MobilfunkErst die SMS machte Handys beliebt
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Heute hat jeder Deutsche ein Handy

Als D1 und D2 loslegen, kostet die Minute knapp zwei Mark, also rund einen Euro, die Grundgebühr liegt bei fast 80 Mark im Monat. Doch DeTeMobil und Mannesmann Mobilfunk liefern sich einen scharfen Wettbewerb, und die Preise fallen. Schon im Frühjahr 1994 berichtet DIE ZEIT von 1,2 Millionen Teilnehmern – das C-Netz hat es in seinen besten Zeiten nur auf 790.000 Teilnehmer gebracht.

1993 vergibt der nächste Bundespostminister Wolfgang Bötsch ( CSU ) die Lizenz für ein drittes digitales Netz, ebenfalls auf GSM-Standard, aber mit anderen Frequenzen und daher nicht mit dem D-Netz kompatibel. 1994 geht E-Plus in Betrieb, 1997 folgt das Netz von Viag Interkom (heute O2 ).

Ein Siemens-Handy, beziehungsweise Koffer, von 1991© Telekom

Doch so richtig rollt der Rubel erst dank einer neuen Erfindung: der Kurznachrichtendienst SMS (Short Messaging Service), 1994 eingeführt. Damit kommt zu Politikern, Geschäftsleuten, Journalisten und anderen Angebern eine neue Zielgruppe hinzu: Vor allem junge Leute "simsen" sich die Daumen wund – auch, weil die einzelne SMS so viel billiger ist als die teuren Gesprächsminuten. Doch die Masse macht's, die Kassen der Netzbetreiber füllen sich, und im Englischen entsteht eine neue medizinische Diagnose, der Texter's Thumb , der entzündete Simser-Daumen, vergleichbar dem Tennisarm.

Handys, wie die Deutschen ihre Mobiltelefone nennen, werden zum beliebten Geschenk. 1999 steigt die Zahl der deutschen Mobilfunkkunden auf 48 Millionen. Darunter sind auch Betrüger, die das neue Gerät für originelle Geschäftsmodelle nutzen. Auch Probleme mit dem Datenschutz sind von Anfang ein Thema: Weil die digitalen Netze als praktisch abhörsicher gelten, zwingt die Bundesregierung die Betreiber, Abhörschnittstellen für Verfassungsschutz und andere Geheimdienste einzubauen.

Den ruinösen Wettkampf der Pionierzeit überleben nicht alle Anbieter , es kommt zu Fusionen und 2000 zu einer heftigen Übernahmeschlacht: Der britische Mobilfunkriese Vodafone kauft Mannesmann gegen den Willen der dortigen Chefetage für satte 190 Milliarden Euro. DeTeMobil mutiert derweil zur Telekom-Tochter T-Mobile , bevor die Deutsche Telekom sie sich wieder einverleibt.

Heute hat statistisch jeder Deutsche ein Handy, fast die Hälfte hat zwei: 114 Millionen "Anschlüsse" (falls das Wort aus der Kabel-Ära hier erlaubt ist), entfallen auf gut 80 Millionen Einwohner. Neben das immer noch aktive GMS sind die schnelleren Standards UMTS (alias 3G) und LTE (oder 4G) getreten . Moderne Smartphones sind längst vollwertige Computer, Telefonieren und Simsen sind Nebensache. Und einen Bundespostminister gibt es schon lange nicht mehr.

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Leserkommentare
  1. Da gibt es etwas Neues und der Großteil der Menschen steht dem erst einmal ablehnend gegenüber. Ich weiß noch ganz genau, wie ein paar Menschen meines Umfelds plötzlich mit Handy-Taschen am Gürtel durch die Gegend liefen, wahrscheinlich stolz wie Bolle waren und der überwiegende Teil sie als Proleten, Unentbehrliche, Wichtigtuer ect. verunglimpften. Nach dem Motto, braucht kein Mensch. Irgendwann hatten dann mehr und mehr Menschen ein Handy und heute haben viele statistisch gesehen sogar zwei Handys.

