SmartphonesDas übernächste iPhone nimmt keiner mehr in die Hand

"Wearables" – Computer in Uhren und Brillen – werden das nächste große Ding, glauben Hersteller und Analysten. Die Rolle des Smartphones wird sich ändern. von 

Sony SmartWatch

Sogenannte "Wearables" wie die SmartWatch von Sony stehen vor dem Durchbruch, glauben Analysten.  |  © JOSEP LAGO/AFP/Getty Images

Smartphones sind langweilig. Sie werden leistungsstärker, ihre Displays brillanter, und die Auswahl an Apps wird gewaltiger. Gleichzeitig werden sie sich immer ähnlicher. Ein Blackberry Z10 sieht aus wie ein iPhone 5, und beide sehen aus wie alles, was LG unter dem Sammelnamen Optimus verkauft. Auch das nächste iPhone, das nach Informationen des Wall Street Journal ein iPhone 5S sein wird und im Sommer auf den Markt kommt, wird mit seinem Design und seinen Funktionen niemanden überraschen.

21 Jahre nachdem mit IBMs Simon das erste Smartphone mit berührungsempfindlichem Bildschirm auf den Markt kam, herrscht weitgehende Einigkeit darüber, wie ein solches Gerät auszusehen hat und was es können muss. Doch was ist mit der nächsten Generation mobiler Computer? Noch im Laufe des Jahres werden einige Elektronikkonzerne die ersten wirklich spektakulären Geräte auf den Markt bringen. "Wearables" heißen diese Rechner, die wie Kleidung oder Accessoires am Körper getragen werden. "Wir glauben, dass Wearables die nächste Wachstums- und Innovationswelle in diesem Segment tragen werden", sagt Sarah Rotman Epps, eine Analystin beim Marktforschungsunternehmen Forrester Research, die sich seit Jahren mit den tragbaren Kleincomputern beschäftigt.

Anzeige

Zwei Konzepte stehen vorerst im Mittelpunkt: Brillen und Armbanduhren. Google treibt sein Projekt Glass voran und will die Brille angeblich schon bald industriell in Kalifornien fertigen lassen. Die ganze Branche erwartet zudem, dass Apple demnächst eine iWatch genannte smarte Uhr präsentieren wird.

Solche Konzepte sind nicht neu. Sony nennt es SmartWatch und verkauft das erste Modell seit dem vergangenen Jahr für rund 100 Euro. Trotzdem ist die Uhr, genau wie die Armband-Accessoires von Nike oder Pebble, bislang ein Nischenprodukt. Apple könnte mit einem innovativen Design und neuartigen Funktionen dafür sorgen, dass ein Massenmarkt entsteht.

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Vom Potenzial der Smartwatch sind jedenfalls auch andere überzeugt: Samsung hat bereits verkündet, an einer solchen Uhr zu arbeiten, und Google hat zumindest einen Patentantrag für eine Smartwatch eingereicht. Apple wiederum hat – ebenso wie Sony, Olympus und andere – Ideen und Pläne, die auf eine Computerbrille hindeuten, wie sie Google derzeit entwickelt.

Wearables werden Smartphones nicht ersetzen, sie aber zu Taschencomputern degradieren. Sie selbst sind zu klein, um Platz für einen Akku bieten zu können, deshalb müssen energieintensive Rechenprozesse ausgelagert werden. Am besten könnten dies eben Smartphones übernehmen, sie verfügen über reichlich Rechenleistung und vergleichsweise große Akkus gleichermaßen: Sonys SmartWatch etwa braucht ein Smartphone im Hintergrund, die Brille MEG 4.0 von Olympus ebenso. Auch eine iWatch von Apple könnte eher eine Ergänzung des iPhones sein als ein komplett eigenständiges Gerät. Verbunden werden die beiden drahtlos durch Bluetooth-Technologie.

Trotz dieser Beschränkungen können Wearables die Welt der tragbaren Computer verändern. Denn eines haben sie dem Smartphone voraus: Ihre Besitzer müssen sie nicht mehr aus der Tasche ziehen, entsperren, die gewünschte App starten und den Bildschirm vors Gesicht halten, um sie zu benutzen. Das gilt für eine Brille wie Google Glass noch mehr als für eine Armbanduhr. Diese Vorstellung elektrisiert Entwickler, Forscher, Analysten und Technik-Blogger. "Man kann die Bedeutung dieser neuen Geräte kaum überbewerten, weil sie völlig neue Daten über unseren Körper und unsere Umgebung generieren werden, zu denen wir bislang keinen Zugang hatten", sagt Analystin Sarah Rotman Epps.

