Jung, dynamisch und immer online: So definieren große Handyhersteller wie Apple, Nokia und Samsung ihre Zielgruppe. Getreu diesem Motto präsentieren sie ihre neuesten Modelle zu Hip-Hop-Musik und MTV-inspirierten Werbefilmen auf der weltweit größten Mobilfunkmesse Mobile World Congress. Doch es geht auch anders. Erste Unternehmen haben nun eine rasant wachsende Zielgruppe entdeckt: Die 65-Plus-Generation.

"Auf der Welt gibt es 518 Millionen Menschen über 65 Jahre", sagt Jerome Arnault, Chef des schwedischen Herstellers von Seniorenhandys, Doro. Noch wichtiger: Bis 2020 wird der Anteil der "Generation 65+" um 35 Prozent steigen. Der Franzose weiß das genau, denn sein Unternehmen dominiert zusammen mit der österreichischen Emporia den Markt für Handys, die auch von älteren Menschen bedient werden können.

Der Markt für solche Geräte gilt als sicherer Wachstumsmarkt: Denn neben der demografischen Entwicklung mit immer älteren, aber noch rüstigen Menschen kommt demnächst eine Generation hinzu, die bereits mit Mobiltelefonen aufgewachsen ist. Diese Generation will auf die Annehmlichkeiten des Immer-erreichbar-Seins auch im Alter nicht verzichten.

Die Bezeichnung "Seniorenhandys" mag Arnault nicht: "Wir versuchen, jegliche Stigmatisierung zu vermeiden." Schließlich gibt niemand gerne zu, für ein iPhone zu alt zu sein. Die Hersteller der Handys mit großen Tasten und leicht lesbarem Display nennen ihre Geräte lieber "einfache Mobiltelefone", die über die wichtigsten Grundfunktionen wie SMS und teilweise auch E-Mail verfügen.

Doro verkauft eine Millionen Geräte im Jahr

Wer sich nun klobige brikettähnliche Geräte vorstellt, wird enttäuscht. Ein von einem deutschen Designer entworfenes Emporia Essence Plus muss sich nicht hinter einem eleganten Tastentelefon von Nokia verstecken.

Und selbst die populäre Touchscreen-Technik hat Einzug in das Segment der Seniorenhandys gehalten. Doro präsentierte in Barcelona ein erstes Modell mit Touchscreen und Tastatur, das es den Kindern sogar ermöglicht, das Handy ihrer Eltern über das Internet zu steuern. "Damit können sie ihren Eltern Apps herunterladen, sie orten oder ihre Kontakte aktualisieren", sagt Arnault. Auch Emporia plant ein Handy mit Navigations- und Ortungsmöglichkeiten.

Im vergangenen Jahr hat Doro weltweit eine Million Geräte für Senioren verkauft und ist damit Marktführer. Mit einer halben Million verkaufter Handys folgt der österreichische Hersteller Emporia. Emporia-Chefin Eveline Pupeter-Fellner hat sich für das laufende Jahr einiges vorgenommen: "2012 wollen wir eine Million Geräte weltweit absetzen." Auf dem Heimatmarkt Österreich sind drei Prozent sämtlicher verkaufter Handys Emporia-Geräte. Diesen Anteil möchte Pupeter-Fellner gern überall erreichen. Damit das klappt, wird ihr Unternehmen in diesem Jahr auch auf den US-Markt gehen.