Amazon : Lesen verboten

Amazon sperrt das Konto einer Kundin und den Zugriff auf ihre E-Books, weil sie gegen Nutzungsbedingungen verstoßen haben soll. Gegen welche, will Amazon nicht verraten.
Amazon-CEO Jeff Bezos mit einem Kindle Paperwhite © GUS RUELAS / Reuters

Amazon bewirbt seinen neuen E-Reader Kindle Paperwhite mit dem Spruch "Die ultimative Leseerfahrung". Ultimativ kommt vom lateinischen Wort ultimare: zu Ende gehen. Insofern ist es nur konsequent von Amazon, wenn es nun das Kundenkonto einer Norwegerin ohne Angabe von Gründen löschte, und damit auch ihren Zugang zu allen ihren E-Books, die sie für ihr Kindle-Lesegerät gekauft hatte.

Die Geschichte der Norwegerin ist eine über Kopierschutz, E-Book-Lizenzen, über Datenverknüpfungen bei Amazon und die Unfähigkeit des Konzerns, mit Kunden und Journalisten zu kommunizieren.

Der Reihe nach: Ein norwegischer Blogger namens Martin Bekkelund hat die Geschichte der Frau als erster erzählt, indem er ihren E-Mail-Wechsel mit Amazon veröffentlichte. Die Norwegerin, die nach Angaben von Bekkelund mit Vornamen Linn heißt, bemerkte vor Kurzem, dass ihr Amazon-Konto gesperrt war. Eine Erklärung dafür hatte sie nicht, also schrieb sie eine E-Mail an Amazon mit der Bitte um Hilfe.

Die Antwort kam von einem gewissen Michael Murphy von Amazon.co.uk. Er schrieb: "Wir haben herausgefunden, dass Ihr Konto direkt mit einem anderen verbunden ist, das wir aufgrund von Verstößen gegen unsere Nutzungsbedingungen bereits gesperrt haben. Deshalb haben wir Ihr Konto gesperrt und alle offenen Bestellungen storniert." Die Nutzungsbedingungen von Amazon erlaubten es dem Unternehmen, solche Maßnahmen nach eigenem Ermessen zu ergreifen. Es folgte der Satz: "Bitte beachten Sie, dass jeder Versuch von Ihnen, ein neues Konto zu eröffnen, die gleichen Folgen haben wird".

Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Linn wusste nicht, wovon Murphy sprach. Sie habe immer dieses eine Konto bei Amazon gehabt und vor allem für den Kauf von E-Books genutzt, schrieb sie ihm. Wie könne es da plötzlich Probleme geben?

Die Antwort von Murphy brachte kein Licht ins Dunkel: "Wir können Ihnen nicht sagen, wie wir Konten verknüpfen. Aber bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass wir Ihr Konto auf der Basis von uns vorliegenden Informationen überprüft haben und Ihnen leider mitteilen müssen, dass es nicht wieder eröffnet wird. Bitte verstehen Sie, dass dies ein dauerhaftes Vorgehen ist."

Auf Linns explizite Nachfrage, ob es richtig sei, dass Amazon ihr keine Informationen darüber geben könne, wie Ihr Konto mit einem anderen verbunden sei, um welches Konto es sich überhaupt handele und gegen welche Bedingung sie verstoßen haben soll, bekam sie eine noch knappere Antwort. Murphy schrieb: "Unglücklicherweise sind wir nicht in der Lage, Ihnen irgendwelche weitergehenden Einblicke oder Vorgehensmöglichkeiten in dieser Angelegenheit anbieten zu können. Wir wünschen Ihnen Glück bei der Suche nach einem Händler, der Ihre Bedürfnisse besser erfüllt."

