Tablet : Amazon greift das iPad direkt an

Kindle Fire HD heißt das neue Tablet von Amazon, die kleinere Version wird auch in Deutschland verkauft. Die niedrigen Preise will Amazon auf mehreren Wegen kompensieren.

Das spektakulärste Gerücht rund um die Präsentation von Amazon am Donnerstag in Santa Monica erwies sich als Luftnummer: Nein, Amazon hat kein Smartphone vorgestellt. Aber dafür die zweite Version seines Tablets Kindle Fire. Das wird Kindle Fire HD heißen und in einer Sieben-Zoll-Variante und in einer etwas größeren Version erscheinen. Ausdrücklich will Amazon nicht nur mit Googles Nexus 7 konkurrieren, sondern nun auch mit Apples iPad. Amazon-CEO  Jeff Bezos nahm mehrfach auf beide Unternehmen Bezug.

Die größere Version des Amazon-Tablets hat ein 8,9-Zoll-Display mit 1920 mal 1200 Pixeln, dessen Bildqualität die anwesenden Blogger schwer beeindruckte . Außerdem hat das Fire HD zumindest in der größeren Variante einen angeblich extrem starken OMAP-4470-Prozessor von Texas Instruments , der das Tablet deutlich schneller machen soll als die Konkurrenzprodukte von Apple und Google . Ob das wirklich so ist, werden die ersten ausführlichen Tests zeigen.

Der Flashspeicher wird wahlweise 16 oder 32 Gigabyte fassen. Ein HDMI-Anschluss ist in beiden HD-Tablets enthalten, ebenso eine Frontkamera für Videotelefonie. Außerdem hat sich Amazon einiges an technischen Details einfallen lassen, um den WiFi-Empfang zu verbessern.

Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Um das Tablet familientauglich zu machen, hat Amazon eine Benutzerkontenverwaltung namens Kindle FreeTime eingeführt. Damit können Eltern vorab einstellen, wie lange ihre Kinder auf dem Tablet spielen dürfen. Für E-Books, Games oder Filme können unterschiedliche Zeiträume eingestellt werden, nach Ablauf färbt sich der Bildschirm blau. 

Die Sieben-Zoll-Version des Kindle Fire HD mit 16 Gigabyte Speicher wird vom 25. Oktober an in Deutschland verkauft und soll 199 Euro kosten, berichtet dpa. Die 32-Gigabyte-Version kostet 50 Euro mehr. Das ist exakt so viel, wie Google für sein Nexus 7 verlangt.

Die 8,9-Zoll-Version des Kindle Fire HD wird zunächst nur in den USA erhältlich sein und ab 299 Dollar kosten. Grundlage für das von Amazon modifizierte Betriebssystem ist Android 4.0 alias Ice Cream Sandwich – also nicht die aktuelle Version Jelly Bean.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

23 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Geschlossene Systeme

"Wir wollen Geld verdienen, wenn die Menschen unsere Geräte benutzen – nicht, wenn sie sie kaufen." Was er meint: Die Inhalte sollen das Geld bringen, nicht die Hardware."

Alles schön und gut, aber ein Anbieter, egal ob Amazon, Google oder Apple, der Hardware anbietet, bei der ich mich auf einem Anbieter festlegen muss, um entsprechende Dienste zu nutzen, ist für mich keine Alternative. Da kann das Ding mein Geschirr abwaschen und mir die Haare föhnen, es ist für mich ein KO-Kriterium. Und deswegen habe ich mich bei meinem E-Book nicht für einen Kindle, sondern für einen E-Reader von Sony entschieden. Da kann ich bei Amazon kaufen, muss es aber nicht.

Der Verbraucher sollte sehr genau hinschauen, für wen er sich entscheidet. Kauf er eh alles über Amazon, kann er nichts falsch machen. Möchte er Wahlfreiheit, muss er sich Alternativen suchen. Und die werden, hoffentlich, auch weiterhin angeboten.

