GoogleGoogle Glass, die Pornobrille

Erste Testnutzer sind skeptisch, was die künftige Verbreitung der Datenbrille Glass angeht. Die Pornobranche hingegen kann es kaum erwarten, das Ding einzusetzen. von 

Bei der Google-Entwicklerkonferenz I/O probiert eine Besucherin Glass aus.

Bei der Google-Entwicklerkonferenz I/O probiert eine Besucherin Glass aus.  |  © Justin Sullivan/Getty Images

Die Pornoindustrie ist wahrscheinlich eine der schnellsten, wenn es darum geht, technische Neuerungen zu adaptieren. Oder wie es das Magazin Time in schön knappem Englisch formuliert: "Where there's innovation, there's porn." So wird es niemanden wundern, dass erste Pornoproduzenten darüber nachdenken, wie sie Google Glass nutzen können.

ZDNet berichtet, der erste Hersteller arbeite an einer App, um Trägern der Brille über deren Bildschirm Pornos zu zeigen. Auch darüber, was mit Google Glass sonst noch alles möglich ist, macht er sich Gedanken.

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Mikandi ist eine Firma, die Porno-Apps programmiert und vertreibt. Im Firmenblog schreibt das Unternehmen, man habe ein Exemplar der Datenbrille bekommen und könne es kaum erwarten, damit zu arbeiten. Selbstverständlich habe man sofort nach Pornos gesucht, noch aber gebe es keine, die Glass zeigen könne. Das wolle man schnell ändern.

Nach eigener Aussage entwickelt das Unternehmen gerade eine App, um "Erwachsenenfilme" auf Glass verfügbar zu machen. Offensichtlich träumt es von einer großen Zukunft: "Wie großartig wird es sein, wenn man sich in den Glass-Videostream seines Lieblingspornostars einklinken kann?", fragt Mikandi. Oder was wäre, wenn Geräte wie Glass mit Sexspielzeugen kommunizieren könnten?

Google hat natürlich die Möglichkeit, entsprechende Apps nicht zu seinem PlayStore zuzulassen. Das aber wird die Hersteller nicht davon abhalten, die Datenbrille zu nutzen. Denn die Hauptfunktion von Glass, das unkomplizierte Aufzeichnen von Videos und Fotos, ist für die Pornobranche sicher interessant. Das Silicon Valley Business Journal ist sogar überzeugt, dass Glass die Pornographie für immer verändern wird.

Mieses Image

Das Image der Brille wird dadurch nicht besser. Schon jetzt gibt es viele Menschen, die sich davor fürchten, unbemerkt gefilmt zu werden. Der Technikjournalist David Pogue schrieb gerade in Scientific American, wie unangenehm es ihm war, einer Trägerin von Glass gegenüber zu stehen. Man wisse einfach nicht mehr, ob man gerade gefilmt werde oder nicht. Das aber verletze ein ungeschriebenes Gesetz des Zusammenlebens.

Amerikanische Kasinos beispielsweise haben Google Glass bereits komplett verboten. Jene, die die Brille tragen, werden inzwischen auch schon "Glassholes" genannt, eine Vermengung von Glass und arsehole, englisch für Arschloch. 

Preeti Upadhyaya, die Autorin des Textes im Business Journal, rät: Wer nicht wolle, dass private Sexvideos von ihm im Internet auftauchten, solle Glass aus dem Schlafzimmer verbannen.

Vielleicht wird es soweit nicht kommen. Pogue zumindest schreibt, der Brille könne das Schicksal des Segway drohen – funktioniert, ist aber total uncool. Träte das ein, würden sie wohl nicht einmal Porno-Stars tragen wollen.

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Leserkommentare
  1. ... wäre es doch, erst einmal eine neben der Kamera hart mit ihr zu verknüpfen, die leuchtet, wenn die Kamera aufzeichnet. Natürlich nicht perfekt, weil prinzipiell umgeh- oder modifizierbar. Aber letztlich kauft das Zeit, an einer definitiven Lösung zu arbeiten.

    Ansonsten ist es doch eine offensichtliche Anwendung der Datenbrille. Und ganz ehrlich, er wollte das Ding denn im Schlafzimmer tragen?

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  2. "Das Image der Brille wird dadurch nicht besser. Schon jetzt gibt es viele Menschen, die sich davor fürchten, unbemerkt gefilmt zu werden"

    Schon jetzt gibt es in Deutschland ca. 1% Menschen, die überhaupt wissen, was Google Glass ist und die Zeit sorgt dafür, dass sich diese 1% davor fürchten.

