Wearable ComputerDer Computer am Handgelenk

Seit es Digitaluhren gibt, gibt es die Idee, auch Computer am Arm zu tragen. Mit Projekten wie SmartWatch, Pebble und einer Google-Variante wird sie nun Wirklichkeit. von 

SmartWatch von Sony, eine Uhr zur Steuerung von Android-Smartphones

SmartWatch von Sony, eine Uhr zur Steuerung von Android-Smartphones  |  © LLUIS GENE/AFP/Getty Images

Smartphones sind wie Schweizer Taschenmesser, sie vereinen viele Funktionen anderer Geräte. Beispielsweise die von Uhren. Doch das Konzept, Informationen am Handgelenk mit sich zu tragen, ist deshalb noch lange nicht tot. Mehrere Konzerne denken darüber nach, wie sich Computer und Armbanduhr – beziehungsweise Computer und Armband – miteinander verbinden lassen.

Wearable Computing lautet der Gattungsbegriff, tragbare Rechner. Denn so beeindruckend die Fähigkeiten von Smartphones und Tablets sind, sie haben alle ein Manko: Man muss sie in die Hand nehmen, um sie bedienen zu können. Im nächsten Entwicklungsschritt soll das anders werden.

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Tragbare Rechner seien das nächste große Ding, hat Nick Bilton im Bits-Blog der New York Times vor einigen Wochen geschrieben, viele Konzerne  arbeiteten daran.

Das weckt Erinnerungen. Ende der achtziger Jahre waren Casio-Uhren der Serie Data Bank geradezu ein Fetisch. Die Digitaluhren hatten einen Taschenrechner, einen Terminkalender und ein Adressbuch zum Speichern von Telefonnummern. Sie waren klotzig und ihr Nerd-Charme war unabstreitbar, trotzdem galten sie als praktisch und schick.

Lösen Smartwatches die Smartphones ab?

Bereits seit dem vergangenen Jahr ist die sogenannte SmartWatch von Sony auf dem Markt. Über Bluetooth und eine kostenlose App lässt sie sich mit Android-Smartphones vernetzen und zeigt dann beispielsweise den Wetterbericht und neue E-Mails an. Mit ihr kann auch die Musikauswahl gesteuert oder ein Like bei Facebook gepostet werden.

Verschiedene Firmen nutzen dieses Konzept und setzen eine Armbanduhr als Steuergerät für den eigentlichen Computer in der Hosentasche ein. Das neueste Projekt ist Pebble. Die Entwickler hatten bei Kickstarter überraschend 10 Millionen Dollar eingesammelt und daraufhin den Verkaufsbeginn verschoben, weil sie plötzlich 85 Mal mehr Uhren produzieren mussten, als ursprünglich geplant. Nun aber soll Pebble kommen. Zumindest will sich die Firma am Dienstag auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas äußern. Überschrieben ist der Termin mit den Worten "it's time".

Auch Apple soll an einem "tragbaren Computer" arbeiten. Das Unternehmen plane eine iWatch, eine Uhr, die mit dem iPhone verbunden ist und es steuern kann, heißt es in verschiedenen Blogs. Belege gibt es dafür bislang keine, nur Gerüchte, hier zum Beispiel und hier. Doch es wäre nur konsequent. Dauernd sein Mobilgerät aus der Hosentasche fummeln zu müssen, ist eigentlich ziemlich lästig.

Sogenannte Smartwatches aber sind nur ein Zwischenschritt. Das Ziel ist, ganz auf das Smartphone oder das Tablet in der Tasche zu verzichten und die Daten so zu präsentieren, dass sie den Nutzer nicht mehr bei seinen alltäglichen Verrichtungen behindern. Mit dem Projekt Glass ist Google schon relativ weit bei diesem Versuch. Die Prototypen können bereits Fotos schießen und ins Internet stellen, ohne dass ein Smartphone als Mittler gebraucht wird. Daran, dass Glass-Träger mit der Brille auch telefonieren können, arbeitet Google noch, wie Projektleiter Barbak Parviz kürzlich verriet.

Dennoch denkt der Konzern wohl auch über eine uhrenartige Variante nach. Zumindest gibt es einen entsprechenden Patentantrag, wie Engadget schreibt.

