iPhone 5Foxconn klagt über Druck von Apple

Bisher beschwerten sich die Arbeiter, nun beklagt sich auch die Foxconn-Leitung: Die Anforderungen an die Produktion des iPhones könnten derzeit nicht erfüllt werden. von 

Viele Geschichten gibt es über Foxconn , und keine davon ist schön. Miese Löhne, schlechte Wohnquartiere , massenweise Überstunden , minderjährige Arbeiter , Streiks , Schlägereien und sogar Selbstmorde – immer wieder gibt es Berichte aus den Fabriken des taiwanischen Computer-Herstellers auf chinesischem Territorium, die vor allem eines zeigen: Der Druck auf die Arbeiter ist enorm.

Die Käufer von iPhones, iPads und iPods sehen schicke Hochtechnologie mit makelloser Oberfläche. Aber die Perfektion hat einen Preis, und den zahlen allein die Arbeiter, die die Geräte zusammenbauen. Bislang. Nun aber haben sich die Foxconn-Chefs öffentlich über Apples Vorgaben beklagt, zumindest indirekt.

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"Es ist nicht leicht, das iPhone 5 herzustellen. Es gelingt uns nicht, die riesige Nachfrage zu befriedigen", sagte Gründer Terry Gou nach einem Wirtschaftsforum, berichtet die  Agentur Reuters . Man könne Apples Aufträge nicht erfüllen.

Das Wall Street Journal berichtet , der Konzern liefere "viel weniger" iPhones, als Apple bestellt. Da es so schwierig zu produzieren sei, könnten einige Qualitätsstandards nicht erfüllt werden – zumindest nicht, wenn eine ausreichende Menge in kurzer Zeit hergestellt werden müsse.

Kurz nachdem die ersten Geräte im September verkauft worden waren, bemängelten Käufer, dass in der Oberfläche mancher iPhones, die aus eloxiertem Aluminium besteht, Dellen seien. Daraufhin hatte Apple die Anforderungen verschärft. Das aber führte zu neuen Streiks in einem Werk.

Beschimpfungen und Prügel

Die Organisation China Labor Watch zitiert dazu aus einem Bericht des Economic Observer , einer chinesischen Wirtschaftswochenzeitung. Darin wird beschrieben, wie ausgefeilt das System in den Fabriken ist, um ständig Druck auszuüben. Zitiert wird eine junge Frau, die als Qualitätskontrolleurin in einem Werk in Zhengzhou in der Provinz Henan arbeitet, wo für Apple produziert wird. Sie müsse jeden Tag zehn Stunden lang einhundert Arbeiter kontrollieren, finde sie in einer Schicht keinen Fehler, werde ihr das als Nachlässigkeit angekreidet. Finde sie Fehler, bekämen die entsprechenden Arbeiter Ärger. Bestraft werde mit Lohnabzug.

Beschimpfungen seien an der Tagesordnung, berichtet die Frau. Der Druck sei so hoch, dass es immer wieder auch zu Drohungen und zu Gewalt komme. Arbeiter gingen auf ihre Vorarbeiter los, Vorarbeiter auf Kontrolleure: "Der Druck wird von oben nach unten weitergegeben." Manchmal eskaliere die Situation. Einige junge Arbeiter wagten es sogar, ihre Vorarbeiter zu schlagen, um etwas von dem Druck loszuwerden, abends in den Unterkünfte, aber auch in den Fabriken selbst. Auch auf sie seien schon Arbeiter losgegangen.

Leserkommentare
  1. Sklaverei im Jahr 2012.

    Beste Grüße und auf noch mehr Gewinne.
    FSonntag

    5 Leserempfehlungen
    • hairy
    • 08. November 2012 13:47 Uhr

    dürfte man angesichts langer Wartezeiten besser dran sein, seine Iphone5-Vorbestellung zu stornieren, denn im nächsten Jahr wirds gewiss ein besseres Iphone6 geben (oder auch: bessere Geräte von anderen Herstellern).

    Ich selbst indes begnüge mich auch weiterhin mit einem Gerät aus dem Jahr 2007.

    4 Leserempfehlungen
  2. Ich hab noch keinen Sessel-Puper gesehen, der was produziert hat.

    Wenn die Diskrepanz zwischen vereinbarter und gelieferter Qualität groß genug ist, gibt's natürlich Druck - und zwar für die Arbeiter.

    Ich hab auch schon erlebt, dass wir einen Großkonzern an die chinesische Konkurrenz verloren haben - und er kam nach einem Jahr reumütig zurück und hat gern unsere Preise bezahlt, weil die Qualität stimmt.

    Nicht nur vom Muster sondern kontinuierlich in der Produktion.;)

    6 Leserempfehlungen
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    • Chali
    • 08. November 2012 14:47 Uhr

    So ein schicker junger Berater von McBerley,
    Schliessung der Abteilung,
    Outsorcing nach China,
    und wenn der Container dann ankommt,
    nur leider ein, zewi Monate nach dem zugesagten Termin,
    konnten wir völlig ungeplant eine Prüfstrecke aufbauen, ohne noch das Personal dafür zu haben, und dann den Schund nach A,B ud C-Qualität zu sortieren ...

