Facebook MessengerDer Nachrichtendienst für alle

Die App "Facebook Messenger" wurde erweitert. Mit ihm kann nun auch chatten, wer keinen Facebook-Account hat. Der Konzern erschließt sich so eine neue Datenquelle. von 

Madonna hinterlässt eine Botschaft an einer Wand im Firmensitz Facebooks.

Madonna hinterlässt eine Botschaft an einer Wand im Firmensitz Facebooks.  |  © Dimitrios Kambouris/Getty Images

Trotz aller Datenschutz-Pannen und Ausspäh-Versuche ist WhatsApp eines der beliebtesten Programme zum Verschicken kostenloser Nachrichten. Techcrunch hat gerade einige Zahlen zusammengestellt , die zeigen, dass die Messenger-App vor allem in Europa Marktführer ist. Facebook Messenger ist weit abgeschlagen. Noch.

Denn seit Dienstag ist Facebook Messenger sehr viel interessanter geworden. Der Konzern bietet Messenger nun als eigenständige Android-App an, für die kein Facebook-Account nötig ist. Ein Name und die eigene Telefonnummer genügen fortan , um mit anderen, die Messenger ebenfalls nutzen, kostenlos chatten und Bilder tauschen zu können, teilte Facebook mit

Beide Meldungen haben einen Zusammenhang, allerdings nur auf den ersten Blick. WhatsApp ist natürlich eine Konkurrenz für das soziale Netzwerk. Die App bietet zwar sehr viel weniger als Facebook, aber sie holt sich Nutzer mit einer Funktion, die so etwas wie Facebooks Basiskompetenz ist.

Und genau deswegen ist es auf den zweiten Blick ein logischer Schritt für Facebook, seinen Messenger auszuweiten. Das Unternehmen will nicht nur Menschen verbinden, die schon bei ihm Mitglied sind. Schon immer war es daran interessiert, all jene zu erreichen, die noch keinen Account haben. Daher saugt es all die Daten ab, die es in Telefonbüchern von Handys seiner Kunden und in den Kontaktlisten von E-Mail-Accounts finden kann (und darf).

Viele neue Handynummern

Messenger ist dafür wie geschaffen. Um den Dienst nutzen zu können, muss die eigene Handynummer und ein Name angegeben werden. Anschließend kann man mit seinen Facebook-Kontakten und mit all jenen chatten, die nicht bei Facebook sind, aber Messenger installiert haben. Letztere werden ebenfalls über ihre Mobilfunknummer erreicht – die Facebook dann kennt und selbstverständlich speichert.

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Kai Biermann
Kai Biermann

Kai Biermann ist Redakteur im Team Investigativ/Daten bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Peter Deng, Director of Product Management bei Facebook, wurde auf der Konferenz LeWeb in Paris gefragt, welches Ziel das Unternehmen damit verfolge. "Unser oberstes Ziel ist es, Menschen zu verbinden", sagte Deng. Ob man damit Geld verdiene? Ob man die Daten nutze, um sie auszuwerten? Auf solche Fragen ging Deng nicht näher ein. Facebook habe viel in mobile Nachrichtenübermittlung investiert – als ein Ergebnis der Konzentration auf mobile Plattformen. Dabei sei man zu der Überzeugung gekommen, "dass die Menschen mehr wollen, als SMS bieten kann", sagte Deng. "Wir wollen Menschen miteinander verbinden, sie sollen das Gefühl haben, sich in einem durchgehenden Gespräch zu befinden."

Kontaktdaten, Ortsdaten, Verbindungsdauerdaten – das Unternehmen bekommt durch Messenger viele Informationen, die ihm nützlich sind. Und das auch von Menschen, die es bisher nicht kannte, weil sie sich Facebook vielleicht verweigert haben. Gleichzeitig ist der Dienst ein niedrigschwelliges Angebot, um neue Kunden zu finden. Wer Messenger nutzt, will vielleicht bald mehr und legt sich dann doch einen Account bei Facebook an.

Leserkommentare
  1. 3. Artikel heute, in welchem es um Facebook geht oder wie beim Artikel über die arabischen Frauen und deren Erfahrungen, Facebook schon in der headline miterwähnt wird.
    Auch wenn es, wie hier, durchaus kritische Einblicke gibt, kann ich keinen wirklichen Drang zur Auseinandersetzung mit dem Thema entdecken.
    Das ist einfach nur enttäuschend.
    Die Diskussion dreht sich immer wieder darum, dass ein idealtypisch aufgeklärter Mensch selbst zu entscheiden hat, wie er mit seinen Daten umgeht. Das ist richtig.
    Warum nimmt man hier nicht die Kinder und sehr jungen Jugendlichen in den Blick? Das Netz wird als soziales Netzwerk gepriesen. Davon kann ich in der Auseinandersetzung nichts entnehmen, dass die heutigen User sich der sozialen Verantwortung gegenüber Minderjährigen und künftiger Generationen bewusst sind.
    was würde eigentliche facebook drohen, wenn rauskäme, dass die Hälfte der UserInnen unter dem Mindestalter zum Eröffnen eines Accounts wäre? Also unter 13 Jahren alt.

    Eine Leserempfehlung
  2. Facebook wäre für viele Menschen realistischer und lebensnaher, dieses Kommerztheater sollte sich einfach durch Einsicht der Noch-Teilnehmer erledigen.

  3. solange der fb messenger so miserabel in der Benutzung bleibt wie er bisher ist hat whatsapp mit seiner für mobil exzellenten Oberfläche, Einfachheit und der Abwesenheit von Daten-Sammel-Verdacht (wenn auch kleinere Datenpannen) denke ich nicht viel zu befürchten. Whatsapp könnte natürlich noch mehr Platformen ansprechen (PCs z.B.) aber ich werde bei whatsapp bleiben, auch so.

  4. sich stellvertretend für mich selbstständig mit allen Apps, email Accounts, Messengers, WebChats und Telefon Accounts rumschlägt, so dass am Ende des Tages die tollen Geräte sich nur noch untereinander unterhalten und uns/mich nich mehr brauchen. Dann ist wieder Ruhe.

    +++Dieser Text wurde automatisch erstellt+++

    Eine Leserempfehlung
  5. "Gleichzeitig ist der Dienst ein niedrigschwelliges Angebot, um neue Kunden zu finden. Wer Messenger nutzt, will vielleicht bald mehr und legt sich dann doch einen Account bei Facebook an."

    Irgendwie hat es etwas von Ironie, bei den Nutzern von Facebook von Kunden zu sprechen...

    Würde "Datenvieh" nicht besser passen?

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