AmazonLesen verboten

Amazon sperrt das Konto einer Kundin und den Zugriff auf ihre E-Books, weil sie gegen Nutzungsbedingungen verstoßen haben soll. Gegen welche, will Amazon nicht verraten. von 

Kindle Paperwhite

Amazon-CEO Jeff Bezos mit einem Kindle Paperwhite  |  © GUS RUELAS / Reuters

Amazon bewirbt seinen neuen E-Reader Kindle Paperwhite mit dem Spruch "Die ultimative Leseerfahrung". Ultimativ kommt vom lateinischen Wort ultimare: zu Ende gehen. Insofern ist es nur konsequent von Amazon, wenn es nun das Kundenkonto einer Norwegerin ohne Angabe von Gründen löschte, und damit auch ihren Zugang zu allen ihren E-Books, die sie für ihr Kindle-Lesegerät gekauft hatte.

Die Geschichte der Norwegerin ist eine über Kopierschutz, E-Book-Lizenzen, über Datenverknüpfungen bei Amazon und die Unfähigkeit des Konzerns, mit Kunden und Journalisten zu kommunizieren.

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Der Reihe nach: Ein norwegischer Blogger namens Martin Bekkelund hat die Geschichte der Frau als erster erzählt, indem er ihren E-Mail-Wechsel mit Amazon veröffentlichte. Die Norwegerin, die nach Angaben von Bekkelund mit Vornamen Linn heißt, bemerkte vor Kurzem, dass ihr Amazon-Konto gesperrt war. Eine Erklärung dafür hatte sie nicht, also schrieb sie eine E-Mail an Amazon mit der Bitte um Hilfe.

Die Antwort kam von einem gewissen Michael Murphy von Amazon.co.uk. Er schrieb: "Wir haben herausgefunden, dass Ihr Konto direkt mit einem anderen verbunden ist, das wir aufgrund von Verstößen gegen unsere Nutzungsbedingungen bereits gesperrt haben. Deshalb haben wir Ihr Konto gesperrt und alle offenen Bestellungen storniert." Die Nutzungsbedingungen von Amazon erlaubten es dem Unternehmen, solche Maßnahmen nach eigenem Ermessen zu ergreifen. Es folgte der Satz: "Bitte beachten Sie, dass jeder Versuch von Ihnen, ein neues Konto zu eröffnen, die gleichen Folgen haben wird".

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Linn wusste nicht, wovon Murphy sprach. Sie habe immer dieses eine Konto bei Amazon gehabt und vor allem für den Kauf von E-Books genutzt, schrieb sie ihm. Wie könne es da plötzlich Probleme geben?

Die Antwort von Murphy brachte kein Licht ins Dunkel: "Wir können Ihnen nicht sagen, wie wir Konten verknüpfen. Aber bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass wir Ihr Konto auf der Basis von uns vorliegenden Informationen überprüft haben und Ihnen leider mitteilen müssen, dass es nicht wieder eröffnet wird. Bitte verstehen Sie, dass dies ein dauerhaftes Vorgehen ist."

Auf Linns explizite Nachfrage, ob es richtig sei, dass Amazon ihr keine Informationen darüber geben könne, wie Ihr Konto mit einem anderen verbunden sei, um welches Konto es sich überhaupt handele und gegen welche Bedingung sie verstoßen haben soll, bekam sie eine noch knappere Antwort. Murphy schrieb: "Unglücklicherweise sind wir nicht in der Lage, Ihnen irgendwelche weitergehenden Einblicke oder Vorgehensmöglichkeiten in dieser Angelegenheit anbieten zu können. Wir wünschen Ihnen Glück bei der Suche nach einem Händler, der Ihre Bedürfnisse besser erfüllt."

Leserkommentare
    • J.S.
    • 23. Oktober 2012 19:48 Uhr

    "die Unfähigkeit des Konzerns, mit Kunden [...] zu kommunizieren."
    Habe ich in zig Jahren Amazon-Interaktion noch nicht erlebt. Die Kommunikation mit Amazon verlief immer - und ich meine wirklich immer - positiv und besser als bei jedem anderen Unternehmen.

