Voice over IPFacebook will Internettelefonie anbieten

Mit Facebooks Messenger-App können Nutzer nun Sprachnachrichten senden, ein Voice-over-IP-Dienst soll folgen. Dann konkurriert Facebook mit Skype und Mobilfunkanbietern. von 

Facebook-Messenger

Audio-Nachricht im Facebook-Messenger  |  © Facebook

Facebook konzentriert sich stärker auf das gesprochene Wort. Dadurch konkurriert das Unternehmen künftig auch mit Telefonanbietern, Messenger- und Voice-over-IP-Diensten wie Skype. Ziel dürfte es sein, die Facebook-Mitglieder noch stärker als bisher im eigenen Umfeld zu halten.

So können Facebook-Nutzer über die neue Version der Messenger-App für Android und iOS auch gesprochene Kurznachrichten austauschen. Damit legt Facebook eine Funktion nach, die es bei den Konkurrenten WhatsApp und Apple – über den Umweg der Sprachmemos und iMessages – bereits gibt.

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Die Sprachnachrichten bei Facebook können bis zu 60 Sekunden lang sein. Das ist lang genug, um etwa eine ausführliche Wegbeschreibung zu geben, was mit der normalen Tastatureingabe eine langwierige Angelegenheit wäre. Auch Umgebungsgeräusche könnte man auf diese Weise aufnehmen und versenden, etwa von einem Konzert oder im Urlaub.

Um eine Nachricht aufzunehmen, müssen Nutzer den roten Aufnahmeknopf im Chat gedrückt halten. Ob die Empfänger ihr Smartphone oder einen Desktop-PC nutzen, spielt keine Rolle, die Nachrichten können sie über die App, aber auch über die Facebook-Website anhören.

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Ziel von Facebook ist es, die Funktionen einer klassischen SMS zu erweitern: SMS können zwar zum Beispiel über Apples Siri längst auch eingesprochen werden, doch so lange die Spracherkennung nicht perfekt ist, wird sich das Prinzip nicht durchsetzen. Sprachnachrichten im Facebook-Messenger aber werden, wie bei WhatsApp und Apples Sprachmemos, nur aufgenommen und beim Empfänger abgespielt. Spracherkennung spielt also keine Rolle. Für Mobilfunkbetreiber, die mit SMS Geld verdienen, ist das eine schlechte Nachricht. Denn der Facebook-Messenger belastet nur den Datentarif, und das ist meistens eine Flatrate.

Facebooks Sprachnachrichten sind nur der erste Schritt. Künftig werden Facebook-Mitglieder über den Messenger sogar untereinander über das Internet telefonieren können. Ein entsprechender Test läuft bereits in Kanada mit iOS-Nutzern. Im deutschen App-Store heißt es, "das kostenlose Telefonieren" werde "im Laufe der nächsten Wochen eingeführt". Kostenlos ist es natürlich nur, so lange es über den Datentarif des Nutzers abgedeckt ist. Näheres war dazu bislang aber nicht zu erfahren.

Sollte die Funktion flächendeckend eingeführt werden, konkurriert Facebook offen mit Skype, obwohl Skype-Mutter Microsoft ein Anteilseigner von Facebook ist und obwohl Skype und Facebook bereits miteinander kooperieren. Josh Constine vom Blog TechCrunch deutet die direkte Konkurrenz zu Skype deshalb schon als "Abkühlung der Beziehungen zwischen Facebook und Microsoft."

Das Motiv von Facebook dürfte der Wunsch sein, die vielen Facebook-Nutzer noch länger im eigenen Umfeld zu halten. In vielen Ländern ist der Markt gesättigt, Facebook kann zum Beispiel in den USA kaum noch neue Nutzer hinzugewinnen. Um mehr Werbung verkaufen zu können, muss das Unternehmen also das Engagement der Mitglieder im Netzwerk erhöhen. Da liegt es nahe, jede Kommunikation, die derzeit noch außerhalb von Facebook abläuft, ins Netzwerk hereinzuholen. Josh Constine drückt es so aus: "Facebook wants to kill the phone part of the smartphone" – Facebook will das Telefon im Smartphone überflüssig machen.

In der Messenger-App gibt es keine Werbung, aber wenn jemand die Nachrichten auf dem Desktop oder über die eigentliche Facebook-App abruft, bekommt er auch Anzeigen eingeblendet.

Vodafone gestattet VoIP nicht immer

Damit VoIP über Facebook funktioniert, müssen allerdings die Mobilfunkanbieter mitspielen – obwohl der neue Dienst auch für sie ein direkter Konkurrent ist. VoIP-Nutzer telefonieren über die Netze der Telekoms, so lange kein WLAN in der Nähe ist, zahlen aber keine Telefongebühren. Deshalb sind einige Mobilfunkfirmen dazu übergegangen, im Kleingedruckten ihrer Nutzungsbedingungen die Verwendung von VoIP-Diensten zu untersagen. So steht es etwa im LTE-Tarif MobileInternet Flat 50,0 von Vodafone, der 45 Euro im Monat kostet.

Ob Vodafone auch eine VoIP-Funktion im Facebook-Messenger in bestimmten Tarifen ausschließen würde, konnte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage nicht sagen.

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Leserkommentare
  1. 1. VoIP?

    Das versetzte Versenden von Audiodateien, wie es hier geschieht, ist aber kein (klassisches) VoIP, es hat niedrigere Anforderungen an Latenz und Bandbreite und wird sich nur schwer in AGB untersagen lassen (unabhängig davon, ob dies für "echtes" VoIP rechtlich und technisch überhaupt möglich ist).

