BetriebssystemeVier neue Linux-Systeme für mobile Geräte

Gleich vier neue Betriebssysteme für Smartphones und Tablets sollen 2013 auf den Markt kommen, von Samsung, Mozilla, Canonical und Jolla. Sie basieren allesamt auf Linux. von 

Linux

Tux, das Maskottchen von Linux  |  © Tobias Kleinschmidt / dpa

2013 ist das Jahr des Pinguins. Nicht im Sinne chinesischer Tierkreiszeichen, sondern bei Betriebssystemen für mobile Geräte. Vier neue Systeme für Smartphones und Tablets sollen in diesem Jahr auf den Markt kommen, und alle vier basieren auf Linux, dessen Maskottchen der Pinguin ist.

Am heutigen Dienstag hat die Firma Canonical ein Ubuntu-Betriebssystem für Smartphones vorgestellt. Ubuntu ist die wohl beliebteste Linux-Distribution für Desktop-Computer, auch weil sie auf Umsteiger und Linux-Anfänger ausgerichtet ist. Ihre Entwicklung wird vom Unternehmen Canonical gesponsert. Canonical-Chef Mark Shuttleworth hat im vergangenen Jahr klargemacht, dass er sein Linux-Betriebssystem auf mobile Geräte bringen will, um die Nutzer daran zu gewöhnen und schließlich auch beim Desktop-PC zum Wechsel zu bewegen.

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Ubuntu for phones, wie das neue System schlicht heißt, entspricht einem auf kleine Bildschirme angepassten Ubuntu für Desktop-PCs, mit einigen Besonderheiten. So entsprechen die vier Ecken des Displays bestimmten Funktionen wie etwa dem Aufblättern der meistgenutzten Apps. Mark Shuttleworth erklärt die Einzelheiten in einem ausführlichen Video.

Was noch fehlt, sind Hardware-Partner. Zwar soll Ubuntu for phones auf vielen Android-Geräten funktionieren, doch noch hat kein Hersteller offiziell erklär, ein Ubuntu-Smartphone auf den Markt zu bringen.

Das zweite neue Betriebssystem für Smartphones und Tablets kommt von Samsung. Tizen heißt es. Samsung will es im Laufe des Jahres auf den Markt bringen, berichtet die japanische Zeitung The Daily Yomiuri. Ähnliche Berichte hatte es schon zur Internationalen Funkausstellung Ifa im August 2012 gegeben.

Hervorgegangen ist Tizen aus dem Betriebssystem MeeGo, das vor allem Intel und Nokia vorangetrieben hatten. Nokia stieg im Jahr 2011 aus, um sich auf Windows Phone 7 und nun 8 zu konzentrieren. Aber Intel fand in Samsung und dem führenden japanischen Mobilfunkanbieter NTT DoCoMo neue Partner. Samsungs bisheriges eigenes System Bada und das freie Betriebssystem Tizen werden nun verschmolzen.

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Samsungs Ziel ist mehr Unabhängigkeit von Google, dessen System Android auf den meisten Smartphones und Tablets der Koreaner läuft. Was Samsung aber noch fehlt, ist ein eigener App-Store.

Das dritte Mobilbetriebssystem, das 2013 auf den Markt kommen soll, ist das Firefox OS von der Mozilla Corporation. Als Simulator für den Firefox-Browser kann man sich bereits seit Dezember 2012 ansehen, wie dessen Oberfläche später aussehen könnte. Der Simulator ist ein Firefox-Add-on, mit dem vor allem App-Entwickler testen sollen, wie ihre Apps in dem System funktionieren.

Das Besondere am Firefox OS: Benutzeroberfläche und Apps sollen komplett auf Web-Techniken wie HTML5, CSS und Javascript basieren. Das bedeutet, die Apps sind praktisch speziell programmierte Webseiten, die das Gerät, das auf sie zugreift, erkennen und ihre Darstellung entsprechend anpassen. Damit diese Apps so schnell sind wie die sogenannten nativen Apps, also auf ein bestimmtes Betriebssystem angepasste, erlaubt Firefox OS ihnen den direkten Zugriff auf die Hardware.

