DatenbrilleGoogle Glass ist "cool, aber verwirrend"

Neues macht Angst. Googles Datenbrille Glass ist keine Ausnahme, da sie beispielsweise unbemerkt Fotos macht. Aber ihr Potenzial sei groß, schreibt der erste Tester. von 

Google-Chef Sergey Brin mit Google Glass, hier mit Sonnenschutzgläsern

Google-Chef Sergey Brin mit Google Glass, hier mit Sonnenschutzgläsern  |  © Kevork Djansezian/Getty Images

Bislang ist die Videobrille Google Glass lediglich eine technische Studie, die vorerst nur jene zu sehen bekommen werden, die sich für 1.500 Dollar ein Entwicklermodell gesichert haben . Doch nun gibt es einen ersten, wenn auch kurzen unabhängigen Test des Brillen-Smartphones.

Spencer Ante vom Wall Street Journal konnte ein Modell ausprobieren und beschreibt, wie es sich anfühlt und was es bringt.

Anzeige

Das Gerät ist im Prinzip ein Smartphone, das Bilder machen, Google Maps aufrufen, Botschaften verschicken oder Videos aufnehmen kann, alles gesteuert durch Sprachkommandos. Die Brille hat dazu zwei Mikrophone, einen Akku in einem Brillenbügel, eine kleine Kamera und ein sogenanntes HUD, ein Head-up-Display, einen Bildschirm vor dem rechten Auge. Auf den Befehl "Ok, Glass" öffne sich in diesem Bildschirm ein Menü, aus dem der Träger dann Funktionen wie Video oder Telefon wählen könne, schreibt Ante.

Das Gestell sei leicht – nur "ein paar Unzen schwer". Woraus sich grob schätzen lässt, dass es vielleicht einhundert Gramm wiegt. Es trage sich zumindest durchaus angenehm.

Cool, aber verwirrend

Ante schreibt: "Nach zehn Minuten des Herumspielens mit Google Glass ist mir das langfristige Potenzial der Technik durchaus klar. Das Gerät passt gut. Es war simpel, ein Foto zu machen oder ein Video aufzunehmen, ohne dass ich dazu mein Smartphone hätte aus der Hosentasche nehmen müssen. Die Informationen vor dem rechten Auge zu sehen, war cool, wenn auch ein wenig verwirrend. Ich habe dabei immer das linke Auge geschlossen, was unbequem war."

Google Glass hat eigentlich keine Brillengläser, gemeint ist damit nur der Rahmen und die Kamera.

Google Glass hat eigentlich keine Brillengläser, gemeint ist damit nur der Rahmen und die Kamera.  |  © Kevork Djansezian/Getty Images

Mit dem einen Auge auf das Leben zu schauen und mit dem anderen gleichzeitig auf einen Bildschirm, ist in der Tat nicht so einfach. Einerseits sind wir gewohnt, dass beide Augen die gleichen Informationen liefern. Andererseits gibt es eine sogenannte Augendominanz . Die Daten von einem Auge, bei vielen ist es das rechte, bewertet das Gehirn als wichtiger. Vor dem rechten Auge hängt der Videoschirm zum Einblenden der Bilder. Stolpern kann also durchaus mal vorkommen.

Bei dem Test sei aber noch viel störender gewesen, dass die Software noch nicht fertig entwickelt sei, schreibt Ante. Viele der Funktionen, die für den Verkaufsstart Ende des Jahres geplant sind, seien noch nicht implementiert. So habe er damit nicht telefonieren können und auch Textbotschaften konnte er nicht empfangen und verschicken. Die Kartendarstellung sei zwar als Prototyp vorhanden, habe Google versichert – in der Brillenversion, die er genutzt habe, aber noch nicht enthalten gewesen.

Probleme mit Datenschutz und Urheberrecht

Ante erwähnt auch noch ein anderes Problem: den Datenschutz. Die Technik erlaubt es, ohne weitere Handlungen Fotos zu machen. Google-Chef Sergey Brin beispielsweise schwärmt in Blogposts davon, dass die Brille alle zehn Sekunden automatisch ein Bild machen könne . Er liebe es, schreibt Brin, Bilder seiner Kinder zu machen, während er mit ihnen spiele. Es ist schon schwierig genug, zu erkennen, wenn man mit einer Digitalkamera oder einem Smartphone fotografiert wird. Aber ob die Google-Brille gerade ein Bild gemacht hat, kann der Fotografierte praktisch nicht feststellen.

