Cebit 2013Sicher bis Geheimhaltungsstufe vier

Auf der Cebit werden die neuen Smartphones der Regierung gezeigt. Mit ihnen kann man verschlüsselt telefonieren und mailen. An ihrem Sicherheitskonzept gibt es Kritik. von 

Angela Merkel mit dem neuen abhörsicheren Telefon der Bundesregierung

Angela Merkel mit dem neuen abhörsicheren Telefon der Bundesregierung  |  © Julian Stratenschulte/dpa

Sicherheit ist sexy – zumindest auf der Cebit. Wer durch die Messehallen läuft, dem fallen sofort die opulenten Stände der IT-Sicherheitsfirmen in Halle 12 auf. An jeder Ecke gibt es dort Redner, die das Publikum wie auf einer Kreuzfahrt unterhalten.

Einer der Aussteller dort ist Secusmart. Das Unternehmen muss nicht mit Animateuren werben, es reicht der Bundesadler. Der prangt groß auf den Wänden des Messestandes, darunter der Slogan: "Auf so viel Sicherheit fliegt der Bundesadler." Der Stand ist rammelvoll.

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Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel schaute bei Secusmart vorbei und testete für die Presse schonmal das neue Regierungstelefon.

Denn Secusmart hat neben T-Systems die Ausschreibung für das neue Regierungstelefon gewonnen. Das soll künftig mit der Software namens SecuSuite Telefonie und E-Mails verschlüsseln und den Mitarbeitern der Behörden sicheres Kommunizieren ermöglichen.

Apps sind zu unsicher

Allerdings gibt es an dem Sicherheitskonzept auch Kritik. Secusmart ist nicht der einzige Anbieter, der an einem Cryptophon arbeitet. Hans-Christoph Quelle, Chef von Secusmart, sagte auf der Messe: "Wir bieten aber das erste sichere Smartphone an, das auch ein Smartphone bleibt – mit allen seinen Funktionen." Surfen im Internet oder Abhängen bei Facebook: Die Geheimnisträger des Bundes können also in Zukunft auch das.

Für andere Hersteller ist aber genau dieser Service zu unsicher. Stattdessen kappen sie die smarten Funktionen, da die meisten Apps mit ihren Updates und umfangreichen Rechten auf einem Smartphone ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Einer dieser Anbieter ist die Berliner Firma GSMK um Frank Rieger, einer der Sprecher des Chaos Computer Clubs. Die Firma stellt seit 2003 Cryptophones her und steht im Ruf besonders sichere Telefone anzubieten.

Auf der Cebit stellt das Unternehmen sein neues Modell CP 500 vor, im Gehäuse eines Samsung Galaxy S3. Dafür haben die Entwickler über mehrere Jahre den Quellcode des Betriebssystem Android untersucht und nach eigenen Angaben eine "gehärtete" Android-Version hergestellt. Diese dient als Oberfläche für das CP 500. Der Code dieser Version ist außerdem auf Nachfrage bei GSMK einsehbar und kann so auf Fehler oder Hintertüren kontrolliert werden.

Daneben hat GSMK ein eigenes Sprachprotokoll, das Cryptophone-IP, entwickelt. Das dient zur Übertragung der Sprachpakete im Netz. Anders als der bisherige Standard SIP (Session Initiation Protocol) lässt sich das Protokoll kaum von normalem Netzverkehr unterscheiden. Das ist in Staaten wie dem Bahrain ein entscheidender Vorteil. Dort wird Internet-Telefonie teilweise geblockt.

Leserkommentare
  1. >>Cryptophone<<

    Könnte nützlich sein, um die kryptischen Worte der Politiker besser zu verstehen.

    Ist aber leider genau im umgekehrten Sinne gemeint, nämlich um das Vertuschen und Verheimlichen durch mehr Geheimhaltung in der Politik noch effizienter zu machern. Wir werden es Wikileaksern schon zeigen!

    6 Leserempfehlungen
  2. Habe ich das richtig verstanden - Politiker bekommen (für Millionen von Euro), obwohl sie schon verschlüsselnde Handys haben, diese Smartphones, weil sie nicht in der Lage sind, 5 Minuten google-Recherche zu investieren (zu lassen), um ihre schon vorhandenen Laptops abzusichern?

    Bei so wenig technischem Verständnis wird einem so einiges klar (Bundestrojaner, E-Perso, u.s.v.m.).

    Und am Ende benutzt Schäuble die Dinger um Sudoku zu spielen.

    7 Leserempfehlungen
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    Wer das spielt, baut in der Zeit schon mal keinen Scheiß. Oder vergisst Briefumschläge mit Kröten drin.

    Smartphones sind mobil, und diesen zugleich noch als Telefon. Darum ist der Vergleich mit dem Laptop unpassend.

  3. Wir konnten bei 1&1 auch nicht angerufen werden, der SIP Server von 1&1 gehörte zu denen die laut SIP Broker auch nicht von außen aufrufbar sind. Davon gibt es viele. Dumm nur das wir angeblich einen sogenannten Anbieter für ein öffentliches Telefonnetz hatten. Ich weiß wirklich nicht wieso Bahrain jetzt für sowas herhalten muß, wo jeder Hinz und Kunz etwas so einrichten kann um eingehende Anrufe durch zwangsweise vom Kunden selbst einzurichtende Rufumleitungen in ein anderes Netz, betrügerisch zu zusätzlich Geld kassieren nutzen kann.

  4. Wie konnte man vor Einführung der Smartphones überhaupt Politik machen?
    Von Moses bis Adenauer, kein Laptop,kein Smartphone, welch ein Elend! Alles mit dem eigenen Gehirn gedacht, - da hat es doch die heutige Politikergeneration besser, wenn man da nur an die "nach mir die Sintflut"-App denkt, - da ist ein Euro-Finanz-Stabilisierungs-oder Sonstwas-Gesetz einfach durchgewunken und Deutschland mit einem Klick um Milliarden ärmer, ganz ohne nachzudenken oder persönlich im Plenarsaal rumzuhocken.

    5 Leserempfehlungen
  5. >> Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel schaute bei Secusmart vorbei und testete für die Presse schonmal das neue Regierungstelefon. <<

    ... abhörsicher? Wie sinnlos ist das denn? Die sagt doch sowieso nie was.

    8 Leserempfehlungen
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    ...erinnert mich an Old East GermanTimes...

    ...

  6. ...erinnert mich an Old East GermanTimes...

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Angela Merkel ..."
    • Mika B
    • 06. März 2013 17:12 Uhr

    eine Vorratsdatenspeicherung, Videoüberwachung und den Bundestrojaner und für die Regierenden abhörsichere und verschlüsselte Smartphone.
    Finde den Fehler ......

    13 Leserempfehlungen
  7. ... PR-Texte guttenbergen! ;-)

    Verschlußsachen "nur für den Dienstgebrauch" oder kurz "VS-nfD" ist die niedrigste von insgesamt (!) vier Stufen. Das bedeutet im Grunde nur, dass es sich um Daten handelt, die nicht unbedingt in der Zeitung - oder bei zeit.de - auftauchen sollen. Diese Einstufung hat z.B. der Dienstplan für den Hausmeister im Kanzleramt. "Stufe 4" ist vom PR-Onkel oder -Tante geschickt formuliert *LOL*

    3 Leserempfehlungen
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    ... dass unsere "Helden der Politik" auch höher zu klassifizierende Daten über ihren neuen kleinen Helfer übermitteln. Russen, Chinesen und ... unsere "Freunde" hinter'm Teich freuen sich schon.

    Merke: Smart-User geht vor Smart-Phone !

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