Desktop-Rechner : Der Computer auf dem Schreibtisch stirbt aus

Der Desktop war lange ein Prestigeobjekt – schwer und laut, aber mächtig. Das mobile Internet macht ihn überflüssig. Hersteller wie AMD und Intel kämpfen mit dem Wandel.
Intel-Chef Paul Otellini spricht bei der International Consumer Electronics Show in Las Vegas. © Dan Gluskoter / picture alliance / dpa

Als die Chip-Hersteller AMD und Intel in den vergangenen Tagen ihre Quartalszahlen vorstellten, mussten sie hohe Verluste eingestehen. Die beiden Unternehmen sind nicht die einzigen Verlierer: Die ganze Branche hat Probleme, Desktop-Rechner zu verkaufen. Die Verluste von AMD und Intel sind nur ein Symptom, das das Verschwinden des stationären Rechners belegt.

Egal welcher Studie man folgt, sie alle beobachten das Gleiche: Der Desktop-Rechner wird bald nur noch in Nischen existieren. Im Massenmarkt findet er kaum noch Abnehmer. 2012 war insofern ein Schlüsseljahr für die Branche. Es war das erste Mal, dass der Absatz von Desktops weltweit zurückging. Den beteiligten Unternehmen ist längst klar, dass sich das nicht umkehren lässt.

Wenige Tage nachdem Intel seinen Gewinnrückgang publiziert hatte, kündigte das Unternehmen an, sich in den kommenden drei Jahren aus dem Geschäft mit Mainboards für Desktop-Rechner zurückzuziehen. Mainboards sind die Hauptplatinen, das Hirn eines Desktop-Rechners, auf dem der Prozessor sitzt.

Beim ewigen Konkurrenten AMD sind die Zeichen ähnlich. AMD machte allein im vierten Quartal 2012 einen Verlust von 355 Millionen Euro. Der Umsatz der Prozessorsparte sank im Vergleich zum Vorjahr von 975 auf 622 Millionen Euro. AMD-Chef Rory Read hat ebenfalls einen Kurswechsel angekündigt, kurzfristig rechnet aber selbst AMD nicht mit einer Besserung.

Eine ganze Branche meldet Verluste

Die Geschichte von Intel und AMD sagt viel darüber aus, warum sich die alten Riesen nicht den neuen Anforderungen angepasst haben. Den Chipmarkt teilten AMD und Intel seit den neunziger Jahren fast allein unter sich auf. Gab es Konkurrenten, wurden sie aufgekauft. Beide festigten ihre Marktstellung außerdem, indem sie 1976 ein Patentaustauschabkommen schlossen, das bis heute verlängert wird.

Der Markt war lukrativ. Nicht nur die beiden Chiphersteller erzielten hohe Gewinne, es war auch noch genug Platz für andere Unternehmen wie Dell und Hewlett Packard. Die leiden mittlerweile ebenfalls unter der sinkenden Nachfrage. Dell musste im dritten Quartal 2012 starke Rückgänge bei Umsatz und Gewinn hinnehmen. Hewlett Packard machte im letzten Jahr durch einen Fehlkauf enorme Verluste. Und auch ehemalige Konkurrenten wie IBM Lenovo ziehen sich immer mehr zurück. IBM setzt mittlerweile stärker auf IT-Dienstleistungen als auf Hardware.

Das Chip-Duopol aus Intel und AMD war bei Computern lange nicht zu schlagen. Als das mobile Internet aufkam, sah es danach aus, als könnten sie ihren Erfolg fortsetzen. Anfangs lieferten AMD und Intel auch hier die Lösungen für Notebooks und Netbooks. Als Smartphones sich verbreiteten, hatten die beiden jedoch keine Rezepte mehr.

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Kommentare

122 Kommentare Seite 1 von 16 Kommentieren

Diese Bequemlichkeit hat auch ihre Schattenseiten

De facto kontrolliert Apple nämlich längst, welche Informationen der Benutzer sehen darf, und welche nicht.

Es ist inzwischen mehrfach vorgekommen, dass Apple z.B. Zeitungsapps gesperrt hat, weil es Inhalte von Zeitungen oder Magazinen als nicht geeignet für die Benutzer eingestuft hat. Wohlgemerkt - nicht irgendwelche Schmuddelheftchen, sondern weitverbreitete Magazine wie z.B. den STERN.

Und dass bei der Sprachsteuerung Siri die Audioinformationen direkt an Server von Apple in den USA gesendet werden, ist auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei und außerdem den wenigsten Nutzern bekannt. Wer seinem iPhone eine Textnachricht diktiert, der rechnet nicht unbedingt damit, dass die Nachricht 1:1 an Apple geschickt wird.

Machen sie sich das ganze nicht zu einfach??

Also in meinem Job, ist über eine Reduktion des Computers überhaupt nicht nachzudenken (Technische Planung). Bei den meisten anderen die PC nutzen wird es wohl genauso sein.

Meiner Meinung nach wird sich wohl der schnelle Wandel verringern, aber wie das die Vorherrschaft von Microsoft brechen soll, ist mir echt ein Rätsel. Ich würde wohl eher behaupten, das es genau umgekehrt ist.

Wer wird wohl Programme verkaufen wollen, die nicht mit dem Marktführer kompatibel sind?? Oder wer will solche Programme kaufen??

So schattig ist nun auch wieder nicht ;)

Quatsch, Informationen kann Apple nicht verbergen. Sonst dürfte z.b. der Safari ja nicht auf jede erdenkliche Netzseite ;)

Stern ist verfügbar!^^

Das das nur via Internet geht ist logisch. Das iPhone hätte gar nicht die Rechenleistung das vernünftig in der kurzen Zeit auszuwerten. Und nur so kann Siri dazulernen & sich verbessern. Sprachsteuerung ist halt noch relativ am Anfang & wird von Apple auch noch als Beta eingestuft.

