HygieneSmartphones sind prima Keimträger

Die Bildschirme von Handys und Tablets sind beschichtet, weswegen sie nicht mit Alkohol gereinigt werden sollten. Ideale Bedingungen für Bakterien, wie ein Test zeigte. von 

Smartphone-Nutzer, hier Mitarbeiter des Wahlkampfteams von Mitt Romney

Smartphone-Nutzer, hier Mitarbeiter des Wahlkampfteams von Mitt Romney  |  © Justin Sullivan/Getty Images

In Douglas Adams' Romanserie Per Anhalter durch die Galaxis sterben die Bewohner des Planeten Golgafrincham aus, weil sie nicht nur ihre vermeintlich überflüssigen Versicherungs- und Unternehmensberater ins All schicken, sondern auch ihre Telefondesinfizierer. Um dann an einer Seuche einzugehen, die über verkeimte Telefone übertragen wird.

Was Adams als Satire meinte, hat durchaus einen, sagen wir, Nährboden: Alle Dinge, die von vielen Menschen in die Hand genommen werden, tragen Bakterien. Smartphones und Tablets sind da keine Ausnahme.

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Das Wall Street Journal hat gerade acht zufällig ausgewählte Smartphones in einem Labor auf Besiedelung mit Bakterien testen lassen . Das ist keine Studie, die wissenschaftlichen Kriterien standhält, aber es ist ein Hinweis. Das Ergebnis: Auf allen Geräten klebten Mikroben in hoher Zahl. Das Labor habe zwischen 2.700 und 4.200 Colibakterien gefunden, schreibt die Autorin.

Nebenbei: Sehr viel besser untersucht ist das Phänomen bereits bei Tastaturen und Mäusen .

Hinweis auf Fäkalien

Die Keimbelastung selbst muss nicht unbedingt sofort zu Krankheiten führen, deutet aber auf Fäkalien und damit auf ein altbekanntes Phänomen. Denn nicht die Smartphones sind Schuld – vielmehr waschen sich viele Menschen einfach nicht oft genug die Hände.

Die wiederholte Handreinigung gilt als bester Schutz vor Erkältungen, Grippe und anderen Krankheiten. Denn immer wieder führen wir unsere Hände zu Mund, Augen und Nase und tragen damit eventuelle an ihnen haftende Keime in den Körper. Wer sich fünf Mal am Tag die Hände wäscht, kann die Häufigkeit von Erkrankungen der Atemwege um bis zu 45 Prozent verringern, wie beispielsweise eine Studie an amerikanischen Rekruten nachwies .

Doch auch wenn Smartphones nicht die Ursache sind, eine Besonderheit der Geräte verstärkt diesen Zusammenhang: Sie lassen sich eher schlecht reinigen. Die berührungsempfindlichen Schirme sind beschichtet, damit Fingerspuren nicht den Durchblick stören. Deshalb aber raten alle Anbieter – hier beispielsweise Apple – davon ab, die Geräte mit Glasreiniger oder Alkohol abzuwischen, um die fettabweisende Schicht nicht zu zerstören.

Wasser hilft nicht

Hersteller empfehlen, Displays und Gehäuse mit einem angefeuchteten Tuch zu säubern. Das aber ist die Methode, die am schlechtesten hilft, heißt es im Wall Street Journal . Auch das wurde in dem Labor getestet.

Insgesamt wurden vier Reinigungsmethoden untersucht: Wasser, Alkohol, Glasreiniger und Reinigungstücher für elektronische Geräte. Alkohol eignete sich demnach am besten und vernichtete nahezu 100 Prozent der Keime. Wasser hingegen sei die am wenigsten effektive Methode gewesen.

Smartphones und Tablets haben wir nicht nur ständig in der Hand, wir nutzen sie auch beim Essen, im Bett und eben auf der Toilette . Gute Bedingungen für Keime also. Was angesichts der Eigenart der berührungsempfindlichen Schirme wieder zum ursprünglichen Rat zurückführt, den Hygieneexperten schon seit vielen Jahren geben: Hände waschen!

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Leserkommentare
  1. die beim Küssen ( und anderem Schweinekram ) übertragen werden, mag man sich schon mal frgane, wie wir es bis heute geschafft haben, NICHT auszusterben.