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Kommentare

99 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

fehlende Kommunikationsbereitschaft

kann ich nicht nachvollziehen.
Die Kommunikation mit Amazon ist grottenschlecht. Als Anbieter von Büchern, aber inzwischen auch anderen Medien, wie Musik und Spiele, hat Amazon eine Quasi-Monopolstellung und leistet sich den einen oder anderen Fauxpas. Den kann sich Amazon auch leisten und der einzelne Kunde kommt dagegen nicht an.
Mir ist es passiert, dass ich einen Betrag doppelt überwiesen hab. Der doppelte Betrag wurde trotz aller Bekundungen vom Amazon-Kundendienst bis heute nicht auf mein Konto zurückgezahlt. Als Einzelner hat man nicht den Nerv dagegen anzugehen.
Der Verbraucherschutz sollte sich auch vermehrt um den Online-Handel kümmern, v.a. aber um Riesen wie Amazon, E-Bay und Co.
Diesen Satz von Zeit kann ich nur unterstreichen:
"Der ganze Vorgang verdeutlicht, wie wehrlos einzelne Personen gegen ein Unternehmen wie Amazon sein können"

Amazon-Kundenservice.. seit Anfang des Jahres verschlechtert

Nach meiner Erfahrung hat sich der Kundenservice von Amazon in den letzten neun Monat erheblich verschlechtert. Ja, früher war der Service einer der Besten, meine letzten Erfahrungen mit Amazon waren allerdings ähnlich frustrierend wie DELL oder T-Mobile: Sprachschwierigkeiten, E-Mails werden von ausländischem Personal nicht sinngemäß beantwortet, usw. usw.

Ich muß nicht immer gleich das Allerneueste haben

Ich habe doch niemanden verboten ein Kindle oder einen anderen E-Reader und damit auch ebooks zu erwerben. Für die "normalen" Bücher, also für jene die ich immer um mich haben und lesen will, kann ich mir so ein Ding nicht vorstellen. Vielleicht lege ich mir auch mal einen Kindle zu, wenn die Technik ausgereifter ist. Ich gehe davon aus, daß sie irgendwann einmal die Papierzeitungen ersetzen werden, für Schüler wären sie auch praktisch, dann müßten die Kinder und Jugendlichen nicht so viele Bücher mit sich schleppen, könnte auch langfristig billiger für die Eltern sein.

Da ich kein Technikfreak bin, muß ich nicht gleich das allerneueste haben, ich warte immer bis die Technik ausgereift und billiger geworden ist. Solange solche Fälle wie die in dem Artikel beschriebenen, vorkommen können, die "Kinderkrankheiten" also noch nicht ganz ausgemerzt sind, brauche ich auch keinen E-Reader.

Fragwürdige Argumentation

Die Technik ist schon ausgereift und billig geworden. Die genannten Kinderkrankheiten beziehen sich nur auf die Vermarktung von Amazon. Und das ist das einzige Problem bei der ganzen Geschichte. Die Ebook-Reader-Geräte sind dank E-Ink-Display schon sehr gut zum lesen und ein Ebook-Reader kann auch freie Ebooks, PDFs und Zeitungen abspielen.

Ebooks zu kaufen lohnt sich mit der Amazon Preispolitik eben nicht:

Winter der Welt: BUCH
EUR 29,99 Gebundene Ausgabe
EUR 29,99 neu (64 Angebote)
EUR 22,85 gebraucht (20 Angebote)

Winter der Welt: EBOOK
EUR 22,99 Kindle Edition

Ein kopiergeschütztes elektronische Version muss deutlich unter dem normalen Preis des Buches legen. Wenn es nur um das Lesen geht, komme ich mit gebraucht kaufen ja günstiger weg und habe die Option es wieder zu verkaufen.

Warum gibt es dann noch Probleme?

Warum soll ich ein Gerät kaufen das solche Probleme machen kann? Ich finde bedrucktes Papier auch angenehmer zu lesen, vor allem dann, wenn man ohnehin den ganzen Tag am Computer arbeitet. Ich kaufe ohnehin nur Bücher die ich auch wirklich behalten will, Papierbücher benötigen auch keine Batterien und sind praktisch unbegrenzt haltbar. Zudem kann man sie nicht nachträglich löschen oder mir den Zugriff verweigern. Wie lange hält eigentlich ein E-Reader? Zehn Jahre? Wenn das Ding einmal den Geist aufgibt muß ich dann meine ganze Bibliothek die darauf gespeichert ist neu kaufen? Ich habe jetzt noch Disketten, die mir eigentlich gar nichts mehr nützen, weil ich keinen Computer mit Diskettenlaufwerk mehr habe. Ich besitze dagegen Bücher die älter sind als meine Urgroßeltern, die kann ich noch immer lesen, ganz ohne Batterien.

