Mobile Payment : Mobiles Bezahlen – bedingt massentauglich

In Deutschland hat sich das Einkaufen mit dem Smartphone noch nicht durchgesetzt. In diesem Jahr wollen die Anbieter einen weiteren Versuch starten.

Bargeldlos einkaufen, nur mit dem Smartphone – das hat die Mobilfunk-Branche schon vor Jahren versprochen. Doch bis heute konnte sich kein System auf dem Markt durchsetzen. Stattdessen gibt es nun einen Versuch durch die Hintertür, um mobiles Zahlen in Deutschland zu etablieren.

Mit Kreditkarten-Einsteckmodulen und den entsprechenden Apps für das Smartphone oder das Tablet wollen Anbieter die Geräte zu mobilen Kassen-Terminals machen. Mit diesem Angebot richten sie sich an Kleinunternehmer, die damit Kartenzahlungen anbieten können sollen. Für die Verbraucher gilt das Angebot nicht.

In den USA hat die Firma des Twitter-Mitgründers Jack Dorsey 2009 den mobilen Bezahldienst Square präsentiert. Experten erwarten für dieses Jahr, dass diverse Anbieter nun auch auf den deutschen Markt drängen werden.

Gute Chancen werden dabei der Firma Payleven ausgerechnet – sie gehört zur Startup-Schmiede Rocket Internet der Samwer-Brüder, die schon viele internationale Geschäftsideen in Deutschland und anderen Ländern zum Erfolg gebracht haben.

Konkurrenz kommt vom schwedischen Anbieter iZettle. Die Firma hat seit dem Start im Jahr 2011 rund 75.000 Nutzer in Großbritannien, Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark gewonnen. Zum Markteintritt in Deutschland waren gleich 25.000 Lesegeräte verfügbar. "Auf lange Sicht werden nicht alle Anbieter im Geschäft bleiben können", sagte iZettle-Gründer und -Chef Jacob de Geer. Weitere Player im Markt sind weniger bekannte Anbieter wie SumUp oder Streetpay.

Preiskampf unter Anbietern hat begonnen

Schon jetzt kommt ein Preiskampf in Gang. Die übliche Gebühr pro Transaktion hat sich bei 2,75 Prozent des bezahlten Betrags eingependelt, nachdem Payleven zunächst mehr verlangte. Der Rivale Streetpay liegt bei 1,9 Prozent.

Square nimmt in den USA eine Gebühr von 2,75 Prozent des Betrags. Jüngst startete das Unternehmen die internationale Expansion mit der Einführung des Dienstes in Kanada.

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Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Trugschluss

Dass reales Geld vs. virtuelles Geld einen Vorteil hätte, ist in dieser Pauschalisierung ein Trugschluss.

Wer sein Geld nicht überwacht, ist sowohl mit Bargeld als auch mit Buchgeld auf verlorenem Posten. Das ist eine Platitude.

Die Überwachung des Bargeldes muss allerdings händisch erfolgen, wogegen Buchgeld jederzeit nachvollziehbar und kategorisierbar ist.

Persönlich ist mir der Aufwand der Bargeldverfolgung zu hoch (von Notizbuch real bis virtuell schon alles probiert), daher präferiere ich Kartenzahlung und hoffe auf einen einfachen, weit verbreiteten Bezahldienst. Im Finanzprogramm, in dem mein Privatkonto eh nur nebenbei mitläuft, werden die Posten weitgehend automatisch kategorisiert (anhand Empfänger) und ich kann jederzeit sehen, wohin mein Geld geht und dann eventuell handeln.
Auch kann ich Budgets für größere Posten einrichten und überwachen lassen. Dann kann ich schnell mal reingucken, ob ich zB. für mein Hobby noch was investieren darf.
Die Programme können dabei mit Bezahldiensten idR umgehen, ob profane Geldkarte oder Paypal (evil), können also da mit berücksichtigt werden.

Bargeld läuft dagegen aus dem Geldbeutel wie Sand durch die Hände. Einfach weg. Kontrolle nur indirekt über strenges Budgetieren beim Abheben möglich.