Re: Geschlossene Systeme

Auch mir wären offene Systeme lieber. Was machen Sie aber mit den eBooks von Amazon, um Sie auf Ihrem Sony lesen zu können? Bei Amazon bekomen Sie meines Wissens nur eBooks im Amazon eigenen Format. Da fast alle eBooks (ausgenommen die kostenlosen Klassiker, die jedoch nicht gekauft werden müssen) bei Amazon wie bei allen anderen Anbietern geschützt sind, können sie nicht einfach umgewandelt werden. Der Sony ist dahingehend nicht "offener" als der Kindle. Der Unterschied ist, dass eBooks für den Sony bei Thalia oder Libri gekauft werden können, für den Kindle nur bei Amazon. Die Auswahl und der Preis sind jedoch (außer in Ausnahmefällen) identisch.

Auch ich hoffe, dass es weiterhin verschiedene E-Reader gibt und der Verbraucher sich bewusst für oder gegen den Kindle oder den Reader von Sony entscheiden kann.

nur wenn man es zulässt

mich wundern die Empfehlungen für Ihren Betrag. Der Kindle ist kein geschlossenes System. Ich habe auf meinem ebook-Reader von Amazon nicht ein einziges dort gekauftes Buch. Bücher sind mit Leichtigkeit in jedes Format umzuwandeln. Bei Pdf-Dateien klappt das nicht so gut, die lese ich auf dem iPad. Ob das auf dem Kindle-Fire besser geht, bezweifle ich. Den ebook-Reader hatte ich mir seinerzeit gekauft, um in der Badeanstalt oder am Stand lesen zu können. Mittlerweile liegt er aber nur noch in der Ecke, weil ich festgestellt habe, mit Büchern aus Papier geht das auch (noch). Aber egal, es ging ja um das geschlossene System. Und so etwas gibt es nur, wenn man es zulässt. Übrigens, die Kindle-App für den iPod funktioniert ganz hervorragend.

Amazon versorgt verschiedene Systeme mit ihrer Reader-Software.

Darunter sind iOS, Windows Phone, Android, OS X, Windows und es gibt auch einen Wolken-Leser. Offensichtlich ist das schon genug, um den Kunden die DRM-Pest schmackhaft machen zu können.

Ich hoffe inständig, dass die Ebook-Anbieter irgendwann merken, dass ihren Kopierschutzmassnahmen immer nur den ehrlichen Kunden treffen. Die kostenlose, weil raubkopierte Version ist schlicht _komfortabler_ als das bezahlte Original.

Ganz einfach

"Was machen Sie aber mit den eBooks von Amazon, um Sie auf Ihrem Sony lesen zu können? Bei Amazon bekomen Sie meines Wissens nur eBooks im Amazon eigenen Format. "

Ich kaufe nicht bei Amazon. Da ich viele Bücher auch in englischer Sprache lese, war ich obendrein noch gezwungen, mir einen anderen Anbieter zu suchen, denn für viele Bücher gibt es die Rechte noch nicht. Nach ein wenig Recherche bin ich dann auf Anbieter gestoßen, wo das legal möglich war und ich vermisse Amazon nicht. Ich bin bestens bedient mit einem kanadischen Anbieter (Kobo), der sowohl deutsche als auch englischsprachige Bücher anbietet und es offensichtlich keine rechtlichen Probleme gibt. Fragen Sie mich nicht warum, aber es funktioniert. Bei Amazon hingegen nicht.

Generell lässt sich sagen, Marktdominanz (hier Amazon) ist letzten Endes immer zum Nachteil des Kunden. Wäre Amazon da offener, würde ich auch bei Amazon kaufen, so haben Sie mich als Kunden zumindest bei eBooks verloren.

E-Reader vs. Tabletts.

"Den ebook-Reader hatte ich mir seinerzeit gekauft, um in der Badeanstalt oder am Stand lesen zu können. Mittlerweile liegt er aber nur noch in der Ecke, weil ich festgestellt habe, mit Büchern aus Papier geht das auch (noch)"

Na ja, das liegt dann an den persönlichen Präferenzen. Ich lese ungerne am Computer und ein Tablett ist für mich ebenfalls ein Computer. Die Lesequalität eines E-Readers übertrifft die eines Tabletts aus meiner Sicht schon. Und ich kaufe halt nur noch E-Books, weil mein Bücherschrank aus allen Nähten platzt. Für mich ist ein Tablett-Computer keine Alternative zu einem E-Book. Aber das ist mein persönlcher Geschmack. Andere mögen das anders sehen. Ein Multifunktionsgerät kann zwar vieles, aber selten davon etwas richtig.

