Research In Motion : Die neuen Blackberrys trennen Job und Privatleben

Die kommenden Blackberry-Modelle und vor allem ihr Betriebssystem entscheiden über die Zukunft von Research In Motion. Ein Vorserienmodell überzeugt die ersten Tester.
RIM-Chef Thorsten Heins bei einer BlackBerry-Veranstaltung im September 2012 © Robert Galbraith / Reuters

RIM (Research In Motion) legt sich mächtig ins Zeug, um als Konkurrent von Apple, Google und Microsoft ernst genommen zu werden. Am 30. Januar wird das kanadische Unternehmen höchstwahrscheinlich zwei neue Smartphones vorstellen: die Blackberry-Modelle Z10 und X10. Was jetzt schon über sie bekannt ist, lässt einen Überraschungserfolg, ein Comeback des von einigen schon totgesagten Unternehmens möglich erscheinen.

Das Z10 mit Touchscreen erinnert an ein vergrößertes iPhone, das X10 hat die typische Volltastatur. Über Wohl und Wehe des Unternehmens entscheidet aber nicht allein die Hardware, sondern vor allem das neue Betriebssystem Blackberry 10. Kommt es gut an, kann sich RIM-Chef Thorsten Heins erstmals auch eine Lizenzierung an andere Hardware-Hersteller vorstellen. Für ihn wird der 30. Januar "ein ganz entscheidender Moment und Meilenstein für Research In Motion."

Zuletzt war RIM eher negativ aufgefallen: Im ersten Quartal 2012 meldete das Unternehmen einen Verlust in Höhe von 518 Millionen Dollar. 5.000 Stellen wurden gestrichen. Anschließend verbesserten sich die Geschäftszahlen wieder, das Unternehmen erholte sich und der Aktienkurs stieg etwas. Doch zuletzt musste RIM erstmals in seiner Geschichte einen Rückgang der Kundenzahlen eingestehen. Ein Vergleich im Patentstreit mit Nokia kostet RIM auch in Zukunft Geld. Und ein Verkauf der Hardware-Sparte ist noch nicht vom Tisch, wie Heins gerade bestätigte.

Alle Hoffnungen liegen nun auf Blackberry 10 und den neuen Smartphones. RIM hat sich für die Entwicklung viel Zeit genommen, und das scheint sich gelohnt zu haben. Das österreichische Portal telekom-presse.at hat ein Vorserienmodell des Z10 mit dem neuen Betriebssystem in die Hände bekommen und ausgiebig getestet. Das Urteil:  Das Blackberry 10 sei "das fortgeschrittenste, das derzeit am Markt ist. Es ist sowohl mächtig, als auch intuitiv und wesentlich schneller zu bedienen als die (Betriebssysteme) der Konkurrenz."

Neben der reinen Geschwindigkeit überzeugt vor allem das Bedienungskonzept die Tester: Vier Wischgesten reichen auf dem Z10, um durch alle Menüs und Ansichten navigieren zu können. Einen Home-Button, wie ihn das iPhone hat, gibt es beim Z10 nicht.

Eine fünfte Geste wird eine weitere Besonderheit von Blackberry 10 offenbaren: Wer in der App-Übersicht von der Mitte des Bildschirms nach unten wischt, kann wählen, ob er das Gerät in diesem Moment privat oder geschäftlich nutzen will. Blackberry Balance heißt die Funktion. Beide Bereiche sind streng getrennt, auch ein Kopieren von Dateien vom einen in den anderen ist nicht möglich.

Was im geschäftlichen Modus überhaupt funktioniert, kann ein Unternehmen festlegen, bevor es das Gerät an einen Mitarbeiter übergibt. Auf den privaten Bereich kann es aber nicht zugreifen. RIM will also offensichtlich weiterhin Firmenkunden ansprechen, gleichzeitig aber auch Smartphones für das Privatvergnügen anbieten.

Dafür spricht auch der Aufwand, den das Unternehmen betreibt, um bis Ende Januar genügend attraktive Apps anbieten zu können. 70.000 sollen es zum Start sein, sagt RIM-Chef Heins. Das Unternehmen ermutigt Entwickler mit diversen Initiativen, weitere Anwendungen für die Plattform bereitzustellen oder bestehende Apps für iOS oder Android an Blackberry 10 anzupassen. Der Store wird umbenannt von Blackberry App World in Blackberry World und soll neben Spielen und Apps auch Musik und Videos beinhalten.

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