In dem Patent wird das Konzept Smartwatch erweitert. Das Uhrenglas ist dabei ein transparenter Bildschirm, der sich hochklappen lässt. Auf ihm können Daten eingeblendet werden. Da er durchsichtig ist, legt sich diese Datenebene über jedes Objekt, vor das der Schirm gehalten wird, und zeigt so bis dahin nicht sichtbare Informationen zur Umgebung. Denn schließlich ist die analoge Welt nur die halbe Realität.

Genau diese Verschmelzung von digitaler und stofflicher Welt sei der eigentliche Fortschritt, schreibt Bilton im Bits-Blog. Genau diese Verschmelzung strebt Google mit Glass an. Firmenmitgründer Sergey Brin schwärmt derzeit davon, wie toll es sei, dank der Datenbrille mit seinen Kindern spielen und gleichzeitig Fotos von ihnen machen zu können. Unklar ist bislang allerdings, ob die Brille im Auto auch als Freisprecheinrichtung gilt und mit ihr also während des Fahrens telefoniert werden darf. Anders gesagt: Das Konzept wearable computer könnte in manchen Fällen auf rechtliche Hürden stoßen.

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Leserkommentare
  1. Eher umgekehrt. Viele tragen heute keine Uhren mehr, wofür auch, wenn man einen Multicore und das ganze Internet in der Tasche hat.

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    Redaktion

    Das mit den Uhren habe ich auch erst geglaubt - weil es so plausibel wirkte. Dann habe ich ein wenig nachgeschaut. Die Verkaufszahlen für Uhren stützen diese These nicht, die steigen hierzulande sogar, zumindest nach den Zahlen, die ich gefunden habe. Möglicherweise gilt das also nur für bestimmte Zielgruppen oder ist komplett eine Fehlwahrnehmung.

    lg
    k

    • zamurai
    • 10. Februar 2013 21:21 Uhr

    Wie die Redaktion schon schreibt sind die Verkäufe von Uhren keinesfalls rückläufig. Swatch Uhren sind z.B. auch bei meinen Kindern durchaus attraktiv.

    Warum würde ich wieder eine Uhr nach jahrelanger Abstinenz nützen:
    - schnell und unauffällig, Blick auf die Uhr ist auch in Besprechungen erlaubt
    - Akkulaufzeit des Telefons wird geschont
    - Bedienung (Anrufkontrolle) deutlich einfacher

    Warum würde ich keine Brille nutzen:
    - Hab gerade eine Sonnebrille, Sportbrille auf
    - Hab eine Brille und es ist kein Platz mehr auf der Nase
    Bedenkt einmal, das 50% der Bevölkerung eine Brille brauchen, müssen die immer die Brille wechseln? Welche Stärke hat die Google Brille?

    Letztlich ist es viel komplizierter Menschen dazu zu bringen eien spezielle Brille zu trage als eine Uhr.
    Außerdem glaube ich, daß die meisten Menschen sich nur schwer an Einblendungen gewöhnen werden. Das kann sehr störend sein.
    Für bestimmte Anwendungszwecke sicher eine sinnvolle Lösung (Einblendung von Hilfsinformationen z.B. für Autowerkstatt, Servicedienste, Hausdienste usw.) aber für die meisten zu hohe Gewöhnungsschwell. Glass -> nicht Massentauglich

    iWatch ich freu mich auf Dich (:-)!

    • Statist
    • 07. Januar 2013 17:41 Uhr

    alle hier beschriebenen Schritte können nur Zwischenprodukte sein, wobei das Project Glass wohl noch am nächsten am eigentlichen Endziel dran sein könnte. Revolutionär ist für mich nicht die Idee, das Telefon auf die Nase zu setzen oder an das Handgelenk zu schnallen, und schon gar nicht alles mit den "richtigen" Apps machen zu können, sondern eher die Möglichkeit, mit wenigen Blicken oder später sogar Gedanken Informationen zu erlangen (z.B. Ortsinformationen und ggf. Event-Infos bei einem Blick auf ein Gebäude o.ä.).

