E-Reader : Amazon verleiht E-Books in Deutschland

Kindle-Besitzer können sich künftig E-Books ausleihen – wenn auch nicht ganz kostenlos. Amazon bringt zudem seinen neuen, beleuchteten E-Reader auf den deutschen Markt.
Der E-Book-Reader Kindle Paperwhite mit Hintergrundbeleuchtung © David McNew/Getty Images

Besitzer der Kindle-Lesegeräte von Amazon können sich künftig auch in Deutschland digitale Bücher ausleihen. Zum Start im Laufe des Oktobers werden 8.500 Titel auf Deutsch verfügbar sein. Pro Monat kann sich jeder Kindle-Nutzer ein Buch ausleihen. Voraussetzung ist die Mitgliedschaft im Service Amazon Prime , die 29 Euro im Jahr kostet. Die beinhaltet auch kostenlose Lieferungen von Amazon am nächsten Tag sowie Rabatte auf Expresslieferungen.

In der Kindle-Leihbücherei sind insgesamt über 200.000 E-Books in verschiedenen Sprachen erhältlich. Die Bücher können auf unbegrenzte Zeit ohne zusätzliche Kosten ausgeliehen werden – aber immer nur eins auf einmal. Das Programm lief zuvor bereits in den USA . Das Geschäftsmodell sei anders als bei einer traditionellen Bücherei, sagte Amazon-Chef Jeff Bezos in München : "Der Rechteinhaber wird jedes Mal bezahlt, wenn sich jemand ein Buch ausleiht." Für Amazon lohne es sich trotzdem: "Es ist ein Anreiz, in das Amazon-Ökosystem einzusteigen."

Inzwischen verkaufe Amazon auch in Deutschland mehr digitale als Hardcover-Bücher, sagte Bezos. Seit dem August dieses Jahres kamen auf 100 verkaufte Hardcover-Ausgaben 108 Kindle-E-Books. Kostenlose digitale Bücher wurden dabei nicht eingerechnet.

Zugleich zeichne sich derzeit nicht ab, dass E-Books gedruckte Bücher vollständig verdrängen. "Wir sehen bisher, dass die Menschen, die sich ein Kindle-Lesegerät anschaffen, danach nicht nur mehr digitale Bücher kaufen, sondern auch mehr gedruckte", sagte er. "Im Moment ist es kein entweder –oder". Er wisse aber nicht, wie sich das Geschäft weiterentwickeln werde.

Während Amazon durch aggressiven Preiswettbewerb bekannt ist, sieht Bezos die deutsche Buchpreisbindung nicht als Hindernis: "Es gibt viele Punkte, an denen wir uns beim Kunden hervorheben können. Es ist nicht nur der Preis, sondern auch das Angebot, schneller Versand, Service."

Hintergrundbeleuchtete E-Reader sind noch selten

Außerdem bringt Amazon mit dem Kindle Paperwhite ein weiteres Modell seiner E-Book-Reader nach Deutschland. Es hat eine höhere Auflösung und durch spezielle Hintergrundbeleuchtung einen deutlichen helleren weißen Bildschirm im Gegensatz zum Grau der klassischen Kindle-Modelle.

Bisher gibt es nur sehr wenige hintergrundbeleuchtete Reader mit elektronischer Tinte. Der Kobo Glo etwa ist, was die Beleuchtung angeht, mit dem Kindle Paperwhite vergleichbar, in Deutschland aber noch nicht erhältlich. Gleiches gilt für das Nook GlowLight

Der Kindle Paperwhite kostet in der WLAN-Version 129 Euro und 189 Euro mit UMTS-Funk. Ausgeliefert wird er ab dem 22. November.

Bereits ab dem 25. Oktober wird Amazon sein Tablet Kindle Fire auf den deutschen Markt bringen.

Amazon verfolge bei seinen Tablets einen anderen Ansatz als die Konkurrenz, betonte der Amazon-Chef. "Für uns ist es ein Service und kein rein technisches Gerät." Das Tablet werde praktisch zum Produktionspreis abgegeben. "Wir hoffen, das Geld mit der Zeit hereinzubekommen, wenn Kunden Bücher, Musik oder Apps kaufen."

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Online-Ausleihe

Nicht-Kindle-Besitzer können übrigens schon lange Bücher online ausleihen, bei onleihe.net. Dieser Dienstleister bietet die Ausleihe im Auftrag kommunaler Büchereien an. Außer durch einen Bibliotheksausweis fallen keinerlei Kosten an.
Das Funktioniert mit fast allen gängigen Readern. Außer mit dem Amazon Kindle. Denn Amazon möchte seine treuen Schäfchen natürlich lieber für sich behalten.

Kreative Nutzungsmodelle digitaler Bücher

Es ist zum Haareraufen. Der deutsche Buchhandel verharrt gebannt in Angsstarre, beruhigt sich damit, dass die E-Buch-Verkaufszsahlen in Deutschland denen der USA um zwei bis drei Jahre hinterherhinken, und motiviert hin und wieder Journalisten (auch die der Zeit) dazu, zu lancieren, dass die Bedrohung der Verlage durch digitale Medien gleichbedeutend mit dem Untergang des Kulturgutes 'Buch' sei.

Und was macht Amazon? Prescht vor, ist kreativ, und bietet jenen Service an, der letztendlich die Rettung der Verlage in der Auseinandersetzung mit der unvermeidlichen Dynamik der digitalen Medien sein könnte.

Wo ist die verlagsübergreifende Plattform des deutschen Buchhandels, über die ich alle deutschsprachigen Bücher jederzeit für eine bezahlbare Flatrate lesen kann? Warum nicht stundenweise für den Lesegenuss abrechnen? Oder seitenweise? Warum können deutsche Firmen nicht auch einmal kreativ sein und US-Monopolisten den Rang ablaufen?

Wenn sich das Buch schon vom materiellen Objekt zu einem digitalen Destillat verflüchtigt hat, dann brauche ich doch auch digitale Medien doch nicht mehr zu besitzen. Schließlich erwerbe ich bei diesen eh nur ein lebenslanges Nutzungsrecht. Letztendlich möchte ich Bücher lesen, für diese Vergnügen zahle ich gerne. Warum will der deutsche Buchhandel mein Geld nicht, dass ich momentan (noch) für den exzellenten Service von Amazon ausgebe?

@hairy - #6

Miese Arbeitsbedingungen? Sagt Verdi; die suchen allerdings nur neue Opfer, nachdem sie Schlecker jetzt doch noch in den Konkurs getrieben haben.

Steuertricks? Dass die die Ebooks von Luxembourg aus verkaufen, ist doch nur dem irren Umstand geschuldet, dass E-Books in Deutschland mit 19% versteuert werden, Papierbücher mit 7%. Das wäre wohl eher ein Grund, das Finanzamt zu boykottieren. Würde ich gerne, geht aber nicht.