Facebook HomeFacebook will zur Heimat werden

Facebook baut kein eigenes Handy, es kapert nun Androidgeräte. Wie ein Symbiont legt sich die Software Home über alles und macht aus dem Gerät einen Facebook-Fernseher.

Mark Zuckerberg bei der Vorstellung von "Home"

Mark Zuckerberg bei der Vorstellung von "Home"

Wer Facebook zum Mittelpunkt seines Lebens machen möchte, der kann das nun – solange er ein Android-Smartphone besitzt. Facebook hat am Donnerstag seine neue mobile Software namens Home vorgestellt, die aus Smartphones eine Art Facebook-Fernseher macht.

Das Leben der Menschen bestehe daraus, sich mit anderen zu verbinden und Dinge mit ihnen zu teilen, sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei der Produktshow. Bislang aber seien die wichtigsten Geräte dazu, Mobiltelefone, um Apps herum gebaut und unsere Beziehung zu Computern sei von Aufgaben geprägt gewesen. Dementsprechend zeige die Benutzeroberfläche einen Schreibtisch mit Ordnern und Apps. "Aber diese Geräte haben inzwischen einen ganz anderen Platz in unserem Leben, sie verbinden uns mit anderen Menschen." Nicht "mobile first" sei daher die neue Strategie von Facebook, sondern "people first", Menschen zuerst. Schließlich sei es doch widersinnig, immer erst auf irgendeine App klicken zu müssen, wenn man wissen wolle, was die eigenen Freunde schreiben oder tun.

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Bei Home ist der Name Programm. Ist die kostenlose Software installiert, zeigt der Homescreen der Geräte keine Apps und Werkzeuge mehr, er zeigt nur noch einen ständigen Strom von Facebook-Botschaften. Die sind dann bereits auf dem sogenannten Lockscreen zu sehen, also bevor das Gerät entsperrt wurde und der eigentliche Schreibtisch erscheint. Und sie können bedient werden; ein Doppelklick auf das Bild erzeugt sofort einen Like. Auch Kommentare sind in dieser Ebene bereits möglich.

Apps müssen sich unterordnen

Die Daten dafür werden im Hintergrund ständig aus dem Facebook-Newsfeed des Nutzers geladen. Wer keine Flatrate hat, sollte sich das Programm also besser nicht installieren.

Alle anderen Fähigkeiten des Gerätes ordnen sich den Bildern und Texten dieses Newsfeeds unter, die dann die gesamte Fläche des Schirms einnehmen. Damit steht eigentlich Facebook an erster Stelle, nicht die Menschen, aber das sagte Zuckerberg nicht.

Es ist sowieso offensichtlich. Facebook hat lange auf seine Website gesetzt, um Geld zu verdienen. Inzwischen aber verwenden mehr als die Hälfte aller Nutzer ein Mobiltelefon, um den Dienst zu nutzen. Zuckerberg hat daher die Entwicklung einer mobilen Seite zur Priorität erklärt. Denn nur wenn das Unternehmen auch mobil Geld verdient, kann es überleben. Home ist das Ergebnis.

Konkurrenz zu Google

Es ist kein neues Betriebssystem, aber es legt sich wie ein Tuch über alles andere. Die App-Oberfläche kann noch immer aufgerufen werden, sie ist nicht weg: Bei Home gibt es einen Knopf in Form des Profilbildes des Nutzers am unteren Rand des Schirms. Wer den berührt, der sieht ein Menü und kann darüber zu seinen Apps wechseln. Die werden damit zu einem Untermenü degradiert, die einstige App Facebook überlagert sie. Das Blau ist überall.

Kai Biermann
Kai Biermann

Kai Biermann ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Damit baut die Firma kein eigenes Handy, was lange vermutet wurde. Sie wandelt vielmehr Androidgeräte in Facebookhandys um. Das ist viel erfolgversprechender, als selbst Hardware zu verkaufen. Wobei der Hersteller HTC zeitgleich ein Gerät auf den Markt bringt, bei dem Home bereits installiert ist. Das HTC First gibt es in den USA beim Mobilfunkanbieter AT&T für 100 Dollar.