Leserkommentare
  1. Ehrlich gesagt verstehe ich nicht wie man dieses Projekt so pessimistisch sehen kann.

    Das Tabphone hat vorgemacht das sowas gehen kann, nur ist es mit Androide an seine Grenzen gestoßen.

    Microsoft hat das gleich versucht ist nur wieder mal an der Realität gescheitert mit Windows 8.

    Ich denke das Model ist eine interessante Variante, es geht ja hier nur darum Androide auf dem Handy laufen zu lassen, und das tut es sogar auf meinen HTC desire HD.

    Ubuntu versucht es schon in Richtung Fernseher und wird danach die Tablets in Angriff nehmen. Worüber man sich klar sein muss Linux läuft auf eigentlich allem, damit besehen große Chancen das dass Projekt klappen wird und wir bald dank Windows 8 mehr über Linux Rechner und Laptops und vielleicht auch Tablets freuen dürfen.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Ich glaube kaum,"
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    • emmapi
    • 02. Januar 2013 21:42 Uhr

    wenn ich werwähne,daß ich Win8 ziemlich gelungen finde?
    Insbesondere im Vergleich zu Ubuntu?
    Für mich ist das nach wie vor ein Klassenunterschied, wobei ich die letzte Ubuntu-Distro nicht mehr ausprobiert habe. Aber ich bezweifle, das sich Ubuntu da sehr verbessert hat.

  2. Wenn ich hier lese, dass Samsung gerne sein Engagement hinsichtlich eines eigenen Smartphone-OS steigern möchte, dann kommt mir das als Besitzer eines S8500 mit BadaOS als der blanke Hohn vor.

    Ich könnte jetzt endlos vorschwärmen, was Samsung für eine gute Hardware in seine Bada-Handys gepackt hat.
    Aber das OS ist im Vergleich zu den Mitbewerbern bei weitem nicht konkurrenzfähig.
    Insbesondere auch deshalb, weil diese Plattform nur sehr stiefmütterlich von Samsung unterhalten wird.

    Im Artikel heisst es, dass Samsung keinen eigenen Store unterhält.
    Das ist nicht ganz richtig. Schliesslich muss ja eine Plattform vorhanden sein, von wo aus der Käse unter die Leute gebracht wird. Siehe auch www.samsungapps.com.

    Aber dort ist leider tote Hose angesagt. Man freut sich schon, wenn man eine brauchbare Taschenlampen-App findet.
    Einen alternativen Music-Player oder Bildbetrachter? Leider Fehlanzeige.

    Auch in den einschlägigen User-Foren zu Samsungs BadaOS ist nicht das allergeringste gebacken.
    Wenn man da mal reinschaut, dann ist der letzte Post typischerweise drei Wochen alt.

    Insgesamt kann ich Interessenten für Samsungs Bada/Tizen nur dringend abraten.
    Samsung hat hier schon einmal versagt und die Käufer, die Samsung vertraut haben, waren die Dummen.

    Warum Samsung sich und seinen Kunden das Ganze überhaupt antut, ist mir völlig schleierhaft.

    2 Leserempfehlungen
  3. Damit könnte den mobilen Linuxdistributionen das gleiche Schicksal drohen, wie es auf PCs schon erlebt: Ein Nischendasein.
    Die größte Gefahr bei Android war schon immer, dass es sich irgendwann zer"forked" und die einzelnen Distributionen irgendwann untereinander inkompatibel sind und die gemeinsame Basis, der Appstore zerbricht. Der Traum des Nerds (nicht übelnehmen bitte), ein System genau nach seinen Wünschen errichten zu müssen, ist die größte Angst des Otto Normalverbraucher, denn er müsste sich mit der Thematik auseinandersetzen.
    MacOS und Windows nehmen einen das Denken ab und dafür sind viele User auch gerne bereit, eine langsamere, eierlegende Wollmilchsau in Kauf zu nehmen, aber auch - und das zeigt Apple gerade äußerst deutlich - eine Vielzahl von Restriktionen hinzunehmen.
    Android war ein Glücksfall für OpenSource OS, denn die Basis ist entsprechend groß. Wenn allerdings jetzt die Linux Community versucht einander das Wasser abzugraben, ist's schnell aus mit dem Glück.

