GoogleKalifornien lässt autonome Autos auf die Straße

Bislang waren sie weder verboten noch erlaubt. Jetzt regelt ein Gesetz, was autonome Autos dürfen. Google freut's, kann der Konzern die Technik nun offiziell testen. von 

Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown (links), Senator Alex Padilla und Google-Chef Sergey Brin (rechts) steigen in ein autonomes Auto.

Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown (links), Senator Alex Padilla und Google-Chef Sergey Brin (rechts) steigen in ein autonomes Auto.  |  © Justin Sullivan/Getty Images

Im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien dürfen zu Testzwecken nun offiziell Autos im Straßenverkehr fahren, die niemand aktiv steuert. Gouverneur Jerry Brown hat am Dienstag ein entsprechendes Gesetz unterzeichnet. Er tat das werbewirksam in der Firmenzentrale von Google in Mountain View.

Google wird sich über diese Art der Wirtschaftsförderung freuen. Der Konzern testet autonome Autos in Kalifornien seit Jahren. Möglich war das, weil dieser Fall in den dortigen Gesetzen einfach nicht geregelt war. Autonome Fahrzeuge waren nicht explizit erlaubt, aber eben auch nicht verboten.

Anzeige

Im Februar hatte der kalifornische Senator Alex Padilla einen Gesetzentwurf vorgelegt, um den Einsatz zu regeln. Das mit der Unterschrift des Gouverneurs in Kraft getretene Gesetz legt jetzt Normen fest, nach denen solche Autos betrieben werden dürfen. Dazu gehören:

  • ein Fahrer mit gültigem Führerschein,
  • der auf dem Fahrersitz sitzt,
  • der jederzeit eingreifen und sofort das Fahrzeug lenken kann,
  • der bei der Firma angestellt oder von ihr beauftragt ist, die diese Technologie entwickelt und testet
  • sowie eine Versicherung für das Fahrzeug über mindestens fünf Millionen Dollar.

Auch an die verwendete Technik zum Bewegen des Autos werden nun bestimmte Anforderungen gestellt:

  • Der Autopilot muss leicht an- und ausgeschaltet werden können.
  • Es muss klar erkennbar sein, dass der Autopilot angeschaltet ist.
  • Bei einer Fehlfunktion muss das Fahrzeug von selbst anhalten, wenn der Fahrer nicht eingreift oder nicht eingreifen kann.
  • Die Sensordaten der Fahrt müssen so gespeichert werden, dass auch Daten 30 Sekunden vor einer Kollision vorhanden sind.
  • Daten der Fahrten müssen drei Jahre lang aufbewahrt werden.

"Heute werden wir Zeuge, wie aus Science Fiction die Realität von morgen wird – das selbstfahrende Auto", sagte Brown. "Jeder, der in ein Auto steigt und feststellt, dass es von alleine fährt, wird zwar erst etwas nervös sein. Aber er wird darüber hinweggekommen."

Allerdings sind noch längst nicht alle Fragen geklärt, die sich mit dem Einsatz von autonomen Autos stellen. Die gesetzliche Erlaubnis beschränkt sich daher im Moment auf Tests. Verkauft werden dürfen solche Fahrzeuge noch nicht, das ist in Kalifornien erst ab 2015 geplant. Bis dahin müssen sie noch eine Reihe von Anforderungen der Verkehrsbehörde erfüllen, von denen viele noch nicht einmal genau ausgearbeitet sind.

Leserkommentare
    • zappp
    • 26. September 2012 15:23 Uhr

    Denn somit verlieren Bus und Bahn einen wesentlichen Vorteil, nämlich dass man während der Fahrt Arbeiten, Lesen oder Internet daddeln kann.

    Ich bedauere schon jetzt die Aussendienstler der Zukunft, von denen dann erwartet wird den Papierkram unterwegs zu erledigen.

  1. Eine revolutionieren Technologie, die Mobilität für immer verändern wird. Was früher pure Science Fiction war, wird langsam Realität. Ein technologischer Qunatensprung. Aber Nein der 1. Kommentar dazu ist Negativ. Willkommen in Deutschland !

    3 Leserempfehlungen
  2. ironisch gemeint war.

    Vorallem was soll bitte "Internet daddeln" sein?...
    Daddeln bedeutet so viel wie zocken oder spielen,
    Internet zocken also.. Ahja..

