Mobile World CongressMozilla präsentiert die ersten Firefox-Smartphones

Das Betriebssystem Firefox OS wird zunächst nur auf Einsteiger-Smartphones zu haben sein. Beim Mobile World Congress wurden zwei Geräte gezeigt. von Lutz Herkner

Alcatel One Touch Fire

Die Deutsche Telekom wird das Alcatel One Touch Fire mit Firefox OS in Polen verkaufen.  |  © Alcatel One Touch

Es sind nicht die schicksten, schnellsten oder spektakulärsten Smartphones, für die sich Mozilla interessiert. Die Stiftung will mit ihrem mobilen Betriebssystem Firefox OS das Open-Source-Prinzip in der Welt verbreiten und braucht dafür eher günstige Einsteiger-Smartphones. Am Sonntagabend hat Mozilla auf der weltgrößten Mobilfunkmesse, dem Mobile World Congress in Barcelona, seine Pläne für das Firefox OS genannte System vorgestellt – und die ersten dazugehörigen Endgeräte.

Eingerahmt von Firmenchefs wie René Obermann von der Deutschen Telekom, César Alierta von O2-Mutter Telefónica und Qualcomm-Oberhaupt Paul Jacobs, kündigte Mozilla-CEO Gary Kovacs die globale Einführung im laufenden Jahr an. 17 Netzbetreiber aus aller Welt sind zum Start mit an Bord und kooperieren mit Mozilla, hinzu kommen als Smartphone-Hersteller LG, Huawei, ZTE und Alcatel One Touch. Eine so breite Unterstützung konnte bislang kein Betriebssystem zum Start vorweisen.

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Das Besondere an Firefox OS ist, dass es vollständig auf der Auszeichnungssprache HTML5 basiert. Vereinfacht ausgedrückt ist das Betriebssystem ein einziger, großer Browser, der sich aus dem Internet zieht, was er an Informationen benötigt. Nur dass dies eben nicht unbedingt eine schlichte Website sein muss, sondern eben auch eine sogenannte Web-App sein kann. Die ist unter einer Web-Adresse erreichbar, muss aber nicht installiert werden und verhält sich trotzdem wie eine App. "Apps-on-Demand" nennt Mozilla das, weil sie zunächst nur einmal gebraucht, aber nicht dauerhaft installiert werden.

Ein Beispiel demonstrierte Mozilla in Barcelona: Ein Nutzer sucht im Netz nach dem Begriff "Skyfall", nach dem gleichnamigen James-Bond-Film. Daraufhin erscheinen auf dem Smartphone-Display viele verschiedene Apps in Form der vertrauten Icons auf einem schicken Hintergrundbild aus dem Film. Ein Klick auf eine dieser Apps startet dann etwa die Filmdatenbank imdb.org. Deren App wohlgemerkt, nicht die Website – also inklusive des speziellen Layouts, der individuellen Nutzerführung und so weiter. Positiver Nebeneffekt: App-Updates gehören damit der Vergangenheit an. Wenn ein Inhalte-Anbieter etwas ändert, zieht sich das Programm diese Neuheiten aus dem Internet.

Provider können eigene App Stores einrichten

Das klingt so ähnlich wie das Prinzip der Chromebooks von Google, welche die Webdienste des Konzerns online nutzen anstatt lokal auf dem Rechner. Ein Prinzip, das immer dann an seine Grenzen gelangt, wenn gerade keine Internetverbindung zur Verfügung steht. Das sieht bei Firefox OS ganz anders aus, wie Mozilla auf der Mobilfunkmesse unfreiwillig demonstrierte: Wie auf solchen Veranstaltungen üblich, funktionierte das WLAN nicht, und an eine Mobilfunkverbindung war zwei Stockwerke unter der Erde nicht zu denken. Dennoch ließen sich zumindest einige der Apps wie gewohnt starten und nutzen. Nutzer müssen für den Offline-Modus jedoch zuvor festgelegt haben, welche Anwendung wann und wie oft Daten auf dem Gerät abspeichern soll.

