Ich weiß noch nichts über mein Kindle Fire HD, ich habe es gerade aus seiner schwarzen Verpackung geholt. Aber mein Kindle weiß schon alles über mich. Schließlich habe ich das Gerät bei Amazon gekauft, wo ich seit Jahren ein Konto besitze.

"Ihr Kindle ist auf Kai Biermann angemeldet. Nicht Kai Biermann?", ist so ziemlich das erste, was ich nach dem Einschalten auf dem schwarzen Bildschirm sehe. Und nicht nur das, auch meine in der Vergangenheit bei Amazon gekauften E-Books prangen schon auf der Oberfläche.

Spätestens beim Begrüßungsbrief von Amazon-Chef Jeff Bezos , der zusammen mit den E-Books gespeichert ist und mit "Guten Tag Kai", beginnt, stellt sich dann ein komisches Gefühl ein: Sie übertreiben es bei Amazon mit der Kundenbindung etwas. Das alles ist nett und nutzerfreundlich, aber irgendwie auch gespenstisch. Macht es doch sofort klar, wer hier der Chef ist . Ein Eindruck, der nicht mehr verschwindet.

Ein anderer früher Eindruck ist dagegen positiv: der eines soliden Tablets. Das Mini-iPad , mit dem Amazon ausdrücklich konkurrieren will , ist noch nicht auf dem Markt, daher ist das Vergleichsobjekt vor allem das Nexus 7 von Google ; geht es um die Software, so sind es frühere Amazon-Produkte. Denn Amazons Tablets arbeiten zwar mit einer Androidversion, doch ist die so stark umgebaut worden, dass sie kaum noch als solche zu erkennen ist.

Zur Hardware: Getestet wurde das Modell mit 32 Gigabyte Speicherplatz als subventionierte Version für 249 Euro. Die zeigt beim Einschalten auf dem Startbildschirm Werbung, was seltsam ist, aber nicht wirklich stört. Wer es ohne Werbung mag, der muss für das gleiche Gerät 264 Euro zahlen.

Amazon hatte anfangs etwas Schwierigkeiten, Tablets zu bauen, die ernst genommen werden können . Das hat sich geändert. Das Fire HD ist schnell, handlich, gut bedienbar und muss den Vergleich mit Google nicht scheuen. Es wirkt solide verarbeitet und liegt angenehm in der Hand. Es hat keine störenden Kanten, dafür zwei passgenau verarbeitete Knöpfe, einen Mini-USB und zusätzlich einen Mini-HDMI-Ausgang sowie eine gummierte Rückseite.

Der sieben Zoll große Bildschirm bietet eine hohe Auflösung von 1.280 mal 800 Pixel und 216 Pixel pro Zoll. Auch Schrift wird damit gut dargestellt, selbst bei riesigen Buchstaben fransen die Ränder nicht aus und einzelne Pixel sind nur bei genauem Hinsehen zu erkennen.

In der Sonne lesen

Der Schirm ist etwas breiter als der des Nexus und seine Farbtemperatur ist etwas blaustichig, das Nexus wirkt wärmer. Die Helligkeit des Fire lässt sich dafür stärker aufdrehen – für alle, die in der Sonne lesen wollen, ist das ein Pluspunkt. Auch wenn das Fire HD kein E-Reader mehr ist und sein soll, werden es viele nutzen, um zu lesen.

Das funktioniert zwar nicht so gut wie mit den klassischen E-Readern und ihrem schwarz-weißen E-Ink-Bildschirm , aber es funktioniert. Auch bei direkter Sonneneinstrahlung lassen sich Texte noch erkennen, selbst wenn Reflexionen und Fingerabdrücke auf dem Touchscreen etwas irritieren. Amazon wirbt damit, dass das Display entspiegelt ist und einen Polarisationsfilter hat. Im direkten Vergleich mit dem Nexus scheinen sie durchaus etwas zu bringen.

Der Prozessor besitzt zwei Kerne und eine Taktfrequenz von 1,2 Gigahertz. Es gibt schnellere Chips auf dem Markt, beispielsweise im Nexus 7, aber mangelnde Geschwindigkeit war nirgends ein Problem. Texte, Videos, Spiele – alles lief flüssig, genau wie die Downloads.

Der Akku soll beim Surfen elf Stunden lang durchhalten – wenig für einen E-Reader, viel für ein Tablet. Geladen wird er über ein beiliegendes USB-Kabel. Das dauert. Wer es schneller laden möchte, muss für 20 Euro ein Ladegerät kaufen.