    Im Fokus sollte dabei unbedingt die Bedienbarkeit stehen, und zwar nicht unbedingt App-basiert; diese sollten bei Bedarf geladen werden, um später einmal das ausführen zu können, was ich mir gerade wünsche. Beispiel:

    wenn ich wissen möchte, ob heute schon was Weltbewegendes passiert ist (z.B. im Bereich Politik), dann möchte ich mich nicht durch Zeit-App, Spiegel-App und Times-App wälzen, sondern möchte kurz die wichtigsten Schlagzeilen, die ich bei Bedarf erweitern kann. Ist mir gerade nach Musik, will ich nicht einen Sender wählen, sondern möchte, dass mir nach wenigen Vorgaben 3-4 Titel angeboten werden, ....). Das alles natürlich OHNE Tippen, und ohne dass ich dazu die Hände bewegen muss

    Damit entsprechende Datenträger, die ja dann nicht mehr riesig sein dürfen, nicht zumüllen, wären entsprechende Dinge jeweils aus einer Cloud temporär nachzuladen.

    Leider könnte das Ganze zu einer elektronischen Fußfessel verkommen. Dies sollte vermieden werden.

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  2. , die Befestigung am Handgelenk. Um die Verbindung der Daten mit dem Menschen herzustellen, braucht es ein "Human Interface" (HID), also einmal etwas was Informationen an den Menschen weitergibt (Display, Lauftsprecher, oder auch Vibration - und etwas womit der Mensch Informationen an das Gerät geben kann (z.b. Tasten, Sprachsteuerung)

    Hierbei wird die für den Kunden bedienfreundlichste Methode einen Marktvorteil haben. Da eine Gewöhnung an Bedienung und das HID einfacher geht wenn man bekannte Gegenstände nutzt (Brillen, Uhren, Ringe), die zudem noch die stofflichen Eigenschaften haben Technik aufnehmen zu können (festes Gehäuse), ist eine SmartWatch ein logischer Schritt.

    Persönlich könnte ich mir eine Kombination aus beidem Vorstellen - Display in der Brille, Tastatur am Arm.

    Oder noch besser: Display in der Brille (oder gar Kontaktlinse (http://www.chip.de/news/Kontaktlinsen-Display-Pixel-im-Auge_53038271.html ) , bzw. später mal komplett implantiert) und Eingabe neben Sprachsteuerung beispielsweise über Fingerbewegung die von einem "SmartRing" erfasst wird. (Rudimentärer Ansatz: http://www.ds72.com/latest-works/oyster-ring - ist aber nur ein RFID in einem Ring, die Idee ist trotzdem lustig)

    Eine Leserempfehlung
  3. Redaktion

    Das mit den Uhren habe ich auch erst geglaubt - weil es so plausibel wirkte. Dann habe ich ein wenig nachgeschaut. Die Verkaufszahlen für Uhren stützen diese These nicht, die steigen hierzulande sogar, zumindest nach den Zahlen, die ich gefunden habe. Möglicherweise gilt das also nur für bestimmte Zielgruppen oder ist komplett eine Fehlwahrnehmung.

    lg
    k

    3 Leserempfehlungen
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    Habe gerade erst meine eingemottete G-Shock mit einer neuen Batterie reaktiviert und trage sie wieder. Der Blick aufs Handgelenk ist nicht nur schneller als jedes Smartphone aus der Tasche zu wühlen, die Uhr ist im besonderen auch ein Schmuck der lange hält, länger als jeder Mobilfunk 2 Jahresvertrag! ;-)

