IFA 2012 : Das Nexus 7 – die reinste Unterhaltungsmaschine

Das Nexus 7 von Google gewinnt den Vergleich mit anderen Sieben-Zoll-Tablets, die auf der IFA gezeigt werden – auch wenn die Konkurrenten besser ausgestattet sind.
Das Tablet Google Nexus 7 – hier im Einsatz als Navigationsgerät © Stephen Lam / Reuters

Google ist für sein Tablet Nexus 7 viel gelobt worden. Nach einigen Tagen des regen Gebrauchs und nach dem Vergleich mit der Konkurrenz auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin lässt sich feststellen: Das Lob ist verdient. Für 200 respektive 250 Euro dürfte es derzeit kein besseres Sieben-Zoll-Tablet zu kaufen geben – was vor allem am gelungenen Betriebssystem, am guten Display und am leistungsfähigen Vierkernprozessor liegt.

Natürlich kann man einiges beim Nexus 7 bemängeln: den fehlenden HDMI-Ausgang und den fehlenden Speicherkarten-Slot zum Beispiel, ganz sicher auch die Tatsache, dass es vorerst keine 3G-Version für mobiles Surfen gibt. Aber entscheidend dürfte das für die Zielgruppe nicht sein. Google verkauft ein Entertainment-Tablet für Einsteiger, zum Lesen, Spielen oder Filme Schauen auf dem heimischen Sofa oder auf Reisen.

Wer bereits eine Gmail-Adresse hat, kann das Nexus 7 bequem in drei Minuten so weit einrichten, dass es funktionstüchtig ist. Für Einsteiger sei hinzugefügt: Wer zumindest schon Erfahrungen mit einem Smartphone hat, findet alles Nötige intuitiv. Einzig nach Details wie dem automatischen Drehen des Bildschirminhalts, wenn das Tablet quer gehalten wird, muss man etwas suchen. Diese hilfreiche Funktion ist standardmäßig deaktiviert, was beim Surfen und beim Tippen auf der virtuellen Tastatur mitunter stört. Ändern lässt sie sich in den Einstellungen unter "Bedienungshilfen".

Sobald der WLAN-Zugang eingerichtet ist, kann sich der Nutzer im Google-Universum umsehen: Bereits installiert sind zahlreiche Dienste des Konzerns, vom Browser Chrome über Google Earth bis Google+, Google Mail, Maps, Talk und YouTube. Einsteiger dürfte diese Konzentration von Google-Apps kaum stören, denn die tun vor allem eines: Sie funktionieren, und zwar nahtlos. Dafür sorgen das Betriebssystem Android 4.1 alias Jelly Bean und der Nvidia-Prozessor Tegra 3 mit seinen vier Kernen.

Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Für weniger Erfahrene ist das wichtiger als für Experten, weil sie in der Regel nicht wissen, welche alternativen Apps sie sich herunterladen können. Ein Beispiel wäre der Browser: Wer möchte, kann sich bei Google Play den Firefox-Browser herunterladen, einen Opera-Browser oder sogar die weniger bekannte Alternative namens Dolphin. So schnell wie der vorinstallierte Chrome-Browser ist allerdings keiner von ihnen. Wer nicht hochgradig besorgt über Googles Datensammelpraxis ist, wird wohl auf Chrome vertrauen.

Neben den Google-Anwendungen machen Filme, Bücher und Spiele das Tablet erst zu dem, was es sein soll: eine Unterhaltungsmaschine. E-Books etwa lassen sich auf dem Nexus einigermaßen gut lesen, sofern man sich nicht in der Sonne aufhält. In dem Fall spiegelt das Display zu stark – wie bei allen Tablets. Der Kontrast könnte stärker sein, die Hintergrundbeleuchtung strengt die Augen mit der Zeit an. Fazit: Einen E-Reader mit elektronischer Tinte kann das Nexus nicht ersetzen. Wer aber nicht stundenlang am Stück lesen will, sollte mit dem kleinen Tablet klarkommen.

Beim Ansehen von Filmen beziehungsweise Videos überzeugt das Nexus 7 mit einer Bildqualität, an die zum Beispiel die Minibildschirme in Flugzeugen nicht heranreichen. Um sich auf Reisen für eine Weile zu beschäftigen, eignet es sich also bestens.