Sie ignorieren den eigentlich Vorteil

Wenn wir mal die Kindle-Amazon-Problematik ausblenden, dann gilt:

Der große Vorteil, den ich mit Ebooks und Ebook-Reader habe ist:
Die ganze Bibliothek habe ich auf dem Arbeits-PC, auf meinem Laptop und auf meinem Ebook-Reader. Auf einer Zugfahrt habe ich also meine ganzen Bücherregale dabei. Das ist der wahre Vorteil.

Die Amazon-Politik passt natürlich da nicht rein. Gerätebindung und Wucherpreise hemmen den Fortschritt des Ebooks enorm.

Sie ignorieren aber die Vorteile des Papierbuches

Ich muß ja nicht meine ganze Bibliothek mitnehmen wenn ich verreise. Und für einen Ken Follett würde ich überhaupt kein Geld ausgeben. Habe übrigens vor ein paar Wochen über ZVAB, also antiquarisch, einen Roman von Alexander Grin gekauft, keine 4,-€, eine E-Book-Version gibt es davon nicht. Auch andere Romane (Buddenbrooks zum Beispiel) gibt es in der gebrauchten Papierversion billiger als in der günstigsten E-Book-Version.

Außerdem bin ich gern von Büchern umgeben, die machen einen Raum gemütlicher.

Warum so schwarz-weiß?

Wie kommen Sie darauf, dass ich kein Papier? Sind Sie schon so darauf fixiert Gegenargumente zu bringen, dass Sie übersehen, wer eigentlich auf mit auf Ihrer Seite steht.
Ken Follett diente übrigens nur als Example für die Preispolitik, die Sie genau so wiederholt haben.

Ich habe übrigens alles gesagt. Wenn Sie nicht einsehen, dass der Ebook-Reader hauptsächlich das klassische Buch ergänzt, erweitert und verbessert, und es in keinster Weise vertreibt oder bekämpft, dann sehen Sie nur Schwarz-Weiß.

Das dient natürlich nicht dazu.

Jeder Student oder jeder Forscher ist erfreut darüber, dass er alle möglichen Lehrbücher oder Paper dabei hat und nach Belieben durchforsten kann, unabhängig vom Aufenthaltsort.
Aber auch eine dicke Romanreihe wird mit einem Ebook-Reader plötzlich transportierbar.
Es geht nicht um die Anzahl der Bücher, sondern darum, auf alle zugreifen zu können. Das mag nicht jedem etwas bringen . Das gebe ich zu.

Einsehen muß ich nichts

Ich habe mitnichten behauptet, daß der E-Reader nicht für andere Vorteile hätte. Bislang habe ich aber noch kein Argument gehört das mich veranlassen könnte mir so ein Ding zuzulegen, vielleicht später, wenn es keine Papierzeitungen mehr gibt. Ich habe Ihr Preisargument wiederholt? Ich habe nur geschrieben, daß ich die Bücher die mich interessieren viel günstiger in der Papierversion bekomme. Und meine gesamte Bibliothek muß ich auch nicht überall mit mir herumschleppen. Bisher brauche ich einen E-Reader jedenfalls noch nicht, aus dem Alter in dem man sich etwas kauft, was man selbst nicht braucht, nur weil "die anderen" es auch haben, bin ich schon heraus.

Übrigens sparen Sie Geld, wenn Sie nicht gleich den allerneuesten Bestseller kaufen müssen, die sind dann in der Regel immer teurer.

Fachliteratur

ist natürlich eine ganz andere Baustelle. Da ist der Vorteil tatsächlich offensichtlich.

Aber ich denke der großteil der angebotenen Literatur dient nach wie vor der schnöden Unterhaltung.
Und auch das siebenbändige Romanwerk lese ich eines nach dem anderen... ;-)

Für mich klingt dieses "alle meine Bücher immer und überall dabei" irgendwie nach billigem Werbetrick.
Klingt toll, aber braucht eigentlich kaum jemand...

Aber genug gemeckert. Schliesslich hängt das Funktionieren unseres Wirtschaftssystemes maßgeblich davon ab, daß die Leute kaufen. Und kaufen. Und kaufen...

Und es gibt halt mal nur eine begrenzte Anzahl an wirklich sinnvollen Dingen...

