Andere Verkehrsunternehmen beobachteten aufmerksam, was in Berlin passiere, sagt Alexander Pilz, Abteilungsleiter Fahrgastinformation beim VBB. Die Unternehmen spüren öffentlichen Druck, sie sollen ihre Datensätze öffnen. So wurde die Deutsche Bahn jüngst kritisiert, weil sie ihre Verkehrsdaten allein dem Suchmaschinenanbieter Google für dessen Kartendienst zur Verfügung stellte. "Die Frage ist natürlich, warum bekommt nur Google das und nicht alle?", sagt Wehrmeyer, der sich für offene Daten einsetzt.

Auch München und Münster kündigten mittlerweile an, Google ihre Daten zu übergeben. In Münster sei man grundsätzlich offen für Anfragen externer Entwickler, sagt Florian Adler von den Stadtwerken. Es sei jedoch problematisch, wenn Apps irgendwann nicht mehr gepflegt würden und falsche Auskünfte erteilten. "Dann ist man im Zweifel nicht auf den Betreiber der App sauer, sondern auf die Stadtwerke Münster", sagt Adler. "Das wollen wir vermeiden." Diese Sorge treibt auch die Münchener um. Die Verkehrsgesellschaft will ihre Daten nur mit entsprechendem Vertrag weitergeben, "um eine ausreichende Qualität sicherstellen zu können".

Verkehrsunternehmen sind auch von der für sie ungewohnten Arbeitsweise der Entwickler überrumpelt. Pilz sagt, er plane zwei Jahre im Voraus. Beim Entwicklertag hingegen fanden sich innerhalb weniger Stunden Gruppen zusammen, um Ideen umzusetzen. "Daran müssen wir uns erst einmal gewöhnen." Er sieht es als "Wagnis", erhofft sich aber ein positives Beispiel für andere Unternehmen. "Wenn heute hier etwas rauskommt, was gut ist, wird das sicherlich eine Signalwirkung haben", sagt er.

Technische Hindernisse

Aber vor allem für die Kunden wäre das praktisch. VBB-Geschäftsführer Franz stellt sich schon eine europaweite Auskunft-App vor, die von der Wohnungstür bis zum Bahnsteig in Paris alle Verbindungen anzeigen kann. Dafür müssten alle beteiligten Betriebe ihre Daten offen zur Verfügung stellen.

So weit kommt es am Entwicklertag nicht. Zum einen dauert es länger als die angesetzten fünf Stunden, solch aufwändige Anwendungen zu programmieren. Zum anderen stoßen die Entwickler auf technische Hindernisse. Die Gebrauchsanweisung für die Datenschnittstelle sei nicht besonders hilfreich, sagt Claudia Müller-Birn, die an den Brandenburger Ausflugstipps arbeitet. Ihre Gruppe muss daher einen frustrierenden Umweg einlegen.

Außerdem haben Entwickler nicht alle Daten, die sie sich wünschen. Echtzeitinformationen fehlen für das Berliner Straßenbahn- und Busnetz und auch für die S-Bahn. Die Daten geben nicht immer das wieder, was auf den Schienen passiert. Es gebe hier noch "qualitatives Verbesserungspotenzial", sagt Pilz. Möglichst bis Anfang kommenden Jahres sollen die Informationen freigegeben werden.

Gewinn für alle

Gelernt aber hat der VBB schon etwas. Die Schnittstelle soll auch nach dem Entwicklertag offen bleiben, sagt Pilz. Zwar gebe es immer noch den alten Vertrag, doch kleine Entwickler soll ein unbürokratischerer Weg gefunden werden. Ein Teil der Daten steht bereits jetzt unter einer offenen Lizenz jedem zur Verfügung.

Denn letztlich nutzt den Verkehrsverbänden die Arbeit der Entwickler. Bauen sie praktische Apps, steigen möglicherweise mehr Menschen auf Bus und Bahn um. "Wenn die Leute wissen, wann der Bus fährt, fahren sie eher mit dem Bus, als wenn sie es nicht wissen", sagt Wehrmeyer.