Kindle Fire HDAmazon erlaubt nur Amazon

Das Kindle Fire HD ist ein gutes Tablet – wenn man Amazon mag. Aber wer Androids Vielfalt nutzen und den engen Garten verlassen will, stößt schnell an Zäune. von 

Kindle Fire HD von Amazon

Kindle Fire HD von Amazon  |  © Sonja Mohr/ZEIT ONLINE

Ich weiß noch nichts über mein Kindle Fire HD, ich habe es gerade aus seiner schwarzen Verpackung geholt. Aber mein Kindle weiß schon alles über mich. Schließlich habe ich das Gerät bei Amazon gekauft, wo ich seit Jahren ein Konto besitze.

"Ihr Kindle ist auf Kai Biermann angemeldet. Nicht Kai Biermann?", ist so ziemlich das erste, was ich nach dem Einschalten auf dem schwarzen Bildschirm sehe. Und nicht nur das, auch meine in der Vergangenheit bei Amazon gekauften E-Books prangen schon auf der Oberfläche.

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Spätestens beim Begrüßungsbrief von Amazon-Chef Jeff Bezos , der zusammen mit den E-Books gespeichert ist und mit "Guten Tag Kai", beginnt, stellt sich dann ein komisches Gefühl ein: Sie übertreiben es bei Amazon mit der Kundenbindung etwas. Das alles ist nett und nutzerfreundlich, aber irgendwie auch gespenstisch. Macht es doch sofort klar, wer hier der Chef ist . Ein Eindruck, der nicht mehr verschwindet.

Ein anderer früher Eindruck ist dagegen positiv: der eines soliden Tablets. Das Mini-iPad , mit dem Amazon ausdrücklich konkurrieren will , ist noch nicht auf dem Markt, daher ist das Vergleichsobjekt vor allem das Nexus 7 von Google ; geht es um die Software, so sind es frühere Amazon-Produkte. Denn Amazons Tablets arbeiten zwar mit einer Androidversion, doch ist die so stark umgebaut worden, dass sie kaum noch als solche zu erkennen ist.

Zur Hardware: Getestet wurde das Modell mit 32 Gigabyte Speicherplatz als subventionierte Version für 249 Euro. Die zeigt beim Einschalten auf dem Startbildschirm Werbung, was seltsam ist, aber nicht wirklich stört. Wer es ohne Werbung mag, der muss für das gleiche Gerät 264 Euro zahlen.

Amazon hatte anfangs etwas Schwierigkeiten, Tablets zu bauen, die ernst genommen werden können . Das hat sich geändert. Das Fire HD ist schnell, handlich, gut bedienbar und muss den Vergleich mit Google nicht scheuen. Es wirkt solide verarbeitet und liegt angenehm in der Hand. Es hat keine störenden Kanten, dafür zwei passgenau verarbeitete Knöpfe, einen Mini-USB und zusätzlich einen Mini-HDMI-Ausgang sowie eine gummierte Rückseite.

Der sieben Zoll große Bildschirm bietet eine hohe Auflösung von 1.280 mal 800 Pixel und 216 Pixel pro Zoll. Auch Schrift wird damit gut dargestellt, selbst bei riesigen Buchstaben fransen die Ränder nicht aus und einzelne Pixel sind nur bei genauem Hinsehen zu erkennen.

In der Sonne lesen

Der Schirm ist etwas breiter als der des Nexus und seine Farbtemperatur ist etwas blaustichig, das Nexus wirkt wärmer. Die Helligkeit des Fire lässt sich dafür stärker aufdrehen – für alle, die in der Sonne lesen wollen, ist das ein Pluspunkt. Auch wenn das Fire HD kein E-Reader mehr ist und sein soll, werden es viele nutzen, um zu lesen.

Im Sonnenlicht: links das Nexus 7, rechts das Kindle Fire HD

Im Sonnenlicht: links das Nexus 7, rechts das Kindle Fire HD  |  © Kai Biermann / ZEIT ONLINE

Das funktioniert zwar nicht so gut wie mit den klassischen E-Readern und ihrem schwarz-weißen E-Ink-Bildschirm , aber es funktioniert. Auch bei direkter Sonneneinstrahlung lassen sich Texte noch erkennen, selbst wenn Reflexionen und Fingerabdrücke auf dem Touchscreen etwas irritieren. Amazon wirbt damit, dass das Display entspiegelt ist und einen Polarisationsfilter hat. Im direkten Vergleich mit dem Nexus scheinen sie durchaus etwas zu bringen.

Der Prozessor besitzt zwei Kerne und eine Taktfrequenz von 1,2 Gigahertz. Es gibt schnellere Chips auf dem Markt, beispielsweise im Nexus 7, aber mangelnde Geschwindigkeit war nirgends ein Problem. Texte, Videos, Spiele – alles lief flüssig, genau wie die Downloads.