Deswegen habe ich das Beispiel gebracht

Das Preisargument habe ich natürlich absichtlich für den allerneusten Bestseller gebracht, da dieser natürlich begehrt ist und, wie Sie richtig sagten, teuer. Und trotzdem ist der Preis für ein gebrauchtes Papierbuch schon günstiger als die Ebook-Version.
Das finde ich einfach unglaublich und werde ich nicht unterstützen. Der Preis des Ebooks muss viel attraktiver werden.

Wie soll das gehen?

Es ist schon in Ordnung, wenn E-Books im "normalen" Handel etwas billiger sind als Papierbücher, beim Preis spielen ja auch immer Materialkosten bzw. bei Versand, Versandkosten eine Rolle. Manche antiquarischen Bücher sind tatsächlich konkurrenzlos billig, ich habe auch schon welche für eher symbolische 50 Cent gekauft, wenn ich direkt vor Ort kaufe, also die Versandkosten wegfallen. Für antiquarische Bücher entfällt die Buchpreisbindung. Wenn also auch das billigste, antiquarische Papierbuch teurer sein soll als ein E-Book müßte ein Gesetz verabschiedet werden, das gebrauchte Bücher künstlich verteuert. Das wäre tatsächlich absurd und nicht durchsetzbar.

Abfälligkeit aus Unkenntnis

Sie argumentieren sehr abfällig, wohl aus Unkenntnis.

Ich hatte noch bis vor kurzem eine ähnliche Haltung zum E-Book - ohne bis dahin auch nur ein einziges Mal ernsthaft ein solches "Ding" in der Hand gehabt zu haben.

Das hat sich inzwischen geändert. Noch nennen ich keinen Reader mein eigen, habe aber ausreichend leihweise Gebrauch gemacht, um mir ein echtes Urteil bilden zu können.

Sie haben völlig Recht: Das Argument, ständig die ganze Bibliothek mit sich rumzuschleppen, hat etwas Albernes. Um den Nutzen eines E-Books zu sehen, reicht aber schon ein einziges dickes Buch! Und man braucht keinen Urlaub, sondern es reicht die U-Bahnfahrt zur Arbeit. So ein dicker Schmöker wiegt gern mal mehr als ein Kilo. Ein E-Book-Reader wiegt max. 250 g. Wobei je nach Buch dann schon mal interessant sein kann, wenn man "die Bibliothek" dabei hat. Neulich im Urlaub haben wir über Tolkien diskutiert, die diskutierten Stellen konnten überhaupt nur nachgelesen werden, weil ein Reader dabei war. Sie konnten überhaupt nur ratzfatz gefunden werden, weil es ein Reader war!
Oder Wander-, Reiseführer, die auch schnell ins Gewicht gehen.
In heller Sonne ist das Lesen im Buch anstrengend, mit dem (richtigen) E-Book-Reader ist es das nicht, etc. pp.

Sie können argumentieren, dass das für Sie persönlich nichts ist, wobei das schon schwierig ist, wenn Sie es nicht kennen. Aus dieser Unkenntnis dem Produkt aber generell die Sinnhaftigkeit zu verweigern, geht seriös nicht!

Was "mir" ist, ist mir !

Will sagen,wenn ich mir ein Buch kaufe, hat der ursprüngliche Eigentümer sämtliche Rechte verwirkt ! Wenn ich dieses Buch mit Kaffeeflecken verunziere oder bei Nichtgefallen als "Wackelstütze" unter ein Tischbein deponiere, so hat ihn das nicht mehr zu interessieren.
Nicht nur deshalb unterstütze ich dieses E-Book- Getue in keiner Weise und werde so lange es geht, meine Papierversionen behalten.

so oder so

Wenn Sie das nur auf Bücher beziehen, dann haben Sie recht. Wenn Sie allerdings noch mp3s oder Computerspiele, die allesamt über solche Accounts gesteuert werden können und auch gesteuert werden, miteinbeziehen, dann funktioniert Ihre Argumentation nur noch eingeschränkt. Viele Spiele werden z.B. gar nicht mehr mit einem Trägermedium vertrieben, bei Liedern dürfte das Gleiche gelten.
Onlineaktivierung ist ein Riesenthema in der gesamten IT, dabei schwingt immer auch Onlinedeaktivierung mit. Mir als ITler ist das nicht ganz verständlich, da ich nicht weiß, was Kundengängelung langfristig bringen soll.
Gerade mal nachgeschaut, es gibt auch viele Bücher, die nur noch als ebook erscheinen, zwar eher aus der "Schmuddelecke", wie ich Cover bzw. Titel entnehme, aber hier hätten wir dann ein Problem.
Und schlußendlich hat es schon gigantische Vorteile, wenn man 3 oder 4 Fachbücher auf dem 7"-Tablet hat und gleichzeitig noch in der Bahn einen Roman darauf lesen kann ohne, dass das Kreuz leidet.