Möglich ist die tiefe Integration von Home dank der offenen Plattform Android. Besitzer Google wird es nicht gerne sehen, immerhin haben beide Firmen das gleiche Geschäftsmodell, wenn es um mobile Verbreitung geht: Nutzerdaten und Werbung.

Wie ein Symbiont setzt sich Facebook mit Home tief in Android fest und wird sicher viele Nutzer finden. Noch ist das Programm nur auf wenige Geräte beschränkt. Ab dem 12. April können es lediglich Besitzer eines HTC One X, eines HTC One X+, Samsung Galaxy S III und Galaxy Note II verwenden. Auch das neue HTC One und das Galaxy S4 können mit Home arbeiten, wenn sie auf den Markt kommen. Alle anderen Geräte werden noch nicht unterstützt, auch für Tablets kommt Home erst in einigen Monaten. Aber es wird sicher nicht lange dauern, bis viele Androidgeräte damit laufen. Monatlich will Facebook Updates herausbringen.

Leser-Kommentare
  1. verwandelt teure Oberklasse Smartphones in ein Tamagotchi ;)

    6 Leser-Empfehlungen
    • eras
    • 04.04.2013 um 23:55 Uhr

    ...Nervfaktor und der Erweiterung des Eingriffes in die Privatsphäre: Facebooks Android-App ist eine der verbuggtesten Anwendungen auf der Android-Plattform. Situation derzeit (siehe Bewertungen im Play-Store): Kommentare und Likes gehen verloren, man kann Kommentare nicht aus der App heraus editieren oder löschen, Bilder laden nicht, die App meldet ein fehlendes Netzwerk - obwohl die Verbindung wunderbar funktioniert, das ist ein Ressourcen- und Batteriefresser, etc, etc...

    Na, denen vertraue ich doch gerne und gebe ihnen die Kontrolle über große Teile der Benutzeroberfläche. Im Gegenzug bekomme ich dafür dann Werbebotschaften auf den Homescreen, die dann auch supertoll auf mich zugeschnitten sind, weil Facebook durch die Einbindung ins System bestens über meine Vorlieben Bescheid weiß.

    Hab gerade einen Kommentar gelesen, der passt. Sinngemäss:
    "Facebook 2013 = Microsoft um 2000"

  2. Schon klar ;-)

    Aber in iOS 6 ist Facebook doch auch fest und unremuvabel eingebaut oder nicht? Oder erinner ich mich da falsch? (Hab mein iPad dieses Jahr verkauft).

    Aber wie gesagt, solang ich das nicht nutzen muss, ist mir das auch nicht wichtig.

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    ...große Ahnung - ich mache lediglich einen großen Bogen um diese Firma ;-)

    Ich wußte gar nicht, daß das "FB-app" bei iOS (wie bei Android) auf "normalen" Weg nicht zu entfernen ist?
    Ich persönlich bin genervt, wenn sich auf meinen technischen Geräten Software "tummelt", die ich nicht loswerden kann - auch wenn ich sie nicht nutze.

    @Nr.44
    Mich nervt das "Google-Konto*" auch, aber meine Hoffnungen ruhen auf Ubuntu (und evtl. "Nachzüglern"), die ein "offenes System" für Smartphones "massenkombatibel" machen.
    Ich verwende keine cloud, synchronisiere nicht, usw.
    Mein bißchen "Datenkram" sichere ich von Hand.

    *Ich habe nur ein "Fake-Google-Konto" für das gelegentliche ziehen einer app - reingesehen hab ich den account noch nie. Beim nächsten "reset" gibts dann wieder ein neues Konto.
    Allerdings kann man sich die apps auch offline installieren - war ich aber bisher zu bequem...

    ...große Ahnung - ich mache lediglich einen großen Bogen um diese Firma ;-)

    Ich wußte gar nicht, daß das "FB-app" bei iOS (wie bei Android) auf "normalen" Weg nicht zu entfernen ist?
    Ich persönlich bin genervt, wenn sich auf meinen technischen Geräten Software "tummelt", die ich nicht loswerden kann - auch wenn ich sie nicht nutze.

