Jahresrückblick 2012 : Der Zukunft auf der Nase

2012 hat Google das "Project Glass" vorgestellt, eine Augmented-Reality-Brille mit Smartphone-Funktionen. Einer, der sie schon trug, sagt: Das ist das nächste große Ding.
Google-Pressesprecher Stefan Keuchel mit der Google-Brille © Stefan Keuchel

Stefan Keuchel hat einen Blick in die Zukunft geworfen. Sie saß auf seiner Nase. Der Pressesprecher von Google in Deutschland durfte testen , was Google sein "Project Glass" nennt.

Nur wenige Menschen hatten bisher dieses Vergnügen, denn von der Augmented-Reality-Brille gibt es derzeit nur Prototypen. Erste Gerüchte über deren Existenz kursierten im Februar, im April präsentierte Google die Brille dann der Öffentlichkeit – verbunden mit der Ansage, sie im Jahr 2013 erst einmal nur an Entwickler zu verkaufen. Die sollen aus dem Projekt etwas machen, dass die Smartphones von heute ablöst.

Auch Keuchel hält Google Glass für das nächste große Ding, für "ein Killer-Device", wie er sagt. Natürlich ist er voreingenommen. Es ist sein Job, von Googles Erfindungen begeistert zu sein. Aber auch er weiß: Google ist nicht das einzige Unternehmen , das an einer AR-Brille bastelt.

Keuchel glaubt, dass diese Technik, egal von wem sie nun kommt, die Internetnutzung erneut verändern wird. Schon allein, weil man das Gerät nicht mehr aus der Tasche holen muss, um es zu bedienen: "Die Brille ermöglicht wieder einen aufrechten Gang", sagt er. "Wenn man heute durch die Innenstadt läuft, sieht man überall Menschen, die mit gesenktem Kopf herumlaufen und auf ihr Smartphone schauen."

Doch was werden die Brillenträger sehen und tun können? Sicher, die bekannten Smartphone-Funktionen: "Wenn ich zum Beispiel navigieren will, sehe ich eingeblendete Pfeile, die mir zeigen, wohin ich gehen muss", sagt Keuchel.

Aber was noch? Der nächste Schritt ist die Kombination mit Software, die bei Google "Now" heißt, die es so ähnlich aber auch bei anderen gibt. "Google Now zeigt, wohin sich Google entwickeln wird – hin zu einer Art digitalem, lernfähigen Assistenten", sagt Keuchel. Er meint eine Suchmaschine, die Fragen beantwortet, bevor sie gestellt werden. Wie Google sich das in Kombination mit der Brille vorstellt, zeigt das offizielle Video , das den Tag eines Google-Glass-Trägers aus dessen Perspektive zeigt – und von dem es schnell erste Parodien gab.

Aber auch andere werden Inhalte und Anwendungen für AR-Brillen entwickeln. Alexis C. Madrigal vom Magazin The Atlantic etwa wünscht sich zeit- und geocodierte journalistische Geschichten. Der Schriftsteller William Gibson hat schon vor fünf Jahren im Roman Quellcode die Idee der "locative art" beschrieben: Digitale Kunstwerke, die zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sichtbar sind, sofern man eine AR-Brille trägt. Und Daniel Suarez entwarf in seinen Büchern Daemon und Darknet eine ganze Welt aus Informationen, die über der stofflichen liegt und jeden Gegenstand um eine weitere Dimension ergänzt. Science Fiction ist das längst nicht mehr.

Nichts davon wird von heute auf morgen normal sein. "So eine Brille wird anfangs auch nicht für jeden erschwinglich sein", sagt Keuchel. "Die Early Adopters werden bestimmt auch komisch beäugt werden. Aber das ist Gewöhnungssache. Die ersten Handynutzer wurden auch schräg angeguckt."

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Kommentare

32 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

bitte auf sprache achten

@ herrn keuchel, @ google und @ die zeit:
kommentarlos redewendungen wie "killer-device" als eindeutig extrem positiv zu benutzen finde ich, führt in die falsche richtung.
dies ist mE ein beitrag zur popularisierung, glorifizierung und verniedlichung von gewalt. die USA ist das zuhause solch einer art von sprachbenutzung und ebenso das zuhause von viel gewalt, s. z.B. amokläufe.

irgendwas kommt

das device heruaskramen, um zu arbeiten wird sich ändern. oder aus dem pad wieder séin notebook zu machen, weil es geschützt und stehen muss und möglichst über eine ext. tastatur mit eingaben geentert wird, zeigt den witz der pads. am unterarm befestigen heisst zurück zum 5-fingersystem. spracheingabe, na ja, vielleicht. brille, jedoch strahlung sehr nah am gehirn. insgesamt haben iwr und mit gerätschaften ausserhalb des körpers erweitert. das zeigt sich deutlich beim fliegen und fahren.