In vielen Situationen ist es gut vorstellbar, dass diese Technik als Bedrohung erlebt wird. Und zwar nicht nur für die Privatsphäre: Da Google Glass nicht nur Fotos, sondern auch Filme aufnehmen und sofort ins Netz stellen kann, wird die Datenbrille in Kinos wohl schnell verboten sein.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. ....welche Situation absurder daherkommt. Das Spielen mit den Kindern oder aber der Kinobesuch - jeweils mit Sonnenbrille.

    3 Leserempfehlungen
    • webdev
    • 12. September 2012 18:57 Uhr
    5. Arghh

    shut up and take my money!

    3 Leserempfehlungen
  2. 10. Klar...

    Das ist in etwa so sinnvoll wie sich eine Minikamera holen und dort verstecken. Oder meinetwegen das Smartphone.
    Fast alles negative Kommentare. Was ist, wenn ich Ihnen sage: Wenn jemand ein Foto von Ihnen haben will wird er es höchstwahrscheinlich schaffen, auch ohne Google Glasses.

    Natürlich ist dieses Teil nicht für jeden was, manche brauchen eben nicht immer Facebook auf dem Bildschirm. Aber das wichtigste daran ist, dass es ein technologischer Fortschritt ist. Google geht lediglich dem Markt nach, auch ohne dieses Unternehmen wäre solch ein Gerät irgendwann einmal kreiert worden. Es jetzt als Antichrist zu krönen ist lächerlich. Es gibt keinen Moment, in dem man sagen kann: Jetzt ist genug, keine neue Technik mehr bitte.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "<Sarkasmus>"
  3. aber gleichzeitig der feuchte Traum von Google (&Co.): Dass wir die Welt nur noch durch ihre Brille sehen.
    Ich empfinde das, was in solcher - oder ähnlicher - Form auf uns zukommt, als zutiefst beängstigend: Gesichtserkennung, die zunehmende Abhängigkeit von Technik; jetzt sogar noch, dass andere alles sehen können, was wir sehen...

    Eine Leserempfehlung
    • JWGRU
    • 13. September 2012 0:24 Uhr

    Wenn man den Trend der Smartphones zu immer grösseren Bildschirmen beobachtet, dann ist die Brille sicher ein grosser technischer Fortschritt, da sie den Apparat wieder handy werden lässt. Man hat nur noch die Brille auf und das Smartteil verschwindet in der Hosen oder Jackentasche. Ein 10 Zoll apparat ist da einfach unhandlich.
    Das überblenden von Real- und Virtuellwelt ist nur eine Gewöhnungssache. Und sicher wird es APPs geben, die dann die Sicherheit beim Bordsteinflanieren sicherstellen.
    Da offenbar alles akustisch abläuft, hat man die Hände wieder frei; nur was wird das auf den Strassen und Fussgängerbereichen für ein ständiges Gemurmel geben, da alle mit ihrem Apparat reden. Aber der Gedankenleseapparat ist ja schon in Entwicklung.

    Wie muss man sich eine Gesellschaft vorstellen, wo ohne Genehmigung Bilder in die Öffentlichkeit des Internets gestellt werden, womöglich noch auf das übelste kommentiert, da der Autor ja dank derzeitiger Internetkonvention anonym bleiben kann, wenn er/sie das will. Die Foren zeigen ja, wie leicht bösartige Kommentare geschrieben werden dank Anonymität.
    Da keiner mehr vor Fotoablichtung sicher ist, wird Burka und Maske im Strassenverkehr aber auch in Geschäften und Restaurants bald akzeptierte Standardkleidung sein. Das kann sehr elegant aussehen; aber ist eine Gesellschaft wünschenswert, in der man sich verbergen muss, da man vor neugierigen Kameraaugen und bösen Verleumdungen im Schutz des Internets nicht mehr sicher ist?

    Eine Leserempfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | Sergey Brin | Akku | Brille | Datenschutz | Digitalkamera
Service