    @Nr.44
    Mich nervt das "Google-Konto*" auch, aber meine Hoffnungen ruhen auf Ubuntu (und evtl. "Nachzüglern"), die ein "offenes System" für Smartphones "massenkombatibel" machen.
    Ich verwende keine cloud, synchronisiere nicht, usw.
    Mein bißchen "Datenkram" sichere ich von Hand.

    *Ich habe nur ein "Fake-Google-Konto" für das gelegentliche ziehen einer app - reingesehen hab ich den account noch nie. Beim nächsten "reset" gibts dann wieder ein neues Konto.
    Allerdings kann man sich die apps auch offline installieren - war ich aber bisher zu bequem...

    • hairy
    • 05.04.2013 um 0:11 Uhr

    Nur leider ist beim iPhone kaum anders, was die Tiefe der Eingriffe durch iOS in die Nutzerdaten angeht. Und das kann man nicht deinstallieren.

    3 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Bin ich froh..."
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    • caym
    • 05.04.2013 um 0:26 Uhr

    ... bin ja echt mal gespannt, ob es für Android dann nur noch die neue Version als App geben wird. Das wäre dann tatsächlich ein Grund, auf ein anderes Smartphone umzusteigen, oder? Klar - auf Facebook gänzlich zu verzichten ginge ja auch noch?

    Pest oder Cholera - Facebook oder doch nicht??? Vielleicht insgeheim eine Kooperation mit Apple, weil aufgrund des Eingriffs mehr Leute (mangels Alternativen) wieder auf iOS umsteigen?

    Gebt es doch zu: Auf FB verzichten - nee - aber wehe es greift in die Privatsphäre ein. Oder noch besser: individualisierte Werbung jetzt schon direkt nach einschalten des Tel. Da kann ich mich auch gleich bei RTL und Co. vor die Glotze setzen ... es bleibt spannend ...

    das es dort nicht um Werbung geht. Ich kann mich auch irren, aber bisher habe ich noch nicht gehört, dass Apple meine Daten verkauft.
    Der Unterschied zwischen Apple und facebook, google ist der, das Apple sein Geld durch seine Produkte verdient, google und facebook leben vom Verkauf meiner Daten an Dritte, die ich nicht bestimmen kann. Bei Apple muss ich vielleicht auch meine Daten hergeben, aber ich weiß, an wenn ich sie abgebe.
    Wenn ich ein iPhone kaufe, mal abgesehen davon, wie man zu den Betriebssystemen steht, bezahle ich auch für die Entwicklung der Software.
    Kaufe ich z.B. ein Samsung Galaxy bezahle ich die Hardware, aber nicht die Software, die wird nämlich von google kostenlos zur Verfügung gestellt. Damit die armen google Programmierer, aber nicht unter der Brücke schlafen müssen und sich auch mal ne Wurstsemmel kaufen können, muss das Geld auf anderen Wegen generiert werden.

    • Bashu
    • 05.04.2013 um 1:07 Uhr

    Seh ich genauso, Apple schnürt den User auch in ein enges und undurchsichtiges Korsett. Weil die das deutlich stilvoller machen und Hardware und Bedienung top sind zahlen die Leute gerne viel Geld für ihre Unfreiheit.

    Hab mal mit Apple's OS geliebäugelt weil's auch auf Unix basiert, aber nach ersten Erfahrungen mit mp3s und iTunes bleibe ich bei freier Software...

    • caym
    • 05.04.2013 um 0:26 Uhr

    ... bin ja echt mal gespannt, ob es für Android dann nur noch die neue Version als App geben wird. Das wäre dann tatsächlich ein Grund, auf ein anderes Smartphone umzusteigen, oder? Klar - auf Facebook gänzlich zu verzichten ginge ja auch noch?

    Pest oder Cholera - Facebook oder doch nicht??? Vielleicht insgeheim eine Kooperation mit Apple, weil aufgrund des Eingriffs mehr Leute (mangels Alternativen) wieder auf iOS umsteigen?

