SmartphonesBlackberrys sollen auch Spaß machen

Das Unternehmen Research in Motion heißt jetzt Blackberry und will auch für Privatnutzer attraktiv sein. Den Imagewandel soll das neue System Blackberry 10 einläuten. von 

CEO Thorsten Heins

CEO Thorsten Heins stellt die neuen Blackberrys und das Betriebssystem Blackberry 10 vor.  |  © Mario Tama/Getty Images

Es ist der Versuch eines Neustarts: Das kanadische Unternehmen Research in Motion (RIM) heißt ab sofort wie seine weltberühmte Marke: Blackberry. Das hat CEO Thorsten Heins am Mittwoch während der Vorstellung des neuen Betriebssystems Blackberry 10 und der neuen Smartphone-Modelle Z10 und Q10 verkündet.

Der einstige Pionier der Smartphone-Branche ist inzwischen ein Unternehmen, das ums Überleben kämpft. Im vergangenen Jahr wurden 5.000 Mitarbeiter entlassen, der globale Marktanteil von einst 50 Prozent ist auf 4 Prozent geschrumpft. Die Konkurrenz erschien cooler, mehr auf Lifestyle als auf Business bedacht, und diese Entwicklung hat RIM verpasst. Die Plätze eins und zwei sind auf absehbare Zeit an Android und Apples iOS vergeben, dahinter streiten sich Microsoft, demnächst Firefox OS und Ubuntu Phone und eben Blackberry um den Rest der Kunden.

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Die Zukunft des Unternehmens hängt an Blackberry 10 und den beiden neuen Geräten. Das Z10 ist auf dem Papier und laut Vorab-Test durchaus konkurrenzfähig: Es hat einen 4,2 Zoll großen Touchscreen mit einer Auflösung von 1.280 mal 768 Pixeln und einer Bilddichte von 356 ppi. Die Speicherkapazität beträgt 16 Gigabyte, ist aber per microSD-Karte erweiterbar. Das Gerät wiegt 137 Gramm. Im Inneren stecken ein 1,5-Gigahertz-Zweikernprozessor, ein LTE-Modul sowie ein NFC-Funkchip. Der Arbeitsspeicher ist zwei Gigabyte groß. Vodafone wird das Gerät ab Februar in Deutschland anbieten, der Preis ist noch nicht bekannt.

Das Q10 hat die von Blackberrys gewohnte physische Tastatur. Das 3,1 Zoll kleine Display hat eine Auflösung von 720 mal 720 Pixeln. Andere Spezifikationen wie der Prozessor, die LTE- und NFC-Fähigkeit und der Speicher entsprechen denen des Z10. Unklar ist laut golem.de derzeit, ob das Gerät in Deutschland verkauft werden wird.

Der größere Bildschirm des Z10 bringt die Vorzüge des Betriebssystems auf den ersten Blick deutlich besser zur Geltung: Blackberry 10 ermöglicht echtes Multitasking – jede der acht zuletzt benutzten Apps kann mit einer Daumenbewegung in den Vordergrund geholt werden, die anderen laufen im Hintergrund weiter und müssen beim Hervorholen nicht neu gestartet werden. Es ist auch möglich, ein laufendes Video mit dem Daumen halb zur Seite zu schieben, um zu prüfen, wer gerade eine SMS oder E-Mail geschickt hat. Ist man an der Nachricht zunächst nicht weiter interessiert, lässt man das Video wieder "los", und es rutscht dann wieder in voller Größe in den Vordergrund, ohne zwischendurch anzuhalten.

Vieles ist tief ins System integriert. So können Blackberry-Nutzer zum Beispiel neue Facebook-Freunde bestätigen, ohne zu Facebook wechseln zu müssen.

Der Blackberry Messenger bringt eine Videochatfunktion mit, obwohl es auch eine Skype-App für Blackberry 10 gibt. Das besondere an der Blackberry-Lösung: Ein Gesprächspartner kann seinen Screen im Vollbild an den Anderen übertragen. So können Bilder, Präsentationen oder andere Dokumente verglichen oder vorgeführt werden.

Leserkommentare
  1. Wenn dann aber 'nur' ohne Vertrag und mit Tastatur!!!!!

    Wer/was Erfolg haben will, muss auch erhältlich sein.

