Mobile World CongressWenn dem Bildschirm Tasten wachsen

Eine US-Firma will Touchscreens mit Tasten ausstatten, die sich bei Berührung erheben und das Tippen vereinfachen. Ein Prototyp funktioniert schon – mit Einschränkungen. von Ingo Pakalski

Tactus zeigt dynamischen Tastatur auf dem Tablet: Tactus zeigte auf dem Mobile World Congress einen dynamischen Touchscreen mit Tactile-Layer-Technik. mit Tactile-Layer-Technik.

Tastatur auf dem Tablet: Tactus zeigte auf dem Mobile World Congress einen dynamischen Touchscreen mit Tactile-Layer-Technik.  |  © Daniel Pook / Golem.de

Beim Schreiben auf einem Touchscreen fehlt noch immer das Tippgefühl einer herkömmlichen Tastatur. Die Folge können Tippfehler sein, weil der Anwender leicht mal den falschen Buchstaben trifft. Zudem verringert sich im Vergleich zu echten Tastaturen die Tippgeschwindigkeit. Das will das US-Unternehmen Tactus nun ändern.

Tactus hat seine Technik Tactile Layer zum ersten Mal in Boston gezeigt, auf der Konferenz SID Display Week 2012. Einen erweiterten Prototyp des dynamischen Touchscreens hat der Chef und Gründer von Tactus, Craig Ciesla, am Rande des Mobile World Congress 2013 in Barcelona gezeigt.

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Tastatur und Tablet vereint Tactus, indem es seine Tactile-Layer-Komponente in ein herkömmliches Android-Tablet mit 7-Zoll-Touchscreen integriert. Die Maße des Tablets verändern sich dabei nicht. Denn die neue Komponente von Tactus ersetzt lediglich eine bereits vorhandene Schicht im Display.

Sobald nun bei dem modifizierten Tablet eine Tastatur erscheint, erhebt sich an der Stelle der Buchstaben der Bildschirm um etwa einen Millimeter. Dadurch werden die Tastendrücke mit dem Finger fühlbar und Nutzer sollen sich weniger häufig vertippen, als es bei herkömmlichen Bildschirmtastaturen der Fall ist. Zudem soll die Schreibgeschwindigkeit mit dieser Technik im Vergleich zu gewöhnlichen Bildschirmtastaturen erhöht werden.

Vorerst will sich Tactus auf dynamische Bildschirmtastaturen konzentrieren. Die Technik ließe sich aber prinzipiell auch für Spielecontroller auf dem Tablet verwenden. Der gezeigte Prototyp liefert derzeit nur eine Tastatur im Hochformat, langfristig soll die Lösung aber auch für Querformattastaturen angeboten werden.

Auf dem Bildschirm bleiben Erhebungen zurück

Der auf dem Mobile World Congress 2013 gezeigte Prototyp kann die Tastenerhebungen durch den Tactile Layer noch nicht abschalten. Sobald die Bildschirmtastatur ausgeblendet ist, bleiben unschöne Erhebungen auf dem Touchscreen zurück. Diese sind deutlich sichtbar und stören bei Anwendungen, die den ganzen Bildschirm zur Bedienung benötigen.

Bei einem Test konnte das Tippgefühl auf dem dynamischen Touchscreen überzeugen. Es gibt spürbare Tasten, diese  können mit den Fingern gut erfühlt werden. Im Vergleich zu einer normalen Bildschirmtastatur wird die Tippgeschwindigkeit erhöht und in Grenzen ist sogar ein Blindschreiben machbar. Der einzige Nachteil des aktuellen Prototyps von Tactus sind die erwähnten Erhebungen.

Leserkommentare
  1. einziges kleines Manko, Mikrofluidik würde ich nicht als Verfahren, sondern eher als Technik deklarieren. Oder noch besser, "Es kommt ein neu eintwickeltes mikrofluidisches System zum Einsatz".

    Sehr interessante Idee!

  2. Da brauchen sie erst nen Touchpad- Hype,um rauszufinden. dass Tasten doch hier und da einen Sinn haben. Und dann machen sie ein Touchpad...mit herausfahrbaren Tasten! sehr witzig.

    Eine Leserempfehlung
  3. 3. Touch

    Ich habe einen Blackberry für meinen Job und ein Touchsmartphone für private Zwecke. Ich liebe meinen Blackberry, wenn es um das Schreiben von E-Mails geht! Egal wie lang, es funktioniert prächtig! Und ich hasse mein Touchsmartphone, wenn es um das Schreiben weniger Zeilen geht. Es ist die wahre Pest!

    • msch
    • 12. März 2013 9:29 Uhr
    4. Swype

    Da kann ich Swype für Android empfehlen. Damit schreibe ich schneller als mit einer Mini-Blackberry-Tastatur!

  4. ... ob das wirklich das ist was wir brauchen.

    Der Grund, warum eine echte Tastatur besser ist, als eine auf dem Touchscreen, ist, dass man nach dem Tippen einer Taste fühlen kann, ob man sie richtig erwischt hat, und zwar daran, dass man merkt, dass sie sich "sauber nach unten gedrückt" hat.

    Es ist also mehr die Reaktion der Taste auf den Druck als die Erhebung, die den Vorteil ausmacht. Und wenn ich es richtig verstehe, lassen sich diese neuen Tasten nicht herunterdrücken.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • oh.stv
    • 12. März 2013 16:41 Uhr

    Als meine Oma (ehemals Sekretärin) von meiner Mutter eine "moderne" Schreibmaschine geschenkt bekam, konnte sie überhaupt nichts damit anfangen, und hat schnell wieder zurück zur ihrer geliebten alten mechanischen Schreibmaschine gewechselt.
    Erklärung: kein wirkliches Feedback beim drücken der Tasten .... ;)

  5. Ich bin ja bei Tastaturen sehr pingelig, was den Druckpunkt angeht. Da gab es wiirklich zig Jahre so gar nichts am Markt, was für mich eine befriedigende Lösung darstellte - erst die "herausgelösten" Laptop-Keyboards funzten wieder so, wie es sein soll.

    Wider Erwarte hatte ich mit der virtuellen Tastatur am iPad überhaupt keine Probleme. Ein bisschen wenig Platz - und an die Umlaut-Treppe musste man sich auch gewöhnen -, aber im Prinzip konnte man alle Buchstaben präzise ansteuern.

    Wo zu dienen jetzt also diese seltsamen Zwitter-Tasten? Dazu, dass Blindschreiber besser die Ausgangsposition wiederfinden?

    • oh.stv
    • 12. März 2013 16:41 Uhr

    Als meine Oma (ehemals Sekretärin) von meiner Mutter eine "moderne" Schreibmaschine geschenkt bekam, konnte sie überhaupt nichts damit anfangen, und hat schnell wieder zurück zur ihrer geliebten alten mechanischen Schreibmaschine gewechselt.
    Erklärung: kein wirkliches Feedback beim drücken der Tasten .... ;)

    Antwort auf "Ich frage mich..."

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