AndroidNeue Beschwerde gegen Google

Microsoft und andere Wettbewerber von Google haben eine weitere Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht: Google wolle mit Android das mobile Internet monopolisieren. von 

Google-Apps

Google-Apps auf einem Android-Smartphone  |  © Allison Joyce/Getty Images

Verschiedene Konkurrenten von Google haben bei der EU-Kommission erneut Beschwerde eingereicht. Dieselben Unternehmen, die Google schon wegen vermeintlicher Bevorteilung eigener Dienste in Suchergebnissen vorwarfen, haben es nun auch auf Googles Betriebssystem Android abgesehen.

FairSearch.org nennt sich die Gruppe von Unternehmen. Sie wirft Google vor, mit Android ein "Trojanisches Pferd" geschaffen zu haben, "um Partner hinters Licht zu führen, das mobile Geschäft zu monopolisieren und Nutzer-Daten zu kontrollieren", schreibt Thomas Vinje von FairSearch.org in einer Mitteilung vom Dienstag.

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So verlange Google von Smartphone- und Tablet-Herstellern, die beliebte Google-Apps wie Maps oder YouTube verwenden wollen, diese Apps zusammen mit einer ganzen Reihe anderer Google-Anwendungen prominent auf dem Gerät zu platzieren. Das benachteilige andere Anbieter und gebe Google die Kontrolle über Nutzerdaten in der Mehrheit aller derzeit verkauften Smartphones, heißt es in der Beschwerde.

Außerdem mache es Google anderen Anbietern von Betriebssystemen schwer, ihre Investitionen wieder hereinzuholen, indem es Android nicht kostendeckend verteile. Dadurch dominiere Android den Markt. Das Google-Betriebssystem hatte zuletzt einen Marktanteil von rund 70 Prozent im Smartphone-Geschäft und ist auch bei Tablet-Computern zunehmend erfolgreich.

Google soll Lösungsvorschläge machen

"Europas Verbraucher verdienen eine rigorose Untersuchung von Googles Praktiken im mobilen Markt und echten Schutz vor weiterem Missbrauch durch Google", schreibt Vinje. "Angesichts Googles bisheriger Ignoranz gegenüber dem Gesetz sollten Nutzer des mobilen Internets sehr besorgt sein."

Die Unternehmen um FairSearch.org werfen Google schon lange Wettbewerbsverletzungen vor. Zu ihrer ersten Beschwerde läuft seit November 2010 ein EU-Verfahren zum Suchmaschinengeschäft. Noch diese Woche solle Google Lösungsvorschläge einreichen, sagte der EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia der New York Times. Die Kommission will unter anderem erreichen, dass in Googles Suchergebnissen eigene Angebote des Konzerns klarer erkennbar sind. Konkurrenten wie etwa Reiseportale werfen Google vor, sie zugunsten eigener Dienste zu benachteiligen.

Almunia sagte, die Behörde habe Android bereits zusätzlich zur laufenden Untersuchung unter die Lupe genommen. Ob es nun ein separates Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission geben wird, ist noch nicht klar. Google hat auf eine Bitte zur Stellungnahme bislang nicht reagiert.

Microsoft muss selbst Bußgeld zahlen

Einziger Hardwarehersteller in der Fairsearch-Gruppe ist übrigens Nokia. Einziger Anbieter eines Betriebssystems ist Microsoft, das mit Windows Phone 8 um Marktanteile kämpft.

Microsoft ist gerade erst von der EU-Kommission zur Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 561 Millionen Euro verurteilt worden – wegen unfairer Geschäftspraktiken. Das Softwareunternehmen hatte es versäumt, den Nutzern von Windows 7 neben dem hauseigenen Internet Explorer verschiedene Browser von Konkurrenten anzubieten. Damit habe Microsoft seine Vormachtstellung auf dem Markt für Desktop-Betriebssysteme ausgenutzt, um Kunden zur Nutzung der eigenen Produkte zu zwingen.

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Leserkommentare
  1. wenn Ubuntu Phone raus ist.

    4 Leserempfehlungen
  2. Dann sollen Micro(schrott) Apple und konsorten eben eine ähnlich flexible Lösung auf den Markt bringen! Es gibt gute Gründe warum Android so beliebt ist :-)

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    • minhen
    • 09. April 2013 12:54 Uhr

    Apple hat nichts, aber auch rein gar nichts mit der Beschwerde gegen Google und Android zu tun. Im Gegenteil ist davon auszugehen, dass Apple mit der Marktentwicklung hoch zufrieden ist: Android deckt den Billlig-Markt ab und hat damit den größten Marktanteil, aber iPhone und iPad generieren die größten Umsätze in der Branche. Aus Apples Sicht (direkte Profite) ist also Apple der Gewinner und aus Googles Sicht (Marktanteil für Werbung) ist Google der Gewinner. Auf der Strecke bleiben Anbieter von Konkurrenz-Webseiten zu Google, wie ein Blick darauf zeigt, wer an der Klage beteiligt ist.