    Allgemeinplätze wie: Im Kasino keine Kameras, im Schlafzimmer keine Kameras und keine Kamera auf jemanden halten, während man mit ihm Spricht sind nun wirklich keine Probleme von Google Glass, sondern allgemeine Probleme der Videotechnik.

    Viel sinniger wäre es, wenn man mal über diese ganze Staatliche Überwachung schreiben würde, denn da kann ich dem Polizisten nicht einfach sagen: "Bitte nimm die Brille ab".

    Daher meine Frage: Wollen sie, dass Glass direkt in Deutschland komplett verboten wird, oder warums ehe ich in der Zei ausschließlich einseitig negative Artikel?

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    "Viel sinniger wäre es, wenn man mal über diese ganze Staatliche Überwachung schreiben würde, denn da kann ich dem Polizisten nicht einfach sagen: "Bitte nimm die Brille ab"."

    Wieso nicht? Dem gerade können sie es sagen.

    Bei Privatpersonen wird es schwierig, die können sich auf die Panoramafreiheit berufen und sie können sich nur abwenden. Sollte das Produkt jemals flächendeckend existieren, ist das dann natürlich gleichbedeutend mit Desozialisation.

    denn war es bisher offensichtlich, wenn einem ein Kamerahandy direkt entgegengestreckt oder die nächste Fotokamera auf einen gerichtet wurde, so muss man bei Google Glass leider ständig damit rechnen, dass egal wohin der Träger schaut, er das ganze womöglich aufzeichnet und das ist in der Tat äußerst unentspannt. Ich würde mich auch dagegen wehren eine längere Konversation mit einer Person zu führen, die während der Unterhaltung diese Brille trägt.

    • KHans
    • 30. Mai 2013 13:17 Uhr

    Immer deutlicher wird: Freiheit und Menschlichkeit definieren sich immer stärker über bewußte Zurückhaltung, bzw. einfach lassen (nicht tun), was man könnte.

    Das scheint mit der notwendige "Fortschritt" der Menschheit.

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  3. Bzgl...

    "Jene, die die Brille tragen, werden inzwischen auch schon "Glassholes" genannt, eine Vermengung von Glass und arsehole, englisch für Arschloch."

    ... der folgende Hinweis:

    Die Schreibweise (und Aussprache) im amerikanischen Englisch ist "asshole". "Arsehole" ist die Schreibweise (und Aussprache) im "britischen Englisch".

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    ... keinen rtischen "Native Speaker" dieses Wort sagen hören, wie? ;-)

  4. Ich weiß ja nicht wie es anderen Brillenträgern geht, aber ich setze meine Brille beim Sex grundsätzlich ab. Nicht, weil ich nichts sehen will, sondern weil sie einfach stört und mir das Risiko der Beschädigung und Verletzung zu hoch ist.

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    • AndreD
    • 30. Mai 2013 16:26 Uhr

    die legen sie dann schön aufs Nachttischlein, von der das gehackte Glassmodel dann die Action filmt...

    Wenn Sie sich bewusst machen wollen, was passiert, habe ich eine schöne seriöse Doku für Sie:

    http://boingboing.net/201...

    Just facts, no panic mongering

  5. ...schon längst schicke Sportsonnenbrillen mit eingebauter Kamera. Siehe Amazon. Damit sieht man beim Sex auch noch extrem cool aus. Das neue an Google Glass ist nicht die Videofunktion, es ist die Möglichkeit noch schneller auf Informationen zuzugreifen.

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  6. wenn ausgerechnet die Pornoindustrie Anwendungen entwickelt. Dass damit ganz Anderes möglich ist steht hier: hier:http://www.forschungs-blog.de/was-fur-datenbrillen-spricht-aus-der-sicht-eines-entwicklungsingenieurs/

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  7. Nach Facebook, Google und Co. wundert mich fast nichts mehr. Aber dieses Horrorszenario hat sich selbst Orwell nicht träumen lassen.

    Wie verblödet müssen Bürger/innen eigentlich sein, um diesen Wahnsinn mitzumachen und noch Geld dafür zu bezahlen als wandelnde Überwachungskamera durchs Leben zu laufen?

    Herrgott, lass Hirn vom Himmel regnen!

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    • chris-
    • 30. Mai 2013 15:11 Uhr

    Hirn vom Himmel regnen lässt, hab ich ganz sicher oa GoogleGlass auf. Angeblich tanzt ja sogar die Weisheit vor Gott.

    Da würden sie aber schön blöd schauen, wenn es Hirn vom Himmel regnet und sie haben keine Kamera dabei

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | App | Brille | Innovation | Pornografie | Internet
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