Telekom-Chef Obermann prophezeit der Plattform einen großen Erfolg. Uneigennützig ist das Engagement der Netzbetreiber freilich nicht: Firefox OS bekommt einen eigenen App Store namens Marketplace, lässt aber auch Apps aus anderen Quellen zu. Die Telekom könnte also beispielsweise einen eigenen Software-Shop auf die hauseigenen Telefone vorinstallieren – den Kunden zwar nicht unbedingt nutzen müssen, aber aus Bequemlichkeit vermutlich dann doch bevorzugt verwenden.

Außerdem ist die Abrechnung nicht an eine Kreditkarte gebunden. Apps könnten somit per Telefonrechnung beglichen werden. Interessant ist das zum Beispiel für Eltern, die ihrem Nachwuchs gewisse Freiheiten beim Kauf von Apps gönnen, aber nicht die Kontrolle über die Kosten verlieren wollen.

Leserkommentare
  1. Interessant. Etwas verdächtig allerdings, dass sich die Firmen jetzt wie Aasgeier auf Open-Source-Projekte stürzen. Hoffentlich kommt ausser der Einrichtung eines eigenen Applikations-Ladens auch sonst noch was an Mitarbeit rüber.

    Eine Leserempfehlung
    • ZH1006
    • 25. Februar 2013 14:51 Uhr

    ist nicht wieder, wie bei anderen Betriebssystemen, die Ausspionierung seiner User. Dann bin ich gerne dabei.

    3 Leserempfehlungen
    • hairy
    • 25. Februar 2013 16:29 Uhr

    auf Hardware, die unter fairen Bedingungen hergestellt wird. Ein neues offenes OS ist schon ok, aber noch lange nicht genug.

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    "Ich warte immer noch auf Hardware, die unter fairen Bedingungen hergestellt wird." Relativ aussichtslos. Solange die Arbeiter in den Werken trotz der Bedingungen das Gefühl haben, sozial aufzusteigen, ändert sich daran nichts.
    Ich warte darauf, dass sich die exorbitanten Gewinnmargen der westlichen Konzerne durch verschärfte Konkurrenz etwas schmälern. Mehrere Betriebssysteme sind da sicher ein Fortschritt.

    "Ich warte immer noch auf Hardware, die unter fairen Bedingungen hergestellt wird"

    Und wo soll das anfangen, Ihrer Meinung nach?
    Schon beim Abbau der Seltenen Erden?
    Oder erst in der Fabrik?
    Oder beim Transport?
    Bei der verbrauchten Energie?
    Bei allem Genannten?
    Ok.
    Wie viel sind Sie bereit, für eins dieser fair produzierten Geräte auszugeben?

  2. "Ich warte immer noch auf Hardware, die unter fairen Bedingungen hergestellt wird." Relativ aussichtslos. Solange die Arbeiter in den Werken trotz der Bedingungen das Gefühl haben, sozial aufzusteigen, ändert sich daran nichts.
    Ich warte darauf, dass sich die exorbitanten Gewinnmargen der westlichen Konzerne durch verschärfte Konkurrenz etwas schmälern. Mehrere Betriebssysteme sind da sicher ein Fortschritt.

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  3. "Ich warte immer noch auf Hardware, die unter fairen Bedingungen hergestellt wird"

    Und wo soll das anfangen, Ihrer Meinung nach?
    Schon beim Abbau der Seltenen Erden?
    Oder erst in der Fabrik?
    Oder beim Transport?
    Bei der verbrauchten Energie?
    Bei allem Genannten?
    Ok.
    Wie viel sind Sie bereit, für eins dieser fair produzierten Geräte auszugeben?

    6 Leserempfehlungen
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    • J-M
    • 25. Februar 2013 18:45 Uhr
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    noch nie eins gesehen.

  4. noch nie eins gesehen.

    • NicName
    • 27. Februar 2013 10:58 Uhr

    Ich finde es schade dass beim Bezug neuer Software mit dem sogenannten "Marketplace" auch hier wieder Wirtschaftsrhetorik angewendet wird.

    Ein freies Betriebssystem sollte auf Metaphern verzichten die sich auf Handel und An- und Verkauf konzentrieren.

    Ich vermisse das gute alte Ubuntu-Software-Center

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Microsoft | Google | Mozilla | Alcatel | Apps | Huawei
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