Mobiles Internet : Apps für Autos

Ford und GM öffnen die Software ihrer Autos für freie Entwickler. Wie für Smartphones können sie nun Apps schreiben, die im System des Autos laufen.
Werbefoto eines künftigen Infotainment-Systems von General Motors © General Motors

Was wäre, wenn Autos von Softwarekonzernen entwickelt würden? Dann würden sie zweimal am Tag ohne erkennbaren Grund stehenbleiben oder einen Unfall verursachen, und wer anschließend weiterfahren wollte, müsste zuerst den Motor neu installieren. Dieser Witz ist alt und er beruht nicht auf einem Zitat von Bill Gates oder dem Chef von General Motors, er ist ausgedacht. Doch er enthält einen wahren Kern: Autoindustrie und Computerindustrie waren bisher weit voneinander entfernt. Das ändert sich gerade.

Die Autokonzerne Ford und General Motors haben bekannt gegeben, dass sie künftig mit freien Entwicklern zusammenarbeiten wollen, um Apps für ihre Autos zu entwerfen. Sie haben dafür ihre Schnittstellen (API) geöffnet, den Zugang zur Software ihrer Fahrzeuge. Es geht nicht um Eingriffe in die Motorsteuerung oder die Bremsen, so freizügig sind die Hersteller angesichts der Risiken und rechtlichen Beschränkungen nicht. Aber es ist doch ein erstaunlicher Schritt.

Beide starteten entsprechende Entwicklerportale (hier GM, hier Ford) und veröffentlichten sogenannte SDK, Software Development Kits. Diese Werkzeugkästen geben Programmierern alle nötigen Spezifikationen und Dokumentationen, damit sie Anwendungen für GM und Ford schreiben können.

Zugang über Infotainment-System

Die Unternehmen gehen dabei etwas unterschiedliche Wege. GM will die Apps in seine Autos selbst integrieren. Über das Infotainment-System im Auto sollen sie wohl ab Ende des Jahres von einer konzerneigenen Plattform heruntergeladen und installiert werden können. Ford hingegen möchte das Smartphone des Fahrers als Schnittstelle nutzen. Sie werden dort installiert und kommunizieren dann mit dem Infotainment-System. Den Zugriff auf die Apps will Ford über eine Sprachsteuerung möglich machen.

Eine solche Öffnung von Produkten für die Kreativität der Masse hat die Smartphones erfolgreich gemacht und eine ganze Industrie wachsen lassen. Die Zeitschrift Wired geht sogar soweit zu behaupten, nicht mehr die Hardware, so schick sie auch daherkommen möge, sei der entscheidende Grund, ein Gerät zu kaufen, sondern die Software, die darauf läuft. Soweit ist es bei Autos noch nicht.

Die Autohersteller versprechen sich trotzdem einiges von der geöffneten API. In einer offiziellen Mitteilung zum Start heißt es bei General Motors, man erhoffe sich nicht weniger als eine neue Nutzererfahrung. "GM may approve applications that stem from vehicle ownership. For example, customers can choose to download applications that assist them in driving more safely or in a more fuel efficient manner, possibly decreasing the costs of vehicle ownership."

Geschäftsmodell unklar

Es geht also nicht nur darum, die Farbe des Bildschirmhintergrundes zu ändern. Eingriffe in die Fahrphysik sind sicher nicht geplant, wohl aber personalisierte Hinweise und Knopfbelegungen.

In den Erklärungen der beiden Firmen ist vor allem von Nachrichten, Musik und Wetter als Themen für Apps die Rede. Sicher wird das aber nur der Anfang sein. Die bestehenden App-Biotope haben gezeigt, dass schnell Programme für völlig neue und ursprünglich nie geplante Anwendungen programmiert werden und viele Fans finden.

Selbstverständlich kann nun nicht jeder ein beliebiges Programm schreiben und dann zusehen, wie es in mehr und mehr Autos von GM und Ford installiert wird. Die Apps würden geprüft und zertifiziert, bevor sie für Kunden zugänglich sind, sagt GM. Wie der Prüfprozess aussieht und wie riskante oder schädliche Apps verhindert werden sollen, wurde nicht veröffentlicht. Ein Thema immerhin ist es, denn auch die Prüfsysteme bei Android oder iOS werden immer wieder von Schadcode unterlaufen.

Und noch etwas ist derzeit nicht klar: die Finanzierung. Wie genau die Entwickler für ihre Arbeit entlohnt werden, sagte GM nicht, man werde in nächster Zeit ein "Geschäftsmodell festlegen". Was sicher auch bedeutet, dass sich dort eine neue Datenquelle für jene erschließt, die mit persönlichen Informationen Geld verdienen.

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Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

GMs Mylink

ist doch eigentlich das, was Ford angeblich vor hat. Deswegen verstehe ich nicht, dass in dem Artikel steht, dass Ford die Apps auf dem Smartphone lässt.

Das MyLink von GM, welches auch in dem neuen Adam von Opel verbaut ist ist eine Art Mirror, der das Smartphone spiegelt. Über das Smartphone läßt sich so z.B eine Navigationssoftware auf das Mylink projizieren. Auch die Sprachsteuerung des I-Phones läßt sich in das Mylink einbinden.

Also die Liste der neueren Errungenschaften,

die allein in den letzten Wochen durch Die Zeit waberten sind:

* der denkende Kühlschrank
* die intelligente Küche
* Google's Datenbrille
* Armbandcomputer
und hier nun
* Apps fürs Auto

Selbst als fleißiger Smartphone Nutzer muß ich sagen:
Eins so sehr Schmarrn, wie das andere.

Es war schon immer falsch etwas zu tun nur weil es möglich ist. Es muß Sinn machen. Macht es aber auch hier nicht.