Die erste SMS überhaupt enthielt nur 14 Zeichen, obwohl schon damals 160 erlaubt gewesen wären. "Merry Christmas" lautete die Botschaft. Der britische Software-Entwickler Neil Papworth schickte sie vor genau 20 Jahren , am 3. Dezember 1992, auf das Orbitel-901-Telefon des Vodafone-Managers Richard Jarvis, der gerade auf der Firmen-Weihnachtsfeier weilte.

Papworth hatte den Auftrag , ein SMS-Center für Vodafone aufzubauen. Den verfrühten Weihnachtsgruß verschickte er von seinem Computer aus – Mobiltelefone waren dazu noch nicht in der Lage. Heute ist das Problem der SMS eher, dass Mobiltelefone zu so viel mehr in der Lage sind.

Vodafone und die anderen Telekom-Firmen sahen den Short Message Service zunächst als Nebenprodukt und boten ihn kostenlos an. Sie merkten aber rasch, dass sie daran gut verdienen konnten: Eine Kurzmitteilung enthält nur etwa ein Tausendstel der Datenmenge einer Gesprächsminute. Weil zudem nur wenig Infrastruktur nötig ist, entstehen den Anbietern nur geringe Kosten, so dass sie an den scheinbar so billigen Botschaften in der Masse ordentlich verdienen.

Angelegt war der Textnachrichtendienst schon in den ersten europäischen Übertragungsstandards. Friedhelm Hillebrand von der damaligen Deutschen Bundespost erarbeitete mit Kollegen unter anderem aus Frankreich einen Konzeptvorschlag für den Kurznachrichtendienst, der in den GSM-Standard Eingang fand. Aus dieser Zeit stammt die Maximallänge von 160 Zeiten: Hillebrand hatte Postkarten und Telexe ausgewertet und festgestellt, dass die meisten kürzer waren.

US-Teenager verschicken mehr als 3.000 SMS im Monat

Trotz der umständlichen Eingabe über die Zahlentastatur waren es die SMS-Botschaften, die dem Mobiltelefon zum Durchbruch verhalfen. Leisteten sich bis dahin vor allem Geschäftsleute, Politiker und Journalisten ein Handy, entdeckten nun – auch dank der von den Netzbetreibern subventionierten Geräte – junge Leute das "Simsen" für sich. Ende der neunziger Jahre wurde die 160-Zeichen-Botschaft zur Killer-Applikation im Mobilfunkmarkt.

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Wenig später hatte sich die "Simse" schon so weit verbreitet, dass britische Ärzte eine neue medizinische Diagnose erfanden, den texter's thumb – der entzündete SMS-Daumen, vergleichbar dem Tennisarm. In den USA , wo es viele SMS-Flatrates gibt, verschicken Teenager nicht selten mehr als 3.000 Nachrichten im Monat .

Auf den heutigen Smartphones gibt es aber auch etliche andere textbasierte Kommunikationsmöglichkeiten, von herkömmlicher E-Mail über Facebook, Google Plus und Direktnachrichten bei Twitter bis zu den internetbasierten, ausdrücklich als SMS-Konkurrenten ausgelegten Diensten wie WhatsApp , Kik , yuilop und TextMe!

Die Text-Apps sind mit Blick auf den Datenschutz allerdings nicht unbedenklich. WhatsApp spioniert nach Angaben der Stiftung Warentest die Kontakte im Adressbuch des Smartphones aus und schickt die Daten ungefragt an US-Server, die auch noch wiederholt schwere Sicherheitslücken offenbarten. (Laut der Privacy Notice von WhatsApp liest die App nur Telefonnummern und Namen aus dem Adressbuch aus, schickt diese Daten aber nicht an die Server des Unternehmens.)