Datenbrille : Google Glass ist kein Kinderspielzeug

Google hat erste technische Details der Datenbrille Glass veröffentlicht. Die Vorserienmodelle können schon eine ganze Menge, sind aber nichts für Kinder unter 13 Jahren.
Google Glass bei der Vorstellung der Explorer Edition 2012 © KIMIHIRO HOSHINO/AFP/GettyImages

Bislang war Google Glass kaum mehr als eine Idee, ein Konzept. Es gab ein paar Videos davon und ein paar Berichte mehr oder weniger begeisterter Tester. Nun hat Google die technischen Spezifikationen, die Programmierschnittstelle (API) und die dazugehörige Android-App veröffentlicht. Das Bild, was Google Glass ist und kann, wird damit klarer.

Die Einzelheiten klingen im Vergleich zu derzeitigen Smartphones nicht unbedingt beeindruckend. Doch für eine schmale Brille, die Filme und Fotos macht und Daten speichert, ist es erstaunlich. Ihr Flash-Speicher wird demnach 16 Gigabyte groß sein, wobei zwölf Gigabyte davon dem Nutzer zur Verfügung stehen.

Die Kamera hat laut Google eine Auflösung von fünf Megapixeln, wenn sie Fotos schießt, oder 720p bei Videos, was der kleinsten HD-Auflösung entspricht. Angezeigt werden Bilder über einen winzigen Beamer, der sein Licht in ein Prisma vor dem Auge schickt. Zur Bildqualität gibt Google lediglich an, sie sei genauso gut, als würde man in acht Fuß (2,4 Meter) Entfernung vor einem 25 Zoll (63 Zentimeter) großen HD-Schirm stehen.

Ohne App funktioniert es nicht

Funken kann das Gerät über Bluetooth und über WLAN. Die Verbindung zum Smartphone stellt dabei die App namens MyGlass her. Die App braucht es, um die Brille in Betrieb zu nehmen und umgekehrt. Die Funktionen der App zeigen den Funktionsumfang der Brille. Sie wird demnach eingesetzt, um GPS-Daten vom Smartphone an die Brille zu übertragen, um eine Internetverbindung herzustellen, um SMS zu verschicken oder um zu telefonieren. Das Telefon braucht als Betriebssystem mindestens Android 4.0.3, genannt Ice Cream Sandwich.

Bislang unbekannt war der Weg, wie Glass Töne überträgt. Nun ist klar: Nutzer brauchen keine Kopfhörer, um etwa Musik oder den Ton eines Videos zu hören. Die Geräusche werden über Vibrationen direkt an den Schädelknochen geleitet, also über den sogenannten Knochenschall. Bislang wird das Verfahren vor allem bei Hörgeräten verwendet.

Der in der Brille installierte Akku soll laut Google einen Tag typische Nutzung überstehen. Wobei auf der Seite die Warnung steht, dass Videoverbindungen wie sogenannte Hangouts und Videoaufnahmen mehr Strom verbrauchen und den Akku schneller leeren. Geladen wird er über ein mitgeliefertes Ladegerät mit Mikro-USB-Anschluss. Brille und Ladegerät seien aufeinander abgestimmt und füreinander gebaut, warnt Google. Andere USB-Ladegeräte sollten also offenbar nicht verwendet werden.

Sehentwicklung kann beeinträchtigt werden

Außerdem hat der Konzern ein kurzes FAQ zu Glass veröffentlicht. Eher scherzhaft beantwortet es Fragen nach der Haltbarkeit. Tauchen sollte man damit demnach nicht, auch ein Presslufthammer oder sportliche Tätigkeiten seien nicht unbedingt gut für die Brille und die Gesundheit des Trägers. Außerdem gibt es den eher ernsten Hinweis, dass Kinder unter 13 Jahren die Brille nicht benutzen sollten, da sie ihre Sehentwicklung beeinträchtigen könne. Auch wer seine Augen mit einem Laser hat operieren lassen, sollte Glass nicht unbedingt aufsetzen.

Sämtliche Daten beziehen sich auf das sogenannte Explorer-Modell, eine Art Vorserie. Bei der Google-Entwicklerkonferenz 2012 konnten sich Teilnehmer dafür registrieren, wenn sie bereit waren, 1.500 Dollar zu zahlen. In kurzer Zeit meldeten sich 2.000 Menschen. Sie werden nun ihre Datenbrillen bekommen, die Auslieferung soll bald beginnen, wie das Technikblog Mashable schreibt.

Allerdings hat Google bislang noch nicht alle 2.000 Exemplare produziert. Sie würden daher in Chargen ausgeliefert, sobald welche fertig seien, zitiert das Blog aus einem Brief Googles an die Tester. Wann genau, erfährt jeder Käufer per Mail.

Ob und wie das Serienmodell später von diesen Daten abweichen wird, ist nicht klar. Gerüchte gab es bisher nur zum endgültigen Preis. Der soll deutlich niedriger sein als der für das Entwicklermodell.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

41 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren