Billig-iPhoneFür China muss sich Apple ändern

Apple entwickle ein abgerüstetes iPhone für 100 Dollar, heißt es. Gedacht sei es vor allem für China. Wird das Gerät wirklich gebaut, wäre es ein Strategiewechsel. von 

Apple-Chef Tim Cook bei seinem Besuch im Apple-Store in Peking. Neben ihm ein Kunde des Ladens.

Apple-Chef Tim Cook bei seinem Besuch im Apple-Store in Peking. Neben ihm ein Kunde des Ladens.  |  © Reuters

Apple-Chef Tim Cook war gerade in China, um über mögliche Kooperationen zu reden. Kaum war er zurück, gab es das Gerücht, Apple plane ein preiswertes Modell des iPhones. Das berichten einstimmig Wall Street Journal und Bloomberg unter Berufung auf Mitarbeiter des Konzerns. Das neue Modell solle 99 bis 149 US-Dollar kosten. Damit würde es weit unter den bisherigen Preisen liegen, die Apple für seine Produkte verlangt. Das aktuelle iPhone kostet je nach Ausstattung 679 bis 899 Euro, das derzeit billigste, das iPhone 4, noch immer 399 Euro.

Den Gerüchten zufolge soll der niedrige Preis erreicht werden, indem billigere Materialien und Komponenten aus früheren Modellen verbaut werden. Auch eine geringere Größe ist nach Aussagen der namentlich nicht genannten Informanten denkbar. Verkauft werden könnte es demnach bereits ab der zweiten Jahreshälfte 2013.

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Sollte das Billig-Gerät wirklich gebaut werden, wäre es ein Beleg dafür, dass Konzernchef Cook die Strategie des Unternehmens komplett umbaut. Die bestand bisher daraus, hochwertig wirkende Produkte zu hohen Preisen zu verkaufen. Damit sprach Apple vor allem Nutzer an, denen Image und Bedienkomfort wichtiger ist als Geld. Das funktioniert, der Gewinn pro Gerät ist enorm. Etwa 50 Prozent des Verkaufspreises kann Apple für das iPhone als Gewinn verbuchen. Das wirkte sich auch auf den Konzerngewinn aus, der sich in den vergangenen Jahren regelmäßig fast verdoppelte.

Apple in China nur auf Rang sechs

Warum aber sollte Apple jetzt seine Strategie ändern? Die Antwort liegt wohl im weltweiten Absatz des iPhones. Der globale Marktanteil des iPhones lag zuletzt bei 15 Prozent und ist damit um acht Prozent gefallen.

Vor allem asiatische Hersteller wie Samsung oder Huawei haben in den vergangenen Jahren aufgeholt, und das vor allem auf dem großen und damit wichtigen asiatischen Markt. Hat in den USA etwa jeder Zweite ein iPhone, liegt Apple in China nur noch auf Rang sechs. Firmen wie Huawei produzieren in China Smartphones, verkaufen sie günstig am Heimatmarkt und machen dennoch Milliardengewinne. Vor allem durch Masse. In einem Entwicklungsmarkt wie China oder Indien ist dabei wohl vor allem der Preis entscheidend. Apple ist vielen Chinesen zu teuer.

Eine zweite mögliche Motivation für das Umdenken: Im Wettbewerb der Betriebssysteme schwächelt Apple schon länger. Android, das Betriebssystem von Google, ist auf fünf Mal mehr Geräten installiert. Der koreanische Konzern Samsung machte zuletzt Rekordgewinne, sein ungefähr gleich teures Galaxy S III verkaufte sich hervorragend.

700 Millionen potenzielle Kunden

Dass Apple sich in letzter Zeit stärker für den asiatischen Markt interessiert, ist kein Geheimnis. Cook besuchte am 8. Januar den chinesischen Minister für Informationstechnologie Miao Wei. Dabei soll es um eine Kooperation mit China Mobile gegangen sein. Der chinesische Mobilfunkanbieter hat 700 Millionen Kunden. Apple will über China Mobile das iPhone verkaufen. Bisher scheiterte das an den Forderungen der Chinesen. Sie wollen beim Verkauf der Apps mitverdienen.

Tim Cook verweigerte jede Stellungnahme – sowohl zum neuen Modell als auch zu seinem China-Besuch.

Die Indizien für ein neues Modell sind aus wirtschaftlicher Sicht stark. Aber der staatlich kontrollierte Markt in China ist riskant. Das zeigt sich auch an der Forderung von China Mobile, am Umsatz von Apps beteiligt zu werden. Ungewiss ist auch, ob Apple gegen die starke Stellung von Firmen wie Huawei ankommen wird. Der Konzern ist nicht nur auf dem Heimatmarkt sehr erfolgreich, inzwischen gilt er als eines der innovativsten und am schnellsten wachsenden Telekommunikationsunternehmen der Welt.

