HTC One XHeißes Teil

HTC verkauft für 600 Euro zum ersten Mal ein Smartphone mit Vierkernprozessor. Überhaupt ist das Gerät gut ausgestattet, allerdings wird es im Betrieb ziemlich heiß. von Jörg Thoma

Präsentation des HTC One Ende März in Taipeh

Präsentation des HTC One Ende März in Taipeh  |  © Mandy Cheng/AFP/Getty Images

Als eines der ersten Smartphones hat das HTC One X einen Tegra-3-Chip von Nvidia mit vier Kernen, die mit einer Taktung von 1,5 Gigahertz laufen. Zusätzlich ist auf dem System-on-a-Chip (SoC) ein fünfter Kern integriert, der mit maximal 500 Megahertz läuft. Er wird aktiviert, wenn das Smartphone nur eine geringe Leistung benötigt, etwa bei deaktiviertem Bildschirm für die notwendigsten Funktionen. Damit soll die Akkulaufzeit erhöht werden, denn unter Volllast nehmen die vier Kerne naturgemäß mehr Leistung auf als die herkömmlichen Zweikernprozessoren.

Das HTC One X wird unter Volllast regelrecht heiß, wir konnten an der Audiobuchse, die direkt über der CPU liegt, bis zu 49 Grad Celsius bei einer Raumtemperatur von 23 Grad Celsius messen. Vor allem der Metallring um das Objektiv auf der Rückseite des Smartphones wird unangenehm heiß. Aber auch am Gehäuse ist die Hitze zu spüren.

Anzeige

Die Wärmeentwicklung des Geräts machte uns ein wenig Sorgen. Zwar lief das Smartphone auch bei fast 50 Grad Celsius CPU-Temperatur noch stabil, wie das Smartphone im Sommer bei höheren Außentemperaturen reagiert, bleibt allerdings abzuwarten.

Zum Vergleich: Das Samsung Galaxy Nexus mit seinem Zweikernprozessor wird unter Volllast laut dem Benchmark Antutu Tester etwa 40 Grad Celsius warm. Dort ist die Wärmeentwicklung am Gehäuse auch deutlich weniger spürbar.

Stabil und leicht

Beim Aufladen wurde das HTC One X ebenfalls warm, allerdings nicht ganz so deutlich. HTCs Smartphone kühlt immerhin sehr schnell wieder ab.

Das Gehäuse ist aus Kunststoff, laut HTC aus Polycarbonat, und fühlt sich nicht nur hochwertig an, sondern ist auch stabil. Außerdem reduziert das Kunststoffgehäuse das Gewicht, so dass das Smartphone nur 134 Gramm wiegt, mit Ladegerät und Kabel sind es 190 Gramm. Das etwa gleichgroße Samsung Galaxy Nexus wiegt etwa 139 Gramm.

Unter einer Abdeckung aus Gorilla-Glas von Corning liegt das 4,7 Zoll große Display, das eine Auflösung von 720 mal 1.280 Pixeln hat. Beim Display handelt es sich um ein Super-LCD2-Display, das eigentlich ein IPS-Display ist, wie HTC bestätigte.

Die Farben wirken kontrastreich und nicht so übertrieben knallig wie beim Galaxy S2. Bei direktem Sonnenlicht ist das Display gut lesbar, allerdings funktioniert der Helligkeitssensor etwas träge. Das Umschalten zwischen Hoch- und Querformat hingegen funktioniert gut. Der Tegra-3-Chipsatz liefert auch eine überdurchschnittliche Grafikleistung, der Nenamark-Benchmark hat 47,5 Frames pro Sekunde gemessen, fast doppelt so viel wie auf Samsungs Galaxy Nexus.

Vom Einschalten bis zur Eingabe des PIN-Codes für die SIM-Karte dauert es 20 Sekunden. Danach erscheint Android 4.0.3 alias Ice Cream Sandwich samt der von HTC entwickelten Benutzeroberflächenerweiterung Sense 4.0. Im Vergleich dazu braucht das Samsung Galaxy Nexus 35 Sekunden.