  4. ... ich mache das alles schon lange nicht mehr mit. Die letzten technischen Neuerungen die ich mir geleistet habe waren ein tragbarer CD-Player und ein Laptop. Ich weiß, damit bin ich ein rückständiger Mensch, ein Konsumverweigerer noch dazu ... ich habe kein Handy, kein Auto, dafür einen alten Fernseher, der seine Dienste noch gut leistet. Mich schreckt das alles ab und jedes Jahr kommen neue Produkte, die man braucht ... oder eben auch nicht. Ich habe nichts gegen diese Neuerungen, was sollen die Menschen auch sonst kaufen. Dafür müssen natürlich ständig neue Bedürfnisse geweckt werden, damit Wachstum möglich ist. Ich frage mich dabei auch immer, wer kann sich das eigentlich leisten? Milliarden von Menschen sind von diesem Fortschritt ausgeschlossen, weil sie sich diesen nicht leisten können. Gut, das ist sicher kein Argument für die Fortschrittsgläubigen. Trotzdem, mir ist zumindest bewusst, dass dieser Fortschritt auf Kosten anderer geht, eben der Menschen die nicht in der westlichen Welt leben. Tja, was will der eigentlich, der Spinner wird jetzt so mancher denken und hier vielleicht auch äußern. Ich bin einfach nur skeptisch, nicht mehr und nicht weniger.

    8 Leserempfehlungen
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    Wie sagte Thoreau so schön: "...verbesserte Mittel zu unverbessertem Zweck: Our inventions are wont to be pretty toys, which distract our attention from serious things. They are but improved means to an unimproved end,… We are in great haste to construct a magnetic telegraph from Maine to Texas; but Maine and Texas, it may be, have nothing important to communicate." Gern vergessen: "Die Hauptsache besteht nicht darin schnell, sondern vernünftig zu sprechen."

    "Und jeder Fortschritt der kapitalistischen (Land-)Wirtschaft (S.) ist nicht nur ein Fortschritt in der Kunst, den Arbeiter, sondern zugleich in der Kunst, den Boden zu berauben, jeder Fortschritt in Steigerung seiner Fruchtbarkeit für eine gegebene Zeitfrist zugleich ein Fortschritt im Ruin der dauernden Quellen dieser Fruchtbarkeit. ...

    Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter." K. Marx, Kapital

    • Statist
    • 08. Januar 2013 13:38 Uhr

    wie Sie haben, habe ich dann doch nicht. Nichtsdestotrotz kann ich mit Zwischenschritten, die entweder zu wenig können oder zu kitschig aussehen oder zu schwierig zu bedienen sind oder oder oder auch nicht viel anfangen. Der ganze App-Käse mit viel und bunt sowie facebook etc lösen bei mir eher Mitleid denn Freude aus.

    Was mich mehr nervt sind Mobilgeräte, die alle paar Stunden oder spätestens nach 1-2 Tagen ans Netz müssen, sowie Laptops oder Tablets, die ihrerseits wieder ganz andere Bedienkonzepte haben wie klassische Computer (warum muss bei einem Laptop die Tastatur z.B. zurückgesetzt sein, und das Touchpad vorn?). Ganz furchtbar sind auch die Menschen, die durch die Öffentlichkeit rennen und dabei mehr oder weniger nur auf ihr Handy schauen, was sich zum halben Bildschirm entwickelt hat, gleichzeitig aber fragil und unhandlich geworden ist. Die meisten könnten da ganz locker ein Netbook und ein Handy nehmen, hätte den Vorteil, dass sie das Netbook auch mal zu hause lassen könnten....

    • reineke
    • 07. Januar 2013 18:13 Uhr

    für die Generation 2.0
    kein Verlaufen mehr in fremden Städten,kein zu Spät kommen,Blutdruck und Kreislauf immer unter Kontrolle und vor allem,man ist immer auffindbar
    Paradiesisch ist die Welt, wenn alles seinen geregelten Lauf geht
    Abenteuer pur

    2 Leserempfehlungen
  5. Habe gerade erst meine eingemottete G-Shock mit einer neuen Batterie reaktiviert und trage sie wieder. Der Blick aufs Handgelenk ist nicht nur schneller als jedes Smartphone aus der Tasche zu wühlen, die Uhr ist im besonderen auch ein Schmuck der lange hält, länger als jeder Mobilfunk 2 Jahresvertrag! ;-)

    Antwort auf "Keine Uhren mehr"
    • dj09111
    • 07. Januar 2013 21:41 Uhr

    nein danke - da bleibe ich doch lieber bei meiner automatik - die hat um einiges mehr stil ^^

    jedoch würde ich zu so einer google-brille nicht nein sagen - wenn der preis angemessen ist.

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  • Schlagworte Computer | Google | Sony | App | Bluetooth | Brille
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