Offene Bahn-DatenBerliner Nahverkehr öffnet sich App-Entwicklern

Verkehrsunternehmen tun sich schwer damit, ihre Daten wirklich jedem zur Verfügung zu stellen. Dabei würden sie davon profitieren. Die Berliner wollen es nun versuchen. von Jessica Binsch

Stefan Wehrmeyer will eine App bauen, am liebsten noch heute. Der 24-jährige Entwickler sitzt an einem langen Tisch, um ihn herum beugen sich Menschen über ihre Computer, Kabel schlängeln sich an Club-Mate-Flaschen vorbei. Sie sind hier, um mit Bus- und Bahndaten nützliche Anwendungen zu programmieren.

Eine von Wehrmeyers Ideen ist eine App, die anzeigt, in welchen Waggon man einsteigen muss, um am Ziel am schnellsten zum Ausgang oder zum nächsten Gleis zu gelangen. Damit könnten sich Fahrgäste in unübersichtlichen Stationen wie am Berliner Alexanderplatz mit seinen vielen Ausgängen und Unterführungen besser zurechtfinden.

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Doch um solche Anwendungen zu bauen, braucht es zunächst einmal Daten: Wann fahren welche Züge und Busse wohin, wo sind die Ausgänge, welche Verspätungen gibt es? Verkehrsunternehmen tun sich schwer damit, diese Informationen öffentlich zugänglich zu machen. Sie wollen die Kontrolle behalten, zu groß ist ihre Sorge, die Daten könnten missbraucht werden.

Abschreckende Bedingungen

Auch der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) zögerte zunächst. Zwar hat er seit mehr als zwei Jahren eine Datenschnittstelle, doch Entwickler müssen seitenlange Vereinbarungen unterzeichnen, um damit arbeiten zu dürfen. Für Unternehmen wie Nokia mag das funktionieren, auch die Fahrinfo-App arbeitet inzwischen so. Doch unabhängige Entwickler schreckt es ab.

Nun will der VBB es anders machen: Gemeinsam mit der Open Knowledge Foundation veranstaltete das Unternehmen in Berlin einen Entwicklertag und öffnete seine Datenschnittstelle für die anwesenden Programmierer. 150 Teilnehmer haben sich angemeldet.

"Das ist schon ein bisschen eine Revolution", sagt der Geschäftsführer des Verbundes, Hans-Werner Franz. Er erntet freundliche Lacher für seine Bitte, "keine Schwarzfahrer-Apps zu bauen". Stattdessen mögen sich die Entwickler auf das konzentrieren, "was den Kunden hilft".

Ideen gibt es reichlich. Drei junge Frauen wollen mithilfe der Daten Ausflugstipps in Brandenburg geben, die leicht mit der Bahn zu erreichen sind. Eine andere Gruppe werkelt an einer Art digitalem Periskop. Es soll während der Fahrt mit der U-Bahn anzeigen, welche Sehenswürdigkeiten sich oben entlang der Strecke befinden. Eine erste Version "hat nicht so ganz funktioniert", sagt Julian Stahnke, der an dem Projekt mitarbeitet. Jetzt wollen er und seine Mitstreiter die Anwendung verbessern.

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