Unter dem Bildschirm befinden sich die von Gingerbread-Geräten gewohnten Hardwaretasten, allerdings ohne die Optionstaste. Eigentlich sollte damit der gesamte Bildschirm von Applikationen genutzt werden können, aber die Schaltfläche für die Optionen ist als Softwaretaste umgesetzt und macht den unter Android 4 üblichen Balken am unteren Rand der Anwendungen notwendig, auf dem sonst auch die Bildschirmtasten liegen. Damit reduziert sich der Bildschirminhalt auf 720 mal 1.184 Bildpunkte in zahlreichen Applikationen, deren Entwickler die Optionstasten noch nicht in den oberen Teil der Anwendung versetzt haben.

Dazu sagte HTC-Mitarbeiter André Lönne: "Es ist durchaus möglich, mit Ice Cream Sandwich auf Hardkeys zu verzichten. Zu den Hardkeys zählen übrigens auch die Sensortasten auf den HTC One-Geräten. Allerdings sehen wir darin einen Nachteil für den Nutzer: Erstens rückt damit das Display weiter nach unten, was sich sehr ungünstig auf die Usability auswirkt. Zweitens kann ein großer Teil des Displays durch die Verwendung von starren Tasten nicht optimal genutzt werden."

Die Netzwerkausstattung ist überdurchschnittlich: Neben dem üblichen HSPA-Modul besitzt das HTC One X auch einen WLAN-Chip, der sich nach 802.11 a/b/g/n mit dem Internet verbindet und somit auch im 5-Gigahertz-Bereich funkt.

Das Smartphone lässt sich auch als WLAN-Hotspot nutzen. Damit fehlt dem Gerät lediglich ein LTE-Modul. Auf dem US-Markt gibt es das HTC One X zwar mit LTE, allerdings nutzt es dort andere Frequenzen als hierzulande und wird darüber hinaus mit einem Zweikernprozessor von Qualcomm ausgeliefert.

Ferner kann das HTC One X über NFC kommunizieren .

Durchschnittlicher Akku

Von der Akkuleistung waren wir positiv überrascht. Angesichts des Vierkernprozessors haben wir deutlich geringere Laufzeiten erwartet. Diese sind beim HTC One X zwar nicht überragend, aber dennoch vergleichsweise gut. Es zeigte sich beim Antutu-Benchmark, dass bei voller Auslastung aller vier Kerne der Akku schneller leer war als beim Samsung Galaxy Nexus. Tatsächlich hat der Akku des HTC One X mit 1.800 Milliamperestunden fast die gleiche Kapazität wie der im Galaxy Nexus verbaute Akku mit 1.750 Milliamperestunden.

Im Normalbetrieb ist die Akkulaufzeit dann auch durchschnittlich. Werden die Kerne hingegen über Gebühr belastet, etwa bei den für Tegra-Chipsätze konzipierten 3D-Spielen, ist der Akku deutlich unterdimensioniert. Die wenigsten werden das Android-Smartphone als reine Spielekonsole nutzen, etwas mehr Akkukapazität wäre aber dennoch wünschenswert. Dass er nicht auswechselbar ist, ist ebenfalls ein Manko.

Dazu sagte Lönne zu Golem.de: "Austauschbare Akkus bieten heute kaum noch praktische Vorteile: Die Akkulaufzeiten der Smartphones sind viel höher als noch vor ein paar Jahren. Fest verbaute Akkus in neuester Technologie - wie die Li-Polymer-Akkus - können dagegen ultraflach verbaut werden. So sind Werte mit Unibody-Gehäuse aus Aluminium unter 8 mm möglich." Da die Akkus Bestandteil der Sende- und Empfangseinheit und somit keine Verschleißteile mehr sind, "erhält der Akku statt bis dato sechs Monaten die volle Garantie des gesamten gekauften Produktes", so Lönne weiter.

Bei Volllast der CPU, zusätzlich aktivem WLAN und voller Bildschirmhelligkeit zeigt das One X nach einer Stunde nur noch 50 Prozent Akkukapazität an. Bei normaler Nutzung mit voller Bildschirmhelligkeit und aktiven Netzverbindungen musste das Smartphone am Abend ans Ladegerät gehängt werden.

Intern sind 32 Gigabyte Speicher verbaut, von denen laut HTC 26 Gigabyte für Anwenderdaten zur Verfügung stehen. Der als Intern bezeichnete und für Applikationen gedachte Speicher beträgt 2 Gigabyte. Auf einen Steckplatz für SD-Karten hat HTC verzichtet. Der Arbeitsspeicher beträgt 1 Gigabyte. Über ein Micro-USB-Kabel angeschlossen, meldet sich das Gerät als USB-Festplatte an.

