Audio-Nachricht im Facebook-Messenger © Facebook

Facebook konzentriert sich stärker auf das gesprochene Wort. Dadurch konkurriert das Unternehmen künftig auch mit Telefonanbietern, Messenger- und Voice-over-IP-Diensten wie Skype. Ziel dürfte es sein, die Facebook-Mitglieder noch stärker als bisher im eigenen Umfeld zu halten.

So können Facebook-Nutzer über die neue Version der Messenger-App für Android und iOS auch gesprochene Kurznachrichten austauschen. Damit legt Facebook eine Funktion nach, die es bei den Konkurrenten WhatsApp und Apple – über den Umweg der Sprachmemos und iMessages – bereits gibt.

Die Sprachnachrichten bei Facebook können bis zu 60 Sekunden lang sein. Das ist lang genug, um etwa eine ausführliche Wegbeschreibung zu geben, was mit der normalen Tastatureingabe eine langwierige Angelegenheit wäre. Auch Umgebungsgeräusche könnte man auf diese Weise aufnehmen und versenden, etwa von einem Konzert oder im Urlaub.

Um eine Nachricht aufzunehmen, müssen Nutzer den roten Aufnahmeknopf im Chat gedrückt halten. Ob die Empfänger ihr Smartphone oder einen Desktop-PC nutzen, spielt keine Rolle, die Nachrichten können sie über die App, aber auch über die Facebook-Website anhören.

Ziel von Facebook ist es, die Funktionen einer klassischen SMS zu erweitern: SMS können zwar zum Beispiel über Apples Siri längst auch eingesprochen werden, doch so lange die Spracherkennung nicht perfekt ist, wird sich das Prinzip nicht durchsetzen. Sprachnachrichten im Facebook-Messenger aber werden, wie bei WhatsApp und Apples Sprachmemos, nur aufgenommen und beim Empfänger abgespielt. Spracherkennung spielt also keine Rolle. Für Mobilfunkbetreiber, die mit SMS Geld verdienen, ist das eine schlechte Nachricht. Denn der Facebook-Messenger belastet nur den Datentarif, und das ist meistens eine Flatrate.

Facebooks Sprachnachrichten sind nur der erste Schritt. Künftig werden Facebook-Mitglieder über den Messenger sogar untereinander über das Internet telefonieren können. Ein entsprechender Test läuft bereits in Kanada mit iOS-Nutzern. Im deutschen App-Store heißt es, "das kostenlose Telefonieren" werde "im Laufe der nächsten Wochen eingeführt". Kostenlos ist es natürlich nur, so lange es über den Datentarif des Nutzers abgedeckt ist. Näheres war dazu bislang aber nicht zu erfahren.

Sollte die Funktion flächendeckend eingeführt werden, konkurriert Facebook offen mit Skype, obwohl Skype-Mutter Microsoft ein Anteilseigner von Facebook ist und obwohl Skype und Facebook bereits miteinander kooperieren. Josh Constine vom Blog TechCrunch deutet die direkte Konkurrenz zu Skype deshalb schon als "Abkühlung der Beziehungen zwischen Facebook und Microsoft."

Mobilfunkanbieter müssen VoIP erlauben

Das Motiv von Facebook dürfte der Wunsch sein, die vielen Facebook-Nutzer noch länger im eigenen Umfeld zu halten. In vielen Ländern ist der Markt gesättigt, Facebook kann zum Beispiel in den USA kaum noch neue Nutzer hinzugewinnen. Um mehr Werbung verkaufen zu können, muss das Unternehmen also das Engagement der Mitglieder im Netzwerk erhöhen. Da liegt es nahe, jede Kommunikation, die derzeit noch außerhalb von Facebook abläuft, ins Netzwerk hereinzuholen. Josh Constine drückt es so aus: "Facebook wants to kill the phone part of the smartphone" – Facebook will das Telefon im Smartphone überflüssig machen.

In der Messenger-App gibt es keine Werbung, aber wenn jemand die Nachrichten auf dem Desktop oder über die eigentliche Facebook-App abruft, bekommt er auch Anzeigen eingeblendet.

Vodafone gestattet VoIP nicht immer

Damit VoIP über Facebook funktioniert, müssen allerdings die Mobilfunkanbieter mitspielen – obwohl der neue Dienst auch für sie ein direkter Konkurrent ist. VoIP-Nutzer telefonieren über die Netze der Telekoms, so lange kein WLAN in der Nähe ist, zahlen aber keine Telefongebühren. Deshalb sind einige Mobilfunkfirmen dazu übergegangen, im Kleingedruckten ihrer Nutzungsbedingungen die Verwendung von VoIP-Diensten zu untersagen. So steht es etwa im LTE-Tarif MobileInternet Flat 50,0 von Vodafone, der 45 Euro im Monat kostet.

Ob Vodafone auch eine VoIP-Funktion im Facebook-Messenger in bestimmten Tarifen ausschließen würde, konnte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage nicht sagen.