Der Ton hallte und die Bilder ruckelten, aber um zu demonstrieren, was die Datenbrille namens Project Glass kann, hätte sich der Konzern kaum etwas Schrägeres ausdenken können: eine Live-Übertragung mit diesen Brillen von einem Fallschirmsprung.

Die Entwicklermessen der großen Konzerne wie Apple , Facebook oder eben Google sind immer auch Image-Kampagnen. Google demonstrierte auf seiner Messe I/O am Mittwoch, dass man cool und sportlich sein will.

Vier Fallschirmspringer sprangen aus einem Luftschiff und landeten auf dem Dach der Veranstaltungshalle, dem Moscone Center in San Francisco . Anschließend fuhren Radfahrer über das Dach der Halle und Kletterer seilten sich von dort zum Boden ab – sie alle hatten die neuen Datenbrillen aufgesetzt und übertrugen Bilder ihres Tuns auf eine Leinwand in der Halle.

Project Glass kann also live Videos übertragen. Was sie noch kann, steht derzeit nicht fest, das Gerät ist noch mitten in der Entwicklung. Das Blog Engadget hat aber zumindest ein paar Spezifikationen ausmachen können , die derzeit diskutiert werden oder schon umgesetzt sind.

Demnach sei es zwar möglich, ein 3G- oder auch 4G-Modul für die Verbindung zum Mobilfunknetz einzubauen, das sei aber nicht das primäre Ziel Googles. Vielmehr soll Glass über WLAN kommunizieren oder via Tethering die Netzverbindung eines Mobiltelefons nutzen.

Kopfnicken und Fingergesten

Die Eingabe von Informationen soll über Sprache geschehen und über ein kleines Touchpad am rechten Bügel, das Fingergesten übersetzen kann. Außerdem habe die Brille ein Gyroskop und könne so Nicken und Kopfschütteln verstehen.

Dank einem internen Speicher könnten Aufnahmen der Bille auf ihr selbst festgehalten werden. Die eigentliche Idee sei aber, schreibt Engadget , Bilder live ins Netz zu streamen. Klingt plausibel, immerhin wurde diese Funktion mit der Demonstration in der Luft ausführlich vorgeführt.

Verbindung von Mensch und Maschine

Ist das nur ein Spielzeug oder mehr? Das Technikblog Techcrunch sieht in der Brille Googles Zukunft . Nicht unbedingt als Produkt, das dem Konzern Milliarden einbringen wird, sondern als ersten Schritt, um Menschen und Maschinen nahtlos zu vereinen.

Das Blog zitiert Google-Gründer Brin mit den Worten: "Wir wollen, dass man weniger Sklave seiner Geräte ist. Es (Glass) ist geradezu befreiend und ich kann es kaum erwarten, das mit allen zu teilen."

Allerdings ist das nur eine Sichtweise. Beim Blog AllThingsD fürchtet eine Autorin , Project Glass werde eine viel größere Hürde aufbauen als bisherige Technik wie Smartphones – zwischen den Menschen nämlich.

Entwicklermodell für 1.500 Dollar

AllThingsD zitiert ebenfalls Brin, der beschreibt, wie er, ohne seine Hände nutzen zu müssen, dank der Brille seinen Sohn fotografieren konnte, während er ihn jauchzend in die Luft warf. Da das Übertragungsgerät mitten im Gesicht sitzt, könnten Informationen uns viel leichter erreichen, schreibt die Autorin. "Doch was ist, wenn wir mit einem anderen Menschen in der Wirklichkeit interagieren wollen, aber ein kleiner Bildschirm schiebt ständig neue Nachrichten zwischen uns und denjenigen? Wie kann das keine Ablenkung sein?"

Anschließend zitiert sie wieder Brin: "Ich bin da optimistisch. Ich glaube, es ist viel weniger störend, als es Smartphones sein können, da man die immer in der Hand hat und draufschaut und damit von der Umgebung abgelenkt ist. "

Wie störend es ist, werden wir bald wissen, Google will die Brillen im kommenden Jahr verkaufen. Auf der Konferenz in San Francisco konnten Interessierte sich ein Vorserienmodell für Entwickler für 1.500 Dollar vorbestellen . Es soll zu einem nicht näher definierten Zeitpunkt Anfang kommenden Jahres ausgeliefert werden.