SmartphonesDie Mensch-Maschine

Forscher entwickeln die nächste Generation mobiler Geräte, vor allem mit neuen Techniken für Bildschirme und Sensoren. Smartphone und Körper rücken so enger zusammen. von Peter Zschunke

Bionische Hand, die am Insititut für Biorobitk an der italienischen Universität St. Anna in Pisa entwickelt wird.

Bionische Hand, die am Insititut für Biorobitk an der italienischen Universität St. Anna in Pisa entwickelt wird.  |  © FABIO MUZZI/AFP/GettyImages

Displays zum Ausklappen und mit 3D-Anzeige, Sensoren und Sim-Karte am Körper: Wissenschaftler forschen an Konzepten zum Handy der Zukunft. Auf einer Konferenz in Paris über die Computer Human Interaction (CHI) und der Fachmesse DisplayWeek in Vancouver stellten sie kürzlich ihre Ergebnisse vor. Dabei zeigt sich: Der am Brillenrahmen montierte Miniaturcomputer Google Glass ist nur eines von vielen Konzepten.

"Ich gratuliere Google dazu, dass sie in die Zukunft vorgeprescht sind, der Rest der Branche ist da etwas konservativer", sagt der am Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam forschende Informatiker Patrick Baudisch. Die große Frage sei, ob sich das Google-Angebot in dieser Form gesellschaftlich durchsetzen könne. "Als Wissenschaftler bin ich begeistert davon, aber am Ende werden die Verbraucher entscheiden."

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Etwas skeptischer blickt der Darmstädter Informatiker Max Mühlhäuser auf die interaktive Google-Brille. Ein Grund: Zurzeit sei das Smartphone zwar noch zumeist ein ganz persönliches Gerät. Für die nächste Generation aber werde das Teilen wichtiger, die gemeinsame Erfahrung von Informationen aus dem Netz.

Dafür ist das größere Display besser geeignet als ein Miniaturbildschirm vor dem eigenen Auge. "Wenn man das Handy nicht benutzt, hätte man es gern kleiner, wenn man es benutzt und Informationen auf dem Bildschirm lesen will, gern größer", sagt Mühlhäuser. "Dieses Problem lässt sich lösen mit klappbaren, faltbaren und rollbaren Displays." 

Solche Bildschirme waren in verschiedenen Größen auf der Fachmesse DisplayWeek im kanadischen Vancouver zu sehen, von Herstellern wie Samsung, Sharp oder LG Electronics. In der Regel sind das flexible Displays mit organischen Leuchtdioden (OLED).

Jede Oberfläche wird zum Display

Die Darmstädter Forscher gehen aber einen anderen Weg. "Wir haben ein Labor aufgebaut, in dem wir beliebige dumme Plastikfolien in ein Display verwandeln können, indem wir Marker aufbringen, die von einem Tracking-System erkannt werden", sagt Mühlhäuser. "Das optische Tracking-System erkennt, wie und wo wir die Folie halten und steuert mehrere Beamer an, sodass der genau richtige Ausschnitt in korrekter Verzerrung auf die Folie projiziert wird. Der Nutzer hat dann das Gefühl, ein Display vor sich zu haben.

"In einem nächsten Schritt kann der Bildschirm ganz verschwinden – wenn nämlich die jeweilige Umgebung interaktiv wird. Mit Hilfe von Mini-Projektoren und einer Tiefenkamera kann man die Mails auf einem Blatt Papier lesen oder mit der Drehung einer Kaffeetasse durch eine Bildergalerie blättern, deren Fotos an die Wand geworfen werden. "Pico-Projektoren mit einer Tiefenkamera sind ein interessanter Ansatz, um die Alltagsumgebung in eine interaktive Umgebung zu verwandeln", sagt Mühlhäuser.

Wenn das Handy seine Umgebung immer besser erkennt, entstehen ganz neue Möglichkeiten für die Bereitstellung von Informationen, die zu der jeweiligen Situation passen. "Das Handy der Zukunft wird sehen können", so Mühlhäuser. "Es wird die reale Umgebung in ihren Bestandteilen verstehen und dreidimensional mit Informationen überlagern." Bis dahin seien aber noch etwa fünfzehn Jahre Forschung nötig.

Das Handy wird, so erwarten die Wissenschaftler, immer mehr an den Körper heranrücken. Baudisch stellte auf der CHI-Konferenz in Paris ein Feedback-System vor, bei dem jeweils zwei Elektroden an die Unterarme angeschlossen werden.

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    • Schlagworte Google | Bluetooth | Körper | LG Electronics | Samsung | Sharp
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