AndroidMotorola sucht Alleinstellungsmerkmale

Das Razr i wird das erste Smartphone mit Intel-Prozessor in Deutschland. Der Chiphersteller will den Markt ein wenig aufmischen, Motorola will vor allem auffallen. von Lutz Herkner

Razr i

Das Razr i von Motorola  |  © Motorola

Einst setzte Motorola Trends, heute haben die Smartphones der Amerikaner hierzulande Seltenheitswert. Der Marktanteil liegt im einstelligen Bereich. Nach der Übernahme durch Google wagt Motorola nun einen neuen Anlauf. Beim heute vorgestellten Modell Razr i setzt der Hersteller auf eine besonders lange Akkulaufzeit und auf Schnelligkeit. Sicherstellen soll die vor allem ein Prozessor von Intel.

Mit einer Akkuladung auch über einen arbeitsreichen Tag zu kommen, ist bislang eine Herausforderung für sämtliche Touchscreen-Telefone. Das Razr i soll das problemlos schaffen, dank eines Akkus mit immerhin 2.000 Milliamperestunden . Ob das realistisch ist, werden Tests mit den finalen Geräten zeigen müssen.

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Darüber hinaus handelt es sich auch um das erste Smartphone mit Intel-Prozessor, das hierzulande erhältlich sein wird. Geräte wie das Lava Xolo 900 oder das K800 von Lenovo wurden bislang nur im Ausland verkauft. Und ZTE hat auf der Internationalen Funkausstellung Ifa zwar das Grand X IN mit Intel-Chip vorgestellt, aber nicht offiziell bestätigt, dass es nach Deutschland kommt – geschweige denn, wann es soweit sein soll.

Bisher steckt in Smartphones fast immer Chip, der auf der ARM-Architektur basiert, woraus Hersteller wie Qualcomm, Samsung , Nvidia oder Apple ihre eigenen Prozessoren entwickeln. Auch die kürzlich in New York vorgestellten Motorola-Telefone für den amerikanischen Markt arbeiten mit einem auf der ARM-Architektur beruhenden Prozessor. Intel will mit seinem späten Vorstoß in den mobilen Markt nun für Konkurrenz sorgen. Und Motorola hat damit wenigstens ein technisches Alleinstellungsmerkmal, um zwischen den vielen Konkurrenten ein wenig aufzufallen. Ohne solche Besonderheiten dürfte sich am mageren Marktanteil wenig ändern.

Mechanischer Auslöser für die Kamera

Das Razr i wird mit dem Betriebssystem Android 4.0 von Konzernmutter Google ausgeliefert. Ein Update auf die aktuelle Version 4.1 alias Jelly Bean hat Motorola zwar versprochen, ohne aber einen konkreten Termin nennen zu wollen. Dem ersten Eindruck nach laufen die Apps aus Google Play sauber und ruckelfrei, dennoch ist der Rückgriff auf die ältere Android-Version etwas enttäuschend.

Der Chip ist mit zwei Gigahertz getaktet und soll besonders schnell arbeiten, gleichzeitig aber wenig Energie verbrauchen. Motorola verspricht eine Gesprächszeit von 20 Stunden. Beim Stromsparen helfen sollen auch die sogenannten Smart Actions, die das Nutzerverhalten über mehrere Tage hinweg analysieren und selbständig Vorschläge für zeitgesteuerte Regeln machen. So würden zum Beispiel GPS und WLAN über Nacht automatisch ausgeschaltet werden, sobald der Tagesrhythmus der Nutzers bekannt ist. Zudem erinnert das Smartphone seinen Besitzer rechtzeitig daran, den Akku zu laden.

Die Kamera schießt Fotos mit acht Megapixeln, auf Wunsch auch zehn Stück pro Sekunde. Ein mechanischer Auslöser in der rechten Flanke soll sie binnen weniger als einer Sekunde starten. Das gilt auch für den Fall, dass der Touchscreen des Telefons gerade gesperrt ist. Dennoch gelangt der Nutzer ohne explizite Freigabe nicht in den restlichen Teil der Oberfläche: Nach dem Ausschalten der Kamera kehrt das Razr i in seinen Ausgangszustand zurück, also in die Tastensperre. Dadurch soll die Kamerafunktion an Eigenständigkeit gewinnen.

Leserkommentare
    • Holzohr
    • 18. September 2012 20:14 Uhr

    Ich habe seit ca. 3 Wochen das Razr Maxx, der Akku wird mit 3300 mAh angegeben. War neben ICS auch der Kaufgrund. Macht sich wohltuend bemerkbar im Alltag, verglichen mit meinem vorherigen Desire S kann man nun auch mal beruhigt 2-3 Tage außer Haus sein. Auch von der Verabeitung her kann ich nicht meckern.
    Mein erstes Handy war von Motorola, vor knapp zwei Jahren griff ich dann zum Milestone. Gutes Gerät aber leider lausiger Support. Bin deswegen zu HTC, aber die scheinen sich derzeit auch auf ihren Lorbeeren der vergangenen Jahre auszuruhen.
    Nun also doch wieder ein Motorola. Ich hoffe, dass Motorola sich jetzt besser um seine Geräte kümmert, auch "mit Hilfe" von Google. Die Besitzer des normalen Razrs mussten ja ganz schön leiden. Gestern kam ein Zwischendurch-Update, ein erstes Zeichen für mich, dass sich gekümmert wird. Fühle mich ein bisschen wie ein Exot unter den Samsung und HTC Besitzern, fühle mich aber (im Moment) ganz gut dabei.