Alternativen zu Amazon

Interessant. Es ist schon etwas länger her, aber ich war mit der (englischen) Auswahl von Kobo nicht so zufrieden. Beim nächsten eBook werde ich aber schauen, ob ich dort fündig werde. Vor andertalb Jahren habe ich mir auch deshalb den Kindle gekauft, weil ich in (deutschen) Shops eine größere Auswahl englischer Bücher für den Kindle gefunden habe. Da auch meine Papierbücher (leider) zum größten Teil von Amazon sind, schmeiße ich mein Geld weiterhin in den gleichen Rachen.

jeder hat seine Präferenzen

Zitat: "Für mich ist ein Tablett-Computer keine Alternative zu einem E-Book."

Ha, ha, ha. Für mich auch nicht. Es wäre ja genau so als wenn der Kühlschrankinhalt eine Alternative zum Restaurantbesuch wäre. Nur, versuchen Sie einmal ein Pdf-File auf den Kindle oder Sony-Reader zu laden, dann merken Sie was ich meine. So etwas lese ich dann auf dem iPad (3). Übrigens auch ab und zu Zeit + Spiegel Online.

"Free to Play" nun auch bei "Hardware"

"Wir wollen Geld verdienen, wenn die Menschen unsere Geräte benutzen – nicht, wenn sie sie kaufen."

Dieser Aussage gegenüber bin ich sehr skeptisch. In der Computerspiele-Branche hat dieses Prinzip schon seit längerem Einzug gehalten. Hier hat sich teilweise eine virtuelle Zweiklassengesellschaft entwickelt. Also die Leute, die bei den Umsonstspielen direkt alles kaufen und damit Unsummen ausgeben und die, die darauf verzichten aber dadurch auch Nachteile haben.

Nun steht der Ideologien-"Krieg" der Entertainment-Hardware-Anbieter ins Haus. Amazon gegen Apple gegen Google gegen Samsung. Nur noch Samsung ist noch nicht auf diesen Zug aufgesprungen.

Dadurch, dass Apple und Amazon Ihre Kunden allerdings durch Cloudspeicher und AGB an Ihre Geräte fesseln, sind diese Anbieter bei mir schon unten durch. Bruce Willis hat durch seine angebliche Klage nun auch mal den Focus daraufgelegt. http://www.focus.de/digit...

Selbstbefriedigung auf Weltniveau

Ich bin beeindruckt - wieder mal ein neuer, flacher PC. Diesmal kann man scheinbar nicht in erster Linie damit telefonieren, sondern Text lesen und Webseiten ansehen. Toll, das gab's bestimmt noch nie. Meine Begeisterung hat eben psychokinetisch eine kleine Welle in meinem zweiten Kaffee verursacht - oder lag es daran, daß ich versehentlich mit dem Knie an's Tischbein stieß?

Ansonsten sieht das Ding aus wie eines der Handys, mit denen heute "Hans-guck-in-die-Luft" zu "Kevin-glotzt-auf-das-Display" mutiert, mit vergleichbarem Ende der Geschichte.

Auch Apple und Google und andere haben so etwas, habe ich gehört. Ist doch schön, da hat man die Wahl.

Mehr gäbe es dazu eigentlich nicht zu sagen bevor man dazu übergeht, die Begeisterung über den zukünftigen Elektroschrott an Leute mit zu viel Geld zu delegieren und abzuwarten bis die Geräte billiger werden und funktionieren - es eilt ja nicht, man kann ja auch auf dem Laptop, dem PC und dem Handy Text lesen und Webseiten ansehen.

Aber ich habe dennoch ein paar Fragen:

1. Wieso treten diese neuen, kurzlebigen Spielzeuge immer wieder einen medialen Hype los als hätte jemand das Mittel gegen Schnupfen, Krebs und die FDP entdeckt?

2. Wird die Presse erneut für die PR eines Konzerns vereinnahmt?

3. Könnte es sein, daß man bei der PR etwas vergessen hat? Normalerweise läßt man doch an strategisch günstigen Orten in der Nähe von Fernsehanstalten zahlreiche begeisterte Kunden bis zur Erstauslieferung vor Läden warten.