    ...das Symbian nicht mehr mithalten konnte, Blackberry in die Nische gedrängt wurde und Windows Phone zu lange mit dem Start gewartet hatte. Dadurch wurde der Bedarf einzig durch iOS und Android gedeckt, wobei Apple bis jetzt (!) eine Hochpreisstrategie gefahren hat und Android den ganzen Billigmarkt abgegrast hatte.
    Es mag zwar sein, dass Android flexibler ist als die Konkurrenz, dass aber als den Vorteil und den Beleg für den Erfolg von Android zu nennen, ist etwas kurzsichtig. Androids Erfolg schöpft sich aus den Misserfolg seiner Konkurrenten und dem von Apple getrennten Markt.

    • ach_ne
    • 09. April 2013 13:31 Uhr

    Ich habe Android und das System schmiert ständig ab. Wäre es ein Microsoftprodukt könnte sich das Unternehmen vor Häme nicht mehr retten...

    Alle reden immer von den tollen Einstellmöglichkeiten bei Android die es bei Windows Phone 8 angeblich nicht geben soll. Welche sind denn das, die es bei Windows Phone 8 nicht gibt? Interessiert mich wirklich, da ich Windows Phone 8 nicht kenne. Aber viele Kritiker scheinen ja schon ausgiebig verglichen zu haben.

    Die Klage ist auch gerechtfertigt. Warum soll Microsoft Strafen zahlen während Google davon kommt?

  3. Da beschweren sich die grössten Monopolisten der Welt darüber, dass Google auch ein Monopolist ist?

    Das nehme ich mal als Satire und freue mich des schönen Wetters!

    5 Leserempfehlungen
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    ... die nörgeln einfach mal rum, weil ein anderer tut, was sie selbst gern getan hätten ...
    Arme Tucktucks ...

    • malox
    • 09. April 2013 12:26 Uhr

    Verstehe ich das richtig?
    Microsoft beschwert sich über einem Mitanbieter, weil sie ein System billig verscheuern, um ein bestimmtes Marktsegment möglichst zu dominieren?

    Ich warte mit auf's Ubuntu-Phone....

    4 Leserempfehlungen
    • illyst
    • 09. April 2013 12:32 Uhr

    Geile Aussage.
    Ansich eine interessante Frage, kann man einem Unternehmen Monopolbildung vorwerfen nur weil seine Produkte die besseren/billigeren sind?

    Wir sind hier in einer ganz anderen Situation als Microsoft mit seinem Browserproblem. Microsoft versucht aktiv und durch Schmierung und Klage anderer eine Monopolstellung zu erreichen, Android erreicht sie passiv weil sie scheinbar das bessere Produkt haben.

    7 Leserempfehlungen
  4. 6. Warum?

    @2: Warum sollte Microsoft oder Apple das tun? Um Geld zu verdienen (mit ihren persönlichen Daten? oder mit der Arbeit anderer Leute - so wie Google das zu einem ganz wesentlichen Teil tut?) - oder um Ihnen zu gefallen? Ich verstehe nicht...
    Sie schreiben, dass es gute Gründe gibt, warum Android so beliebt ist - vielleicht erkundigen Sie sich noch mal bezüglich der Nutzerzufriedenheit und bezüglich Marktanteile - im Netz gibt es auch einiges an Daten, was mit welchen Systemen gemacht wird - wie viel Netztraffic beispielsweise von welchen Geräten erzeugt wird.
    Naja- etwas Polemik ist doch immer schön... ;-)

    • minhen
    • 09. April 2013 12:54 Uhr

    Apple hat nichts, aber auch rein gar nichts mit der Beschwerde gegen Google und Android zu tun. Im Gegenteil ist davon auszugehen, dass Apple mit der Marktentwicklung hoch zufrieden ist: Android deckt den Billlig-Markt ab und hat damit den größten Marktanteil, aber iPhone und iPad generieren die größten Umsätze in der Branche. Aus Apples Sicht (direkte Profite) ist also Apple der Gewinner und aus Googles Sicht (Marktanteil für Werbung) ist Google der Gewinner. Auf der Strecke bleiben Anbieter von Konkurrenz-Webseiten zu Google, wie ein Blick darauf zeigt, wer an der Klage beteiligt ist.

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    Antwort auf "Selber schuld"
  5. Wenn Google die Daten von Usern missbraucht und User manipuliert in dem es bestimmte Ergebnisse subjektiv positioniert ist das nicht wünschenswert.
    Nicht wünschenswert für die anderen Unternehmen die bei derzeitiger Marktlage nicht die Möglichkeit haben eben so dreist mit Userdaten umzugehen.
    Deshalb appellieren wir doch mal an die Moral unter einem scheinheiligen Namen wie Fairsearch.

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | Microsoft | EU-Kommission | Android | Nokia | Apps
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