Facebook MessengerDer Nachrichtendienst für alle

Die App "Facebook Messenger" wurde erweitert. Mit ihm kann nun auch chatten, wer keinen Facebook-Account hat. Der Konzern erschließt sich so eine neue Datenquelle.

Madonna hinterlässt eine Botschaft an einer Wand im Firmensitz Facebooks.

Madonna hinterlässt eine Botschaft an einer Wand im Firmensitz Facebooks.

Trotz aller Datenschutz-Pannen und Ausspäh-Versuche ist WhatsApp eines der beliebtesten Programme zum Verschicken kostenloser Nachrichten. Techcrunch hat gerade einige Zahlen zusammengestellt, die zeigen, dass die Messenger-App vor allem in Europa Marktführer ist. Facebook Messenger ist weit abgeschlagen. Noch.

Denn seit Dienstag ist Facebook Messenger sehr viel interessanter geworden. Der Konzern bietet Messenger nun als eigenständige Android-App an, für die kein Facebook-Account nötig ist. Ein Name und die eigene Telefonnummer genügen fortan, um mit anderen, die Messenger ebenfalls nutzen, kostenlos chatten und Bilder tauschen zu können, teilte Facebook mit

Beide Meldungen haben einen Zusammenhang, allerdings nur auf den ersten Blick. WhatsApp ist natürlich eine Konkurrenz für das soziale Netzwerk. Die App bietet zwar sehr viel weniger als Facebook, aber sie holt sich Nutzer mit einer Funktion, die so etwas wie Facebooks Basiskompetenz ist.

Und genau deswegen ist es auf den zweiten Blick ein logischer Schritt für Facebook, seinen Messenger auszuweiten. Das Unternehmen will nicht nur Menschen verbinden, die schon bei ihm Mitglied sind. Schon immer war es daran interessiert, all jene zu erreichen, die noch keinen Account haben. Daher saugt es all die Daten ab, die es in Telefonbüchern von Handys seiner Kunden und in den Kontaktlisten von E-Mail-Accounts finden kann (und darf).

Viele neue Handynummern

Messenger ist dafür wie geschaffen. Um den Dienst nutzen zu können, muss die eigene Handynummer und ein Name angegeben werden. Anschließend kann man mit seinen Facebook-Kontakten und mit all jenen chatten, die nicht bei Facebook sind, aber Messenger installiert haben. Letztere werden ebenfalls über ihre Mobilfunknummer erreicht – die Facebook dann kennt und selbstverständlich speichert.

Kai Biermann
Kai Biermann

Kai Biermann ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Peter Deng, Director of Product Management bei Facebook, wurde auf der Konferenz LeWeb in Paris gefragt, welches Ziel das Unternehmen damit verfolge. "Unser oberstes Ziel ist es, Menschen zu verbinden", sagte Deng. Ob man damit Geld verdiene? Ob man die Daten nutze, um sie auszuwerten? Auf solche Fragen ging Deng nicht näher ein. Facebook habe viel in mobile Nachrichtenübermittlung investiert – als ein Ergebnis der Konzentration auf mobile Plattformen. Dabei sei man zu der Überzeugung gekommen, "dass die Menschen mehr wollen, als SMS bieten kann", sagte Deng. "Wir wollen Menschen miteinander verbinden, sie sollen das Gefühl haben, sich in einem durchgehenden Gespräch zu befinden."

Kontaktdaten, Ortsdaten, Verbindungsdauerdaten – das Unternehmen bekommt durch Messenger viele Informationen, die ihm nützlich sind. Und das auch von Menschen, die es bisher nicht kannte, weil sie sich Facebook vielleicht verweigert haben. Gleichzeitig ist der Dienst ein niedrigschwelliges Angebot, um neue Kunden zu finden. Wer Messenger nutzt, will vielleicht bald mehr und legt sich dann doch einen Account bei Facebook an.

Werden viele Menschen das nutzen? Höchstwahrscheinlich. Zum Leidwesen der Mobilfunkfirmen. Denn die SMS, an der sie sehr gut verdienen, wird sterben. Zwei Effekte spielen dabei eine Rolle. Zum einen lassen sich dank Messenger viele Menschen erreichen – einfach weil Facebook bereits so groß ist. Zum anderen ist es bequem, denn es müssen keine neuen Kontaktlisten zusammengestellt werden. Da die Handynummer genügt, ist die Kontaktliste schon fertig.