    Und wer leckt denn sein Smartphone ab? Oder nutzt es als Toilettenpapier? Die "Gefahr" einer Infektion hat man schon beim blossen atmen.

    • tja123
    • 31. Oktober 2012 14:45 Uhr

    Man kann die Displays von Smartphones sehr wohl mit alkoholhaltigen Desinfektionmittel ohne das da was dran kaputt geht.
    Was fehlt ist das Verständnis dafür, wie elementar eine vernünftige Händedesinfektion zur Prävention von Keimübertragung ist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • 15thMD
    • 31. Oktober 2012 15:13 Uhr

    "Was fehlt ist das Verständnis dafür, wie elementar eine vernünftige Händedesinfektion zur Prävention von Keimübertragung ist."

    Manchen Menschen fehlt auch ein Verständnis dafür, wie elementar Keimübertragung für unser Immunsystem ist.
    Nicht übertreiben bitte, ansonsten werden Sie ständig krank und stecken mich am Ende noch an.

  2. "Das Ergebnis der Studie war eindeutig: Kinder, die häufig im Stall und in der Scheune spielten, waren auch am besten vor Heuschnupfen und Asthma geschützt. (<href a="http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2010/0615/002_allergien.js... ...</href>"
    Ich warte mit einiger Spannung auf die Erfahrungen, die Astronauten machen werden, wenn sie für Jahre auf Raumflügen zu Planeten in einer weitgehend keimfreien Umgebung leben müssen.

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    • 15thMD
    • 31. Oktober 2012 15:13 Uhr

    "Was fehlt ist das Verständnis dafür, wie elementar eine vernünftige Händedesinfektion zur Prävention von Keimübertragung ist."

    Manchen Menschen fehlt auch ein Verständnis dafür, wie elementar Keimübertragung für unser Immunsystem ist.
    Nicht übertreiben bitte, ansonsten werden Sie ständig krank und stecken mich am Ende noch an.

  3. ... sondern die meisten, die in uns leben, helfen uns sogar bei der Verdauung. Wenn man sie durch Antibiotikabehandlung abtötet und die Neubesiedlung nicht von selbst erfolgreich ist, kann das große Probleme machen. Wenn man von günstigen Bakterienstämmen besiedelt ist, wehren die sich auch gegen Konkurrenz. Macht man den Platz frei, kann kommen, was will. Im schlimmsten Fall bleiben resistente Keime zurück. Insofern finde ich medizinische Ansätze, die "Privatökologie" des Menschen günstig zu beeinflussen, sehr interessant. In diesem BBC-Beitrag, über den ich vor kurzem gestolpert bin, geht es darum, gefährliche Darminfektionen mithilfe einer "Darm-Symbionten-Transplantation" zu bekämpfen. Das scheint ganz gut zu funktionieren. http://www.bbc.co.uk/news/health-20081895
    Wenn man weiß, dass etwas Ansteckendes unmittelbar im Umlauf ist, machen Desinfektionsaktionen Sinn, aber wer permanent sein Handy und sonst etwas desinfiziert, züchtet damit eher Resistenzen als dass er sich etwas Gutes tut. Die Bakterien auf dem eigenen Handy sind wohl auch die, die auf seinen Benutzer gehören...

  4. Nicht jedes Bakterium ist Maul- und Klauenseuchenverdächtig, nur weil es Coli heißt. Einige Coli Bakterienstämme sind Enterobakterien mit denen wir in Symbiose leben.

    Bakterien leben in uns, auf uns und um uns herum, der Kontakt ist unvermeidbar. Wir können uns also die Hände waschen, bis uns die Hautflora flöten geht, wenn wir den nächsten Gegenstand anfassen, haben wir sowieso wieder Bakterien in der Hand.

    Sofern man nicht gerade ein ernsthaft geschwächtes Immunsystem hat, passiert wenig bis gar nichts.

    Nicht vergessen: Auch die Haut braucht die auf ihr lebenden Bakterien. Jedes Händewaschen beeinträchtigt die Hautflora, daher gilt es ein gesundes Maß an Hygiene zu wahren.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Apple | Alkohol | Erkältung | Krankheit | Planet | Satire
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