Leider wird nicht erwähnt, dass die digitale Dividenden nur den FQBereich 800 MHz an die Forderung nach Erstversorgung der kleinen Orte bindet.
    Die anderen4 FQ Bereiche stehen den Genießern der Dividende frei zur Verfügung.
    Gerade der 800er Bereich ist aber der, der am ehesten zu Leistungsgrenzen neigt.

    3. Die bereits vorhandene Infrastruktur für GSM und UMTS lässt sich in den Städten nutzen.

    4. Investitionen kosten somit auf dem "Dorfe" mehr und man wird dort eine Alibi Versorgung mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit installieren. Sprich: Die Zahl der Sendemaste wird begrenzt.
    Dazu kommen die Kosten der Pakete die nicht nur teurer sind, sondern auch noch Download Mengenbegrenzung kennen.

    Die gesetzlichen regeln sind Schrott und zeigen wie wenig die Regierungen bei Bund und Ländern von Breitbandtechnik verstehen.

    • thekork
    • 22. Februar 2012 13:07 Uhr

    Funkkommuikation setzt keinerlei "Strahlung" frei!
    Es handelt sich hierbei um elektromagnetische Wellen / Wechselfelder. Ob diese eine Auswirkung auf den menschlichen Körper haben, bwz. ob diese Auswirkung in irgendeiner Art schädlich ist, ist tatsächlich weder bewiesen noch wiederlegt, aber von "Strahlung" zu sprechen ist nichts weiter als unseriöse Panikmache.

    Antwort auf "schön schön..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Da bin ich ja mal gespannt, was sie dann zum Thema Röntgenstrahlung und Gammastrahlung sagen. Ist das eigentlich auch keine Strahlung?

    "Der Begriff Strahlung bezeichnet die Ausbreitung von Teilchen oder Wellen" -Wikipedia-

    • cirkus
    • 22. Februar 2012 19:37 Uhr

    Natürlich handelt es sich bei Radiowellen um elektromagnetische Strahlung- ebenso wie Röntgenstrahlung, Mikrowellenstrahlung, UV-Strahlung, oder eben Lichtstrahlung. Natürlich ist das nicht dasselbe wie Teilchenstrahlung, aber wie Sie bereits vermuten ist das jedem anderen klar.

    • bugme
    • 23. Februar 2012 11:04 Uhr

    ... von "Sonnenstrahlen" gehört?

  3. .. das die elektromagnetischen Wellen (nicht Strahlung!) keinerlei Auswirkung auf den Menschen haben. Es gibt keine Studie, die das Gegenteil beweist, dafür aber viele Studien, die dies endgültig beweisen.
    Desweiteren hat eine neue Übertragungstechnik grundsätzlich nichts mit einer erhöhten Sendeleistung zu tun, sondern wie bei UMTS auch werden einfach andere Übertragungsfrequenzen und -techniken benutzt.

    Wenn Sie sich vor elektromagnetischen Wellen (die sie fälschlicherweise als Strahlung bezeichnen) schützen wollen, dann tragen sie bitte eine Brille und Kleidung, durch die kein Licht dringt, denn auch das sind elektromagnetische Wellen (und gleichzeitig Teilchen mit hoher Energie)

    Antwort auf "schön schön..."
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    Endgültig kann man die Harmlosigkeit nicht beweisen. Richtig ist dagegen, dass bei den Sendeleistungen von modernen Handys in vielen Studien bisher keine schädlichen Auswirkungen nachgewiesen werden konnten.
    Übrigens trage ich Kleidung + Brille des öfteren gegen elektromagnetische Wellen - zb. im Skiurlaub. Ungefährlich müssen sie also mitnichten sein, die Wellen!

  4. Sie sind ja lustig!
    Ich finde eben dass Artikel der Zeit mehr sind als herkömmliche "Werbeartikel" für ein gewisses Produkt. Darum sollten auch kritische Betrachtungen zu der neuen LTE Technologie nicht ausgelassen werden.

    Antwort auf "Belege?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    aber auch die Zeit muss nicht jeder verschwörungstheoretischen Strömung oder esotherischen Theorie Gehör verschaffen. Es soll ja noch ein paar Leute geben, die den Naturwissenschaften mehr Glauben schenken als so einigen findigen Geldmachern, die dann kleine selbstklebende Pappbildchen fürs Handy verkaufen die dann gegen alles böse ("Handystrahlung") schützen.

  5. Da bin ich ja mal gespannt, was sie dann zum Thema Röntgenstrahlung und Gammastrahlung sagen. Ist das eigentlich auch keine Strahlung?

    "Der Begriff Strahlung bezeichnet die Ausbreitung von Teilchen oder Wellen" -Wikipedia-

  6. Wer eine UMTS-Zelle für sich allein hat, surft auch nahezu verzögerungsfrei ...

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