    Irgendwann kamen die Smartphones und es soll ja immer noch Menschen geben, die den Smartphones total ablehnend gegenüber stehen, wahrscheinlich aus ähnlichen Gründen wie damals den Handys. Irgendwann wird statischtisch gesehen wahrscheinlich auch jeder zwei davon haben. So ist das halt mit neuen Technologien. Ein paar Freaks (Visionäre) greifen zu, der Großteil sucht nach Gründen, warum man genau diese Technolgoie nicht braucht und irgendwann haben sie alle. War mit der Eisenbahn übrigens auch nicht viel anders. Blöd nur, dass einige Menschen irgendwie lernresistent zu sein scheinen und die Argumente für und gegen neue Technologien eigentlich immer die gleichen sind. Geschichte wiederholt sich eben doch immer und immer wieder. Und das macht die Diskussion um neue Technologien so ermüdend. Einem Großteil fehlt einfach die Fantasie, dass da etwas Neues am entstehen ist. Wetten, irgendwann fahren wir alle Elektro?

    P.S., privat habe ich übrigens kein Smartphone.

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    Deflation ist ein guter Grund abzuwarten und nicht jeden Hype von Anfang an mitzumachen.

    Sollen doch die wichtigen Leute (und solche die dafür gehalten werden wollen) auf den Trend aufspringen und ihm Schwung geben.

    Ich warte lieber bis die Technik ausgereifter ist, die Preise Gefallen sind und die Designer die Kanten taschenschonend rund gemacht haben.

    "Ich weiß noch ganz genau, wie ein paar Menschen meines Umfelds plötzlich mit Handy-Taschen am Gürtel durch die Gegend liefen, wahrscheinlich stolz wie Bolle waren und der überwiegende Teil sie als Proleten, Unentbehrliche, Wichtigtuer ect. verunglimpften."
    Ich glaube nicht einmal, dass es der Besitz eines Mobiltelefons war, der die "Kritikern" zu ihren Aussagen veranlasst hat, sondern einfach die Angeberei, die mit dem öffentlich sichtbaren Herumtragen des Geräts einher geht - wie es übrigens heute auch noch weit verbreitet ist.
    Wer durch sein Verhalten den Eindruck erweckt, dass er nur auf sein tolles neues Smartphone aufmerksam machen will, muss auch heute noch mit Hohn und Spott rechnen.
    Und generell sehen Handytaschen am Gürtel einfach lächerlich aus.

    Dies ist Technikentwicklung aus der Retrospektive erzählt. Rückblickend haben sich das Handy und das Smartphone durchgesetzt, und die früheren "Wichtigtuer" haben "Recht bekommen". Das ist aber längst nicht bei allen neuen Technologien so. Wer erinnert sich noch an MiniDisk, Pager, Apple's Newton, MySpace und Microsoft Bob? Der Segway wurde als Revolution der urbanen Mobilität angekündigt und fristet nun einer eher komikhaftes Nischendasein.
    Welche Technologien sich wirklich durchsetzen, ist meist nur schwer vorhersagbar. Welche Erstnutzer nun zu Recht belächelt wurden oder nicht, zeigt letztlich die Geschichte.

    • xpeten
    • 01. Juli 2012 14:07 Uhr

    die Leute, die mit einer Handytasche am Gürtel herumlaufen, sind doch auch heute noch Proleten.

  2. Deflation ist ein guter Grund abzuwarten und nicht jeden Hype von Anfang an mitzumachen.

    Sollen doch die wichtigen Leute (und solche die dafür gehalten werden wollen) auf den Trend aufspringen und ihm Schwung geben.

    Ich warte lieber bis die Technik ausgereifter ist, die Preise Gefallen sind und die Designer die Kanten taschenschonend rund gemacht haben.

  3. wird immer wichtiger. Immer vielfältigere Kommunikationsmöglichkeiten für den Einzelnen und die Vernetzung von Maschinen verändern weltweit den Alltag. Einer zukunftsfesten Infrastruktur kommt dabei die entscheidende Rolle zu. http://bit.ly/LAYb6G

  4. "Ich weiß noch ganz genau, wie ein paar Menschen meines Umfelds plötzlich mit Handy-Taschen am Gürtel durch die Gegend liefen, wahrscheinlich stolz wie Bolle waren und der überwiegende Teil sie als Proleten, Unentbehrliche, Wichtigtuer ect. verunglimpften."
    Ich glaube nicht einmal, dass es der Besitz eines Mobiltelefons war, der die "Kritikern" zu ihren Aussagen veranlasst hat, sondern einfach die Angeberei, die mit dem öffentlich sichtbaren Herumtragen des Geräts einher geht - wie es übrigens heute auch noch weit verbreitet ist.
    Wer durch sein Verhalten den Eindruck erweckt, dass er nur auf sein tolles neues Smartphone aufmerksam machen will, muss auch heute noch mit Hohn und Spott rechnen.
    Und generell sehen Handytaschen am Gürtel einfach lächerlich aus.