Der Akku soll beim Surfen elf Stunden lang durchhalten – wenig für einen E-Reader, viel für ein Tablet. Geladen wird er über ein beiliegendes USB-Kabel. Das dauert. Wer es schneller laden möchte, muss für 20 Euro ein Ladegerät kaufen.

Leserkommentare
  1. kaufen sich stattdessen ein Universal-USB Ladegerät für 3 Euro. ZeitOnline Autoren müssen dafür anscheinend 20 Euro hinlegen. :D

    "Geladen wird er über ein beiliegendes USB-Kabel. Das dauert. Wer es schneller laden möchte, muss für 20 Euro ein Ladegerät kaufen."

    2 Leserempfehlungen
    • Krawiel
    • 26. Oktober 2012 18:20 Uhr

    Von Teilen, die mich im gekauften Zustand mit Namen begrüßen, lasse ich die Finger weg!!!

    4 Leserempfehlungen
  2. ich denke,es ist gehupft wie gesprungen.Bei Nexus 7 ist ne Googlephobie nicht ratsam.Ich habe mir das Fire HD gekauft,schreibe auch diesen Kommentar damit.Es ist sehr schnell,intuitiv zu bedienen...klasse !Hätte auch das Nexus 7werden können,aber das Fire HD fand ich einen Tick besser und bereue es auf gar keinen Fall.

  3. von Amazon, von Google, von Apple, von Microsoft von... irgendwo ist es am Ende die Wahl zwischen Pest und Cholera...

    eben aus diesen Grund möchte ich mir kein Tablet-PC kaufen, habe mir stattdessen ein EBook-Reader ausgesucht, dass nur sehr wenig Herstellerbindung hat und sehr viele EBook-Formate unterstützt... Dies waren die Wichtigsten Kriterien bei der Wahl!

    2 Leserempfehlungen
  4. "Die zeigt beim Einschalten auf dem Startbildschirm Werbung, was seltsam ist, aber nicht wirklich stört."

    Mich würde das stören, wenn mich ein neugekauftes Gerät mit so einem "Service" überrascht, und das Unbehagen des Autos angesichts der Vertraulichkeit von Herrn Bezos teile ich.

    Irgendwo hat jemand das treffende Bild gebraucht, der Kindle Fire HD sei eigentlich kein Tablet-Computer, sondern ein Einkaufswagen für Amazon-Produkte. Und dafür ist er recht teuer.

    Angesichts der Hindernisse für einen universellen Gebrauch und des geringen Mehrpreises würde ich sicher Google Nexus oder Ipad Mini bevorzugen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Angesichts der Hindernisse für einen universellen Gebrauch und des geringen Mehrpreises würde ich sicher Google Nexus oder Ipad Mini bevorzugen."

    Oder vielmehr, keinen von diesen, sondern einen guten Clone aus China, der mit reichlich Schnittstellen versehen ist, sich leicht selber befüllen lässt, und sämtliche Formate ohne Mucken öffnet.

  5. "Angesichts der Hindernisse für einen universellen Gebrauch und des geringen Mehrpreises würde ich sicher Google Nexus oder Ipad Mini bevorzugen."

    Oder vielmehr, keinen von diesen, sondern einen guten Clone aus China, der mit reichlich Schnittstellen versehen ist, sich leicht selber befüllen lässt, und sämtliche Formate ohne Mucken öffnet.

    Eine Leserempfehlung
    • SPML
    • 29. Oktober 2012 13:28 Uhr

    ...so läuft es bei Apple ja bekanntlich auch...wo bleibt aber an dieser Stelle die Welle der Entrüstung?!

  6. Ich finde es erstaunlich, welche Maßstäbe an die Bewertung solcher Geräte gelegt werden.
    Die Frage ist doch immer, wofür soll es genutzt werden. Das geht meistens unter.
    Viel interessanter ist es, dass ein Rezensent vom anderen abschreibt, und das mindestens partiell falsche Behauptungen über die Funktionalitäten aufgestellt werden.
    Der unntere Bereich auf dem Einstiegsbildschirm kann über das Menü abgeschaltet werden und schon erscheinen keine Vorschläge mehr.
    Auch Fremdapps lassen sich sehr einfach installieren.
    Das sollte eigentlich für leute, die ja ein Gerät wollen, auf dem alles möglich ist, ein Leichtes sein. Über einen Dateiexplorer können alle geeigneten Apps installiert werden.

    Mal ehrlich, wer will mit einem solchen Gerät sein Auto navigieren, zumal er zwingend WLAN benötigt. Auch viele andere Anwendungen sind auf diesem Gerät völlig zwecklos.
    Den Anschluß an die amazon-Infrastruktur finde ich ok, was sollte ich sonst - neben Internetsurfen - zwischen Samrtphone und Laptop mit diesem Gerät anfangen.

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  • Schlagworte Google | Amazon | Android | Apps | Download | E-Book
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