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    • subse
    • 23. Oktober 2012 20:23 Uhr

    kann ich nicht nachvollziehen.
    Die Kommunikation mit Amazon ist grottenschlecht. Als Anbieter von Büchern, aber inzwischen auch anderen Medien, wie Musik und Spiele, hat Amazon eine Quasi-Monopolstellung und leistet sich den einen oder anderen Fauxpas. Den kann sich Amazon auch leisten und der einzelne Kunde kommt dagegen nicht an.
    Mir ist es passiert, dass ich einen Betrag doppelt überwiesen hab. Der doppelte Betrag wurde trotz aller Bekundungen vom Amazon-Kundendienst bis heute nicht auf mein Konto zurückgezahlt. Als Einzelner hat man nicht den Nerv dagegen anzugehen.
    Der Verbraucherschutz sollte sich auch vermehrt um den Online-Handel kümmern, v.a. aber um Riesen wie Amazon, E-Bay und Co.
    Diesen Satz von Zeit kann ich nur unterstreichen:
    "Der ganze Vorgang verdeutlicht, wie wehrlos einzelne Personen gegen ein Unternehmen wie Amazon sein können"

    Sie haben völlig Recht. Es ist eine unzulässige Verallgemeinerung, wenn Sie davon ausgehen, dass Amazon grundsätzlich gut kommuniziert und nicht zum Schaden des Kunden operiert, nur weil SIE das nicht so erlebt haben.

    Nach meiner Erfahrung hat sich der Kundenservice von Amazon in den letzten neun Monat erheblich verschlechtert. Ja, früher war der Service einer der Besten, meine letzten Erfahrungen mit Amazon waren allerdings ähnlich frustrierend wie DELL oder T-Mobile: Sprachschwierigkeiten, E-Mails werden von ausländischem Personal nicht sinngemäß beantwortet, usw. usw.

    • FranL.
    • 23. Oktober 2012 19:50 Uhr

    Noch ein Argument für das "klassische" Papierbuch.

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    Es ist nicht das Problem ob das Ding gedruckt wird oder nicht. Das eigentliche Problem ist das propietäre Dateiformat, gekoppelt mit dem DRM. Würde Amazon ein offenes Dateiformat verwenden, hätten sie nicht diese Möglichkeiten. Außerdem könnte man seine Daten viel leichter sichern. Man hat sie ja mal gekauft.

    daß die Leser lediglich Lizenzen zum lesen erwerben, und nicht etwa Eigentum an Daten, gleich welchem Format.

    Im Prinzip ist das kein Bücherkauf, sondern lediglich ein "ausleihen" auf unbegrenzte Zeit.

  1. bzw. das ist erst der Anfang.

    Digitale Güter (Filme, Bücher, Spiele, ja auch Comics) sind noch recht frisch auf dem Markt und daher ziemlich unreguliert und die AGB gegen jegliche Kundeninteressen gebürstet. Darüber hinaus sind es oft grenzüberschreitende Verträge, welche man ein eingeht und die Rechtslage ist meist nicht nur unklar, sondern meist gibt es noch nichtmal wirkliche Gesetze die darauf zugeschnitten sind (siehe auch facebook etc.)

    Hier wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch einiges tun müssen und zwar international.

    So etwas wie Linn darf einfach nicht passieren und muss JEDES mal an die Öffentlichkeit.

    Statt sinnlos irgendwelchen Jugendlichen hinterherzujapsen die mal 3 MP3s gespeichert haben, um sie ins Gefängnis zu stecken, sollten sich Politiker lieber mal Gedanken machen wie man Kunden welche die legalen Angebot nutzen wollen nicht übervorteilt und ausnimmt.

    • Gerry10
    • 23. Oktober 2012 19:55 Uhr

    ...diese Weihnachten verkaufen - oder geht das garnicht, wenn Santa am Nordpol lebt und das Geschenk in ein anderes Land soll?
    :-)
    Schade, dabei hatte ich mir überlegt einen zu kaufen um Geld zu sparen, da mich Zeitungen/Zeitschriften die ich aus Deutschland geschickt bekomme für Transport mehr kosten als die Zeitung selbst.