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    Für die Angeber waren diese Handytaschen die modernen Penisköcher. Viel schlimmer fand ich allerdings, dass plötzlich die ganzen wichtigen Geschäftsleute unbedingt während der gesamten Zugfahrt lauthals Telefonate führen mussten. Was haben die nur vorher gemacht? Wo man doch nun nicht einmal mehr eine Stunde warten kann bis zum Meeting.

  5. Dies ist Technikentwicklung aus der Retrospektive erzählt. Rückblickend haben sich das Handy und das Smartphone durchgesetzt, und die früheren "Wichtigtuer" haben "Recht bekommen". Das ist aber längst nicht bei allen neuen Technologien so. Wer erinnert sich noch an MiniDisk, Pager, Apple's Newton, MySpace und Microsoft Bob? Der Segway wurde als Revolution der urbanen Mobilität angekündigt und fristet nun einer eher komikhaftes Nischendasein.
    Welche Technologien sich wirklich durchsetzen, ist meist nur schwer vorhersagbar. Welche Erstnutzer nun zu Recht belächelt wurden oder nicht, zeigt letztlich die Geschichte.

    • -lupo-
    • 01. Juli 2012 12:06 Uhr

    Beim meinem ersten Handyvertrag Mitte der 90er waren die SMS umsonst. Die Kunden mussten erst angefixt werden, damit die SMS genutzt wurden. Bezahlen kam erst später.

  6. Wenn ich mich nicht komplett täusche war der Kurznachrichtendienst von den Netzbetreibern nicht aktiv geplant und wurde "zufällig" durch die Standardisierungsgremien (ETSI) eingeführt.
    Bezogen auf die Datenmenge/Geld sind SMS ein super Geschäft...

    @Nine of Thirteen: Handytaschen am Gürtel sind praktisch, sofern sie Facility Manager (vulgo: Hausmeister) sind ;-)

    Mfg
    Schnirseldibirsel

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    Okay, das stimmt wohl. In dem Fall hängt aber in den meisten Fällen noch mehr Werkzeug am Gürtel, so dass das Mobiltelefon mit seiner Tasche gut dazu passt und kaum auffällt.

    • Glik
    • 01. Juli 2012 12:30 Uhr

    ... der SMS-Hype. 45 Milliarden pro Jahr in D hab ich mal gelesen. Schätze, davon war'n grad mal tausend sinnvoll - wenn überhaupt.
    Vor allem wenn man - wie ich - 12 Stunden am Tag am PC arbeitet, ist dieser 'Dienst' doch irgendwie bescheuert: Entweder man schreibt ein mail oder ruft einfach an. Ich hab jedenfalls noch nie eine SMS geschickt - das ist mir einfach zu blöde. Die Leute haben wohl einfach zu viel Zeit heutzutage - trotz allem Jammern. Oder vielleicht gerade wegen solcher Spielereien eben keine mehr.

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    Ich sehe das anders:

    Für mich und meine Freundin gibt's nichts sinnvolleres als SMS. Wir schreiben uns bis zu (abgerechnete) 4.000 SMS im Monat (für uns sind's natürlich weniger, da ja bis zu 10 SMS heutzutage zu einer "LMS" verkettet werden). Gott sei Dank gibt's inzwischen SMS Flatrates.

    SMS kann man jederzeit schreiben, egal wo man ist. Und man kann sie jederzeit ignorieren und erst dann lesen lesen, wenn man Zeit dazu hat - egal wo man gerade ist.

    Mit der richtigen Handytastatur tippe ich SMS fast so schnell wie ich sprechen kann. Außerdem fällt aller Zeitaufwand weg, der beim Telefonieren so anfällt "Hallo? - Hallo! - Wie geht's? - bla bla bla ... Bis bald - du auch." Schließlich zwingt eine SMS ja zur Kurzfassung.

    Und zusätzlich hat man immer schriftlich vorliegen, was kommuniziert wurde.

    Perfekter und bündiger kann man nicht miteinander kommunizieren.

    Andererseits haben Sie recht: Wie bei jedem anderen Schriftverkehr auch sollte man, sobald Emotionen und Missverständnisse ins Spiel kommen, immer abwägen, ob man nicht doch lieber telefonieren sollte.

    Und in meinem Fall: Am Wochenende sehen ich meine Freundin persönlich und wir können die Handys endlich beide beiseite legen ;)

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte CDU | CSU | SMS | T-Mobile | Vodafone | Debitel
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