Wer ein Problem mit der Cloud hat, soll es eben nicht nutzen!

Ich will Ubuntu

eine kritische Menge kritischer Menschen reicht aus, um Produkte auf den Markt zu bringen, die keiner proprietären lock-in-Strategie folgen.

Ich will kein geschlossenes Microsoft-System, kein geschlossenes Apple-System und auch kein Google-Gerät bei dem ich mich mit tausend Diensten eines Anbieters verbinden muss damit es richtig funktioniert. Ich will für ein Produkt bezahlen, nicht für ein Abonnement. Ich will wissen was auf meinem Gerät los ist, und es kontrollieren. Und ich will jederzeit wechseln können. Und ich will keine Datenkrake, die meine Daten dort speichert wo ich sie nicht kontrollieren kann und wo sie keinem europäischen Datenschutz unterliegen.

Ich will Ubuntu, auf dem Desktop, Telefon, Tablet.

Freiheit, Freude, Firlefanz

Ja danke, für die ganzen freien tollen proprietären OSs, die immer mehr werden und für die es tausende Apps gibt, nur keine sinnvollen Anwendungen mehr.
3/4 der Smartphones und Tablets sind doch eh nur zum Posen, deswegen merkt das eh keiner, dass man kaum damit arbeite kann.

Schade nur, dass das dazu führen wird, das Computer zum Arbeiten nicht mehr im gleichen Maße günstiger werden bzw das Preis-Leistungsverhältnis schlechter werden wird.

Vielleicht gibts dann ab W9 wieder ein Betriebssystem zum Arbeiten und die Masse darf dann halt spielen.
Wuschi-wuschi statt Klicki-Bunti, taugt beides nicht zum Arbeiten.

Für computer: Besser Linux

Ebenfalls kein Virusbefall, wie man ihn bei Windows kennt.
Die App's bzw. Programme sind ebenfalls schnell gefunden, da man an zentrale Repositories angeschlossen ist.

Vor allem:

Die Software ist umsonst, der Quellcode liegt offen, also keine Heimlichtuerei und geheime Übermittlung Ihrer Daten.
Man wird nicht bevormundet, entmachtet, ständig zum Kauf von irengwelchen Songs, Apps etc aufgefordert (das iPhone schießt in punkto Kommerz den Vogel ab).

Ich bin kein Linux-User der ersten Stunde, sondern Windows-Konvertit. Apple hat ein geniales Betriebssystem mit coolem Look, aber ich habe mich nach einigem Hadern wegen der restriktiven (mp3 nur über iTunes!) und stark kommerziellen Art dagegen entschieden.

Aber wenn man auf MS Office o.ä. angewiesen ist (bin ich nicht), wird's etwas umständlicher...

Zustimmung

Wenn sich das Apple-Konzept durchsetzt sind ambitionierte Freeware-Projekte von Hobbybastlern Geschichte. Und ohne die Aufrüstungsmöglichkeiten, die nicht existierenden Personalisierungsmöglichkeiten aber dafür den horrenden Designzuschlag würde ein noch weiteres Ausbreiten von Apple in einen weitaus schlimmeren Mainstream-Zwang führen.

Und an den Kommentierenden über mir - sie Opfern gerade ihre Individualität für Bequemlichkeit. ..... das ist es mir nicht Wert.

„billige und Mittelklasse-Notebooks zum Arbeiten ungeeignet“

„billige und mittelklasse notebooks, tablets etc. sind leistungsmässig so schwach, dass sie zum arbeiten ungeeigent sind. ein bisschen surfen und email schreiben sicher kein problem, aber sobald man mehr als fünf fenster offen hat, nervt es schon.“

Kann ich nicht nachvollziehen. Die allermeisten Menschen, die am PC arbeiten, benötigen die übliche Office-Software, einen Browser und einen E-Mail-Client, ggf. noch etwas Bildbearbeitung. Dafür reichen billige Notebooks meistens aus, Mittelklassemodelle allemal.

Und wer nicht auf Spezialsoftware angewiesen ist, die es nur für Windows oder OS X gibt, könnte mit entsprechenden Linux-Distributionen auch auf zehn Jahre alter Hardware noch vollkommen problemlos arbeiten.

Thema verfehlt, und bitte vom hohen Ross absteigen: Es geht nicht um Desktop gegen smartphone&pad, sondern um Desktop gegen LAPTOP.

Es gibt doch auch PC-Laptops, also schreibt hier niemand den PC tot. Ich erstelle 3D-Animationen und mache Compositing, alles mit einem teuren & leistungsstarken Laptop, an den ich einen weiteren Monitor anschließe.

Meinen Desktop habe ich aber 2010 verkauft, und ihn nicht einmal vermisst. Katzenbilder poste ich trotzdem nicht.

Also: Laut Statistik stirbt der Desktop-Computer, ich kann da keinen Fehler erkennen.

„Körperhaltung vorm Laptop zu krampfig“?

„Also zumindest für den Arbeitsplatz muss ich Ihnen recht geben. Ich denk für jeden der längere Zeit vor der Kiste sitzen muss, ist ein Desktop-PC unverzichtbar. Hier sehe ich nicht, dass der Desktop-PC in nächster Zeit abgelöst wird. Die Körperhaltung vorm Laptop oder Tablet ist einfach zu krampfig.“

Man kann doch mit externem Monitor, Tastatur und Maus jedes Laptop innerhalb von Sekunden in einen Desktop (im Wortsinne) verwandeln...