LinuxMit Ubuntu kommt bald ein freies System für Tablets

Die Linux-Version Ubuntu wird nun auch für Tablets entwickelt. Es wäre das erste freie Betriebssystem für den Massenmarkt. Leider kommt es wohl erst 2014. von 

Vor Kurzem hat das Software-Unternehmen Canonical das freie Betriebssystem Ubuntu in einer Version für Smartphones vorgestellt. Rechtzeitig zum Mobile World Congress (MWC) in Barcelona hat Canonical nun auch Ubuntu für Tablets auf seiner Homepage angekündigt. Entwickler können am 21. Februar die erste Version testen. Auf dem MWC will Canonical dem Messepublikum Ubuntu-Tablets präsentieren.

Bislang ist Ubuntu nur einem kleinen Kreis bekannt, die die Linux-Version auf ihren Desktops installiert haben. Weltweit wird das offene Betriebssystem Linux gerade einmal von einem Prozent der Computernutzer eingesetzt, Ubuntu ist dabei nur eine von vielen Linux-Varianten und nicht einmal mehr die beliebteste. Mit der mobilen Version könnte sich das ändern. Denn Ubuntu bietet viele Vorteile: Es ist sicher, schnell und umsonst.

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Laut Canonical sollen alle Standardprogramme auf Ubuntu-Tablets laufen, darunter Facebook, Twitter, Evernote, Spotify, Skype, GoogleMail und GoogleMaps. Viele der gängigsten Anwendungen wären damit abgedeckt. Bei den Apps lässt Canonical den Entwicklern Spielraum: Unter Ubuntu werden sowohl native Apps als auch Web-Apps laufen. Native Apps, die auf dem Tablet installiert werden, bieten sich vor allem für rechenintensive Anwendungen wie Spiele und Grafikprogramme an.

Damit setzt sich Ubuntu von Firefox OS ab. Das freie Betriebssystem der Mozilla Foundation will ganz auf Apps setzen, die aus dem Browser heraus laufen.

Eines der neuen Features ist bereits von Desktop-PCs bekannt. Unter Ubuntu können Nutzer mehrere Profile auf ihrem Tablet einrichten und damit zwischen Freizeit- und Arbeitsprofilen wechseln. Auch ein Profil für jedes Familienmitglied ist denkbar. Je nach Profil lädt Ubuntu unterschiedliche Apps, Sicherheitseinstellungen und persönliche Ordner.

Ubuntu erlaubt Multitasking

Die Navigation unter Ubuntu soll ohne mechanische Knöpfe am Tablet selbst auskommen. Nutzer bedienen das Tablet ausschließlich mit Wischgesten. Dabei steht jede Seite des Bildschirms für eine Funktion. Wenn der Nutzer vom oberen Bildschirmrand wischt, erscheint ein Fenster mit Systemdiensten, darunter Einstellungen und eine systemweite Suche. Der untere Bildschirmrand hält eine Funktion bereit, die es dem Nutzer erlaubt, den jeweiligen Inhalt des Programms zu teilen.

Die Navigation erlaubt auch Multitasking. Wischt der Nutzer von links, erscheinen die Apps des Tablets, wischt er von rechts, erscheint die sogenannte side stage, auf der Telefon-Apps laufen. Wer also gerade an einem Dokument arbeitet und gleichzeitig etwas per Facebook schreiben will, muss nur vom linken Rand wischen und es erscheint auf etwa einem Drittel des Bildschirms die side stage. Das Fenster des geöffneten Dokuments verteilt sich auf den Rest des Bildschirms. Das funktioniert bei allen Anwendungen. Läuft ein Film, kann so parallel dazu über die side stage gechattet, gemailt oder telefoniert werden.

Canonical hat mit dem neuen Ubuntu ein Betriebssystem entwickelt, dass auf allen Geräten laufen soll, seien es Desktop-PCs, Smartphones, Media-Center oder eben Tablets. Das bedeutet, dass sich das gleiche Betriebssystem verschiedenen Geräten anpasst. Wird an das Tablet eine Tastatur und eine Maus angeschlossen, erscheint eine leicht veränderte Bedienoberfläche, die auf den Desktop abgestimmt ist. Schließt man das Tablet an einen großen Bildschirm an, wird es zum Media-Center.

Davon profitieren auch Entwickler. Denn sie brauchen künftig nur noch eine App zu entwickeln. Für die Anpassung der Programme sorgt der Linux-Kernel. Auf dem Kernel sind alle Informationen über das jeweilige Endgerät hinterlegt. Ubuntu passt die Programme dann entsprechend an.

Erscheinen wohl erst 2014

Canonical hat unter Ubuntu viele Funktionen gebündelt. Bis die ersten Tablets mit Ubuntu auf den Markt kommen, könnte aber noch viel Zeit vergehen. Der Code für Ubuntu Phone soll mit der neuen Ubuntu-Version 13.10 kommen. Die ist für Oktober 2013 angekündigt. Wann die Tablet-Version fertig wird, konnte Canonical-Chef Mark Shuttleworth noch nicht sagen. Realistisch scheint ein Termin Anfang 2014 zu sein.

Gegenüber TechCrunch sagte Shuttleworth, Canonical habe bereits einen Partner im Silicon Valley gefunden, auch erste Hersteller hätten Interesse bekundet, mit Vertriebsfirmen in den großen Märkten Europa, Nordamerika und China sei man in Verhandlungen. Genaueres will Shuttleworth erst im März 2013 verkünden.

Es bleibt damit die große Frage, ob die aktuell überzeugenden Features nicht 2014 schon wieder veraltet sind. Das trübt allerdings nicht die gute Nachricht, und die heißt: Es wird in naher Zukunft ein mobiles Betriebssystem geben, dass auf freie, offene Software baut. Für die Nutzer ist das ein Gewinn.

