Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat in Kooperation mit dem Hersteller TrekStor einen E-Reader auf den Markt gebracht. Der Liro Ink ist ein günstiges Einstiegsmodell, wenn auch eines mit technischen Schwächen.

Offensichtlich versucht der deutsche Buchhandel, Amazon und wohl auch Apple etwas entgegenzusetzen, bevor der Markt für E-Books unter den beiden aufgeteilt ist. Laut einer Berechnung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) gibt es in Deutschland derzeit rund fünf Millionen Lesegeräte. Dazu zählt die GfK aber auch 3,2 Millionen Tablet-Rechner, also vor allem iPads. Bleiben 1,8 Millionen reine E-Reader – und unter denen sind laut GfK 1,6 Millionen Kindle-Modelle von Amazon. Apple und Amazon verkaufen E-Books auf ihren eigenen Plattformen, der deutsche Buchhandel hat das Nachsehen.

Thalia hat deshalb den E-Reader Oyo II entwickeln lassen, um die eigene Online-Plattform zu unterstützen. Hugendubel hat etwas Ähnliches mit dem nur 60 Euro teuren TrekStor Reader 3.0 versucht. Doch das Gerät kann vor allem wegen seines LCD-Displays nicht mit der augenfreundlichen Konkurrenz mithalten , die auf elektronische Tinte setzt.

Nun also bringt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels über seine Wirtschaftstochter MVB (Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH) den ebenfalls von TrekStor entwickelten Liro Ink auf den Markt. Das Gerät kommt samt eigener Online-Plattform für E-Books, dem Liro Shop . Das Besondere für Buchhändler, die das Gerät in ihrem Laden verkaufen: Sie verdienen anschließend an jedem im Liro Shop verkauften E-Book mit. Laut MVB sollen Buchhändler "eine vergleichbare Marge wie beim Geschäft mit gedruckten Büchern" erzielen, nämlich 20 Prozent des Buchpreises.

Leser wiederum sollen vor allem über den niedrigen Preis des E-Readers angelockt werden: Mit 70 Euro ist der Liro Ink immerhin 30 Euro günstiger als ein Kindle. Andere Geräte, zum Beispiel der Sony Reader Wi-Fi, sind noch teurer.

TrekStor setzt beim Liro Ink auf Digital Ink, also auf elektronische Tinte. Das ermöglicht einen wochenlangen Betrieb ohne Aufladen und ist beim Lesen sehr viel angenehmer als der LCD-Bildschirm des Reader 3.0. Eine "gestochen scharfe Schrift" verspricht der Hersteller beim Liro Ink. Doch die Anzeige ist im Vergleich zur etwas teureren Konkurrenz kontrastarm und unscharf. Besonders bei Serifen fällt das negativ auf. Wer noch nie einen anderen E-Reader in der Hand gehabt hat, wird die Display-Qualität vielleicht für akzeptabel halten. Doch die Modelle von Amazon oder Sony bieten eine um Längen bessere Anzeige.

Ebenfalls einen verbesserungswürdigen Eindruck hinterlassen die Bedienelemente. Das Steuerkreuz zur Navigation wackelt, die vier Tasten daneben – etwa zum Ansteuern der Startseite und zum Aufrufen des Menüs – sind schwergängig und wirken billig.

Ein "Leichtgewicht unter den E-Book-Readern", wie die MVB behauptet, ist der Liro Ink mit seinen 216 Gramm auch keineswegs. Sonys Reader Wi-Fi etwa wiegt fast 50 Gramm weniger.