Ernsthaft?

Wir vernichten unmengen von wertvollem Holz für Wegwerfprodukte (einmal gelesen sammeln sie staub...) und dann gibt es eine Möglichkeit, dies zu reduzieren UND gleichzeitig alles kompakter und besser transportabel zu machen.

Es gibt die Möglichkeit, eBooks zu nutzen seit mittlerweile 5 (!) Jahren und sie ist sinnvoll und wünschenswert. Und wenn ein Unternehmen willkürlich legal in diesem Bereich Werte vernichtet, die damit zusammenhängen, kommmt nur ein "hättest ja nicht Hipster spielen müssen" von Ihnen?

Ihre Ansicht ist die eines ewig-Gestrigen und die Redaktionsempfehlung ist für mich ein schlechter Witz!

Die Politik scheitert derzeit in großem Stil an der Aufgabe, sich auch nur halbwegs sinnvolle Gesetze für digitale Güter auszudenken: Momentan gilt, dass der Käufer der Dumme ist. (CDs kann ich vererben, mp3s nicht...) Den Vergleich, dass die Obrigkeit, gegen die man nichts machen kann, früher der Staat war und jetzt die Konzerne, aus den Kommentaren ist sehr wahr. (Da gehört eine Redaktionsempfehlung dran!)

Es wird wie immer übersehen, dass...

...es Menschen gibt, die Bücher von Berufs wegen brauchen: Ich bin sehr froh, dass ich meine Literatur ständig als pdfs dabei habe: Damit kann ich jederzeit überall arbeiten und zitieren und muss mich nicht an nur einer Stelle befinden.

Nebenbei geht es dabei im Schluss auch um Schulkinder und deren Rücken. Kommen Sie man von Ihrem hohen "ich les im Zug und da braucht man nur ein Buch"-Ross runter und denken Sie an Menschen, die keine Wahl haben. Davon gibt es nicht wenige. Das papierlose Büro kann Wirklichkeit werden, aber nicht mit derartigem Gebahren der Konzerne und derartiger Hilflosigkeit der Politik...

Blödsinn!

Die Ökobilanz eine EBook-Readers inclusive Infrastruktur wie Server etc. durfte weit schlechter sein, als die von mehreren hundert Bücher.
Man unterschlägt halt einfach Teile des Systems beim Vergleich, und schon sind EBooks Öko.
Ich würde mich zwar nicht als konservativ beschreiben, aber wer jeden Blödsinn mitmacht, bloß weil es grade "in" ist, ist einfach nur dämlich. Das hat mit "modern" oder "ewig gestrig" wenig zu tun.

eBooks sind Plastikmüll mit Akkus und im Gegensatz zu Büchern...

... ein Wegwerfprodukt.

Und wer glaubt, dass man die diversen Kunststoffe und Metalle aus einem ebook besser entsorgen, oder wiederaufbereiten kann, wie Papier - Sorry - der zieht sich die Hose mit er Kneifzange an.

Vom Thema geplante Obsoleszenz wollen wir gar nicht erst sprechen, oder?
Kaufen für die Müllhalde: http://www.arte.tv/de/kau...

das Buch und der Text

Man kauft nicht das Buch, sondern nur Nutzungsrechte für den Text der darin steht.
Das Buch ist nur ein physischer Container der erworbenen Rechte zu dem gekauften Text. Die Eigenschaften eines Buches lassen nahezu keinen Verstoß der erworbenen Nutzungsrechte zu. Es beinhaltet sogar einen mehrfachen Kopierschutz, den man nur mit Kosten und viel Aufwand knacken kann.