PS: Meine Frau behauptet auch immer, sie hätte den vollen Überblick bei den Barausgaben - seh ich auch immer, wenn ich die Abhebungen summiere - voller Überblick, jaja ... ;-)

Auf die Dauer wird Bitcoin eine echte Alternative werden

Auf die Dauer könnte Bitcoin eine echte Alternative werden. Erste Experimente im "Bitcoin Kiez" Berlin zeigen, dass diese virtuelle Währung auch im Offline-Handel gut funktioniert.

Gründe für eine solche Entwicklung gibt es genug - Bitcoin ist dezentral, Transaktionskosten liegen bei deutlich unter einem Cent. Bitcoin funktioniert wie Bargeld, Zahlungen sind praktisch anonym, sicher und nicht rückbuchbar. Bitcoin ist weltweit zu haben, unabhängig von bestimmten Anbietern, Banken oder Währungen und wird sich im Web genau deswegen zunehmend als Standard durchsetzen. Welcher Online-Händler möchte sich schon mit dem Kurs des Dollars oder Zahlungsbeschränkungen für das Ägyptische Pfund herumschlagen, wenn es mit elektronischem Geld geht?

Und dadurch, dass es ein Open-Source-Projekt mit offenem Protokoll ist, ist Angebotsvielfalt eingebaut, ähnlich wie beim Android Appstore.

Das heißt nicht, dass diese Alternative keine Nachteile hat - die Infrastruktur ist noch nicht weit genug entwickelt, noch nicht professionell genug, Sicherheitsfragen müssen noch auf einfachst bedienbare Weise gelöst werden, und mit einer Markkapitalisierung von nur 130 Millionen Dollar kann das System natürlich Anbietern wie PayPal noch keine Konkurrenz machen. Vorläufig noch nicht.

Es geht ja nicht nur ums Bezahlen an der Supermarktkasse

Sie denken zu kurz. Bezahlen mit dem Handy bedeutet schließlich nicht immer, lediglich eine primitive Bezahl-Mechanik für Inhalte zu haben, die dann doch wieder offline stattfinden (im Falle des Tickets z.B. dann der Ausdruck als Fahrschein).
Heute erst habe ich für die Fahrt vom Bahnhof in meinen Stadtteil mit der SB ein Ticket mit einer Handy-App gelöst. Ich habe es mir als Favorit gespeichert (Einzelticket, Kurzstrecke) und der Kauf hat keine 10 Sekunden gedauert. Danach hatte ich den Fahrschein virtuell auf dem Handy. Dazu hat es keiner Chipkarte, keines Automaten (inkl. Suche) und erst recht keines ausgedruckten Scheins bedurft.

Umfassend

Nee, auch so etwas regelt ein Bezahldienst. Wäre ja ziemlich stressig, wenn es für jeden Dienst eine eigene App bräuchte.

Ich selbst besitze einen PayPass. Zu dessen Einsatz gehört immer auch Infrastruktur. Manchmal ist das natürlich gar nicht anders möglich. In London zum Beispiel ist die Oyster Card genial. Aber warum soll ich mit Karten hantieren müssen, wenn ich es ebenso gut und eben in zunehmendem Maße ortsungebunden auch mit dem Handy erledigen kann?

"Die Fahrkarte bitte!"

...öh...Mist...Moment...Akku leer...
Aber im Ernst: Im Nahverkehr halt ich sinnige Bezahlsysteme via Chip(karte) durchaus für hilfreich, seit ich nach Schulschluß auf dem Land Bus fuhr und an jeder Haltestelle zwei Dutzend Kinder ihr Kleingeld rausgekramt haben (wobei, Monatskarten würden dieses Problem auch lösen...) In Schweden hält man beim Einsteigen so'n Chip an's Lesegerät...fertig. Den Dienst an's mobile Telefon zu koppeln halt ich aus mehreren Gründen für schlecht: technisch (s.o., grad im Winter stell ich mir das lustig vor, wenn bei minus 10°C (falls es jemals nochmal so kalt werden sollte) das Gerät mal wieder streikt), man wird durch die Hintertür "gezwungen", so'n Teil anzuschaffen, wenn man irgendwann nur noch auf diese Art zahlen kann, Datenschutz...