Die Google-Brille Google Glass (mit Google-Glass-Chefdesignerin Isabelle Olsson) © Kimihiro Hoshino/AFP/GettyImages

Das Höchstgebot bei eBay lag bereits bei über 90.000 Dollar. Einer der ersten, die Google Glass für 1.500 Dollar erwerben konnten, wollte sein Exemplar direkt weiterverkaufen, um seine Studienschulden zu bezahlen. Doch dann machte ihn jemand auf Googles Nutzungsbedingungen aufmerksam. Darin behält sich das Unternehmen vor, die Datenbrille aus der Ferne zu deaktivieren, sollte der Käufer sie verleihen, verschenken oder weiterverkaufen. Weder der alte noch der neue Besitzer kann sie dann benutzen. Der Mann brach die Auktion ab.

Bestehen bleibt die Drohung eines Herstellers, ein Gerät komplett lahmzulegen, sobald jemand gegen die Nutzungsbedingungen verstößt. Nie wurde so deutlich, dass die Branche auch nach dem Verkauf eines Produktes die Kontrolle darüber behalten will.

In diesem Fall könnte es sich um eine vorübergehende Einschränkung handeln. Denn derzeit erhalten nur einige ausgewählte Bewerber ihre Google-Brille. "Explorer Edition" heißt die Version, es ist ausdrücklich ein Beta-Produkt. Die ersten Käufer sind also Versuchskaninchen. Google will sehen, wie und wozu Google Glass im Alltag benutzt wird. Unter den "Explorern" befinden sich zahlreiche Prominente, die ihre Erfahrungen auch in sozialen Netzwerken teilen und damit Werbung für das Produkt machen dürften. Das Explorer-Programm ist Teil der Google-Strategie, mit der das Produkt auf die Menschen und die Menschen auf das Produkt vorbereitet werden sollen. Diesen Prozess will Google offenbar weitgehend steuern können, insofern ist der Passus in den Nutzungsbedingungen nachvollziehbar.

Bislang hat Google aber nichts dazu gesagt, ob die Nutzungsbedingungen gelockert werden, sobald Google Glass regulär verkauft wird. Auf eine entsprechende Anfrage von Wired antwortete das Unternehmen nicht.

Technisch möglich wäre es für Google auch in Zukunft, das Gerät aus der Ferne zu deaktivieren. Denn sinnvoll nutzen lässt sich Glass nur mit einem eigenen Google-Konto. Wird die Brille verliehen oder weiterverkauft, muss ein anderes Konto mit ihr verknüpft werden. Google würde das mitbekommen – und könnte dann reagieren.

Einfluss auf Inhalte

Diese Personalisierung ist auch bei anderen Unternehmen der Hebel, mit dem sie sich den Einfluss auf ihre Produkte dauerhaft sichern. Bekanntestes Beispiel ist Amazon, das vor drei Jahren ausgerechnet den Roman 1984 von George Orwell ohne Vorwarnung von den E-Readern seiner Kunden löschte, weil es die Rechte für den elektronischen Vertrieb nicht hatte. Jeder Kindle-Reader ist mit einem Amazon-Konto verknüpft, das Unternehmen wusste also, welche Kunden das E-Book heruntergeladen hatten. Und über die Synchronisationsfunktion konnte Amazon die Bücher von den E-Readern wieder entfernen.

Fälle wie dieser, aber auch Eingriffe von Apple in die Musiksammlung seiner Kunden, betrafen nur die Inhalte für ein Gerät. Ob E-Books oder Musikdateien, Käufer erwerben für solche Inhalte meist nur Nutzungslizenzen, die mit Einschränkungen verbunden sind. Verbraucherschützer fordern da mehr Freiheit für die Käufer.

Grundsätzlich können Unternehmen wie Google oder Apple über erzwungene Software-Updates auch die Funktionen eines Geräts beeinflussen, eben weil sie Hersteller der Software sind.