Worauf ich hinaus will - auch mit einem Buch wird der enthaltene Text nur ausgeliehen.

Ausleihen vs Besitzen

"Worauf ich hinaus will - auch mit einem Buch wird der enthaltene Text nur ausgeliehen."
Das stimmt - mit dem Buchkauf gehen nicht saemtliche Nutzungsrechte an mich ueber.
Das physische Objekt "Buch", d.h. Papier, Tinte, usw. gehoeren nach dem Kauf allerdings tatsaechlich mir. Dieses physische Objekt kann ich Freunden und Verwandten ausleihen, weiterverkaufen, meiner oertlichen Bibliothek spenden, in einem Buchkreis weiterreichen/tauschen usw. Ich habe auch keinen Aerger mit Geraetebindung dank proprietaerem Dateiformat.
All das geht mit elektronischen Buechern nicht. D.h. ich bekomme fuer einen nur wenig geringeren Preis bei einem Ebook wesentlich weniger Nutzungsmoeglichkeiten und begebe mich obendrein in zusaetzliche Abhaengigkeiten.
Diese Taktik der Verwerter ist schon bei Musik in die Hose gegangen - wo nach Jahren der Bevormundung durch proprietaere und DRM-"geschuetzte"-Formate letztlich MP3 das Rennen gemacht hat. Ich hoffe dringlichst, dass sich die Sache bei Buechern, der Engstirnigkeit von Verlagen und Haendlern wie Amazon zum Trotz, letztlich aehnlich entwickeln wird. Bloed bloss, dass es wohl wieder einige verlorene Jahre dauern wird, weil auch bei Ebooks die Bevormundung erst einmal ausprobiert wird.

es ist ein Prozess

Ich selber bin momentan an der Entwicklung eines Systems beteiligt, dass das Verleihen von digitalen Inhalten an Freunde ermöglichen soll. Es geht genauer darum, die Tauschkultur bei Kindern zu unterstützen. Es ist ungemein schwierig der Wirtschaft diese Idee zurecht zu rechnen.
Technisch also machbar, wirtschaftlich unakzeptabel.
Es ist noch zu früh für so etwas.

Ich habe (noch?) keinen Bedarf dafür

Ich habe nie behauptet, daß andere keinen Nutzen von E-Books hätten. Ich habe aber keinen Bedarf dafür. Zu Technik und elektronischen Geräten habe ich ein sehr pragmatisches Verhältnis, ich gebe nur Geld dafür aus, wenn ich es brauche. MP3-Player brauche ich nicht, mir genügen CDs und Schallplatten (erfreulicherweise gibt es wieder Plattenspieler), da ist der Hörgenuß bei der Musik die ich bevorzuge ohnehin besser als bei MP3-Dateien. Computerspiele interessieren mich auch nicht, falls ich das ändern sollte, habe ich Internet und Laptop. Ich habe auch noch nie Kreuzschmerzen beim Lesen bekommen.

Ein Problem der Digitalisierung liegt in der Haltbarkeit (Stichwort: digitaler Datenschwund). Denken Sie nur an das "Nibelungenlied", jahrhundertelang vergessen, dann zufällig in einer Bibliothek gefunden. Es hat überlebt, weil es eben ein "klassisches" Buch war. Wäre es nur als E-Book erhältlich gewesen (ja ich weiß, gab es damals nicht) wüßten wir heute nichts mehr davon. Ich gebe zu, es wäre nicht schade, wenn die gesammelten Werke von Paulo Coelho und Hera Lind in Vergessenheit geraten sollten, aber sehr schade wäre es doch, wenn ein wirklich guter "Jahrhundertroman" nur deshalb verloren geht, weil er nur digital verlegt wurde. Dieses Problem müßte endlich mal angegangen werden.

Haben Sie meine Argumentation verstanden?

Bücher mögen für Sie ein Wegwerfprodukt sein, für mich sind sie es nicht. Soviel ich weiß, ist bislang noch niemand verpflichtet sich alle technischen Neuerungen zuzulegen. Ich kenne Menschen die haben nicht einmal einen Fernseher, andere kommen ohne Computer aus und ohne Auto,und mein Handy habe ich schon vor Jahren entsorgt weil ich feststellte, daß ich gar nicht überall erreichbar sein und überall telephonieren möchte.