Mark Rolston, Kreativchef beim Unternehmen frog design, das einst die erste Funkarmbanduhr der Welt entwarf, sieht das ähnlich. "So wie wir heute unsere Smartphones bedienen, so bedienen wir unsere Computer zu Hause im Prinzip seit 30 Jahren", sagt er. "Sie fordern unsere Aufmerksamkeit. Aber der nächste echte Innovationsschritt wird sein, die Bedienung zu sehr viel subtileren Interaktionen mit der Technik zu machen, die uns nicht mehr so aus dem Alltag reißen." Rolstons aktueller Lieblingssatz lautet: We are taking computers out of computing.

Leserkommentare
    • porph
    • 03. April 2013 19:24 Uhr

    OK, die Brille lasse ich mir einreden. Betrachten wir es mal rational. Natürlich, heute würde man sofort als Über-Nerd gebrandmarkt, wenn man mit so einem Ding herumläuft. Da Nerds "uncool" sind, will das niemand. Allerdings wird die soziale Akzeptanz dieser Art von Brille einem Bedeutungswandel unterliegen, so wie es bislang fast alles tat, was mal "nerdig" und damit sozial inakzeptabel war. Und das Konzept ist einfach zu genial: praktisch unbegrenzte bzw. einfach "perfekte" theoretische Bildschirmgröße (da das ganze Sichtfeld gefüllt werden kann), Niemals im Weg, "hands-free" Bedienung, und so weiter. Klar wird man an der Umsetzung feilen, aber die Brille wird kommen, da bin ich mir sicher.

    Aber die Uhr? Im Vergleich der Konzepte einfach das durchweg schlechtere. Man schaut immernoch auf einen Gegenstand mit kleinem Display hinab, nur ist dieser nun am Arm befestigt, und NOCH kleiner als der des Smartphones. Die Uhr würde daher schon konzeptionell höchstens als Ergänzung zu einem bestehenden Gerät funktionieren, dafür ist die Nutzerfreundlichkeit bei der zu erwartenden Größe einfach nicht gegeben.

    Ein zweiter wichtiger Aspekt, der gegen das Uhr-Konzept spricht: Die Menschen würden dafür vermutlich ihre bisherige Armbanduhr (so sie eine haben) aufgeben "müssen", da eine Koexistenz unpraktisch wäre. Allerdings gibt es viele Menschen, die ihre Armbanduhr sehr schätzen, für manche ist sie gar ein Statussymbol. Ein Abschaffen der Armbanduhr wäre daher eher unwahrscheinlich.

    11 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Stimmt nicht, das glauben nur die Hersteller. Die Analysten denken, dass das Armband ein Renner wird, aber dass die Brille kalter Kaffee ist.

    • csuess
    • 03. April 2013 21:23 Uhr

    ... mir geht's umgekehrt – Uhr ja, Brille nein. Aber ich trage auch ein Nasenmöbel, das ich ungern tauschen würde ;-). Geht mit der Uhr besser: links Rolex, rechts Applesung ...
    Und ich habe Ideen zur Uhr gesehen (alles Fantastereien im weltweiten Netz, in denen mal ein paar praktische Aspekte durchgespielt werden), die mich persönlich begeistern.
    Wir werden sehen ... Wir sind ja erst ganz am Anfang.

    Schöne Grüße

    • illyst
    • 03. April 2013 21:33 Uhr

    Glühbirnenprinzip, was schneller kaputt geht wird öfter gekauft. Womit stößt man öfter an, mit dem Gesicht oder mit dem Handgelenk? Würd mich nicht wundern wenn das ein Entwicklungsargument ist.

    Allerdings wenn es die Brille mit passender Sehstärke geben wird, das wird ein Renner, erst recht wenn man Anrufe mit Kopfschütteln ablehnen kann.