    • Streuer
    • 26. September 2012 18:46 Uhr

    Ich glaube nicht, dass man sich Sorgen machen muss, dass Aussendienstler am Steuer arbeiten müssen - das wird einfach nicht erlaubt sein. Auch wenn das Auto selbst fährt, wird die Person noch aufmerksam sein müssen. Zumindest gehe ich davon aus ;)

    • zappp
    • 26. September 2012 18:48 Uhr

    Wer das Fahren dem Computer überlässt, verliert womöglich das Interesse an übermotorisierten Pseudosport und -geländewagen. Die Autos werden leichter und sparen Energie, auch durch eine mehr vorausschauende als durch menschliche Ungeduld geprägten Fahrweise.

    Feinsinnige Ironie ist echt schwer.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • 15thMD
    • 27. September 2012 0:06 Uhr

    Leide glaube ich, dass diese Autos vor allem deswegen von vielen älteren Menschen gefahren werden, weil man bequem ein- und aussteigen kann.. Daher hängt die Nachfrage glaube ich wenig mit dem "Fahrspaß" selber zusammen, sondern viel mehr mit der Anzahl von Bandscheibenvorfällen bei Menschen, die sich solch einen Wagen leisten können.
    Das ist auf jeden Fall meine Beobachtung.

  3. Die USA - und in Sonderheit die Hochtechnologieregion an der Westküste - waren schon immer Motoren des Fortschritts.
    Wenn in den USA mit einer neuen Idee bereits die ersten 100 Millionen Dollar Gewinn erzielt wurden, hat man in Deutschland noch nicht einmal alle Genehmigungen und Beglaubigungen zusammen.
    In der deutschen Straßenverkehrsgesetzgebung finden sich garantiert genügend Paragraphen, die eine Umsetzung hierzulande "erfolgreich" verhindern würden.
    Wobei beim Fahrstil einiger deutscher Zeitgenossen autonome Autos auch aus Gründen der allgemeinen Sicherheit eine sehr befürwortenswerte Idee wären. Aber das nur nebenbei.

  4. Das Ganze ist sehr interessant für mich, weil ich auf einem Auge fast blind bin und deshalb sehr ungern Auto fahre, gerade wenn viel Verkehr ist! Ich hoffe deshalb, dass diese Technologie schnell serienreif wird.
    Außerdem sind große Effizienzsteigerungen möglich, die nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sind. Durch autonome Autos werden Car Sharing Modelle richtig interessant, wenn die Autos irgendwann automatisch vorfahren und wieder zu ihren Sammelplätzen zurückfahren. Das spart Zeit, Geld und entlastet den Verkehr. Wer trotzdem Bock auf die eigene Karre hat, dem ist das natürlich auch weiter ungenommen, es ist aber keine Notwendigkeit mehr :-) Bis die selbstfahrenden Autos serienreif sind wirds natürlich noch dauern, aber die Entwicklungen machen gute Fortschritte und die Unfallgefahr schätze ich auch eher geringer an als durch menschliches Versagen, das jährlich zehntausenfach vorkommt.

  5. Ich wohne etwa 40 Autominuten von der Google Zentrale im Silicon Valley entfernt. Wollte ich dorthin fahren, müsste ich den Grossteil der Zeit im Stop- and Go- Verkehr auf der "101", einer zum Teil zehnspurigen Autobahn verbringen. Der Gedanke, dass sich dort "Roboterautos" von alleine zurechtfinden sollen scheint absurd, und ehrlich gesagt besorgniserregend. Ich sehe da schon ein paar haarsträubende Gerichtsverfahren auf Google zu kommen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wenn man hier in Deutschland täglich auf der Autobahn die zähfließenden Verkehrsströme und die überflüssigen, denn durch Fahrfehler verursachten Ziehharmonikabewegungen und die falschen Reißverschlussverfahren an Einfahrten an den großen Kreuzen sieht bleibt einem nur eine Vermutung übrig:

    Ein sinnvolles automatisches System würde viel davon verhindern können, denn die vielen kleinen menschlichen Fehler, Unvorsichtigkeiten und Egoismen würden mit Sicherheit minimiert werden.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | Auto | Autoindustrie | Eric Schmidt | Fahrzeug | Freie Universität Berlin
Service