    • Holzohr
    • 18. September 2012 20:19 Uhr

    Huch, hier fehlt eine Editier-Funktion. Zum Milestone griff ich vor drei Jahren und es sollte "Verarbeitung" heißen.

  1. Das beste Alleinstellungsmerkmal Motorolas war die Milestone Reihe. Sehr gute und zuverlässige Hardware, mit ausschiebbarer Tastatur. Leider kein Vanilla Android und damit wie alle von Herstellern "angepassten" Betriebssysteme Schrott. Einfach weil es kaum bis nie Updates gab und die Software eine massive Bremse war. Dazu war noch der Bootloader gesperrt wodurch es nur mit Tricks CyanogenMods gab. Aber wenigstens die haben die Reihe zu den besten Handys am Markt gemacht.

    Ich würde mir für die Zukunft wieder ein Handy mit HW-Tasta wünschen, vielleicht etwas flacher wenn machbar. Dazu AMOLED Display, Mini-HDMI, lange Akkulaufzeit im Standby (5 Tage oder mehr) und nur eine 4-5MP Cam hinten. Für Schnappschüsse ausreichend, Qualität gibts bei so winzigen Cams ohnehin nicht. Das Geld würde man besser in den Rest der HW investieren. Metallgehäuse z.B. oder verschiedene Displaygrößen (3-5"), direkt zu ordern wie Autos.

    2 Leserempfehlungen
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    • grwilli
    • 18. September 2012 21:31 Uhr

    Sie sprechen mir aus der Seele. Wer will schon zig Megapixel in einem Telefon, wenn die Fotos am Ende doch nix taugen. Ne ecjte Tastatur dagegen, das wär was!
    In den USA gibt's das Razr übrigens mit Tastatur als Milestone 4 zu kaufen:
    http://www.motorola.com/u...
    Vielleicht kommts nach Europa. Ich fürchte nein.

    • grwilli
    • 18. September 2012 21:31 Uhr

    Sie sprechen mir aus der Seele. Wer will schon zig Megapixel in einem Telefon, wenn die Fotos am Ende doch nix taugen. Ne ecjte Tastatur dagegen, das wär was!
    In den USA gibt's das Razr übrigens mit Tastatur als Milestone 4 zu kaufen:
    http://www.motorola.com/u...
    Vielleicht kommts nach Europa. Ich fürchte nein.

    Antwort auf "Wunschliste"
  2. Die Batterie?

    Sie scherzen doch, oder?

    Manche Zeit-Online-Artikel sind lächerlich. Genauso wie manche Smartphonehersteller, die keinen Mumm/Expertise haben, etwas Neues zu machen.

    • Mirkor
    • 19. September 2012 2:29 Uhr
    6. Apple

    bereitet sicher schon die nächste Klage vor.

    Eine Leserempfehlung
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    .. dass solche Kommentare anderen Foren vorbehalten blieben.

  3. Auf der Android-Plattform erkauft man sich "customizing" mit erhöhtem Upgrade-Aufwand - in der Praxis bedeutet dies, das nahezu alle Smartphones ausser denen von Google selbst (Nexus-Serie) bereits jurz nach Markteinführung auf den Support der "aftermarket"-Distribution Cyanogenmod angewiesen sind.

    Technisch ist es mit Alleinstellungsmerkmalen nicht einfach: eierlegende Wollmilchsäue sind sie inzwischen doch alle, unsere täglichen digitalen Begleiter. Die Unterschiede liegen nur noch in unbedeutenden Details und natürlich bei Form und Farbe.

    Mein Vorschlag bzw. Bitte an Motorola oder Samsung: so gut die aktuelle SuperAMOLED2-Display-Generation auch ist, verbaut doch mal wenigstens für eine Test-Serie PixelQi-Displays. Ein Gerät, welches man auch unter grellster Sonne noch perfekt ablesen kann, das wäre nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal sondern auch nochmal ein deutlicher Fortschritt.

    Eine Leserempfehlung
  4. Ich verstehe im Moment die Hersteller nicht, vor kurzem erst wurde das razr m vorgestellt und die Unterschiede zu dem razr i sind absolut minimal: http://www.smart-vergleic...
    Es ist lediglich der sparsame Prozessor und dafür ein neues Model auf den Markt werfen? Das muss doch nicht sein.

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    Hi BadAngel,
    das i steht für Intel, also eine komplett andere intere Struktur der CPU und des Chipsatzes. Das ist auch die eigentliche Neuerung des Razr, aber das kommt im Beitrag nicht so raus. Die Frage ist halt, was die Dinger taugen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | Sucht | Android | Samsung | Akku | Apps
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