Bring your own devicePrivate Computer mit Arbeitgeber-Zonen

Private Handys und Notebooks werden oft auch beruflich genutzt. Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmt. Software soll die damit verbundenen Probleme lösen. von 

Ein fremder Computer ist wie ein Stein im Schuh. Man kann zwar irgendwie damit gehen, aber jeder Schritt tut weh. Ganz anders das Heimgerät: Das Hintergrundbild ist aus dem vergangenen Sommerurlaub, die Programme sind blind aufzufinden und bis hin zur individuellen Tastenkombination  eingestellt. Auf dem eigenen Rechner bewegen sich Menschen schneller, routinierter.

Das erkennen auch immer mehr Manager und erlauben ihren Mitarbeitern deshalb, die eigenen Mobilgeräte zur Arbeit mitzubringen. Bring your own device (BYOD) wird das genannt. Experten spekulieren, dass BYOD ein Trend der kommenden Jahre wird. Dieser Trend hat nur einen Nachteil: Zwischen liegengebliebenden Tetrissteinen und liegengebliebenden Mails existiert keine Grenze mehr.

Anzeige

Das führt nicht nur zu mehr Leistung, sondern auch mehr Stress. Und der verlagert sich mehr und mehr in die Freizeit, also in die Tageszeit, in der Familie, Freunde und Muße warten. Einem Report der AOK zufolge bekommt jeder dritte Mitarbeiter Mails oder Anrufe nach der Arbeitszeit, jeder Achte nimmt sich die Arbeit gleich mit nach Hause. Die zeitliche und räumliche Mobilität sei ein Grund für die Zunahme psychischer Krankheiten, heißt es im Report.

Firmen schließen die ersten BYOD-Vereinbarungen

Dass sich der Trend des eigenen Arbeitsgeräts noch einmal umkehren lässt, ist unwahrscheinlich. Neben der eigenen Disziplin bleiben deshalb nur technische Lösungen. Unternehmen wie Blackberry und AppSense haben das Problem erkannt. Blackberry 10 heißt das neue Betriebssystem von Blackberry, der Firma, die bis vor Kurzem noch Research in Motion hieß. Auf dessen Oberfläche sind berufliche und private Anwendungen getrennt. Mit einer einfachen Wisch-Geste stellt der Nutzer das Handy von beruflicher Nutzung auf private um. Balance heißt die Funktion. Daten können zwischen den beiden Bereichen nicht ausgetauscht werden. Das ist auch für den Arbeitgeber sicherer. Denn die mitgebrachten Geräte der Mitarbeiter sind für vor allem eins: ein Sicherheitsrisiko.

In vielen Firmen werden individuelle BYOD-Vereinbarungen zwischen Chef und Mitarbeitern geschlossen. Denn auch rechtlich ist das eigene Arbeitsgerät ein Problem. Wenn Mitarbeiter mit privaten Smartphones oder Tablets auf Firmendaten zugreifen, können eine falsche Mail oder ein unbedachter Moment ausreichen, um Betriebsgeheimnisse preiszugeben. In den BYOD-Vereinbarungen werden solche Fälle geregelt. Neben den rechtlichen Vereinbarungen verlangen aber auch Firmen nach Software-Lösungen.

Eines der ersten Software-Häuser, die sich des Problems nun angenommen haben, ist AppSense. Das Unternehmen aus England will mit seiner Software MobileNow die Trennung zwischen Beruf und Freizeit wieder herstellen. AppSense teilt dazu Programme in private und geschäftliche auf. Anders als bei Blackberry 10 gilt die Trennung aber nicht für die gesamte Benutzeroberfläche eines Geräts, sondern nur von Programm zu Programm. Auf dem Smartphone oder Tablet soll es dann Geschäftsapps geben, die vom uneingeschränkten Zugriff des Nutzers abgekapselt sind. Der Arbeitgeber bestimmt bei MobileNow darüber, welche Rechte der Arbeitnehmer für die Geschäftsapps erhält.

Leserkommentare
    • Nexic
    • 31. Januar 2013 11:26 Uhr

    Die IT-Sicherheit steht bei diesem Modell bestimmt nicht im Vordergrund. Die Armen Systemadministratoren in der Firmen die diesen Mumpitz ausbaden dürfen.
    Und die Mitarbeiter die das mitmachen merken garnicht das sie jetzt sogar für ihr eigenes Arbeitswerkzeug zahlen sollen, der schlaue Chef reibt sich die Hände, endlich muss man sich nicht mehr anhören das der 10 Jahre alte PC zu langsam wäre, er kann dann einfach zu seinen Angestellten sagen:"Wenns ihnen nicht passt, wieso bringen sie nicht ihr eigenes Gerät, dieses Privileg haben wir ihnen ja eingeräumt".

    hahaha, ganz toll...

    Aber es entstehen interessante neue Situationen wenn sowas zum Normalfall wird. Zum Beispiel wenn der PC kaputt ist und gerade kein Geld für ein neues Gerät da ist, wird man dann vom Arbeitgeber wegen Arbeitsverweigerung gefeuert?

    5 Leserempfehlungen
    • ayee
    • 31. Januar 2013 12:46 Uhr

    Alles, was ich dazu sagen kann, ist Nein Danke. Kann sein, dass meine privaten Geräte persönlicher eingerichtet und komfortabler sind, aber die Gefahr der Überschneidung zwischen Arbeits- und Freizeit ist es mir nicht wert. Erreichbarkeit nach Feierabend heißt für mich Bereitschaft und wenn die nicht in einer für mich ausreichenden Form kompensiert wird, dann bin ich nicht erreichbar.
    Das gilt selbstverständlich nicht für Maus und Tastatur. Die bringe ich gerne selbst mit. ;)

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ich glaube, dort"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Microsoft | Computer | AOK | Blackberry | Freizeit | IT-Branche
Service