Auch als mobile Konsole ist das Nexus 7 geeignet – jedenfalls in Sachen Grafik, Akkulaufzeit, aber auch Spielauswahl. Für die Steuerung mithilfe der Lage- und Bewegungssensoren, also über das Kippen und Drehen des ganzen Tablets, muss das jeweilige Spiel allerdings gut genug programmiert sein. Bei einem Rennspiel wie Asphalt 7 kann es passieren, dass die Lenkbewegungen nicht schnell genug umgesetzt werden, was andere Gamer bestätigen können .

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Kommentare

20 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

...noch ein wichtiger Schwachpunkt des Nexus 7

ist, dass es keine Ad hoc Netzwerke akzeptiert. Wenn ich also mein Smartphone als WLAN-Hotspot nehmen will, so findet zwar mein PC diese Verbindung und auch das iPad etc., aber nicht das Nexus 7. Google hat offenbar extra diese Funktion gesperrt (wie man googlen kann) was mir vollkommen unverständlich ist bei fehlender 3G-Funktion.

Das schränkt den Nutzwert des ansonsten wie hier beschrieben, sehr preisgünstigen Geräts dich erheblich ein.

Bei mir funktioniert es auch tadellos

Habe ein HTC (Ur-)Desire mit Android 2.3.3. Wenn ich damit einen Hotspot aufbaue, findet das Nexus diesen sofort und ich kann mich anmelden, bzw. nach erstmaliger Anmeldung mach das Nexus dies ja allein.

Allerdings sollte man ein Auge auf die Datenmenge haben. Standardmäßig ist beim Nexus bspw. im Play Store die Option aktiviert, dass sich alle Apps automatisch aktualisieren dürfen.

Re: ...noch ein wichtiger Schwachpunkt des Nexus 7

Natürlich können Sie das Nexus an einem WLAN-Accesspoint anmelden, also auch die Hotspot-Funktion von Android benutzen. Diese öffnet einen WLAN-Accesspoint. Das ist dann übrigens KEIN AdHoc-Netz sondern ein Infrastucture-Modus, wie er eben auch Standard an einem Accesspoint ist. Hat also auch nichts mit Wifi-Direct zu tun.

Sie können auch Bluetooth-Tethering machen, das braucht weniger Strom und der Akku hält länger.

Die Frage scheint mir eher...

...ob das Smartphone einen Accesspoint zur Verfügung stellen kann.

Ich hatte mal testweise ausprobiert, ob ich mit meinem gerooteten HP-Tab, auf dem jetzt ein CyanogenMod-Android rennt (=Android 4.0) über mein WindowsXP-Netbook als Accesspoint ins Netz komme. Grund: Das Tab hat kein 3G, das Netbook hing über einen UMTS-Stick im Netz, also wollte ich diesen quasi als Accesspoint nutzen. Das scheint nicht zu funktionieren (oder ich bin einfach zu doof), aber offenkundig akzeptiert WinXP Zugriff auf seine freigegebene Internetverbindung nur per Ad-hoc-Zugangspunkt und kann nicht als Router fungieren, der einen Infrastructure-Zugang bietet. Und Android wiederum kann nur zu einem Infrastructure-Netzwerk eine Verbindung aufbauen.

Mobiles Internet über portablen Hotspot

Ich habe das Nexus jetzt ein paar Tage und bin auch restlos begeistert. Zusammen mit Jelly Beans ist die Bedienung so flüssig, dass mein Galaxy Tab 10.1 dagegen ganz schön alt wirkt - auch sind die 7 Zoll wirklich handlich, dachte zuerst das wäre zu klein, aber man gewöhnt sich dank der Schärfe (hohe Pixeldichte) schnell dran. An den USB-Micro-Port kann man mit einem USB-Adapter sogar einen Game Controller anschließen (wenn man so geneigt ist).
Fehlendes 3G sehe ich als marginales Problem an. Ich habe mir einen kleinen mobilen Hotspot gekauft, über den nun Tablet und Handy / Notebook / was immer man dabei hat per W-Lan ins Netz können, da kann man sich die Zusatzkosten für 3G-Module sparen.