Bequemlichkeit ist ein wichtiger Faktor, der beispielsweise anonymen Angeboten oft zu schaffen macht. Das ist auch das Manko der kostenlosen Nachrichtendienste, die es seit vielen Jahren gibt, ob sie nun ICQ oder Jabber heißen. Sie bieten dasselbe, wollen aber keine Daten und sind dabei eben anonym. Aber sie sind nicht so bequem. Wer mit einem Freund reden will, muss erst einmal dessen ICQ-Nummer oder Jabber-Namen herausbekommen. Der Messenger schaut hingegen selber nach, ob die eigenen Kontakte erreichbar sind.

Apple Messenger?

Die neue Version wird erst einmal für das Betriebssystem Android getestet und ist in Indien, Indonesien, Australien, Venezuela und Südafrika verfügbar. Andere Länder sollen bald folgen, sagt Facebook. Andere Betriebssysteme wohl auch, immerhin ist die derzeitige Messenger-App auch für iOS und für Blackberry verfügbar.

Das Programm könnte damit bald zum Standard werden. Es sei denn, es gibt Konkurrenz. Wenn Apple und Blackberry schlau sind, bieten sie bald etwas Ähnliches an. Bei beiden existiert eine interne Chat-Funktion. Blackberry-Besitzer können miteinander kostenlos Nachrichten austauschen und iPhone-Besitzer seit einiger Zeit auch. Bei letzteren geschieht das nahtlos – wenn sie eine SMS an einen Kontakt in ihrer Liste oder eine beliebige Handynummer schicken, wird diese statt als SMS automatisch als kostenlose iPhone-Nachricht versandt, wenn der Gegenüber ein iPhone hat. Bequemlichkeit ist auch hier der Schlüssel.

Doch es gibt noch einen: Originalität. In China ist das Chatprogramm Weixin populär, das im Rest der Welt als WeChat vermarktet wird. Dort kann man eine Flaschenpost genannte Kontaktanfrage verschicken. Die wird zufällig zugestellt, an irgendjemanden. Bei einer zweiten Funktion wird sie nur an Nutzer in der Nähe verschickt – das soll schon viele Freundschaften gestiftet haben. WeChat hat mehr als 200 Millionen Nutzer und macht Weibo Konkurrenz, Chinas Pendant zu Facebook.

 
Leser-Kommentare
  1. 3. Artikel heute, in welchem es um Facebook geht oder wie beim Artikel über die arabischen Frauen und deren Erfahrungen, Facebook schon in der headline miterwähnt wird.
    Auch wenn es, wie hier, durchaus kritische Einblicke gibt, kann ich keinen wirklichen Drang zur Auseinandersetzung mit dem Thema entdecken.
    Das ist einfach nur enttäuschend.
    Die Diskussion dreht sich immer wieder darum, dass ein idealtypisch aufgeklärter Mensch selbst zu entscheiden hat, wie er mit seinen Daten umgeht. Das ist richtig.
    Warum nimmt man hier nicht die Kinder und sehr jungen Jugendlichen in den Blick? Das Netz wird als soziales Netzwerk gepriesen. Davon kann ich in der Auseinandersetzung nichts entnehmen, dass die heutigen User sich der sozialen Verantwortung gegenüber Minderjährigen und künftiger Generationen bewusst sind.
    was würde eigentliche facebook drohen, wenn rauskäme, dass die Hälfte der UserInnen unter dem Mindestalter zum Eröffnen eines Accounts wäre? Also unter 13 Jahren alt.

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Facebook wäre für viele Menschen realistischer und lebensnaher, dieses Kommerztheater sollte sich einfach durch Einsicht der Noch-Teilnehmer erledigen.

  3. solange der fb messenger so miserabel in der Benutzung bleibt wie er bisher ist hat whatsapp mit seiner für mobil exzellenten Oberfläche, Einfachheit und der Abwesenheit von Daten-Sammel-Verdacht (wenn auch kleinere Datenpannen) denke ich nicht viel zu befürchten. Whatsapp könnte natürlich noch mehr Platformen ansprechen (PCs z.B.) aber ich werde bei whatsapp bleiben, auch so.

  4. sich stellvertretend für mich selbstständig mit allen Apps, email Accounts, Messengers, WebChats und Telefon Accounts rumschlägt, so dass am Ende des Tages die tollen Geräte sich nur noch untereinander unterhalten und uns/mich nich mehr brauchen. Dann ist wieder Ruhe.

    +++Dieser Text wurde automatisch erstellt+++

    Eine Leser-Empfehlung
  5. "Gleichzeitig ist der Dienst ein niedrigschwelliges Angebot, um neue Kunden zu finden. Wer Messenger nutzt, will vielleicht bald mehr und legt sich dann doch einen Account bei Facebook an."

    Irgendwie hat es etwas von Ironie, bei den Nutzern von Facebook von Kunden zu sprechen...

    Würde "Datenvieh" nicht besser passen?

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