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    Redaktion

    Vielleicht kommt das im Text nicht deutlich genaug heraus: Mit VoIP ist nicht das Versenden kurzer Sprachnachrichten gemeint, wie es ab sofort möglich ist, sondern die geplante Einführung von Internettelefonie innerhalb der Messenger-App, wie sie in Kanada bereits getestet wird.

  2. Redaktion

    Vielleicht kommt das im Text nicht deutlich genaug heraus: Mit VoIP ist nicht das Versenden kurzer Sprachnachrichten gemeint, wie es ab sofort möglich ist, sondern die geplante Einführung von Internettelefonie innerhalb der Messenger-App, wie sie in Kanada bereits getestet wird.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "VoIP?"
    • RlUh
    • 04. Januar 2013 16:57 Uhr
    3. Juhuu!

    Belegen wir noch mehr von der eh viel zu knappen Bandbreite im Internet mit Unsinn, um die Rechenzentren von Facebook mit noch mehr Details aus unseren Leben zu füllen, damit die Werbeanzeigen endlich noch toller und interessanter sind!

    Mäh. Wenn Du ein Produkt nutzt, es aber nicht bezahlen musst, dann bist Du die Ware, die gehandelt wird.

    5 Leserempfehlungen
    • 15thMD
    • 05. Januar 2013 0:15 Uhr

    Mit flächendeckendem und offenem WLAN wird die SMS und das klassische Telefonieren sowieso überflüssig werden.
    Ich denke, egal wie viel Lobbyarbeit auch immer geleistet wird, die Störerhaftung wird nicht mehr sehr lange überleben können und mit WLAN in Bus, Bahn und in den Städten werden die Mobilfunkanbieter ihre klassischen Tarife nicht mehr in der Form verkaufen.
    Und die Datenmengen erhöhen sich so rasant, da ist es völlig unrealistisch, dass das alles in Zukunft über das Mobilfunknetz abgewickelt wird (bzw. es wäre unsinnig. Aber man weiß ja nicht, was Merkel und ihre Rasselbande noch so vorhaben).

    2 Leserempfehlungen
    • mgutt
    • 05. Januar 2013 10:36 Uhr

    Mal davon abgesehen, dass das kein VoIP ist und genau deswegen völlig uninteressant, so ist VoIP bei fast allen Mobilfunkanbietern verboten, außer es sind teure Verträge, die aber eh nicht von der Masse gebucht werden.

    Uninteressant sind Sprachnachrichten deswegen, weil jeder weiß, dass der Gegenüber sie auch anhören muss. Stell Dir mal vor Mutti schickt einem so eine Nachricht und man sitzt im Bus... Dann mach mal schön laut ;)

    Und als Begründung anzugeben "Siri ist nicht perfekt" ist in zweierlei Hinsicht affig. Erstmal ist Siri kein Synonym für die Spracherkennung. Also warum wird das überhaupt erwähnt und sonst ist die Spracherkennung auf mobilen Geräten auch nicht viel schlechter als die Wortkorrektur bei der manuellen Eingabe. Da werden auch gerne mal Wörter vertauscht. Stört aber auch keinen. Außerdem wird es ja jedes Jahr besser und damit ist diese neue tolle Funktion jetzt schon zum Aussterben verdammt.

    Außerdem sehe ich bei VoIP keine Zukunft, zumindest nicht über Mobilfunk. Schlechter Empfang ist ja schon nervig beim Telefonieren, aber wenn man darauf noch VoIP addiert? Nein danke! Bei WLAN mag das in Ordnung sein, schlussendlich wird man aber mit WLAN keine Netzabdeckung hinbekommen, die Mobilfunkanbieter leisten, mal abgesehen von der bereits angedeuteten rechtlichen Problematik.

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    "Seit ich den Facebook Messenger verwende, klappts auch mit dem Nachbarn!"

    "Mit der Facebook Messenger App verknüpfe ich spielend Freizeit und Beruf!"

    "[lacht herzlich] Meine Enkel reden viel öfter mit mir...!"

    * Bei der Datenübertragung im Mobilfunknetz können Kosten entstehen
    ** Facebook hat keinen Einfluss auf die Preisgestaltung von Endverbrauchergeräten
    *** Abhängig von Verfügbarkeit und Leistungsfähigkeit IP-basierter Funktdatenübertragung

    2 Leserempfehlungen
  4. Wird der Facebookkonzern Artikel 10( Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich) des Grundgesetzes einhalten!!!!?

    Phoenix2001, die Unbestechlichen

  5. Wer kontrolliert überhaupt die privaten Telekommunikationsunternehmen in Deutschland die den inzwischen Zugang zu Vermittlungsstellen und Straßenanschlußkästen(Telekommunikationstechnik) haben ob die sich an Artikel 10 des Grundgesetzes halten!!!!?

    Phoenix2001, die Unbestechlichen

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das Erbringen von Telekommunikationsdienstleistungen erfodert eine Anmeldung bei der Bundesnetzagentur, die periodische Berichte erfragen darf. Sie tritt auch bei Missbrauch in Vorschein.
    Ob jemand abhört, kann und konnte aber noch nie ausreichend geprüft und sichergestellt werden. Ob nun der Telekomtechniker im HVt oder der SubSubSubUnternehmer irgendeiner anderen Firma. Einzig TKG §148 "schützt" in dem bei erwischen empfindliche Strafen drohen.

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