Das Versprechen, künftig ohne Werbung mobil surfen zu können, interessiert offensichtlich viele. Nicht mal eine Woche nachdem die Entwickler des bewährten Internet-Werbeblockers Adblock Plus eine Android-Version ihres Programms veröffentlicht haben , verzeichnet Google schon über 100.000 Installationen auf Smartphones und Tablets.

Für die Werbebranche ist das eine schlechte Nachricht. Das Geschäft mit der mobilen Werbung fängt gerade erst an. Zwar gehört das Smartphone schon länger zum Alltag von Millionen Menschen. Doch erst jetzt beginnt die Werbebranche, Anzeigen für diese lukrative Zielgruppe zu entwickeln. Auf den kleinen Bildschirmen der Smartphones sind die alten Banner aus dem Web nicht brauchbar. Werbeagenturen, ihre Kunden und Inhalteanbieter müssen ihre Infrastruktur auf die neue Technik umstellen.

Ergebnis: Obwohl die Nutzer zwölf Prozent ihrer Onlinezeit mit Smartphone und Tablets verbringen, werden hier nur zwei Prozent der Werbeumsätze gemacht. Trotzdem ist beispielsweise Facebook überzeugt , dass sich auch mobil viel Geld verdienen lässt. Hier kommt Adblock Plus ungelegen: Denn das Programm sortiert nicht nur Werbung aus dem mobilen Browser, es filtert auch die Banner aus werbefinanzierten Apps.

Einnahmen zurückgegangen

Dass mobile Werbung schnell nerven kann, merken auch Entwickler. Ein Beleg dafür ist die Bereitschaft vieler Nutzer, für die werbefreie Version einer App Geld zu bezahlen. Das bestätigt Martin Weidig. Der Rostocker programmiert Apps für Android . Ursprünglich setzte er zur Finanzierung seiner Arbeit auf Werbung und bot die Apps kostenlos an. "Anfangs kamen 80 bis 90 Prozent meiner Einnahmen aus der Werbung", sagt Weidig.

Doch mit der Zeit seien diese Einnahmen deutlich zurückgegangen, Werbedienstleister wie die Google-Tochter Admob zahlten pro Klick inzwischen viel weniger als am Anfang. Unseriöse Anbieter, so hat Weidig beobachtet, versprechen zwar deutlich höhere Einnahmen. Doch Video-Werbung und Spionage-Banner möchte er seinen Nutzern nicht zumuten.

Weidig verkauft nun eine werbefreie Version seines Programms, für zwei Euro kann man die Applikation von der Werbung befreien. Viele Nutzer greifen zu. Weidig könnte die Entwicklung inzwischen aus den Verkaufserlösen finanzieren. "Ich glaube, ein Großteil der Nutzer zahlt für die App nur, um die Werbung loszuwerden", sagt der Programmierer.

Adblock Plus will nicht alle Werbung vom Bildschirm verbannen , nur die schlechte. Allzu oft seien Anzeigen für Mobiltelefone darauf ausgerichtet, dass der Nutzer sie aus Versehen anklickt, wenn er mit dem Finger ein Handy-Spiel bedienen will, sagt Till Faida, einer der Geschäftsführer von Eyeo, der Herstellerfirma von Adblock Plus. Zudem führe Werbung oft zu virenverseuchten oder nicht jugendgeeigneten Webseiten.