Bei der Vorstellung des iPad wurde auch angepriesen, dass es mit dem Standard LTE arbeitet. © Kevork Djansezian/Getty Images

Der neueste Mobilfunkstandard heißt LTE, eine Abkürzung für Long Term Evolution , und ermöglicht sehr viel schnelleres Surfen als alle bisherigen Daten-Übertragungsverfahren. Wenn man das entsprechende Gerät dazu hat. Apples neues iPad unterstützt diesen Standard. Das ist eine der Neuerungen, die sich Beobachter erhofft hatten. Allerdings gilt das nicht für Deutschland.

Wer sich hierzulande ein iPad der dritten Generation kauft, wird damit zwar schneller ins Netz gehen können als mit den beiden Vorgängern. Die Downloadraten von LTE aber wird er nicht erreichen. Denn LTE ist nicht gleich LTE.

Die Abkürzung bezeichnet lediglich die Art, wie Daten verarbeitet und übertragen werden. Die Übertragung selbst geschieht dann per Funk. Funkfrequenzen jedoch werden vom Gesetzgeber vergeben und kontrolliert, damit nicht jeder die Übertragung eines anderen stört. Hierzulande sind für die Übertragung mittels LTE die Funkfrequenzen um 800, 1.800 und 2.600 Megahertz vorgesehen .

In den USA jedoch werden dazu Frequenzen von 700 und 2.100 Megahertz genutzt. Das neue iPad beherrscht nur die amerikanischen Frequenzen . In Europa und auch in Asien ist es damit nicht LTE-tauglich.

Dieses Manko lässt sich auch nicht durch Software beheben, denn die Ursache ist die Hardware.

Bekanntes Problem

Das Problem ist alt. Bis vor einigen Jahren konnten Mobiltelefone, die in Europa gekauft wurden, nicht in Asien und Nordamerika genutzt werden und umgekehrt. Denn die Mobilfunknetze auf den Kontinenten funken bis heute in unterschiedlichen Frequenzbereichen. In Europa und Asien sind vor allem die Funkfrequenzen bei 900 und 1.800 Megahertz für den GSM-Mobilfunk reserviert, in den USA dagegen die im Bereich von 1.900 Megahertz. In Afrika wiederum funken Telefone auf 450 und 480 Megahertz.

Es dauerte Jahre, schließlich aber bauten die meisten Hersteller Geräte, die zwei, drei oder vier dieser Funkfrequenzen beherrschen und die damit nahezu überall eingesetzt werden können. Das iPhone beispielsweise funktioniert nahezu weltweit, die Geräte beherrschen für den Standard GSM vier Frequenzen: 850, 900, 1.800 und 1.900 Megahertz. Auch mit dem schnelleren Mobilfunkstandard UMTS können sie auf vier verschiedenen Frequenzen arbeiten.

Weltweiter Einsatz technisch noch nicht machbar

Das neue iPad kann das auch, zumindest solange die beiden älteren Standards verwendet werden. Es funktioniert allerdings nicht, wenn LTE zum Einsatz kommt. Ursache ist die fehlende Standardisierung. Es gibt keine internationale Verabredung, auf welcher Frequenz ein Standard wie beispielsweise LTE angeboten werden soll.

Apple müsste also Geräte bauen, die viele verschiedene Kombinationen beherrschen – das Blog iMore hat ausgerechnet , dass es mindestens neun, maximal sogar bis zu 38 sein müssten. Das aber ist technisch derzeit kaum möglich. Der Konzern kann also nur regionale Versionen produzieren.

Bis es soweit ist, wird das iPad in Deutschland nur mit HSPA+ funktionieren, dem nächstniedrigeren Datenverarbeitungsstandard. Das ist immer noch schneller als seine Vorgängermodelle. HSPA+, kurz für High Speed Packet Access, ist eine Weiterentwicklung von UMTS und erlaubt, Daten mit bis zu 42 Megabit pro Sekunde herunterzuladen. Das ist immerhin doppelt so viel wie bei UMTS, dem Standard, der derzeit von vielen Smartphones und Tablets genutzt wird.

LTE hingegen macht es theoretisch möglich, bis zu 300 Megabit pro Sekunde auf das Gerät zu übertragen, auch wenn die bislang von den Betreibern installierten Netze hierzulande maximal 100 Megabit pro Sekunde bieten.

Viele Nutzer werden diese Unterschiede möglicherweise aber nie spüren. Denn nur die teuersten Datentarife bieten überhaupt die maximal möglichen Datenraten. Viele Verträge, die derzeit für Smartphones und Tablets angeboten werden, beschränken die Downloadgeschwindigkeit im Mobilfunknetz auf 7,2 Megabit pro Sekunde. Wer mehr will, muss sehr viel mehr zahlen.