Microsoft-Chef Steve Ballmer stellt das neue System vor. © Stephen Lam/Getty Images

Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren hatte Microsoft Windows Phone vorgestellt. Das mobile Betriebssystem sollte das überalterte und nicht auf Touchscreens ausgerichtete Windows Mobile ablösen und dem Konzern höhere Marktanteile in dem Bereich bescheren. Daraus ist nicht viel geworden: Windows Phone hinkt Android, iOS und Co. bis heute hinterher. Mit Windows Phone 8 unternimmt Microsoft jetzt einen weiteren, manche glauben, seinen letzten Anlauf .

Wieder wurde ein harter Schnitt vollzogen, wurde ein neues System entwickelt, das mit den bisherigen Windows Phones nicht mehr kompatibel ist . Für diese wird es zwar ein Trostupgrade auf Windows Phone 7.8 geben, das einige der neuen Funktionen enthalten soll, aber eben nicht alle. Und vor allem nicht die entscheidenden.

Denn Windows Phone 8 bringt unter anderem die Unterstützung von Multikern-Prozessoren. Dual- oder Quad-Core-Chips sind in Smartphones und Tablets inzwischen bereits ab der Mittelklasse Pflicht. Auch externe Speicherkarten unterstützt das neue Betriebssystem nun, das interne Gedächtnis lässt sich also bei Bedarf erweitern. Pluspunkt Nummer drei: Neben der bisherigen, mageren Display-Auflösung von 480 mal 800 Pixeln werden nun auch Bildschirme unterstützt, die 720 mal 1.280 sowie 768 x 1.280 Bildpunkte haben.

Ökosystem Windows

Vor allem aber basiert Windows Phone 8 auf dem gleichen Kern wie Windows 8, das gerade veröffentlichte System für PCs . Dieser Schritt soll die verschiedenen Geräte deutlich enger verzahnen und Entwicklern die Anpassung ihrer Software erleichtern.

Das wiederum lässt hoffen, dass der Windows Phone Store nun wachsen wird und in naher Zukunft mehr bietet. Denn der ist bislang das größte Problem der Plattform. Schließlich werden längst nicht mehr nur Mobiltelefone oder Computer verkauft, Konzerne wie Apple , Google oder Microsoft bieten ganze Ökosysteme an, die in sich geschlossen sind.

Während jedoch Android die Grenze von 675.000 Apps überschritten hat und Apples iOS bereits jenseits von 700.000 Anwendungen liegt, wurden für Windows Phone gerade mal 113.000 Apps veröffentlicht. Zugegeben: Auf die Masse allein kommt es nicht an. Doch wer könnte sagen, ob die Klasse stimmt? Standard-Anwendungen wie WhatsApp oder Amazons Kindle Reader sind selbstverständlich verfügbar, doch bei spezielleren Wünschen wird es dünn.

Mit der Cloud verbunden

Microsofts Cloud-Speicher Sky Drive wurde selbstverständlich tief ins neue System integriert, sodass die Synchronisierung sämtlicher Dateien nun nahtlos im Hintergrund erfolgt. Zudem gibt es eine Backup-Funktion, die für die Möglichkeit sorgt, beliebige Inhalte zu speichern und bei Bedarf wiederherzustellen.

Windows Phone 8 unterstützt ferner NFC : Fotos, Kontaktdaten oder andere Informationen können somit einfach ausgetauscht werden, indem zwei Handys mit dem Rücken zusammengeführt werden. Der Ultranahfunk ermöglicht außerdem das Bezahlen mit dem Mobiltelefon; Kooperationspartner für das "Wallet" genannte Bezahlsystem hat Microsoft aber ebenso wenig genannt, wie Unternehmen, die ein Bezahlen damit akzeptieren. Es wird also vermutlich noch eine Weile dauern, ehe dieses Szenario Realität wird.