Warum regen Sie sich überhaupt so auf, ich verbiete Ihnen das E-Book nicht, warum wollen Sie mich davon überzeugen, daß ich mir etwas zulege, was ich persönlich nicht brauche? Der Hype um die neuesten elektronischen "Wunderdinge" nimmt allmählich hysterisch-religiöse Züge an.

Die Umweltfreundlichkeit der E-Reader würde ich bestreiten. Ein Papierbuch kann man, wenn man es wegwerfen will, ins Altpapier geben. Ein E-Reader ist Sondermüll. Übrigens, wie lange, glauben Sie, hält so ein Kindle maximal? Mein ältestes Buch wurde 1895 gedruckt und da ich nicht die Absicht habe es wegzuwerfen (man wirft Kleist nicht weg!) werde ich es auch noch lesen können wenn ich 80 bin. Wenn ein E-Reader seinen Geist aufgibt, kann man sich die gesamte Bibliothek wieder von Neuem zusammenstellen.

Ich moechte sie bitten

sich mit den Kommentaren zur technischen Seite etwas zurueckzuhalten, wenn sie ihnen derart unbekannt ist. Der e-reader und das e-book sind zwei verschiedene Dinge, aber in ihrem post wird das wild durcheinandergebracht.

Ich benoetige genau einen Reader, egal wie gross die Bibliothek ist. Diese Bibliothek ist selbstverstaendlich anderswo gesichert. E-reader weg bedeutet etwa eine Woche aussetzen bis der Neue da ist, dann geht's nahtlos weiter. Wer das mit der Datensicherung nicht versteht, hat allerdings in der Tat die Finger von der digitalen Welt zu lassen. Aber das ist ein Uebergangsphaenomen, so wie Kutschen um 1900.

Fuer die Langzeithaltbarkeit digitaler Daten gilt dasselbe wie fuer analoges, wenn sich ein Archivar drum kuemmert ist es kein Problem. Warum glauben sie wohl, dass alle Bibliotheken der Welt haenderingend digitalisieren wollen? Die Kurzzeitarchivierbarkeit ist sogar sehr viel besser. Erinnern sie sich an Dias? Oder Super8? Bald werden auch Negative nur noch was fuer Profis sein, mit teuren Digitalisierservices. Die meisten Mythen zum Thema digitaler Verfall sei schlimmer als analoger sind nichts weiter als das, bestenfalls uninformiert.

PS: Den Kleist wuerd' ich mal entsaeuern lassen, wenn sie an dem noch ein paar Jahre Spass haben wollen. Sicher teurer und mehr Arbeit als ein paar hundertausend ebooks zu konvertieren.

Lassen Sie sich selbst eine Überschrift einfallen

Mit dem Kindle den man heute kauft kann man in fünfzig Jahren sicherlich nichts anfangen, so wie man heute auch nichts mehr mit alten Computerdisketten anfangen kann. Was nützt es, aber, wenn die Daten zwar noch vorhanden sind, aber nicht mehr gelesen werden können, weil die "Lesegeräte" für die sie konstruiert wurden, längst nicht mehr produziert werden? Oder wenn der Datenträger mit dem Lesegerät nicht kompatibel ist? Es gibt ja schon Probleme mit DVDs. Ich habe meinen DVD-Player entdecodieren (oder wie auch immer man das nennen will) müssen um damit auch amerikanische DVDs abspielen zu können. Mit meinem Laptop geht es nicht so einfach. Ich kann zwar den Code ändern, aber wenn ich das zu oft tue, kann ich damit keine europäischen DVDs mehr abspielen.

Letztendlich ist ein echtes Buch robuster als ein Kindle (oder irgendein anderes Lesegerät), ich kann es fallenlassen, ohne befürchten zu müssen, es damit gleich kaputt zu machen, und Batterien brauche ich dafür auch nicht. Wenn irgendwann keine Papierbücher mehr gedruckt werden muß ich mir wohl auch einen Kindle (oder einen anderen Reader) zulegen, vorher aber sehe ich keine Veranlassung dafür.

Ein schoenes Beispiel

Die DVD ist ein wirklich ein gutes Beispiel:
Es wird das Speichermedium (Silberscheibe) mit dem Datenformat (DRM-kodierte mpeg streams) verwechselt.