Die 8-Megapixel-Kamera macht für ein Smartphone überdurchschnittliche Fotos. Sie sind mit denen des iPhone 4S vergleichbar. Jedoch sehen die Bilder auf dem Smartphone farblich deutlich intensiver aus, als sie später auf Rechnern tatsächlich sind.

Videos und Fotos gleichzeitig machen

Dass der Aufnahmewinkel von Videos kleiner als der von Fotos ist, müssen Anwender bei der Auswahl des Motivs in der Vorschau beachten, denn die Aufnahme startet sofort, eine Vorschau speziell für Videoaufnahmen gibt es nicht. Videos können in einer Auflösung von 1080 Pixeln aufgenommen werden. Während eine Videoaufnahme läuft, lassen sich gleichzeitig Fotos machen, die mit der vollen Auflösung von 3.264 mal 1.840 Pixeln gespeichert werden. Das HTC One X hat für Videoaufnahmen und Fotos zwei verschiedene Chips. Neben der Zeitrafferfunktion aus dem Stock-Android 4.0 hat HTC auch eine Videostabilisierung spendiert.

Der Browser reagiert flott, aber nicht merklich schneller als auf dem Dualcore-Gerät von Samsung, auch nicht bei besonders bildlastigen Seiten. Das Scrollen ist flüssig und die Seiten laden schnell. In Benchmarks hingegen zeigt sich wieder die Leistung des Vierkernprozessors: Im Javascript Sunspider erreichte das HTC One X etwa 1.720 Millisekunden und war damit deutlich schneller als das Galaxy Nexus mit etwa 1.950 Millisekunden. Im Browsermark-Benchmark von Rightware lag das HTC One X zwar nicht ganz so deutlich vorne, mit durchschnittlich mehr als 100.000 Punkten aber um etwa 2.000 Punkte vor Samsungs Galaxy Nexus.

Selbst aktive Flash-Inhalte machten dem Browser keine Schwierigkeiten. Adobes Flash Player 11 ist vorinstalliert und lässt sich lediglich deaktivieren, aber nicht entfernen.

Das HTC One X ist ab sofort im Handel erhältlich. Der Listenpreis ist mit 599 Euro für die Ausstattung des Geräts günstig. Käufer erhalten eine 24-monatige Garantie.

Ansonsten gibt es an dem Gerät kaum etwas auszusetzen. Das Gehäuse wirkt durchweg stabil und liegt auch dank des geringen Gewichts gut in der Hand. Insgesamt hat HTC mit dem One X ein schickes und schnelles Smartphone präsentiert. Die Hardwareausstattung ist üppig und dafür ist das HTC One X auch noch recht günstig.

Nachtrag: HTC hat Golem.de inzwischen versichert, dass die von uns gemessene Temperatur bei Quadcore-Prozessoren durchaus üblich ist. "Die CPUs vertragen locker über 80 Grad. Der Tegra ist bei 50 Grad gerade erst warm geworden, einen Defekt wird es weder am Polycarbonat noch beim Chip, noch beim Akku geben. Alles im grünen Bereich," sagte ein Sprecher von HTC.

Der Text wurde leicht gekürzt. Das Original erschien beigolem.de.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Schön und gut, aber auch bei voller Garantie von 24 Monaten würde ich mir kein Gerät kaufen, bei dem ich den Akku nicht austauschen kann, bin aber zugegebenermaßen vielleicht auch ein untypischer Handynutzer, der seine Geräte länger als 2 Jahre nutzt.

  2. Guter Bericht, gute Vergleiche, unterfüttert mit Zahlen aber nicht zu fachlich.

    Ich finde nicht austauschbare Akkus auch nicht so toll. Als iPhone-Benutzer lebe ich aber auch schon länger damit, hatte aber noch keine Probleme.

    Was mich daran wirklich stört ist, dass ich im (Garantie-)Fall eines nötigen Austauschs, wenigstens eine Woche auf das Gerät verzichten muss. Gerade bei einem Smartphone, das ohnehin eher für Heavyuser gedacht ist, ist das bescheiden. Ersatzgerät gibt es für die Zeit auch nicht. Da machen es sich sowohl Hersteller, als auch Händler etwas leicht.

