Die Pornoindustrie ist wahrscheinlich eine der schnellsten, wenn es darum geht, technische Neuerungen zu adaptieren. Oder wie es das Magazin Time in schön knappem Englisch formuliert: "Where there's innovation, there's porn." So wird es niemanden wundern, dass erste Pornoproduzenten darüber nachdenken, wie sie Google Glass nutzen können.

ZDNet berichtet, der erste Hersteller arbeite an einer App, um Trägern der Brille über deren Bildschirm Pornos zu zeigen. Auch darüber, was mit Google Glass sonst noch alles möglich ist, macht er sich Gedanken.

Mikandi ist eine Firma, die Porno-Apps programmiert und vertreibt. Im Firmenblog schreibt das Unternehmen, man habe ein Exemplar der Datenbrille bekommen und könne es kaum erwarten, damit zu arbeiten. Selbstverständlich habe man sofort nach Pornos gesucht, noch aber gebe es keine, die Glass zeigen könne. Das wolle man schnell ändern.

Nach eigener Aussage entwickelt das Unternehmen gerade eine App, um "Erwachsenenfilme" auf Glass verfügbar zu machen. Offensichtlich träumt es von einer großen Zukunft: "Wie großartig wird es sein, wenn man sich in den Glass-Videostream seines Lieblingspornostars einklinken kann?", fragt Mikandi. Oder was wäre, wenn Geräte wie Glass mit Sexspielzeugen kommunizieren könnten?

Google hat natürlich die Möglichkeit, entsprechende Apps nicht zu seinem PlayStore zuzulassen. Das aber wird die Hersteller nicht davon abhalten, die Datenbrille zu nutzen. Denn die Hauptfunktion von Glass, das unkomplizierte Aufzeichnen von Videos und Fotos, ist für die Pornobranche sicher interessant. Das Silicon Valley Business Journal ist sogar überzeugt, dass Glass die Pornographie für immer verändern wird.

Mieses Image

Das Image der Brille wird dadurch nicht besser. Schon jetzt gibt es viele Menschen, die sich davor fürchten, unbemerkt gefilmt zu werden. Der Technikjournalist David Pogue schrieb gerade in Scientific American, wie unangenehm es ihm war, einer Trägerin von Glass gegenüber zu stehen. Man wisse einfach nicht mehr, ob man gerade gefilmt werde oder nicht. Das aber verletze ein ungeschriebenes Gesetz des Zusammenlebens.

Amerikanische Kasinos beispielsweise haben Google Glass bereits komplett verboten. Jene, die die Brille tragen, werden inzwischen auch schon "Glassholes" genannt, eine Vermengung von Glass und arsehole, englisch für Arschloch. 

Preeti Upadhyaya, die Autorin des Textes im Business Journal, rät: Wer nicht wolle, dass private Sexvideos von ihm im Internet auftauchten, solle Glass aus dem Schlafzimmer verbannen.

Vielleicht wird es soweit nicht kommen. Pogue zumindest schreibt, der Brille könne das Schicksal des Segway drohen – funktioniert, ist aber total uncool. Träte das ein, würden sie wohl nicht einmal Porno-Stars tragen wollen.