    Was den Praxis-Faktor betrifft, gebe ich Ihnen recht. Wenn die Uhr-Variante auch mit einem Touchscreen ausgestattet ist, wird die Bedienung wohl zur Nervenprobe (bei der Brille frage ich mich, wie man die bedient... indem man zu ihr spricht?). Aber ich könnte mit beiden Versionen nichts anfangen, einen Punkt haben Sie schon angeschnitten: ich trage gern Armbanduhren, und zwar, was bedeutend ist: verschiedene Modelle. Außerdem trage ich (meistens) eine Brille. Gegen beide Gadgets, Brille wie Armband, hätte ich also schon aus ästhetischen Gründen Einwände. Die soziale Akzeptanz wird sich womöglich steigern. Ich kann mich auch noch an die Zeit in meiner Jugend erinnern, als Handys absolut uncool waren!

    Wenn die Uhr über das Smartphone mit meinem Auto verbunden ist, kann ich doch so schön Night Rider spielen. Ich seh mich schon in dei Uhr sagen "Kitt? Wo bist du, Kumpel?" und blink, blink, hup, hup meldet sich meine Möhre auf dem Supermarktparkplatz :-)

    "nerdig" so als Ausdruck zu verwenden, für etwas das jetzt deiner Beschreibung entspricht, aber sich die Leute in Zukunft daran gewöhnt haben werden und einen kommenden Bedeutungswandel vorauszusagen, ist doch ein wenig wage.
    Ich kann dir auch garantieren, dass eine Brille und auch die "Uhr" kommen wird bzw. schon da ist.

  1. "Diese Vorstellung elektrisiert Entwickler, Forscher, Analysten und Technik-Blogger."

    ... einer weltentrückten Machbar-machen-wir-Mentalität. Auch ein Grund, warum sich die Welt des Menschen nicht erholt. Fortschrittsgläbigkeit gepaart mit geistlosem Spieltrieb volljähriger Kinder, als nächstes schrauben wir uns dann Microantennen ins Hirn, damit das daueronline ist. Als würde die Welt dadurch irgendwie qualitätvoller. Nein: der Konsument sich gern freiwillig nackig wenn er mit unsinnigen Gimmicks ver"appelt" wird aber damit modern wirkt. Und dabei übersieht er, wie er selbst das Spielzeug wirtschaftlicher Interessen wird. Aber nur bitte keine Volkszählung.

    Ach nein? Stimmt 0,003 Promille der Käufer werden einen sinnstifdenden Nutzen daraus ziehen. Na dann ... auf ins Spieltriebvergnügen.

    18 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    .. Sie da demonstrieren, sitzplatzaus!

    Fortschrittsgläbigkeit gepaart mit geistlosem Spieltrieb volljähriger Kinder

    "Probieren was geht" liegt nicht nur in der Natur des Menschen, sondern sogar in der Natur selbst, und nennt sich Evolution. Mutation und Selektion. Was sich als vorteilhaft erweist, behält man bei. Auch Fehlentwicklungen und gescheiterte Projekte tragen zum Fortschritt bei: hier war die Idee entweder schlicht disfunktional, oder die Zeit war noch nicht reif dafür.

    Noch hat der technische Fortschritt die Menschheit öfters gerettet als zerstört - sonst gäbe es wohl kaum bald 10 Milliarden Menschen auf diesem Planeten.

    Ohne den geistlosen Spieltrieb volljähriger Kinder würden Sie heute keinen Kommentar auf einer Webseite abgeben können, sondern müssten bestenfalls ihren Acker bestellen und mit Rindern pflügen!

    Das MIT arbeitet seit den 80ern an Wearables, und fast ebensolange warte ich auf den Durchbruch. Die englische Wikipedia-Seite listet einen tragbaren Abacus aus 1600 als ersten "Wearable".
    Der technische Fortschritt hat uns inzwischen eine Miniaturisierung und Leistungsfähigkeit moderner Kleinstcomputer beschert, der die Zeit nun reif erscheinen lässt für ganz neue, früher undenkbare Produkte und Workflows.

    als nächstes schrauben wir uns dann Microantennen ins Hirn, damit das daueronline ist. Als würde die Welt dadurch irgendwie qualitätvoller.