  2. eine Schwachstelle ... Verknüpfung mit einer email-Adresse und nur mit der ... gefunden ist.
    Eigentumsrechte übersteigen mittlerweile wohl das digitale Format und übertragen sich auf die Hardware der digitalen Formate. Das heißt, in den Geräten müsste es eine Werkeinstellung geben, die dem Nächstnutzer ermöglicht, seine klaren und eindeutigen Verknüpfungen zu machen, ohne das sich der Rattenschwanz der Vorbesitzer darauf befindet.
    Schwachstelle Klau: geklaute Kindle oder dergleichen, dürften nicht einfach von jedem zurückgesetzt werden können usw.
    Na-ich wünsche den Programmierern viel Spaß.

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    ... da reicht schon ein Anruf in Redmond. Die wüssten bestimmt wie man neben der Kontrolle der eigenen Software und die der Fremdsoftware zunehmend über EFI in die weltweit zentrale Schlüsseldatenbank einpflegt und damit die Nutzung blockieren kann. Kleiner Nebeneffekt, man könnte die eBücher für Sehbehinderte aufbereiten und evtl. über Skype aufbereiten.

    Da fällt mit doch glatt ne Anekdote ein: Vor kurzem auf dw.de: Diese App können sie sich kostenlos auf Ihrem Handy installieren, oder bei Aplle für nur 79 cent kaufen.

    • hysni
    • 23. Oktober 2012 20:04 Uhr

    ...rettungslos altmodisch, da ich "Papier" bevorzuge.

    Allerdings schrecken mich derartige Berichte auch davon ab, mir doch eines Tages ein digitales Lesegerät zu kaufen.

    Solange ich nicht alleine die Kontrolle über Gerät und ebooks habe ist dies eine "no-go-area".

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    Das Problem war hier einfach das DRM (Digital Rights Management) mit dem die Bücher an amazon "gebunden" sind. Kaufen Sie bei amazon beispielsweise MP3 dann sind die ohne DRM und niemand kann das löschen ausser Sie selbst. Bei eBooks läuft das "noch" anders.

    Der kindle ist im Übrigen ein tolles Gerät. Ich habe auch einen und möchte ihn nicht mehr missen.

    Diese ganzen Probleme welche entstehen können gehören einfach zu den Gefahren oder Risiken der moderenen Zeit, weshalb die Politik hier auch mal irgendwann einschreiten wird müssen, denn solche Situationen werden mehr und nicht weniger. Amazon ist da nur ein Problem von vielen.

    Alleine wenn man mal recherchiert wieviele "Scores" von Banken und Firmen aufgrund von fehlerhaften Informationen errechnet werden und diese können ihnen dann mehr Probleme bereiten als alles andere, wenn sie auf falschen Fakten beruhen.

    PS:
    Theoretisch gibt es auch die Möglichkeit mithilfe von Calibre seine legal erworbenen eBooks zu konvertieren, allerdings ist das scheinbar illegal und darum sollte man das niemandem empfehlen. Theoretisch existiert diese Möglichkeit aber.

    • tinnef
    • 23. Oktober 2012 20:05 Uhr

    Ihren norwegischen Verbraucherschutz hören sollen.

    http://www.theregister.co...

    Ist immer schlecht wenn man nicht im Heimatland einkaufen kann, was jedoch verwunderlich ist, dass viele Konsumgüter bei amazon.co.uk oftmals mit VAT nur die Hälfte wie bei amazon.de kosten und dann auch noch aus D versandt werden.

    Ansonsten selbst Schuld wer solchen Bundled DRM crap kauft, es gibt gleichwertige Angebote und besonders Reader die imho besser sind und fast alle Formate können.

  3. Amazon ist wie z.B. google ein Wirtschaftsunternehmen, dessen einziges Ziel ist, soviel wie irgend möglich Geld zu verdienen. Und dazu verkauft Amazon irgendwelche Sachen.

    So einfach ist das.

    Es gibt unternehmen, die gehen noch ganz anders mit ihren Kunden um, bis sich diese dann einem Wettbewerber zuwenden und lieber dort kaufen.

    Leider ist aber kein ebenbürtiger Wettbewerber wie Amazon in Sicht, weshalb dieser Anbieter im Grunde mit seinen Kunden umspringen kann, wie er will.

    Einzig die Kartellbehörden könnten etwas gegen die Marktmacht von Amazon unternehmen, wenn denn da irgendein Regelverstoß wäre.
    Unverschämtheit und Dreistigkeit sind aber keine solchen Regelverstöße.

    So what?

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