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    Linuxdistributionen sind erstens nicht inkompatibel und zweitens nicht zerforked. Forks sind ein Problem der Softwareprojekte, aber nicht der Distros. Die unterschiedlichen Distributionen benutzen problemlos dieselben Programme. Allerdings müsste teilweise neu kompiliert werden, was aber dann die zumutbare Aufgabe der Appstorebetreiber wäre, wenn sie ihren Store gut mit Open Source füllen möchten.

    Ich sehe die Entwicklung durchaus positiv. In den paar Jahren die ich jetzt auf Linux arbeite hat sich erheblich was getan. Interessant, dass Ubuntu offenbar den Anschluss an den Bereich Smartphones schafft. Auch die Methode, das Smartphone als normalen Rechner nutzen zu können, finde ich sehr clever. Das wird nämlich dazu führen, dass Open-Source-Programme in Zukunft AUCH mit Blick auf den Einsatz auf Smartphones entwickelt werden. Ich hatte schon die Befürchtung, dass Programme bald NUR NOCH für Smartphones gemacht würden, und darauf will ich nicht unbedingt den ganzen Tag arbeiten. Aber hier zeichnet sich wohl ein Mittelweg ab.

  4. Linuxdistributionen sind erstens nicht inkompatibel und zweitens nicht zerforked. Forks sind ein Problem der Softwareprojekte, aber nicht der Distros. Die unterschiedlichen Distributionen benutzen problemlos dieselben Programme. Allerdings müsste teilweise neu kompiliert werden, was aber dann die zumutbare Aufgabe der Appstorebetreiber wäre, wenn sie ihren Store gut mit Open Source füllen möchten.

    Ich sehe die Entwicklung durchaus positiv. In den paar Jahren die ich jetzt auf Linux arbeite hat sich erheblich was getan. Interessant, dass Ubuntu offenbar den Anschluss an den Bereich Smartphones schafft. Auch die Methode, das Smartphone als normalen Rechner nutzen zu können, finde ich sehr clever. Das wird nämlich dazu führen, dass Open-Source-Programme in Zukunft AUCH mit Blick auf den Einsatz auf Smartphones entwickelt werden. Ich hatte schon die Befürchtung, dass Programme bald NUR NOCH für Smartphones gemacht würden, und darauf will ich nicht unbedingt den ganzen Tag arbeiten. Aber hier zeichnet sich wohl ein Mittelweg ab.

    2 Leserempfehlungen
  5. Linux als betriebsystem fuers handy, das ist der feuchte traum der nerds. Was diese Leute immer vergessen ist, dass die Welt nunmal nicht aus Nerds besteht, sondern aus normalen Menschen, die nunmal nicht den Kernel ihres Handies neu kompilieren wollen, weil version 1.3.4.5.3.3 ihrer neuesten taschenlampen App nicht mit version 2.4.5.3.4 ihres systems kompatibel ist. Apple, vielgescholten vor allem von den nerds, hat genau verstanden, was die masse der Leute will. Ein Ding, was jeder versteht und was, einfach ist und einfach funktioniert. Sie wollen keine programme auf dem handy entwickeln sondern einfach nurihren alltag bewaeltigen. Eine anforderung, an der die linux gemeinde seit jahren komplett versagt. Komplett. Bitte weniger ideologie und mehr kundenorientierung. Dann klappt das vielleicht nochmal.

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    "Linux als betriebsystem fuers handy, das ist der feuchte traum der nerds."

    Das ist erstmal Ihre Meinung. Dann aber:

    "Apple, vielgescholten vor allem von den nerds, hat genau verstanden, was die masse der Leute will."

    ...disqualifiziert den Post vollends.

    Das OS eines IPhone, iOS, ist im Grunde ein UNIX-OS - gräbt man weiter am Markt, stößt man auf Android - einem Linux. Damit hat man schon die 2 Giganten am mobilen Markt erschlagen.

    Und merken Sie was? Man kann sehr wohl auf einem UNIX/Linux-basiertem OS ein System bauen, mit dem auch die "normalen" Leute wie Sie klarkommen.

