App CenterFacebook baut eigenen App-Store

Facebook verkauft bald Apps. Das Netzwerk ist spät dran, aber die vielen Nutzerdaten sind sein Vorteil. Die Apps werden sogar noch mehr davon sammeln. von 

Apple hat vorgemacht, dass sich mit Apps Milliarden verdienen lassen.

Apple hat vorgemacht, dass sich mit Apps Milliarden verdienen lassen.  |  © THOMAS COEX/AFP/Getty Images

Apps gibt es bei Facebook schon länger. Doch das App Center, das der Konzern nun in seinem Entwicklerblog ankündigt , hat mit dem bisherigen Modell wenig zu tun. Vielmehr ist es der Versuch, den Erfolg der App-Vertriebsplattformen von Apple und Android nachzubauen. Facebook will so im Mobilmarkt endlich Geld verdienen.

Mit dem neuen Softwareladen will Facebook erstmals Apps auch verkaufen. Externen Firmen soll es erlaubt sein, ihre Programme via Facebook anzubieten. Bislang sind die Programme externer Anbieter kostenlos. Apple hat jedoch gezeigt, wie hoch die Bereitschaft der Nutzer ist, Geld für Apps auszugeben, und dass sich Milliarden im Geschäft mit den Programmen verdienen lassen . Der Konzern aus Cupertino streicht immerhin 30 Prozent von jeder Verkaufssumme als Gebühr ein – eine Marge, die auch Facebook erhebt. Ein lukratives Geschäft, weshalb auch Amazon das Modell bereits kopiert hat . Facebook ist im Vergleich zur Konkurrenz spät dran.

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Umso mehr bemüht sich das Unternehmen nun, die Idee auszuweiten: Im App Center soll es Programme für Androidgeräte ebenso geben wie für iOS und den Browser. Das ist logisch, schließlich soll Facebook auf so vielen Betriebssystemen wie möglich laufen und sich möglichst schnell verbreiten. Je nachdem mit welchem Betriebssystem der Nutzer die App-Seite besucht, soll er dann nur Programme für seine Version zu sehen bekommen. Muss eine App installiert werden, schickt Facebook seine Nutzer zum Applestore oder zu Google Play.

Facebook setzt auf seine Nutzer

Gleichzeitig will Facebook ein System aufbauen, das die Qualität der angebotenen Programme kontrolliert. Ausdrücklich fordert das Unternehmen in den Hinweisen an die Entwickler strikte Qualitätsstandards. Die Apps dürfen demnach keine gravierende Fehler aufweisen, sie sollen eine leichte Benutzerführung haben, Werbung und Inhalt müssen klar getrennt sein.

Die eingereichten Apps will Facebook vor der Veröffentlichung prüfen. Zugleich setzt das Netzwerk auf seine 900 Millionen Nutzer. Apps mit vielen schlechten Bewertungen sollen bestraft werden. Wer die hohen Qualitätsansprüche nicht erfülle, dessen Programm werde nicht im App Center gezeigt, teilt der Konzern mit. Das Urteil der Nutzer fließt in diese Bewertung ein.

Auch Apple ist gefürchtet für seine rigide Kontrolle neuer Programme. Viele Unternehmen haben sich den teilweise seltsamen Forderungen des Konzerns unterworfen. Das Magazin Focus lieferte etwa eine Ausgabe mit zensiertem Titelbild auf dem iPad aus , weil darauf eine weibliche Brust zu sehen war. Facebook wird wohl eine ähnliche Politik verfolgen. Immerhin hat Apple gezeigt, dass die strenge Prüfung und die daraus resultierende geringe Fehlerquote der Programme einen App-Shop beliebt machen können.

Dass Facebook nun das App Center startet, zeigt nicht nur, dass der Konzern mit fremden Programmen Geld verdienen will. Es ist auch ein Beleg dafür, dass Facebook derzeit große Summen investiert, um sein Konzept in den mobilen Markt zu übertragen.

Bislang verdient der Konzern sein Geld mit der klassischen Website. Das Geschäft könne jedoch bald wegbrechen, warnte der Konzern seine Investoren unlängst im Börsenprospekt. Der mobile Markt wächst rasant, für das Unternehmen werde er enorm wichtig . Bislang aber verdient Facebook dort kaum Geld – obwohl nahezu die Hälfte der Facebook-Nutzer via Tablet und Smartphone die Seite besuchen. Apps könnten das ändern.

Gleichzeitig könnten sie Facebook aus der Abhängigkeit vom Spielentwickler Zynga befreien. Der sorgt für einen großen Teil der Umsätze und Gewinne des Unternehmens. Ein starker App-Store, den viele Entwickler und Firmen als Plattform nutzen, würde dieses Kräfteverhältnis verändern. Letztlich zugunsten Facebooks, das mit seinen vielen Nutzern eine attraktive Plattform ist. Attraktiver vielleicht noch als die von Apple.

Hinzu kommt: Facebook weiß viel über seine Kunden. Das App Center soll deshalb personalisiert sein. Wie bei Amazon bekommt jeder Besucher andere Dinge zu Gesicht, je nachdem wofür er sich bislang interessiert hat. Außerdem werden die Apps selbst ihre Nutzer genau beobachten und an Facebook zurückmelden, wie oft jemand sie verwendet hat, wie lange und wann. Diese Daten will Facebook auch den Entwicklern zugänglich machen, damit diese ihr Produkt verbessern könnten.

Bei Apple und Android haben solche Spionagefunktionen schon mehrmals für einige Aufregung gesorgt .

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Leserkommentare
  1. Die Seite APP CENTER gibt es doch bereits unter http://www.app-center.de. Dort gibt es sogar eine eigene Rubrik für Facebook Apps. Da hätte ich von Facebook ein wenig mehr Innovation erwartet...

  2. Wozu braucht die Welt das?

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    das wird viele Kids aber nicht daran hindern dieser Firma einen Haufen Geld in den Rachen zu schmeissen.

  3. das wird viele Kids aber nicht daran hindern dieser Firma einen Haufen Geld in den Rachen zu schmeissen.

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