    Mit Ihrem "Maß für Qualität der Welt" würden die Menschen heute noch auf Bäumen sitzen.

    • va
    • 03. April 2013 19:56 Uhr

    Der nächste Schritt wäre doch, alles das was solche Maschinen produzieren, einem wie immer gertetem "Big-Brother" zu übermitteln. Die Super-Computer die bereits existieren müssen ja irgenwie gefüttert werden.

    2 Leserempfehlungen
  2. chipsatz auf den cortex,3d micro beamer in die linse + intuitiver neuroligiescher bedienung....

    arnbanduhr,brille....gäähn

    2 Leserempfehlungen
  3. generell keine Uhren :( so Dinge am Handgelenk, echt unangenehm...

    6 Leserempfehlungen
  4. folgenden Filmbeitrag sehr sehr ans Herz legen!

    Google und die Macht des Wissens
    http://videos.arte.tv/de/...

    Noch 7 Wochen bei Arte in der Mediathek. Es zeigt auf, wo die Reise hin geht. Internet und Realität werden verschmelzen, menschlicher Körper und Devices zusehends auch, siehe Artikel. Mit etwas Sorge betrachte ich, das ganz wenige große Player, wie Google, Apple, Amazon und Facebook eine gravierende rolle spielen werden. Börsennotierte Unternehmen.

    Beste Grüße
    FSonntag

    4 Leserempfehlungen
    • Lyaran
    • 03. April 2013 20:35 Uhr

    Ich stimme zwar dem vorherigen Kommentar zu dass die Brille wahrscheinlicher ist als die Uhr, sollte sich eins von beidem durchsetzen, aber der resultierende Nutzen scheint mir gering.
    Als Interaktion kommt mir im Moment nur die Sprachsteuerung in Frage. Die müsste aber an den Nutzer angepasst sein sodass Aussagen umstehender nicht umgesetzt werden. Und woher soll das Gerät wissen das ich mit ihm komunizieren will und nicht mit meinem Gegenüber?
    Und der Nutzen? Augmented Reality wäre eine Sache. Die Überlagerung von Daten auf optische Objekte, dazu müsste jedoch die Fokusierung erfasst werden, die Entfernung und Richtung berechnet und daraus das gewünschte Objekt erfasst werden. Ob das in naher Zukunft möglich ist? Dazu noch die Energieversorgung für das Display damit deises nicht in kurzer Zeit den Geist aufgibt.
    Meiner Meinung nach stehen da noch einige Probleme im Weg.
    Und dann gibt es natürlich noch die Probleme die allgemein durch die Nutzung solcher Geräte auftauchen. Also permanente Aufnahmemöglichkeit, permanente Ortung usw.

    Eine Leserempfehlung
  5. schon komisch wie das auseinanderdriftet - die Fernseher werden immer gigantischer, während der Kommunikationskram immer mehr schrumpft.

    Da seh ich sie doch schon vor mir: Du weisst nie, quatscht der dich jetzt an oder in sein Handgelenk rein. Oder die zombiemässig vor sich hinglotzenden Brillenträger, die sich gerade irgendeinen Film reinziehen, während man glaubt, der schaut auf dich. Kafkaesk das alles,

    Vielleicht wird der übernächste Schritt dann wieder erträglicher: Wenn man sich das Ding grad mal ans Hirn halten und die Gedanken - oder was man dafür hält - ohne Umweg über das Mundwerk gleich so in die Uhr reinquellen lassen kann - ja! dann wirds wenigstens wieder ruhiger in Bus und Bahn und überhaupt ...

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Dabei hat es eine Weile so ausgesehen, als würden Mobiltelefone irgendwann so klein, dass man sie beim Telefonieren versehentlich verschlucken könnte. Mit den Smartphones sind die dann wieder größer geworden. Einige neue Modelle sind beinahe so groß dass man sie nicht mehr in die Hosentasche stecken kann.
    Von wegen ins Handgelenk reinquatschen: da kommt auf der Straße Einer auf dich zu, quatscht irgendwie okkult vor sich hin und du fragst dich ob er gleich ein Küchenmesser rausholt und 17 mal auf dich einsticht, aber halt - die erleichternde Erkenntnis: er telefoniert mit Freisprech...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | Sony | Apple | Akku | Apps | Brille
Service