    Der schicke Berater hat natürlich ein schickes neues Auto.

  3. Gerade bei diesem extrem überteuerten Produkt finde ich es asozial von Apple, die Maximierungsmaschinerie derart weit auszureizen, dass die Vorgaben nicht mehr erfüllbar sind. Von "Leben und leben lassen" hat Apple anscheinend noch nie was gehört, daher kaufe ich niemals Apple!

    8 Leserempfehlungen
  4. Als Kunde habe ich wenig möglichkeiten diese Zustände zu ändern. Denn egal welche Marke ich kaufe, hergestellt wird unter ähnlichen Bedingungen, ob iphone oder Samsung oder sonstwer.

    Sollte ich auf den Kauf moderner Elektronik verzichten? Dann haben die Arbeiter wahrscheinlich keinen Job mehr (natürlich nur wenn viele auf's Kaufen verzichten).

    Ich bin da unschlüssig. Vielleicht brauchen wir Importverbote? Doch wie soll sowas umgesetzt werden?

    Eine Leserempfehlung
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    • siar
    • 08. November 2012 17:40 Uhr

    Bei den Preisen von Appleprodukten käme es auf 5 oder 10 € mehr nun wirklich nicht an, doch damit könnte dann die Arbeiter besser bezahlt werden. Wobei die Arbeitskosten wohl den geringsten Teil der Produktionskosten ausmachen.
    Apple ist ja das wertvollste Unternehmen der Welt mit exorbitanten Gewinnmargen, wie diese Gewinne zustande kommen interessiert anscheinend niemanden.
    Früher hieß es noch, geht es dem Unternehmen gut, geht es dem Mitarbeiter gut. Davon können heutige Arbeitnehmer nur noch träumen.

  5. Geschichte ist, dass es sich nicht einmal um ein Billigprodukt handelt, bei dem eine harte Konkurrenz dazu führt. Nein Apple-Produkte sind im hochpreisigem Segment anzusiedeln und Apple ist der einzige Hersteller, der das Monopol hat seine Hardware mit seinem Betriebsystem nutzen zu dürfen.

    Um es also kurz zu fassen: 100 % GIER.

    Beste Grüße
    FSonntag

    12 Leserempfehlungen
  6. Bekanntlich ist niemand gezwungen, Produkte von Apple zu kaufen. Wer sie allerdings kauft, ist selbst ein Teil des Problems. Denn es sind ja die Kunden, die sich über Kleinstdellen ihrer Hochglanzhandys bei Apple beschweren und jedes Handy, das winzige Abweichungen aufweist, monieren. Dass das Handy nach zwei Telefonaten in der Tasche ganz andere optische Macken hat, stört den Kunden nicht. Jedenfalls beim Kauf muss es makellos sein. Die übersteigerten Vorstellungen der Kunden sind natürlich ein Ergebnis des Apple-Marketings, so dass man sagen kann, bei Apple habenDas ist das Geheimnis des Apple-Erfolges. Wen interessiert da noch der Herstellungsprozeß und die geschundenen Arbeiter.

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    • Case793
    • 08. November 2012 14:16 Uhr

    Es geht hier nicht um kleine Macken, auch wenn Apple das gerne anfangs behauptet hat.
    Wir sprechen hier von richtig tiefen Rillen, die aussehen und sich anfühlen als hätte jemand mit einem scharfkantigen Werkzeug das Gehäuse bearbeitet. Mit normalen Gebrauchsspuren ist das nicht vergleichbar.
    Und um es mal etwas zugespitzt zu sagen: Würden Sie ein fabrikneues Auto mit Kratzern und Dellen akzeptieren? Nach ein paar Fahrten sieht es doch sowieso so aus! ;)
    Das ganze rechtfertigt natürlich nicht die Ausbeutung der Foxconn-Arbeiter durch Apple und andere westliche Konzerne!

    • Case793
    • 08. November 2012 14:16 Uhr

    Es geht hier nicht um kleine Macken, auch wenn Apple das gerne anfangs behauptet hat.
    Wir sprechen hier von richtig tiefen Rillen, die aussehen und sich anfühlen als hätte jemand mit einem scharfkantigen Werkzeug das Gehäuse bearbeitet. Mit normalen Gebrauchsspuren ist das nicht vergleichbar.
    Und um es mal etwas zugespitzt zu sagen: Würden Sie ein fabrikneues Auto mit Kratzern und Dellen akzeptieren? Nach ein paar Fahrten sieht es doch sowieso so aus! ;)
    Das ganze rechtfertigt natürlich nicht die Ausbeutung der Foxconn-Arbeiter durch Apple und andere westliche Konzerne!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Apple | Aluminium | Blog | Fabrik | Foxconn | Schlägerei
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