    Eine Leserempfehlung
    • js.b
    • 30. Januar 2013 23:58 Uhr

    Glückwunsch im doppelten Sinne! Was man so liest bisher, klingt sehr vielversprechend, sowohl was Betriebssystem als auch die beiden Geräte betrifft. Hoffentlich ist es nicht schon zu spät für RIM bzw. Blackberry - der Abstieg der letzten Jahre ist wirklich eine Schande und wahrscheinlich ohne Beispiel.

    Mich interessiert ebenfalls das Q10 deutlich mehr als das Z10. Denn trotz Android- und Apple-Fremdgehen vermisse ich schon irgendwie die QUERTZ-Tastatur und die grandiose lange Akkulaufzeit... (Bei Heise Online klingt es auch nicht danach, als könne das Q10 in Deutschland evtl. nicht erhältlich sein, es soll nur länger dauern als beim Z10.)

  2. Guter Artikel, die Software scheint in der Tat das große Highlight zu sein. Ob das allerdings reicht zweifle ich stark an. Marketingwirksame Spezifikationen wie Quad Cores oder große Full-HD Displays fehlen, das Design wirkt auf den ersten Moment auch nicht unbedingt als eye-catcher und die Materialauswahl (Plastik) tut sein übriges dazu.

    Dazu kommt, dass mit Windows Phone 8 bereits eine starke Alternative für IOS und Android abgeneigte vorhanden ist. Und hier ist auch die Hardware konkurrenzfähig.

    Ich wünsche BB, dass sie mit dem neuen OS erfolgreich werden. Dennoch bin ich mir sicher, dass das ein ganz mühsamer weg wird, denn zumindest die ersten beiden Geräte müssen ausprobiert werden um zu erzeugen - eine riesen Barriere für den schnellen Aufstieg.

  3. 4. Prima

    Als langjähriger BB-User bin ich gespannt auf das, was da kommt. Mein erster BB hat über vier Jahre solide seinen Dienst getan und hätte es wohl auch noch weiterhin getan, wäre ich geneigt zu gewesen, den Akku zu tauschen (denn das geht relativ leicht, im Gegensatz zu anderen Phones). Aber irgendwann ist genug dann genug.

    Der Unterschied zwischen einem BB und einem anderen Phone ist, dass es ein Arbeitsgerät ist mit dem man das tun kann, für was es gedacht ist. Gut arbeiten. Mein zweiter BB tut ebenso solide seinen Dienst und lenkt mich kaum von meiner Arbeit ab, weil er eben das tut, wofür er gedacht ist.

    Mein Privat-Smartphone ist eher ein Spaßgerät. Wäre ich Chef, wüsste ich, was meine Mitarbeiter dienstlich bekommen würden. Einen BB. Punkt!

    Allerdings ist mir auch klar, dass damit hals Hersteller (BB) kaum ein Staat zu machen ist. Interessant wird also sein, wie man die Gradwanderung hinbekommt, ein solides Arbeitsgerät zu basteln, was auch Spaß machen kann. Ich hoffe, es gelingt BB. Ich hänge an ihm.

  4. Es gibt offensichtlich keine Obergrenze zum Fremdschämen für Marketingkampagnen.

  5. Wenn ich so in meinem Umfeld beobachte, was dort an Smartphones genutzt wird und wofür, dann ist die Idee zwar gut, aber vermutlich werden die Dienst-Blackberries den privaten Bereich komplett gesperrt haben.
    Spaß während der Arbeit? Sich mal die Zeit nur vertreiben, um sich zu entspannen? Undenkbar, das ist doch faul und unproduktiv. Leider hat man die Veränderungen, die auf uns zukommen in DE noch nicht bemerkt, deshalb schätze ich, werden die neuen Blackberries nicht der gewünschte Erfolg. Denn für den privaten Markt stehen sie dazu nicht im Fokus.

    • 29C3
    • 31. Januar 2013 21:33 Uhr

    neben der soliden Hardware und einem ausgereiften Bedienungskonzept. Aber genau die Trennung bringt ihre Tücken mit: Arbeitgeber mit Geheimhaltungsvorschriften (R&D) erlauben genau das nicht, was einen heutigen Smartphone so erfolgreich macht: Multimedia-Aufnahmefähigkeit (Kamera/Video/Ton). Deshalb wird die private Seite von diesem Konzept beschnitten bleiben.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Microsoft | Android | Vodafone | Apps | Bildbearbeitung | Blackberry
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