Es ist der Versuch eines Neustarts: Das kanadische Unternehmen Research in Motion (RIM) heißt ab sofort wie seine weltberühmte Marke: Blackberry. Das hat CEO Thorsten Heins am Mittwoch während der Vorstellung des neuen Betriebssystems Blackberry 10 und der neuen Smartphone-Modelle Z10 und Q10 verkündet.

Der einstige Pionier der Smartphone-Branche ist inzwischen ein Unternehmen, das ums Überleben kämpft. Im vergangenen Jahr wurden 5.000 Mitarbeiter entlassen, der globale Marktanteil von einst 50 Prozent ist auf 4 Prozent geschrumpft. Die Konkurrenz erschien cooler, mehr auf Lifestyle als auf Business bedacht, und diese Entwicklung hat RIM verpasst. Die Plätze eins und zwei sind auf absehbare Zeit an Android und Apples iOS vergeben, dahinter streiten sich Microsoft, demnächst Firefox OS und Ubuntu Phone und eben Blackberry um den Rest der Kunden.

Die Zukunft des Unternehmens hängt an Blackberry 10 und den beiden neuen Geräten. Das Z10 ist auf dem Papier und laut Vorab-Test durchaus konkurrenzfähig: Es hat einen 4,2 Zoll großen Touchscreen mit einer Auflösung von 1.280 mal 768 Pixeln und einer Bilddichte von 356 ppi. Die Speicherkapazität beträgt 16 Gigabyte, ist aber per microSD-Karte erweiterbar. Das Gerät wiegt 137 Gramm. Im Inneren stecken ein 1,5-Gigahertz-Zweikernprozessor, ein LTE-Modul sowie ein NFC-Funkchip. Der Arbeitsspeicher ist zwei Gigabyte groß. Vodafone wird das Gerät ab Februar in Deutschland anbieten, der Preis ist noch nicht bekannt.

Das Q10 hat die von Blackberrys gewohnte physische Tastatur. Das 3,1 Zoll kleine Display hat eine Auflösung von 720 mal 720 Pixeln. Andere Spezifikationen wie der Prozessor, die LTE- und NFC-Fähigkeit und der Speicher entsprechen denen des Z10. Unklar ist laut golem.de derzeit, ob das Gerät in Deutschland verkauft werden wird.

Der größere Bildschirm des Z10 bringt die Vorzüge des Betriebssystems auf den ersten Blick deutlich besser zur Geltung: Blackberry 10 ermöglicht echtes Multitasking – jede der acht zuletzt benutzten Apps kann mit einer Daumenbewegung in den Vordergrund geholt werden, die anderen laufen im Hintergrund weiter und müssen beim Hervorholen nicht neu gestartet werden. Es ist auch möglich, ein laufendes Video mit dem Daumen halb zur Seite zu schieben, um zu prüfen, wer gerade eine SMS oder E-Mail geschickt hat. Ist man an der Nachricht zunächst nicht weiter interessiert, lässt man das Video wieder "los", und es rutscht dann wieder in voller Größe in den Vordergrund, ohne zwischendurch anzuhalten.

Vieles ist tief ins System integriert. So können Blackberry-Nutzer zum Beispiel neue Facebook-Freunde bestätigen, ohne zu Facebook wechseln zu müssen.

Der Blackberry Messenger bringt eine Videochatfunktion mit, obwohl es auch eine Skype-App für Blackberry 10 gibt. Das besondere an der Blackberry-Lösung: Ein Gesprächspartner kann seinen Screen im Vollbild an den Anderen übertragen. So können Bilder, Präsentationen oder andere Dokumente verglichen oder vorgeführt werden.

Arbeit und Vergnügen strikt getrennt

Alles ist auf Effizienz getrimmt, auf Zeitersparnis. Zum Verfassen von Nachrichten reicht der Daumen: Über jedem Buchstaben der virtuellen Tastatur erscheint ein Vorschlag für das ganze Wort. Mit einer Daumenbewegung nach oben wird es in den Text geschoben. Der Kalender zeigt die Teilnehmer der nächsten Meetings an, inklusive der Informationen, die sie zum Beispiel bei LinkedIn veröffentlicht haben. Blackberrys sollen also auch in Zukunft für Firmenkunden interessant bleiben.

Die Funktion Balance soll beweisen: Blackberrys können auch Spaßgeräte sein. Mit einer einfachen Wischgeste und einem Klick können Nutzer zwischen einer privaten Oberfläche und einer Firmenoberfläche wechseln. Auf der Firmenoberfläche liegen die Apps, die der Arbeitgeber freigegeben hat. Auf der privaten Oberfläche ist Platz für Games, Musik, Videos und andere Apps. Die Ebenen sind strikt voneinander getrennt, auch ein Kopieren von Dateien von einer Seite auf die andere ist nicht möglich.

Die Kamera-App beinhaltet eine Bildbearbeitung mit Effekten, Filtern und der Möglichkeit, Fotos zurechtzuschneiden. Mit "Story Maker" können Blackberry-Nutzer aus ihren Fotos, Videos und Hintergrundmusik eine Art Slideshow erstellen und mit anderen teilen.

Um auch für Privatanwender interessant zu sein, braucht die Plattform aber auch attraktive Apps von Drittanbietern. Mehr als 70.000 sind es zum Start, sagte Heins. Sein Unternehmen habe zudem Verträge mit den größten Filmstudios und Plattenfirmen abgeschlossen, um in der Blackberry World, dem App Store von Blackberry, aktuelle Videos und MP3s anbieten zu können.

Heins sagte aber auch: "Heute haben wir nicht die Ziellinie erreicht, sondern die Startlinie." Zunächst hat er getan, was er konnte. Der Rest ist Marketing und Psychologie.