  6. 14. Hä...?

    "ob "Linux" sich dann gegenseitig "Konkurrenz" macht - super Idee"

    Konkurrenz unter Linux-Derivaten gab es schon immer.
    Debian, Ubuntu, Red Hat, Mandriva u.a. grüßen aus den 90ern.

    Antwort auf "bin gespannt"
  7. "Linux als betriebsystem fuers handy, das ist der feuchte traum der nerds."

    Das ist erstmal Ihre Meinung. Dann aber:

    "Apple, vielgescholten vor allem von den nerds, hat genau verstanden, was die masse der Leute will."

    ...disqualifiziert den Post vollends.

    Das OS eines IPhone, iOS, ist im Grunde ein UNIX-OS - gräbt man weiter am Markt, stößt man auf Android - einem Linux. Damit hat man schon die 2 Giganten am mobilen Markt erschlagen.

    Und merken Sie was? Man kann sehr wohl auf einem UNIX/Linux-basiertem OS ein System bauen, mit dem auch die "normalen" Leute wie Sie klarkommen.

    3 Leserempfehlungen
  8. mir fehlt im artikel die erwähnung von http://www.cyanogenmod.org/! dies bietet bereits jetzt ein echtes open source betriebssystem für android-devices. ohne herstellergängelung, abhängigkeit von deren gutdünken bei auslieferung von so elementaren dingen wie sicherheitsupdates, crapware, ferngesteuerte apps und mit voller skalierbarkeit.

    http://www.heise.de/secur...

    http://www.heise.de/open/...

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    • emmapi
    • 02. Januar 2013 21:33 Uhr

    CM ist wirklich sehr nett. Ich habe es vorgestern deinstalliert und die Stock-Rom wieder installiert. 4 Tage Akkulaufzeit im Vergleich zu einem Tag mit CM: Das ist nicht wirklich praktikabel - so fix das Teil ansonsten auch war. dazu kommt: Ständige Nichterreichbarkeit, weil das Handy das Netz verlor. ISt ein Bug. Ist auch bekannt. Hat sich nur keiner wirklich drum gekümmert.
    Außerdem: CM muß für jedes Handy neu erstellt werden. Und da ist man immer darauf angewiesen ein Phone zu besitzen, das eine möglichst breite Masse besitzt.
    Es ist natürlich schön zu wissen, das irgendwelche Jungs und Mädels sitzen, die für meinen alten Knochen ein Jelly Bean basteln. Nur was nutzt mir das, wenn ich dafür nur noch gelegentlich mal erreichbar bin und mich außerdem nicht weiter als 1,5m von der Steckdose entfernen darf?

    ....nutzt es dir in dem fall wirklich nicht allzu viel. es sei denn du bist hardcore modder und hast evtl. noch ein zweitgerät! ;) würd mich ja mal interessieren, um welchen 'alten knochen' es sich da handelt :) ein tag akkulaufzeit ist ja heutzutage eher standard bei den meisten geräten bei reger nutzung, aber häufig ists bei CM anders rum. weil die ganze bloatware nicht mitläuft, hält der akku länger.....

    security updates gibts bei CM nach stunden, wenn nicht am nächsten tag, nicht wie bei den anderen, entweder gar nicht oder nach monaten. wie sonstige bugs behandelt werden liegt natürlich ein wenig am interesse der entwickler und der userbase, aber dafür ist jeder eingeladen mitzumachen. bugs zu reporten, zu meckern, zu diskutieren und ggf. n bisschen coden.......das ist ja das schöne an open source / freier software....

    http://wiki.cyanogenmod.o...

    kenn mich mit der materie nicht wirklich aus, aber auf meinem offiziell nicht unterstützten Xperia U macht sich CM ganz ordentlich :)

    für mich überwiegen jedenfalls die 'pros', vor allem die ersten beiden. mein telefon war vorher ein zombie mit zombie apps.....und ich zähle die tage bis zum ersten großflächigen android drive-by....

    http://wiki.cyanogenmod.o...

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  • Schlagworte Google | Microsoft | Nokia | Samsung | Apple | Deutsche Telekom
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