Nokia hat in New York sein neues Smartphone vorgestellt, das Lumia 920 mit dem Betriebssystem Windows Phone 8 , das Microsoft offiziell erst Ende Oktober veröffentlicht. Mit dem bunt designten Smartphone scheint Nokia vieles richtig gemacht zu haben.

Das Lumia 920 beherrscht den neuen Mobilfunkstandard LTE, und das sogar inklusive der in Europa verwendeten Frequenzen, was bei anderen Geräten mit 4G alles andere als selbstverständlich ist. Ein NFC-Chip ist ebenfalls im Gerät, außerdem eine Acht-Megapixel-Kamera.

Nokia spricht in diesem Zusammenhang von "PureView" und verbaut besonders leistungsfähige Bildsensoren. Gemeint ist damit aber nicht wie beim Nokia 808 PureView ein Oversampling, also das Aufnehmen mit bis zu 38 Megapixeln und anschließende Herunterrechnen auf acht Megapixel. Vielmehr verdient sich das Lumia 920 nach Meinung des Herstellers diesen Zusatz aufgrund des verwendeten BSI-Sensors. Der soll mehr Licht einfangen als reguläre Sensoren, weswegen Bilder nicht so sehr unter Farbrauschen leiden.

Neu für Mobiltelefone ist der Einsatz eines optischen Bildstabilisators: Das Linsensystem soll in einer Flüssigkeit gelagert sein und somit leichte Bewegungen wie das Zittern der Hand kompensieren. Als Folge dessen führen längere Verschlusszeiten nicht mehr zu verwackelten Bildern. Handy-Aufnahmen in geschlossenen Räumen oder am Abend wären damit zumindest weniger schwierig.

Augmented Reality im Kamerabild

Ein erster, kurzer Test brachte tatsächlich recht beeindruckende Ergebnisse, auch bei Videos. Wo die Grenzen des Systems liegen, ließ sich in der Kürze der Zeit nicht ausloten, doch ein positiver erster Eindruck bleibt.

Integriert in die Kameratechnik ist auch eine Augmented-Reality-Funktion: Dabei wird das Live-Bild auf dem Display durch zusätzliche Informationen angereichert und beispielsweise das nächste Café oder Restaurant angezeigt. City Lense nennt Nokia das.

Der 4,5 Zoll große Touchscreen mit 1.280 mal 768 Pixeln soll eine Auflösung von 332 ppi erreichen, die Bildpunkte also enorm dicht packen. Und weil diese Auflösung leicht über dem HD-Standard von 1.280 mal 720 Pixeln liegt, nennt Nokia das im Werbesprech "PureMotion HD+". Der erste Teil der Bezeichnung spielt auf die Geschwindigkeit an, mit der das Display bewegte Bilder anzeigt. Nach eigenen Angaben soll es sich um den schnellsten LCD handeln, der je in einem Smartphone verbaut wurde, Nachzieheffekte soll es quasi nicht mehr geben.

Bedienen lässt sich der Touchscreen übrigens auch, wenn man Handschuhe trägt. Und wie bereits beim Lumia 800 ist die mit Gorilla Glas 2 beschichtete Oberfläche kissenförmig gewölbt und geht nahezu nahtlos in das Gehäuse über.

Ladematten bei Kooperationspartnern

Das besteht aus einem sogenannten Unibody, also schlicht aus einem Teil, nicht mehreren zusammengesteckten Rahmen. Das bedeutet aber auch, dass sich der Akku nicht austauschen lässt. Die 2.000 Milliampere fassende Zelle lässt sich dafür ohne Kabel aufladen. Das Telefon wird dazu auf eine dem Qi-Standard für induktives Laden entsprechende Matte gelegt. Nokia zeigte gleich auch etliches Zubehör von Drittanbietern, darunter eine Ladematte fürs Sofa: So kann das Handy auftanken, während man selbst entspannt.

Ebenso sollen Kooperationen mit Fluglinien und Kaffeeketten dazu führen, dass im Bestfall immer irgendwo eine Ladematte in Reichweite ist. Die ersten beiden Partner nannte Nokia auch schon: die Fluglinie Virgin Atlantic und die Kaffeehauskette Coffebean & Tea Leaf.

Nokia verwendet zwar eine ähnliche Technik wie seinerzeit HP bei seinen WebOS-Geräten, macht daraus – auch dank der Kooperationen – aber ein komplettes Konzept. Das ist bequem für den Nutzer und geht eines der Grundprobleme aller Smartphones an: die zu kurze Akkulaufzeit. Wobei die beim Lumia auch nicht revolutionär ist. Nach Angaben des Konzerns hält der Akku 67 Stunden lang, wenn der Nutzer Musik hört, oder sechs Stunden, wenn er Videos sieht, oder zehn Stunden, wenn er im 3G-Netz Gespräche führt.

32 Gigabyte Speicher und ein Dual-Core-Prozessor

Zum Betriebssystem wollten die Finnen nicht allzu viel sagen, und auch die kurze Vorstellung einiger neuer Funktionen zeigte nichts wirklich Weltbewegendes. Die Möglichkeit, Screenshots anzufertigen, ist zwar hilfreich, aber nicht gerade eine außergewöhnliche Funktion, andere Betriebssysteme können das auch.

Mit dem Lumia 920 hat Nokia ein starkes Stück Hardware hingelegt, das mit der Konkurrenz in vielerlei Hinsicht mithalten kann. Zugegeben, der Zweikern-Prozessor ist nicht das Neueste vom Neuen, aber auch ohne Vierkern-Chip ist das Lumia 920 schnell und ruckelfrei. Und für Multitasking reicht es auch.

Was fehlt, ist ein Steckplatz für Speicherkarten. Intern bietet das Gerät 32 Gigabyte Speicher. Aber das dürfte den meisten Käufern wohl reichen. Und Windows Phone 8 bügelt, soweit bisher bekannt, viele Mankos der Vorgängerversion aus.

Und noch etwas hat Nokia nicht verraten: wann genau das Lumia 920 in den Handel kommt – und wie viel es kosten wird.