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Leserkommentare
    • 15thMD
    • 20. Februar 2013 18:15 Uhr

    Also wenn es wirklich das hält, was es inzwischen verspricht, dann wird Ubuntu für mich eine sehr gute Alternative zu Android werden.

    "Gegenüber TechCrunch sagte Shuttleworthh, Canonical habe bereits einen Partner im Silicon Valley gefunden, auch erste Hersteller hätten Interesse bekundet, mit Vertriebsfirmen in den großen Märkten Europa, Nordamerika und China sei man in Verhandlungen. Genaueres will er erst im März 2013 verkünden."

    Ich hoffe nur, dass sich Canonical wirklich ins Zeug legt und die Software auf mehreren Modellen läuft und man sich mit gute Hardware Herstellern zusammentut. Wenn es am Ende zu einem zweiten Windows für mobile Geräte wird, kann man damit wahrscheinlich kaum jemanden überzeugen.

    3 Leserempfehlungen
  1. Wirklich ausgesprochen mutig, was Cannonical sich vornimmt. Open Source wird damit insgesamt zum Quantensprung befähigt, selbst wenn Ubuntu dabei vor die Hunde gehen sollte. Es zahlt sich nun die langjährige Erfahrung aus, die man gesammelt hat, um in ganz unterschiedlichen Modi laufen zu können (Normal installiertes Ubuntu auf diverser Hardware, vom Stick, von der Live-CD, Wubi in Windows, unterschiedliche Oberflächen selbst für Uralt-PCs, parallele Installation mit Grub etc.). Deshalb ist es Ubuntu meiner Meinung nach noch am ehesten zuzutrauen, ein Betriebssystem für Tablet, Smartphone und PC zusammen stellen zu können.
    Weiter so!

    5 Leserempfehlungen
    • Kelhim
    • 20. Februar 2013 18:46 Uhr

    Über die Verbreitung von Ubuntu-Installationen sagt das überhaupt nichts aus.

    8 Leserempfehlungen
  2. Der Einsatz von Ubuntu wird vor allem durch den konsequenten Open-Source-Ansatz von Linux leistungsfähig.

    Wenn der Quellcode verfügbar ist, kann man ihn auf verschiedenen Plattformen kompilieren. Voraussetzung ist nur ein geeigneter Compiler und natürlich gut definierte Hardware- und Treiber- Schnittstellen.

    Hat man die, kann ein Anwender oder Hardware-Hersteller ohne zu großen Aufwand aus einem einzigen Quellcode einen optimierten Maschinencode für das spezielle Endgerät erzeugen. Bei Closed-Source-Programmen, bei denen der fertige Maschinencode verteilt wird, muss der Hersteller dagegen eigenhändig einen Code für jede Geräteklasse generieren.

    In der WIntel-Welt war das egal, weil die Prozessorsprache standartisiert war. Bei Tablets und Telefonen ist das allerdings nicht mehr der Fall. Deswegen schafft es Android nicht ohne weiteres nicht auf den PC. Deswegen kann man ein Windows-8 und die zugehörige Software für Telefon nicht auf dem PC installieren und umgekehrt. Zumindest nicht ohne eine virtuelle Zwischenebene, die viele Ressourcen kostet. Bei Ubuntu hingegen sollte das relativ problemlos gehen.

    So gesehen hat Linux/Ubuntu da einen richtig netten Ansatz.

    4 Leserempfehlungen
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    • CorinK
    • 20. Februar 2013 20:59 Uhr

    Das ist aber bei Android auch möglich. Auch bei Android ist der Quellcode für jeden offen und ohne Lizenzgebühren für nahezu jedes erdenkliche Gerät anpassbar.

    Darum gibt es auch Laptops, Sticks für den Fernseher und bald auch verschiedenste Spielkonsolen mit Android. Darum gibt es auch hunderte von Custom-Rom`s für Android-Handys.

    Nicht Quell-offen sind jedoch die Google-Dienste. Zudem wird Android hinter verschlossenen Türen entwickelt, was für echte Open-Source-Software unüblich ist.

    Übrigens wird Ubuntu wohl zunächst als alternatives System für Androidhandys angeboten, da sich auf diese problemlos ein anderes OS installieren lässt.

  3. Ubuntu wird Android wohl wieder hinter iOS drängen, wenn die ganzen billig Tablet's & Smartphone's erstmal mit Ubuntu laufen. Firefox OS drängt sich ja auch noch dazwischen & wird Android auch noch weiter Marktanteile abknöpfen. Für iOS sind die beiden keine Gefahr, denen könnte allerhöchstens Microsoft gefährlich werden, aber danach sieht es bislang nichtmal annähernd aus...

    4 Leserempfehlungen
  4. Sehr gut - ich bin schon jetzt überzeugter Kunde. Nicht nur weil ich Ubuntu seit Jahren am PC nutze, sondern vor allem weil sämtliche "Alternativen" aufgrund ihrer jeweiligen Geschäftsmodelle für mich nicht in Frage kommen. Microsoft versucht nur, sein Rest-Monopol zu retten, Adroid/Googl macht mit Nutzerdaten Geschäfte und Apple macht alle Schotten dicht damit man nie wieder weg kommt. Linux ist die einzige Alternative. Go Ubuntu!

    9 Leserempfehlungen
  5. ich begrüße alles, was Google, Apple und Microsoft das Leben schwer macht. Habe gerade Debian auf (m)ein altes Notebook gepielt. Läuft ganz hervorragend. Vielleicht kann ich Apple und Microsoft bald goodbye sagen.

    4 Leserempfehlungen
  6. http://www.netmarketshare...

    Weltweit soll es 2,5 Milliarden Internet- Nutzer geben

    Eine Leserempfehlung

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