Mobile World CongressChinesen drängen in die Smartphone-Oberklasse

Die chinesischen Hersteller Huawei und ZTE wollen den Smartphone-Markt aufrollen. Die Mobilfunkmesse MWC in Barcelona zeigt: Sie können nicht nur billig. von Christof Kerkmann

ZTE Grand Memo

ZTE zeigt in Barcelona das Grand Memo mit 5,7-Zoll-Bildschirm.  |  © REUTERS/Gustau Nacarino

Superlative sind in der Technologiebranche nichts Besonderes – sie gehören zum üblichen Marketing. Als aber am Sonntag Huawei auf dem Mobile World Congress erst erklärte, in die Liga der 100 bekanntesten Marken der Welt aufsteigen zu wollen und anschließend das "schnellste Smartphone der Welt" für einen Kampfpreis ankündigte, sorgte das für einiges Aufsehen. Denn der chinesische Hersteller machte deutlich: Er hat was vor.

Die Lieblingshandys der Deutschen tragen das Logo von Apple oder Samsung, außerdem vielleicht von Nokia oder HTC. Doch es dürfte in den Händen und Taschen bald mehr Abwechslung geben: Denn Huawei und ZTE drängen auch außerhalb der Heimat mit aller Macht in den Markt.

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Dass ausgerechnet zwei Hersteller aus China die Konkurrenz aufmischen wollen, kommt nicht von ungefähr. Smartphones sind zur Massenware geworden, die auch außerhalb der Wohlstandsregionen Europa und Nordamerika bezahlbar ist. Das aufstrebende Reich der Mitte dürfte bald der größte Smartphone-Markt sein, auch im Rest Asiens sowie in Afrika und Südamerika wollen die Menschen die Alleskönner-Geräte – vor allem günstige Modelle.

Dieser Boom beflügelt die chinesischen Hersteller. "Huawei und ZTE haben einen extrem großen Heimatmarkt und konnten dort eine große Cash-Basis aufbauen", sagt Nikolaus Mohr, Partner bei der Unternehmensberatung Accenture. Die beiden profitieren außerdem von der Industriepolitik: "Sie wurden auch von der Regierung gefördert – ein typisch asiatisches Verhaltensmuster", erklärt der Experte für Technologie und Telekommunikation. Die chinesische Regierung hat das Ziel ausgegeben, durch Zusammenschlüsse und Allianzen globale Giganten zu formen.

Huawei ist schon Nummer drei hinter Samsung und Apple

Aktuelle Zahlen der Marktforschungsfirma IDC zeigen die Stärke der Chinesen. Huawei verkaufte im vierten Quartal 10,8 Millionen Smartphones, fast doppelt so viele wie im Vorjahresabschnitt. Mit einem Marktanteil von 4,9 Prozent steigt der Hersteller aus der Metropole Shenzhen zur Nummer 3 hinter Samsung und Apple auf. ZTE liegt mit 4,3 Prozent Marktanteil nur knapp hinter Sony und vor großen Namen wie LG und HTC. Auch Lenovo wagt den Schritt ins Ausland und verkauft einige Modelle, derzeit in Indien, Indonesien, Vietnam und Russland.

Stark sind die beiden Hersteller in den Schwellenländern. Und so zeigen sie auf dem Mobile World Congress auch etliche Geräte für das untere Ende des Marktes. So bringt ZTE ein Smartphone mit dem neuen Betriebssystem Mozilla OS heraus, das als Android-Alternative für Schwellenländer konzipiert ist. Und Huawei hat kurz vor der Messe ein Gerät mit Windows Phone 8 für rund 150 Dollar präsentiert, das auf den afrikanischen Markt zugeschnitten ist – dort ist der Hersteller bereits stark vertreten.

Angesichts des heftigen Konkurrenzkampfes mit Samsung und Nokia verdienen sie mit diesen Geräten allerdings kaum oder gar kein Geld. Deswegen wollen die Chinesen in die lukrative Oberklasse vorstoßen – sie können eben nicht nur billig. Huawei sorgte mit seinem neuen Flaggschiff Ascend P2 für Aufsehen, das der Hersteller als "schnellstes Smartphone der Welt" anpries. Über den Mobilfunk-Turbo LTE ermöglicht es Geschwindigkeiten von bis zu 150 Megabit/Sekunde, zumindest wenn der Netzbetreiber das zulässt. Ordentlich ausgestattet ist das Gerät ohnehin – und das zu einem relativ günstigen Preis von 450 Euro. Bereits im Januar auf der CES in Las Vegas zeigte der Hersteller das Ascend Mate, dessen 6,1 Zoll großer Bildschirm eher einem Mini-Tablet ähnelt.

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