Das Problem der DVDs sind nicht die darauf gespeicherten Daten, sondern deren kommerzielle Verschluesselung per DRM. DRM-freie MPEG streams sind zwar etwas aus der Mode (ebenso wie die unkomprimierten WAV-Dateien der CDs) aber aufgrund der extrem weiten Verbreitung gibt es dazu kostenfreie und/oder bequeme, keine Spezialkenntnisse erfordernden Konvertierungsprogramme. Das Poblem ist also gar kein technisch digitales, sondern eines der Marktwirtschaft, die Verbraucher zwingen moechte, Dinge mehrfach zu erwerben. Hat mit digital aber nix zu tun.

Immerhin geht's ja wenigstens. Versuchen sie mal einen einen originalen Spielfilm auf Nitroacetat anzuschauen, ohne dass ihnen die Bude abbrennt. Viel Glueck! Das Zeug entzuendet sich ja schon spontan, wenn es vom Archivar schief angeschaut wird (abgesehen davon zerfaellt es auch gerne spontan in braunen Schlamm). Wenn ihnen Scharzweiss-Stummschinken am Herzen liegen, koennen sie nur hoffen, dass sich ein Digitalisierer findet.

Zu e-books. Die werden in einer mark-up Sprache gespeichert, html nicht unaehnlich. Mit Sicherheit wird der Dateninhalt dieses Formats auch in hunderten von Jahren noch in dann verstandene Formate konvertiert weren koennen. Das Problem des Datentraegerzerfalls dagegeb betrifft alle Archivalien. Analoge sogar mehr, weil die nicht verlustfrei kopierbar sind.

Bin zu faul mir eine Überschrift auszudenken

Ehrlich gesagt, von Technik, Computer usw. habe ich keine Ahnung. Was mich interessiert ist, was nützt es mir, bzw. wie teuer ist es und wie benutzerfreundlich. Insofern spricht für mich bislang alles für das klassische Buch, jedenfalls solange, wie es noch möglich ist Papierbücher zu kaufen.

Die Digitalisierung von Filmen ist wieder eine andere Geschichte. Viele Filmrollen dürfen, aus Brandschutzgründen, gar nicht mehr abgespielt werden. Da ich hoffnungslos altmodisch bin, bedauere ich natürlich, daß offenbar kein Interesse daran besteht, echte Filmklassiker (aus der Zeit als Deutschland noch eine echte Konkurrenz für Hollywood gewesen ist) zu digitalisieren um sie der Nachwelt zu erhalten. Das ist aber auch eine Frage des Geldes. Aber um einen Film zu sehen brauche ich ja ein "Lesegerät", um ein Buch zu lesen nicht, insofern kann man diese Dinge nicht unbedingt vergleichen.

Das kann nicht das Ende sein

bzw. das ist erst der Anfang.

Digitale Güter (Filme, Bücher, Spiele, ja auch Comics) sind noch recht frisch auf dem Markt und daher ziemlich unreguliert und die AGB gegen jegliche Kundeninteressen gebürstet. Darüber hinaus sind es oft grenzüberschreitende Verträge, welche man ein eingeht und die Rechtslage ist meist nicht nur unklar, sondern meist gibt es noch nichtmal wirkliche Gesetze die darauf zugeschnitten sind (siehe auch facebook etc.)

Hier wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch einiges tun müssen und zwar international.

So etwas wie Linn darf einfach nicht passieren und muss JEDES mal an die Öffentlichkeit.

Statt sinnlos irgendwelchen Jugendlichen hinterherzujapsen die mal 3 MP3s gespeichert haben, um sie ins Gefängnis zu stecken, sollten sich Politiker lieber mal Gedanken machen wie man Kunden welche die legalen Angebot nutzen wollen nicht übervorteilt und ausnimmt.

Amazon wird trotzdem jede Menge Kindle ...

...diese Weihnachten verkaufen - oder geht das garnicht, wenn Santa am Nordpol lebt und das Geschenk in ein anderes Land soll?
:-)
Schade, dabei hatte ich mir überlegt einen zu kaufen um Geld zu sparen, da mich Zeitungen/Zeitschriften die ich aus Deutschland geschickt bekomme für Transport mehr kosten als die Zeitung selbst.