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Leserkommentare
  1. Ich hoffe, dass Apple bei der Strategie mit den hochwertigen und somit relativ teuren Produkten bleibt. Was der Autor hier unterschwellig impliziert:
    "Die bestand bisher daraus, hochwertig wirkende Produkte zu hohen Preisen zu verkaufen." Ist schlicht falsch! Die wirken nicht nur hochwertig, sie sind es auch! Halten sie mal ein Apple-Produkt nach mehreren Jahren in Gebrauch neben ein Produkt eines Billigherstellers (Oder "mid-price"), - dann wissen sie, was ich meine. Jeder der seit Jahren damit Arbeitet kann das sicher bestätigen. Sicher gibt es auch mal bei Apple Fehler oder Unzulänglichkeiten, aber die gibt es bei jedem Hersteller.
    Bisher konnte ich mich immer auf die Qualität verlassen. Sollte Apple hier Umdenken, würde ich das nicht mehr.

    via ZEIT ONLINE plus App

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... Schade. Ich hoffe das trotzdem demnächst wirklich mal wieder:

    One more Thing.

    Gibt. Steve, i Miss you.

  2. ..sind die Ungenauigkeiten um tolle, fundamentale Aussagen machen zu können. Beispiel:
    Zitat: Der globale Marktanteil des iPhones lag zuletzt bei 15 Prozent " Prozent von was? Alle Handy's , alle Smartphones oder Smartphones in der Qualitäts- und Preisliga des iPhones? Das gleiche Spiel mit dem Vergleich IOS / Grünes Männchen BS..Das kann doch kein Kriterium sein, ein 200.- € Handy mit dem iPhone zu vergleichen, nur um ein reisserisches Zahlenspiel zu treiben.

    Samsung macht nicht mal halb soviel Gewinn wie Apple..obwohl die einfach viel kopieren.
    Das Asiaten eher Samsungs und & Co kaufen hat sicher verschiedene Gründe. Preislich sowie auch kulturelle..
    Nicht jeder will und kann viel Geld für eine Handy ausgeben. Das ist doch vollkommen o.k. Jeder nach seinem Geschmack.

  3. ... Schade. Ich hoffe das trotzdem demnächst wirklich mal wieder:

    One more Thing.

    Gibt. Steve, i Miss you.

    Antwort auf "Hoffe nicht!"
    • vonDü
    • 11. Januar 2013 7:22 Uhr

    Handys sind Massenware, die die Masse in China sich nicht zu Applepreisen leisten kann. Wenn Apple auf diesem Markt nicht vollständig abgehängt werden will, haben sie gar keine andere Wahl, als über den Preis konkurrenzfähig zu werden.

    Aber nur in China. Wo der hohe Preis zu holen ist, wird Apple ihn weiterhin verlangen. Die "Billighandys" werden auch mit Sicherheit so ausgelegt sein, dass die Begehrlichkeiten, dort wo Apple stark und teuer ist, sich in Grenzen halten werden.

  4. Das Billig-Iphone Gerücht (was es jedes Jahr im Januar gibt), wurde bereits von Apples Phil Schiller dementiert: "Originally, many in the Chinese market used feature phones (regular wireless phones). But now a few companies are starting to use cheap smartphones to take the place of feature phones. But this is not a direction that we want to be heading in with our products," he was quoted as saying in the Chinese-language report. "

  5. Bei Handys gilt (in China), was auch für Autos gilt: Je teuerer desto begehrter. Das Hauptproblem für Apple besteht eher im App-Monopol, und um dieses scheint es ja auch (oder vielleicht in Wirklichkeit) gegangen zu sein.

  6. Hier wird wild mit Zahlen jongliert, die schon erstaunlich sind.

    Was wernerlaude in seinem Kommentar ganz richtig bemängelt hat, lässt sich auch anhand konkreter -real gemessener- Zahlen belegen.
    In den USA zB. sind im Schnitt vergangenes Jahr von 100 besuchten Websites 85 Sites mit einem iOS-Gerät besucht worden. Die restlichen 15 Sites verteilen sich auf ALLE anderen; also andoid & Co.

    Ein weiterer Punkt ist sind die Massen von Android-Telefonen. Zutreffend ist der globale starke Marktanteil von andoid.
    Nicht erwähnt bleibt, dass diverse Hersteller von Mobilfunktelefonen (LG, HTC, Huawei, Samsung ...) diese Neu-Geräte auch 2013 im Niedrigpreissegment auch mit Android 2.1 ausstatten. Ein Betriebssystem, was seit Jahren schon veraltet ist, aber im gleichen Zug immer mit einem stetig weiterentwickelten BS wie das iOS gewertet wird. Nur die gravierenden Unterschiede werden geflissentlich verschwiegen.

    Hier werden -mal wieder- Erbsen, Möhren, Äpfel und Birnen in einen Topf geschmissen und durchgeschüttelt. Das Ergebnis sind unsinnige Vergleiche und Rückschlüsse. Hauptsache, man hat mal wieder einen vermeintlichen Semi-Fachbeitrag geleistet.
    Da sollte die ZEIT-Redaktion besser recherchieren oder das der Fachpresse überlassen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Tim Cook | Google | Android | Apple | China | Huawei
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