    Gebt es doch zu: Auf FB verzichten - nee - aber wehe es greift in die Privatsphäre ein. Oder noch besser: individualisierte Werbung jetzt schon direkt nach einschalten des Tel. Da kann ich mich auch gleich bei RTL und Co. vor die Glotze setzen ... es bleibt spannend ...

    das es dort nicht um Werbung geht. Ich kann mich auch irren, aber bisher habe ich noch nicht gehört, dass Apple meine Daten verkauft.
    Der Unterschied zwischen Apple und facebook, google ist der, das Apple sein Geld durch seine Produkte verdient, google und facebook leben vom Verkauf meiner Daten an Dritte, die ich nicht bestimmen kann. Bei Apple muss ich vielleicht auch meine Daten hergeben, aber ich weiß, an wenn ich sie abgebe.
    Wenn ich ein iPhone kaufe, mal abgesehen davon, wie man zu den Betriebssystemen steht, bezahle ich auch für die Entwicklung der Software.
    Kaufe ich z.B. ein Samsung Galaxy bezahle ich die Hardware, aber nicht die Software, die wird nämlich von google kostenlos zur Verfügung gestellt. Damit die armen google Programmierer, aber nicht unter der Brücke schlafen müssen und sich auch mal ne Wurstsemmel kaufen können, muss das Geld auf anderen Wegen generiert werden.

    • Bashu
    • 05.04.2013 um 1:07 Uhr

    Seh ich genauso, Apple schnürt den User auch in ein enges und undurchsichtiges Korsett. Weil die das deutlich stilvoller machen und Hardware und Bedienung top sind zahlen die Leute gerne viel Geld für ihre Unfreiheit.

    Hab mal mit Apple's OS geliebäugelt weil's auch auf Unix basiert, aber nach ersten Erfahrungen mit mp3s und iTunes bleibe ich bei freier Software...

  3. Big Brother.....

    2 Leser-Empfehlungen
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    Gegen den heutigen Stand der Überwachung und der Bevormundung von allen Seiten, erscheint mir 1984 (Big Brother) eher wie ein Kindergeburtstag… da sind wir doch schon (leider) weiter, oder?

    Gegen den heutigen Stand der Überwachung und der Bevormundung von allen Seiten, erscheint mir 1984 (Big Brother) eher wie ein Kindergeburtstag… da sind wir doch schon (leider) weiter, oder?

  4. "Mehr als hundert Mal am Tag würden wir auf den Schirm unserer Mobiltelefone schauen, sagte Zuckerberg. "

    ... ach! Wozu das denn? Gibt´s wen der das macht? Tatsächlich?

    3 Leser-Empfehlungen
    • 15thMD
    • 05.04.2013 um 0:22 Uhr

    "Dort sind eure ECHTEN Freunde..."

    Und wenn nein, warum haben Sie sich dann angemeldet?

    Antwort auf "Stalking-Plattform"
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    • Rowei
    • 05.04.2013 um 8:15 Uhr

    ...außer Werbetreibenden, Einsamen - und natürlich Zuckerberg?

    • Rowei
    • 05.04.2013 um 8:15 Uhr

    ...außer Werbetreibenden, Einsamen - und natürlich Zuckerberg?

    • caym
    • 05.04.2013 um 0:26 Uhr

    ... bin ja echt mal gespannt, ob es für Android dann nur noch die neue Version als App geben wird. Das wäre dann tatsächlich ein Grund, auf ein anderes Smartphone umzusteigen, oder? Klar - auf Facebook gänzlich zu verzichten ginge ja auch noch?

    Pest oder Cholera - Facebook oder doch nicht??? Vielleicht insgeheim eine Kooperation mit Apple, weil aufgrund des Eingriffs mehr Leute (mangels Alternativen) wieder auf iOS umsteigen?

    Gebt es doch zu: Auf FB verzichten - nee - aber wehe es greift in die Privatsphäre ein. Oder noch besser: individualisierte Werbung jetzt schon direkt nach einschalten des Tel. Da kann ich mich auch gleich bei RTL und Co. vor die Glotze setzen ... es bleibt spannend ...

    Antwort auf "Pest oder Cholera"

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