    • bugme
    • 23. April 2012 12:34 Uhr

    ist ein nicht-wechselbarer Akku ein echtes Problem für mich.

    Zum fehlenden SD-Slot: Es wäre interessant zu wissen, wie schnell die Datenübertragung geht, wenn das Gerät als USB Mass Storage angeschlossen ist. Genug Speicher ist ja vorhanden. Aber wie schnell kann ich meine MP3-Sammlung da rüberziehen?

  3. allerdings, was schmerzt:
    "Das Original erschien bei golem.de"

    endlich einmal ein halbwegs ausführlicher text mit technischen details und vergleichen. sollte sich zeit-online mal eine scheibe (oder auch mehrere??) von abschneiden! gilt nicht nur für die digital redaktion, die auto tests sind auch immer recht dürftig...

    wenn allerdings die fotos als überdurschnittlich bewerten werden und dann der vergleich mit dem iphone und nicht mit dem galaxy s2 gezogen wird, das verstehe ich nicht xD

  4. "4. guter bericht
    allerdings, was schmerzt:
    "Das Original erschien bei golem.de"
    endlich einmal ein halbwegs ausführlicher text mit technischen details und vergleichen. sollte sich zeit-online mal eine scheibe (oder auch mehrere??) von abschneiden! gilt nicht nur für die digital redaktion, die auto tests sind auch immer recht dürftig..."

    Wenn ich etwas über Autos wissen will, was über die oberflächliche Behandlung dieses Themas hinausgeht, lese ich Autozeitschriften. Wenn ich etwas über Smartphones wissen will, was über die oberflächliche Behandlung dieses Themas hinausgeht, lese ich entsprechende Fachzeitschriften.

    Zu erwarten, dass eine Tages- oder Wochenzeitung all das bietet, was über die normale Behandlung des Themas hinausgeht, finde ich schon ziemlich vermessen. Insofern finde ich es völlig legitim, wenn sich die ZEIT mit Erlaubnis von Golem.de dieses Themas bedient, statt sich Wissen anzueignen, was schon vorhanden ist. Aber schön, wenn wir Deutschen was zu kritteln haben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    was zo teilweise bietet ist nicht einmal oberflächlich...
    wenn man beim verfassen eines artikels nicht über 2 absätze hinaus kommt, dann sollte man es vll bleiben lassen und dabei ist es egal ob über nen auto oder smartephone!
    eine normale behandlung ist dieser artikel ...

    btw.: ich bin nur "halb"deutsch; von daher liegt es wohl nicht nur an deutschen...

  5. für stramme 600 €. Laßt Euch nicht an der Nase herumführen.

    In den Schubladen der Konzerne liegen wirkliche Innovationen. Aber erstmal werden die Märkte bedienen und die Konkurrenz ein wenig foppen.

  6. 24 Monate Garantie sind schon was wert - ich durfte mit meinem iPhone 4 die Erfahrung machen, dass bei Apple nach 12 Monaten nichts mehr läuft. Und dies selbst dann, wenn es sich um einen bekannten Serienfehler handelt (Home-Button defekt). Aber für 149,- € hätte ich den Knopf austauschen lassen können...

    Hätte laut Verkäufer beim Kauf ja auch einen Protection-Plan abschließen können, war nur so blöd zu denken, dass ein Smartphone für 700,- € seine 2 Jahre durchhält. Nun gut, kommt auf die Liste der Pro und Contras bei der nächsten Gerätewahl.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • bugme
    • 23. April 2012 16:50 Uhr

    24 Monate Gewährleistung sind doch gesetzlich vorgeschrieben.

    Wie hat Apple sich da rausgeredet?

  7. was zo teilweise bietet ist nicht einmal oberflächlich...
    wenn man beim verfassen eines artikels nicht über 2 absätze hinaus kommt, dann sollte man es vll bleiben lassen und dabei ist es egal ob über nen auto oder smartephone!
    eine normale behandlung ist dieser artikel ...

    btw.: ich bin nur "halb"deutsch; von daher liegt es wohl nicht nur an deutschen...

    Antwort auf "Spezialisten"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf mehreren Seiten lesen
  • Schlagworte Samsung | Android | Akku | Smartphone | HTC
Service